Über 200'000 Besucherinnen und Besucher strömten vom 28. November bis am 7. Dezember 2025 in die Hallen der Essen Motor Show. Dort hatten sich etwa 500 Aussteller eingefunden – der spezialisierte Autohandel war ebenso vertreten wie Clubs und Begleithandel. Es gab wieder eine Driftarena und auch die „Tuning Experience“ fehlte nicht. Mit der nunmehr 57. Ausgabe der traditionellen Messe ging aber auch eine Ära zu Ende. Denn der von der SIHA veranstaltete „Classic und Prestige Salon“ fand zum 43. und definitiv letzten Mal statt. Dieses in den Hallen 1und 2 angesiedelte Veranstaltungssegment mit rund 17'000 Quadratmetern hatte sich stets als eine „Messe in der Messe“ für den oldtimeraffinen Besucher verstanden. Auch bei unserem Gang durch die Messehallen soll der Schwerpunkt bei klassischen Automobilen liegen.
Rund um den SIHA-Pavillon in Halle 1 waren Exponate zur allgemein gefassten Thematik „GT Sports Cars“ ausgestellt, hier hätte man sich jedoch ein akzentuierteres Konzept gewünscht. Der Audi R8 LMS GT3 Evo II sowie ein Abt XGT waren die neuzeitlichen Protagonisten des Themas, wohingegen ein Fiat Abarth 700 Bialbero GT und ein Ferrari 330 GT 2+2 die 1960er Jahre repräsentierten. Auch Fahrzeuge von Aston Martin, Bristol sowie ein Porsche aus neuester Produktion wurden gezeigt. Am beeindruckendsten war aus Sicht des Berichterstatters jedoch der formschöne Fiat 8V.
Diesmal erfuhr der SIHA-Pavillon jedoch noch eine optische Ergänzung. Ein von einem Mercedes-Benz 300 SL und einem klassischen Porsche 911 flankiertes Tor wies auf die von der SIHA erstmals im nächsten September als „Techno Classica Salon“ veranstaltete Oldtimermesse in Dortmund hin, wohingegen auf dem Essener Messegelände bereits im April 2026 die „Retro Classics“ Einzug halten wird. Man darf gespannt sein, welche Konzepte beide Messen verfolgen werden und wie deren Akzeptanz sein wird.
Funkelnde Sterne
In den letzten Jahren hat sich der fast 600 Quadratmeter große Stand der „Mercedes Fan World“ in Halle 3 zunehmend zu einem Anziehungspunkt entwickelt und hielt auch dieses Mal Spezialitäten für die Besucher bereit. Stellvertretend seien drei Autos herausgegriffen: Prominent platziert – doch zu eng eingezäunt – war der faszinierende Maybach Exelero, der nunmehr im Nationalen Automuseum (Loh Collection) beheimatet ist. Das Auto war einst vom Reifenhersteller Fulda initiiert und vor Jahren schon an dessen Stand in Essen gezeigt worden.
Imposant war auch der Maybach 57 S der Schweizer Firma Sternthal, angetrieben von einem V12-Biturbo-Motor.
Bemerkenswert war schließlich auch das Projekt 107 der Firma Pogea, ein auf der Basis eines Mercedes-Benz 450 SL von 1979 entstandener exklusiver Restomod mit moderner AMG-Technik.
Beim Rundgang durch die Messe schienen uns extrem wilde Folierungen der Autos eher auf dem Rückzug zu sein, die Farbe hellbau war diesmal hingegen überproportional vertreten.
Sicher sind japanische Autos nun endgültig in der Klassikerszene angekommen.
Seltene Gefährte
Voll im Trend sind die auch heute noch polarisierenden Tuner der 1980er und 1990er Jahre. Hierfür stehen Firmen wie SGS (Styling Garage) oder der für seine extremen Mercedes-Umbauten bekannte Erich Schulz, der sich dieses Jahr mit einem eigenen Stand auf der Essen Motor Show zurückgemeldet hat. Dort war neben einem sechstürigen Mercedes-Benz G-Modell für die Falkenjagd sicher der 190 E „Citycar“ bemerkenswert. Dieser verkürzte „Babybenz“ (W201) mit dem Heck des S 124 hätte seinerzeit vielleicht auch gut in das Portfolio von Mercedes-Benz gepasst. Jedenfalls sollte das Auto im Kontext mit dem in Serie gebauten Opel Kadett C „City“ gesehen werden.
Der durch seine markanten Käfige auffällige Stand von JB Car Design zeigte unter anderem auch wieder Porsche 911, die auf Bestellung ein „Backdate“ erfahren können.
Dort konnte man auch einen neuwertigen Wiesmann GT in blaumetallic finden, der für 159'500 € offeriert wurde.
Einige Autos hatte man in Essen jedoch schon öfter gesehen, etwa den Allard K1, den gelben Artega GT oder den Citroën C3 5 HP von 1923.
Dieser war nicht einmal das älteste Auto mit Verbrennungsmotor auf der Messe, dies dürfte ein Renault F10 von 1921 gewesen sein.
Lediglich der Detroit Electric, gezeigt von Metropole, war noch älter. Insgesamt waren allerdings nur wenige Vorkriegsautos zu finden.
Zu verkaufen
Wer auf der Essen Motor Show bis zu 20'000 € ausgeben wollte, hätte wählen können zwischen einem Citroën Ami Super für 10'000 €, einem seltenen Fiat Panda 4x4 oder einem Adler Trumpf (um die 17'500 €).
