Die Gstaad Classic Rallye, veranstaltet von Isabelle Sadeleer und Patrick Peter, lockt alle zwei Jahre Oldtimerfans aus der ganzen Welt in die Schweiz. In diesem Jahr fand die dritte Ausgabe vom 26. bis zum 28. September statt.
Drehpunkt war wie in den Vorjahren Gstaad im Berner Oberland. Von hier aus fuhr die Route über faszinierende, für den öffentlichen Verkehr befahrbare Bergstrassen. Das Gstaad Classic Rallye war dieses Jahr eine reine Gleichmässigkeits-Veranstaltung.
Den Sieg entschieden Georges-Henri Meylan/Julien Stervinou (CH/F) auf einem Alpine A110 1600 S von 1973 für sich, gefolgt von Franco Lupi/Peter Livanos (CH/GR) auf einem Volkswagen Golf GTI von 1979. Als Dritte, bzw. Vierte gingen Jean-François Nicoules/François Nicoules (F) auf einer Chevrolet Corvette von 1960 und Alexandre Axarlis/Didier Buffat (GB) auf einem Porsche 356 SC von 1962 ins Ziel.
Alain Prost mit Sohn Nicolas auf Alpine A110
Es sind immer ganz besondere Momente im Motorsport, wenn Vater und Sohn zusammen an den Start gehen. Das diesjährige Gstaad Classic bot ein solches Highlight. Der vierfache Formel 1-Weltmeister Alain Prost und sein Sohn Nicolas fuhren gemeinsam in eine Alpine A110.
"Das ist das erste Mal, dass ich eine Alpine A110 fahre. Das ist auch das erste Mal dass ich zusammen mit meinem Sohn Nicolas im gleichen Rennwagen sitze. Und das ist das erste Mal, seit meinem einzigen Rally im Jahr 1982 (Rallye du Var 1982 - Renault 5 Turbo - Ausgefallen nach 3.Sonderprüfungen wegen Unfall), dass ich ein Rally bestreite", so Alain Prost Zwischengas gegenüber.
An der Seite seines berühmten Vaters, war Nicolas Prost überglücklich. "Das war eine ganz tolle Erfahrung, zusammen mit meinem Vater am Gstaad Classic Rallye teilzunehmen. Das war übrigens mein erster Einsatz als Rallye-Beifahrer. Wir fuhren aber nur die erste Etappe, weil wir in Le Castellet am Samstag, für die World Series by Renault erwartet wurden", so Nicolas Prost Zwischengas gegenüber.
Der heute 32-jährige Rennfahrer schloss an der Columbia Universität in New York sowohl ein Wirtschafts-als auch ein Mathematik-Studium mit dem Diplom ab. Gleichzeitig arbeitete er an seiner Motorsport-Karriere. Mit 22 Jahren gab er 2003 sein Renndebüt in der Formel Renault Campus. Es folgten die Formel Renault 2.0, die Formel 3 und Einsätze im GT-Rennsport. 2008 gewann Nicolas Prost die Euroseries 3000, die heutige Auto GP World Series. Danach wechselte er erfolgreich in den Langstrecken-Sport mit dem Schweizer Team Rebellion. Zu seinen Highlights zählen der Sieg beim Petit Le Mans 2012 und der 4. Platz bei den 24 Stunden von Le Mans 2012 im Rebellion-Lola an der Seite von dem ex-Sauber-F1-Fahrer Nick Heidfeld und dem Seeländer Neel Jani. Zwischendurch testete Nicolas Prost, der seit dem letzten Jahr einen Schweizer Pass besitzt, für mehrere Formel 1-Teams und ist seit 2011 offizieller Test- und Entwicklungsfahrer bei Lotus F1.
Alain Prost und sein Sohn Nicolas waren aber nicht die einzigen Prominente am Start. Renate Ojjeh, die Mutter vom Genfer Karim Ojjeh (CEO TAG Finance SA), der acht Mal die 24 Stunden von Le Mans fuhr (2012 Gesamt 8. und Sieger in der LMP2-Kategorie auf einem Zytek Z11SN-Nissan), ging als 22. ins Ziel in Gstaad. Sie war Beifahrerin von Jean Brandenburg auf einem Jaguar E-Type von 1965.
