In «CulturAlfa» haben sich zwei «Alfaholics» gefunden, welche die Leidenschaft für die Autos aus der «Casa del Biscione» verbindet: Der Tessiner Axel Marx, der eine der umfangreichsten und wohl schönsten Alfa-Romeo-Sammlungen der Welt besitzt, und Elisabetta Cozzi, Eigentümerin des gleichnamigen Alfa-Romeo-Museums in Legnano bei Mailand.
Diesen April stand bei «CulturAlfa» ein spezielles Thema auf dem Programm: «Biscione d'Africa – la storia segreta di Alfa Romeo in Sudafrica». Vielen ist gar nicht bekannt, dass die Mailänder Manufaktur ab 1958 eine Produktion in Südafrika aufbaute und dort auch im Rennsport äusserst erfolgreich war. Weit über 300 Alfa-Romeo-Enthusiasten fanden sich an einem Sonntagnachmittag im April in Mezzovico (TI) ein, um etwas über die Geschichte von Alfa Romeo Südafrika zu erfahren.
Alfas aus Südafrika
Ab 1958 wurden in Booysens (nahe Johannesburg) Alfa-Romeo-Modelle montiert. Giuliettas wurden in Teilen und in Holzkisten verpackt (CKD) per Schiff von Genua über den Suezkanal nach Südafrika geschifft und dort von lokalen Mitarbeitern montiert. Alfa Romeo konnte sich so hohe Zölle einsparen. Nach einer ersten Charge mit 262 montierten Berlinas wurde der Standort Booysens zu klein und man zog nach East-London um. Auf die Giulietta folgte die Giulia, auch die 2000er-Modelle mit Berlina und Spider (Serie 102) wurden in Südafrika angeboten. 1962, nun unter der Bezeichnung ARSA (Alfa Romeo South Africa), verliessen bereits über 1'200 Autos die Hallen. Im darauffolgenden Jahr wurde der Verkauf auf über 2'000 Alfa-Romeos gesteigert. Die 1750er- und 2000er-Baureihen (Berlina und GT) lösten die Vorgängermodelle ab.
Gegenüber Europa gab es für den Autorennsport in Südafrika bereits zu Beginn der 60er-Jahre eine Besonderheit: Der damalige Haustuner Virgillo Conrero aus Turin baute einen Vierzylinder-Motor mit 1470ccm, der bis 10'500 U/min drehen konnte – dies speziell für den südafrikanischen Markt. Dieser Motor wurde sowohl in Tourenwagen wie auch in Monoposti eingebaut. Lokal-Matador Peter de Klerk holte im Formel-1-Rennen von Kyalami (Nähe Johannesburg) 1963 mit seinem «Alfa Romeo-Special» hinter den beiden Ferrari-Piloten John Surtees und Lorenzo Bandini den dritten Platz.
Auch in Tourenwagen-Rennen wurde dieser Motor eingesetzt (Giulia TI, Giulia GT). Die Conrero-Motoren zeichneten sich eher als hochdrehend denn durch grosse Langlebigkeit aus. Bekannte(re) Piloten aus der Zeit waren Peter de Klerk, Basil van Royen, Sam Tingle, Ottele Nucci oder Jackie Pretorius.
Die Produktion nimmt Fahrt auf
Die Produktionszahlen der Strassenmodelle stiegen weiter nach oben. Nach einem abermaligen Umzug in die Nähe von Johannesburg wurden schliesslich Nägel mit Köpfen gemacht: 1971 entstand in Brits, in der Nähe von Pretoria unter der Leitung von Dr. Vittorio Bianco ein neues Werk. Unverändert verlangte der Markt nach Alfa-Romeo-Modellen – auch die berühmten «Bertone-Coupés» wurden nun in Brits montiert. Die Modelle Alfetta, Alfasud und Giulietta liefen in Brits von Laufband, ebenso die Sprints und die 2000er GTV und dann die GTV6. Gebaut wurden die Autos mit Unterstützung der lokalen Bevölkerung – ein kleines Wunderwerk: Die zumeist angelernten Einheimischen fertigten die Alfa Romeos auf einem ähnlichen Qualitätslevel wie in Europa üblich… Die Spider und das Model Alfa6 wurden als «Komplett-Auto» über den Meeresweg von Italien nach Südafrika verfrachtet. 1985 führte das wirtschaftliche Umfeld und die Auswirkungen der Apartheidpolitik zur Aufgabe des südafrikanischen Produktionsstandortes.
Eine spezielle Bedeutung im lokalen Rennsport hatte der GTV6: Er ist eine Mischung aus Motorsport-Homologation, südafrikanischer Ingenieurslösung und einer sehr speziellen Alfa-Romeo-Ära der 1980er. Der GTV6 3.0 war eine Südafrika-Spezialentwicklung. Der in Europa bekannte «Busso»-Motor wurde für Südafrika von Autodelta entwickelt und auf 2'934ccm aufgebohrt, die Kurbelwelle und die Lager verstärkt, Kolben und Kompression geändert und speziell das Drehmoment (und nicht die Drehzahl) optimiert. Die Strassenversion hatte rund 200 PS, die Rennversion wohl über 260 PS. So gerüstet traten die GTV6 3.0 gegen die erfolgreichen und sieggewohnten BMW 528i und 535i und die Ford Sierras (mit V8!) oder die schnellen Nissan Skyline an. An diesem Projekt waren Carlo Chiti (Autodelta) und in Südafrika Dr. Vittorio Bianco, Direktor von Alfa S.A., Roger McCleary und Sampie Bosman (Leiter Rennabteilung von Alfa S.A.) beteiligt. Zu den schnellsten Piloten zählten Nico Bianco, Sarel van der Merve, Dick Pickering oder John Moni, Abdel d'Olviviera, Mick Formato. Und zur Abwechslung drehte auch mal Derek Bell am Lenkrad eines südafrikanischen GTV6.
Der GTV6 3.0 gewann 1983 das 2-Stunden-Rennen in Kyalami, dann folgte ein erster und zweiter Platz beim 3-Stunden-Rennens in Kapstadt. Beim 1'000 km Rennen in Kyalami siegte ein GTV6 3.0 in der Indexwertung. Nico Bianco gewann 1984 die Gruppe-1-Meisterschaft mit einem GTV6 3.0.
Produktionszahlen in Südafrika
| Alfa Romeo Giulia (1964–1976) | 25'000 |
| Alfa Romeo Alfetta (1974–1982) | 20'000 |
| Alfa Romeo Alfasud (1975–1985) | 15'000 |
| Alfa Romeo Giulietta (1978–1985) | 8'000 |
| Alfa Romeo GTV6 (1981–1985) | 3'000 |
| Alfa Romeo GTV6 3.0 | 200–300 |
Produktionszahlen im Vergleich
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Alfa Romeo Südafrika | Alfa Romeo Italien |
|---|---|---|
| 1978 | 4'310 | 219'499 |
| 1979 | 6'645 | 207'512 |
| 1980 | 6'880 | 219'571 |
| 1981 | 7'700 | 189'500 |
| 1982 | 8'000 | 176'000 |
| 1983 | 6'500 | 200'284 |
| 1984 | 2'300 | 197'800 |
| 1985 | 1'000 | 157'600 |
















































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