Um die 50'000 €-Marke lagen ein BMW Z1 für 48'900 €, der mit einem getunten Käfer mit 2,4 Liter-Motor für 49'900 € konkurrierte.
Eine Preisklasse höher hätte es für 63'800 € einen Dodge Viper, für rund einen Tausender mehr einen Mercedes-Benz E 500 oder den schon zwei Wochen zuvor in Brüssel gezeigten Renault Sport Spider gegeben, der für 69'000 € zu haben war.
Ein gemischtes Bild zeigte auch die Preisregion um die 100'000 €: Hier bestand etwa die Auswahl zwischen einem Mercedes-Benz 170 V Cabriolet für 108'000 €, einem Mercedes-Benz 300 CE 3,4 AMG Cabriolet für 99'900 €, einem Alfa Romeo Montreal für 98'900 € oder einem Ferrari 365 GT4 2+2, der für 120'000 € angeboten wurde.
In noch höheren preislichen Sphären rangierten zum Beispiel ein Subaru Impreza 228 STI für 299'000 €, ein neuer Brabus 1000 All Grey für abgerundet 569'000 € oder der bereits oben erwähnte Abt XGT, für den 610'000 € verlangt wurden.
PS-Tüftler
Überspringen wir die „Drift“-Halle 4 und schauen uns noch kurz in den sonstigen Hallen um, beginnend mit der „Tuning Experience“ in Halle 5.
Neben dem grünen Chevrolet Corvette C8 vom diesjährigen Ausstellungsplakat gab es erwartbar wieder zahlreiche, auch klassische, Autos mit Luftfahrwerken. Manchmal waren auch in eine bekannte Hülle markenfremde Aggregate implantiert worden. So gab es etwa einen Volkswagen Käfer mit Teslatechnik oder es hatte ein getunter Volkswagenmotor in die Hülle eines Renault Dauphine Gordini Einzug gehalten.
Apropos Renault: Extrem war sicher der Umbau eines Renault Monaquatre von 1931 mit einem amerikanischen 400 PS-Motor.
Dem stand ein modifizierter DKW Schnellaster (damalige Schreibweise) mit Luftfahrwerk und zweitaktigem Motor von Wartburg kaum nach.
Beachtlich fanden wir den Mercedes-Benz W 108 von Martin Szombierski. Während man auf Messen gelegentlich Nachbauten der berühmten „roten Sau“ von AMG findet, war hier einmal als Hommage eine “blaue Sau“ zu sehen. Das präzise aufgebaute Auto war nämlich in der Mercedes-Farbe „chinablau“ lackiert.
Einen vornehmen Auftritt konnte man einem mit edlen Materialien ausgestatteten und ansprechend lackierten Citroën CX nicht absprechen. Er besaß sogar „Selbstmördertüren“.
Sein Gegenstück fand sich an anderer Stelle der EMS. Wem der Name des „Schmuddel“-Kommissars Horst Schimanksi aus der Fernsehserie „Tatort“ – verkörpert durch Götz George – noch etwas sagt, konnte dessen etwas zuwendungsbedürftigen „Dienstwagen“ entdecken. Um das Wohl des Fahrzeugs kümmert sich derzeit ein Club aus Duisburg.
Die Firmen des Tuners Jean Pierre Kraemer (JP Performance etc.) schienen auf der Messe allgegenwärtig. Auf dem Hauptstand wurden getunte Nissans, ein hellblauer Chevrolet Camaro SS sowie das begonnene Projekt eines Jaguar E-Type gezeigt, natürlich als Breitbauversion.
Von Kraemers früherem Mitstreiter Sidney Hoffmann waren zwei Umbauten von Porsche 911-Modellen zu sehen, darunter erneut der sonst in der Loh Collection dauerhaft ausgestellte Porsche 911 RWB „Furusato“.
Résumé
Zeit für ein Résumé. Die Essen Motor Show ist eine erfolgreiche, feste Größe in der Messelandschaft. Sie ist zwar eher auf ein jüngeres Publikum zugeschnitten, war aber auch dieses Jahr wieder für die Freunde historischer Autos interessant. Die Veranstaltung hat sich im Laufe der Jahre jedoch stark verändert. Einerseits findet der Besucher frühere Exzesse wie „Stangengirls“ oder Bodypainting dort schon seit längerem nicht mehr. Andererseits ist die EMS aber in großen Teilen zu einer Tuningmesse mutiert. Der bislang integrierte „Classic und Prestige Salon“ stellte als kleine Klassikermesse zum Jahresende dazu einen reizvollen Kontrast dar. Im nächsten Jahr wird sich dann zeigen, ob auch die Oldtimerenthusiasten auf der EMS noch auf ihre Kosten kommen.















































































































































































































































































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