Picassos Sohn auf Porsche Carrera Abarth
Für zusätzliche Prominenz sorgte Claude Picasso. Der Sohn von Pablo Picasso fuhr zum ersten Mal mit seinem sehr seltenen Porsche 356 Carrera GTL Abarth (offizielle Typenzeichnung: Porsche 356 B/1600 GS Carrera GTL) von 1961 an einer Rallye mit.
Der Porsche 356 Carrera GTL Abarth wurde nur 20 Mal gebaut. Er markierte den Höhepunkt der sportlichen 356-Serie. Der GTL (das "L" steht für leicht) wurde bei Abarth in Turin montiert. Er erhielt eine von Franco Scaglione und Zagato gezeichnete, strömungsgünstige Aluminium-Karosserie und wog rund 140 kg weniger als der Serien-356. Typisch für ihn sind dabei neben der sehr flachen Gesamterscheinung die vielen quer liegenden Kühlrippen auf der Heckpartie, die für eine gute Ventilation des Motorraums sorgten.
"Dies ist weltweit der einzige 356 Carrera GTL Abarth, der blau ist", sagte uns stolz Claude Picasso. "Ich habe ihn so lackieren lassen, weil es der einzige 356 Carrera GTL Abarth ist, der in Frankreich neu verkauft wurde. Er verbrachte auch fast sein ganzes Leben in Frankreich. Seine Höchstgeschwindigkeit mit dem 135-PS-Motor lag über 230 km/h und er gewann mehrere Rennen. Sein erster Besitzer war Pierre Monneret. Der Carrera GTL Abarth wurde dann an Doktor Pierre Roueylou verkauft. Dieser kaufte sich dann einen Porsche 904 und verkaufte den Abarth an Guy Hospitalier weiter", erklärt uns Claude Picasso, der u. a. auch den letztgebauten Porsche 356 Beutler besitzt.
Yves Amiat, der vierte Besitzer des Porsche 356 Carrera GTL Abarth, kaufte den Wagen im September 1966 für 12.000 Francs, etwa 14'500 Euros von heute. Er gewann am 23. Oktober 1966 das Rallye du Roussillon. 1967 liess er in Zuffenhausen den 1.6 l-Motor durch einen 2.0 l-Motor (160 statt 135 PS) ersetzen und erzielte mehrere Podest-Plätze bei verschiedenen Bergrennen in Spanien und in Frankreich, sowie den 4. Rang bei dem Rallye du Roussillon am 22. Oktober 1967.
Das Auto stand dann mehr als ein Jahr zum Verkauf auf einem Trottoir vor einem BMW- und Porsche-Vertreter in Perpignan in Südfrankreich. Ab 1973 landete dann der Abarth beim Rudi Klein’s Autofriedhof in Kalifornien wo er bis 2004 blieb.
Laut der französischen Zeitschrift Sport Auto soll heute der 356 Carrera GTL Abarth einen Wert von 1,4 Mio Euros haben!
Automobilraritäten im Saanenland
Das spezielle Ambiente und die ausgezeichneten Beziehungen des Organisators Patrick Peter lockte wieder Besitzer vieler automobiler Preziosen ins Saanenland. Ausser den Alain Prost-Alpine A110 und den Claude Picasso-Porsche 356 GTL Abarth waren beispielsweise ein Alfa Romeo 1750 GS und ein Talbot 105, beide von 1931, ein BMW 328 von 1938, ein Jaguar C Type, ein Alfa Romeo 1900 SSZ, ein Lancia Stratos, sowie mehrere Mercedes 300 SL Roadster, Aston Martin DB4 und Ferrari, darunter ein 275 GTB von 1965, ein 250 GT Lusso von 1964, ein 275 GTB/C von 1965 und ein 365 GTC/4 von 1972, zu entdecken.
Wunderschöne Landschaften und hervorragender Käse
Der Besitzer des letztgenannten Ferrari, der Franzose Lucien-François Bernard erklärte uns, dass er an dem Gstaad Classic Rallye teilnahm, weil die Gegend "tellement magnifique" ("so wunderschön") ist. "Und es ist das Ende der Saison. Die Teilnehmer sind viel lockerer als am Anfang der Saison", so Lucien-François Bernard.
