Seit den Anfängen des Automobils fanden in der Schweiz Bergrennen statt. Der weltweit bekannteste Anlass war das Klausenrennen. Aber auch in der Innerschweiz gab es mit dem Eigenthal- oder auch dem Michaelskreuzrennen damals bekannte Anlässe. Dazu gesellten sich noch ein paar andere, wie zum Beispiel die Bergprüfung von Grafenort nach Engelberg, welche in den Jahren 1923, 1925, 1926 und später nochmals im Jahr 1962 sowie schliesslich letztmals im Jahr 1965 stattgefunden hat. Dass dieser Anlass 1965 zum letzten Mal möglich war, dürfte wohl mit der Zunahme des Verkehrs auf der immer stärker befahrenen Bergstrecke, welche der einzige Zubringer nach Engelberg ist, geschuldet sein.
Wie die damalige Streckenführung zeigt, starteten die Teilnehmer ein paar hundert Meter vor dem Herrenhaus in Grafenort und fuhren von dort die vor dem Krieg noch unbefestigte neun Kilometer lange Strasse in rund 5’33” min bis zum Zielort "Boden", kurz vor Engelberg, hoch.
Bugatti-Tradition
Die Geschichte des Rennens ist auch mit dem Namen Bugatti verknüpft. So wurden die schnellsten Zeiten der Jahre 1925 und 1926 von Rennfahrern auf den Typen 35 und 37 gefahren. H. Kracht, der siegreiche Pilot der beiden Jahre, sowie Dr. J. Karrer (T37) und J. Merz (T35) waren auch Mitglieder des in den frühen Dreissigerjahren gegründeten Bugatti Club Suisse.
Der Zufall wollte es, dass das vierte Internationale Bugatti Meeting 2023 genau hundert Jahre nach der ersten Bergprüfung Grafenort-Engelberg stattfand. Natürlich war das Bugatti-Treffen kein rennmässiger Anlass, aber es nahmen immerhin rund 70 Bugattis, darunter zahlreiche mit Renngeschichte, teil.
Der Bugatti Club Suisse freute sich, der Innerschweizer Bevölkerung in der vergangenen Woche die historischen Fahrzeuge im Rahmen des einwöchigen Treffens in Engelberg zu präsentieren.
Club im dritten Anlauf
Der Bugatti Club Suisse wurde am 24. Februar 1935 unter dem Präsidium von Dr. med. H.J. Kalberer gegründet. Zeitgleich mit der Gründung übernahm Ettore Bugatti das Ehrenpräsidium, sein Sohn Jean wurde 1936 als Ehrenmitglied aufgenommen. Zielsetzung des Clubs war der Austausch von technischen Erfahrungen, der gemeinsame Besuch von Automobil-sportlichen und touristischen Veranstaltungen sowie die Durchführung geselliger Zusammenkünfte.
Nach einer relativ kurzen Blütezeit, die auch durch zahlreiche rennsportliche Veranstaltungen mit Bugatti-Teilnehmern geprägt war, wurden die Clubaktivitäten während den Kriegsjahren gezwungenermassen stark eingeschränkt.
Nach einem kleinen Aufschwung in den Fünfzigerjahren erlosch das Clubleben Anfang der Sechzigerjahre wieder langsam aber sicher.
In Anlehnung an den englischen Mutterclub gründete Maurice Labhardt 1972 zusammen mit anderen Schweizer Enthusiasten der Marken Bugatti und Ferrari den Bugatti Ferrari Owners Club Switzerland. Nach einer sehr aktiven Zeit wurde dieser Club in den Achtzigerjahren wieder aufgelöst. Wie auch bei den ausländischen Clubs gingen die Ferrari- und Bugatti-Eigentümer wieder ihre eigenen Wege. Die Schweizer Bugatti-Besitzer waren mehrheitlich Mitglieder des englischen Mutterclubs, des Bugatti Owners Club in Prescott und konnten so an den internationalen Bugatti Meetings teilnehmen.
Im Jahre 1992 ergriff Hans Weber die Initiative zur Neugründung eines Bugatti Clubs in der Schweiz, diesmal unter dem ursprünglichen Namen "Bugatti Club Suisse". Nach anfänglich zögerlichem Wachstum gelang es dem ersten Präsidenten Karl Mösch und seinen Nachfolgern (Nano Wirz, Martin Pfrunder, Roland Jordi und Thomas Raess), den Club erfolgreich zu erweitern. Derzeit zählt der BCS rund 80 Mitglieder. Über 100 historische Bugatti-Fahrzeuge befinden sich in der Schweiz!
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Internationales Meeting
Seit der Durchführung des Internationalen Bugatti Meetings von 2001 in Interlaken gehört es zur Tradition des BCS, im Rhythmus von sieben bis acht Jahren ein internationales Meeting für die Bugatti-Freunde aus aller Welt im eigenen Land zu organisieren. So fanden bereits Treffen in St. Moritz (2008) und in Montreux (2016) statt.
Dieses Jahr bot das 4500-Seelen-Dorf Engelberg am Fusse des Titlis vom 24. bis 28. Juni 2023 die Ausgangsbasis für das internationale Treffen. Man darf dazu sagen, dass das Organisationskomitee rund um Max Labhardt im Klosterdorf offene Türen vorfand und man das rollende Kulturgut in aller Form willkommen hiess. Den Einwohnern wurde mit einem Corso inklusive anschliessender Aufreihung der Fahrzeuge ein Einblick in die vergangene Technik geboten. Schliesslich trug die seit Beginn des 20. Jahrhunderts zunehmende Mobilität einen grossen Anteil zur Entwicklung des Bergdorfes bei.
Der Anlass sollte beim Publikum auch einen Beitrag für das Verständnis zur Erhaltung historischer Fahrzeuge leisten, was von den vielen äusserst positiven Reaktionen sowohl der Einheimischen als auch der Touristen unterstützt wurde.
Viel Auslauf
Natürlich sass man nicht nur in Engelberg auf der faulen Haut, sondern gewährte dem Kulturgut auch den passenden Auslauf. Pässe wie Furka, Grimsel, Brünig und Glaubenberg wurden von den Vier- und Achtzylinder-Wagen mit und ohne Kompressoren unter die einzigartigen Räder genommen.
Nur ganz wenige Ausfälle mussten verzeichnet werden, trotz teilweise regem Verkehr und einigen Wartezeiten bei hohen Temperaturen, z.B. an den diversen Baustellen, welche die alte Technik ja so nicht kennt, sie aber dann doch ab und zu schwer zum Schwitzen brachte.
Fazit: Ein gelungener Anlass und eine Freude auch für die Beobachter, gehören die Bugatti doch nicht nur zu den schnellsten sondern auch zu den elegantesten Autos ihrer Zeit. Wer noch einen humorvollen zweiten Blick auf das Treffen werfen möchte, dem sei die eigens angelegte Bildergeschichte empfohlen.































































































































































































































































































































































































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