Und à propos wunderschöne Gegend, die Gstaad Classic – 2013 erstmals als Gleichmässigkeits-Rallye ausgelegt – fuhr am ersten Tag ins Herz des Bezirks Greyerz, bekannt für sein Käse und für das Château de Gruyères. Von dort aus ging es nach Vaulruz, Romont, Moudon, Cossonay , nach dem Col du Mollendruz, der bis auf 1.184 Meter über Meer ansteigt, und nach der Käserei „Le Chalottet“ nahe der Seen Brenet und Joux. Während der Mittagspause konnten sich Fahrer und Beifahrer von der vielbesagten Qualität des Schweizer Käse überzeugen…
Auf diesen Gaumenschmauss folgte ein Besuch der Uhren-Manufaktur von Audemars Piguet. Anschliessend nahm die Tour wieder Gstaad ins Ziel. Der Weg fuhr über den Gebirgspass Marchairuz – der einen wunderschönen Ausblick auf den Genfer See bot – sowie entlang der "Route d’Aigle" zwischen Flachland und hoch aufragenden Bergen. Der auch von der Tour de France bekannte Pass "Col de Mosses" bildete mit atemberaubendem Panorama den Abschluss der ersten Tagesetappe.
Der zweite Tag fuhr Fahrer und Oldtimer gleich durch eine ganze Reihe von Naturschauspielen: der Thuner- und der Brienzersee sowie die beeindruckenden Wasserfälle von Giessbach. Anschliessend fuhr man nach Kandersteg (Lötschberg-Tunnel), Brig, über dem Grimselpass und zurück nach Gstaad.
Kühe und Kuhfladen
Auch der dritte und letzte Tag war sehr interessant. Bevor das verdiente Mittagsessen in Saanen bereitstand, mussten Fahrer und Autos die Gebirgspässe "Col de la Croix" und "Col du Pillon" mit Steigungen um die 11 Prozent überwinden. Zwischen Château-d’Oex und L’Etivaz, bekannt für sein ausgezeichnetes Käse, mussten die Teilnehmer, mehrere Alpabzüge den Vorrang geben.
Die Show der wunderbar dekorierten Kühe war toll. Das einzige Problem war, dass die wunderschönen Autos ihre Reifen auf die Kuhfladen verunreinigten… Die wurden aber wieder ganz sauber rechtzeitig für das Slalom auf dem Flugplatz von Saanen, das den Abschluss des Rallyes bildete!
Die einzelnen Ergebnisse der Rallye können auf der Veranstaltungs-Website eingesehen werden.
Gemeldete Fahrzeuge
| Star-Nr. | Fahrzeug | Bj. | Koeff. | Nat. | Ergebnis |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Alfa Romeo 1750 GS | 1931 | 0,80 | BEL | |
| 2 | Talbot 105 | 1931 | 0,80 | GBR | Rang 6 |
| 3 | BMW 328 | 1938 | 0,80 | USA | |
| 4 | Austin Healey 3000 Mk 3 | 1964 | 0,90 | BEL | |
| 5 | Abarth 1000 | 1964 | 0,90 | CHE | Rang 10 |
| 6 | Jaguar XK 120 | 1953 | 0,90 | CHE | |
| 7 | Jaguar XK 120 | 1953 | 0,90 | GRC | |
| 8 | Jaguar XK 120 FHC | 1953 | 0,90 | CHE | |
| 10 | Jaguar XKC | 1954 | 0,90 | CHE | |
| 11 | Jaguar Type E 3,8 Roadster | 1964 | 0,90 | DNK | |
| 12 | Alfa Romeo 1900 SS Zagato | 1955 | 0,90 | CHE | |
| 14 | Shelby Cobra 289 | 1964 | 0,90 | FRA | |
| 15 | Mercedes-Benz 300 SL | 1957 | 0,90 | FRA | |
| 16 | Mercedes-Benz 300 SL Roadster | 1957 | 0,90 | FRA | |
| 18 | Mercedes-Benz 300 SL Roadster | 1962 | 0,90 | DEU | |
| 20 | Porsche 356 B Coupe 2000 GT | 1962 | 0,90 | GBR | |
| 21 | Porsche 356 B Carrera Abarth GTL | 1960 | 0,90 | FRA | |
| 22 | AC Bristol | 1956 | 0,90 | BEL | |
| 23 | Lotus Elite | 1960 | 0,90 | FRA | |
| 25 | Jaguar XK 120 | 1949 | 0,90 | FRA | |
| 26 | Jaguar XK 120 Roadster | 1950 | 0,90 | USA | |
| 27 | Austin Healey 100/4 | 1954 | 0,90 | FRA | Rang 7 |
| 28 | Aston Martin DB 4 | 1960 | 0,90 | FRA | |
| 30 | Aston Martin DB 4 | 1962 | 0,90 | FRA | Rang 5 |
| 31 | Aston Martin DB 4 Cabriolet | 1965 | 0,90 | ||
| 32 | Mercedes-Benz 300 SL | 1959 | 0,90 | BEL | |
| 33 | Ferrari 365 GTB/4 | 1970 | 0,95 | GBR | |
| 34 | Ferrari 250 F | 1961 | 0,90 | BEL | |
| 35 | Ferrari 275 GTB 2 | 1965 | 0,90 | USA | |
| 36 | Ferrari 250 GT Lusso | 1964 | 0,90 | USA | |
| 37 | Ferrari 275 GTB/C | 1965 | 0,90 | CHE | |
| 38 | Chevrolet Corvette | 1960 | 0,90 | FRA | Rang 3 |
| 40 | Alpine A110 1600 S | 1970 | 0,95 | FRA | Rang 1 |
| 41 | Jaguar Type E | 1965 | 0,90 | DEU | |
| 42 | Jaguar Type E | 1967 | 0,95 | CHE | Rang 9 |
| 43 | Jensen 541 R | 1960 | 0,90 | CHE | |
| 44 | Porsche 356 C | 1962 | 0,90 | GBR | Rang 4 |
| 45 | Chevrolet Corvette | 1964 | 0,90 | CHE | |
| 46 | Shelby Cobra 289 | 1964 | 0,90 | BEL | |
| 47 | Ferrari 365 GTB Daytona | 1974 | 0,95 | CHE | |
| 48 | Porsche 911 2.2 S Targa | 1970 | 0,95 | FRA | |
| 50 | Alpine A110 1600 S Gr. IV | 1970 | 0,95 | Rang 8 | |
| 51 | Porsche 911 2.2 S Targa | 1972 | 0,95 | CHE | |
| 52 | Ferrari Dino 246 GT | 1971 | 0,95 | CHE | |
| 53 | Ferrari Dino 246 GT | 1972 | 0,95 | FRA | |
| 54 | Ferrari 365 GTB/4 | 1971 | 0,95 | FRA | |
| 55 | Ferrari Dino 246 GT | 1971 | 0,95 | FRA | |
| 56 | Ferrari 365 GTC/4 | 1972 | 0,95 | FRA | |
| 57 | Lancia Stratos | 1976 | 0,95 | ITA | |
| 60 | Porsche 911 Carrera RS 3.0L | 1974 | 0,95 | FRA | |
| 61 | Porsche 911 RSR3.0L | 1974 | 0,95 | ITA | |
| 62 | Ferrari Dino Spyder | 1974 | 0,95 | CHE | |
| 63 | Ferrari 308 GTB | 1985 | 1,00 | CHE | |
| 64 | Ferrari 308 GTS | 1984 | 1,00 | ||
| 65 | Ferrari 308 GTSI | 1981 | 1,00 | CHE | |
| 66 | Austin Healey 3000 Mk 1 | 1959 | 0,90 | CHE | |
| 67 | Porsche 911 2.0L | 1965 | 0,90 | GRC | |
| 68 | Volkswagen Golf GTI | 1979 | 1,00 | GRC | Rang 2 |





































































































































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