Der Herbst ist da, die Klassik Saison 2025 neigt sich dem Ende zu. Wenn sie lieber laue Sommernächte als kurze, neblige Wintertage mögen, dann sagen Sie einfach 33, denn das ist die Anzahl der Ausgaben des bekanntesten Treffens englischer Fahrzeuge in der Schweiz, das traditionell zum Ausklang der Saison stattfindet. Zum dritten Mal zu Gast in St-Prex, nachdem ihm Morges nach vielen Jahren einen Korb gegeben hat, hat sich das British Classic Car Meeting am neuen Standort wirklich prächtig entwickelt. Und wir sind sehr zuversichtlich, dass diese Geschichte noch lange so weitergehen wird!
Unser Anmeldeschein wird um 8 Uhr vom freundlichen Empfangsteam gescannt. Die Teilnahme am Swiss Classic British Car Meeting St. Prex ist kostenlos, aber es galt, sich im Voraus zu registrieren. Wir erhalten eine kleine Broschüre mit einem sehr informativen Lageplan, in dem die Standorte der lokalen Unternehmen, der Sponsoren – die auch 2025 dafür sorgten, dass der Besuch kostenlos blieb – , die Food-Trucks, die Restaurants, die verschiedenen Parkplätze für Teilnehmer, die Fahrradparkplätze für Besucher mit Fahrrädern (ja, auch die gibt es an einem Car-Meeting) und natürlich der grosse Parkplatz für jene mit «ausländischen» oder zu neuen Autos eingezeichnet sind. Dass alle den richtigen Ort finden, dafür sorgt eine Truppe von Freiwilligen, die den Empfang und die Wegleitung organisieren.
Bei der Enge der Gassen in St. Prex ist dies unabdingbar, sonst droht ein Chaos. Dieses bleib aber aus, wie jedes Jahr. Vielleicht hat dies damit zu tun, dass der Chef-Organisator im «Zivilleben» sich mit Verkehrsplanung befasst…
Der Strom der Ankommenden besteht aus einer äusserst vielfältigen Flotte von Autos, darunter ist beispielsweise ein im nordirischen Dunmurry, einem Vorort von Belfast gebauter DeLorean mit offenen Flügeltüren, da die Kolonne nur sehr langsam vorankommt und offenbar etwas Frischluft nötig ist. Wenig später stehen gleich fünf dieser in Chromstahl gekleideten Wagen direkt hinter dem Stadttor mit der Uhr, das den Zugang zu den Gassen des mittelalterlichen Städtchens St. Prex bildet.
Im Innenhof des Gymnasiums stehen, makellos aufgereiht, mehrere Rolls-Royce, darunter einer mit einer Karosserie von Chapron, und Bentley – mit dem Heck zum See. Auch andere, etwas profanere Fahrzeuge dürfen hier parkieren, darunter mehrere Vauxhall – die Schweiz war nicht nur einer der wichtigsten Märkte der Marke auf dem europäischen Kontinent, Vauxhall wurden hier auch montiert – MG, Austin-Healey, einer von vielen Jaguar E-Type und das Lieblingsauto der Queen-Mother wie von mehreren britischen Prime-Ministern, ein Rover P5.
Bereits eine kleine Tradition pflegt die kleine Gruppe von Deutschschweizern, welche vor ihrem Rolls-Royce Corniche, einem Jaguar E-Type S2, einem Jaguar XJC und einem Rolls-Royce Silver Shadow einen langen Tisch aufgestellt hat, um bei einem Aperitif-Frühstück mit einem Glas Champagner in der Hand auf ihre Freundschaft anzustossen. Natürlich durften dazu auch die Basler Leckerli nicht fehlen, den Corniche eines bekannten Basler Autosammlers ziert ein ein-eindeutiges Nummernschild: «BL 123».
Es ist erst 9:35 Uhr, aber die Stimmung ist schon ausgelassen. Die Truppe feiert mit massvollem Genuss ihr jährliches Wiedersehen am Ufer des Genfer Sees, genauso wie die ganze Community der Britisch Classic Car Enthusiastinnen und Enthusiasten.
Die Minis gaben ihr Bestes
Der Mini war 2025 Ehrengast, 200 Autos wurden in St-Prex gezählt, was mich inspiriert hat, etwas in die Vergangenheit zurück zu blenden, während ich die Reihen der unterschiedlichsten Modelle abschreite, die den Weg an das Meeting gefunden haben. Die berühmten Flitzer von Alec Issigonis von 1959 wurden ja 40 Jahre lang in einer fast unüberschaubaren Anzahl an Versionen produziert und beispielsweise auch in Spanien (von Authi) und Italien (von Innocenti) in Lizenz gebaut.
Fast jeder, der vor 1990 geboren wurde, kennt ihn noch aus eigener Erfahrung oder Erinnerung. Bald bewies das geniale kleine Auto mit seinen an den vier äussersten Ecken angebrachten Rädern, dass es auch auf Rallye-Podien wie der Monte Carlo 1964 und 1965 fahren konnte. Downton Conversions von Daniel und Bunty Richmond, der einzige Tuning-Shop mit offizieller Autorisierung von BMC, hatte den kleinen Frontmotor getunt, den Hubraum erhöht und die Leistung von 34 auf 55 und dann bis auf 77 PS in der Serienversion, im Motorsport noch weit mehr vervielfacht, einen zweiten Tank eingebaut und eine Vielzahl von Details verbessert, damit das Auto auch bei Schnee, Eis und auf tückischen und kurvigen Straßen sehr effizient war. John Cooper, dessen Name an den Autos prangt, gab die Initialzündung, doch die eigentliche Arbeit leistete Downton. Der 1275er Zylinderkopf beispielsweise, der bis 2000 auch im letzten, klassischen Mini eingebaut war, war ursprünglich eine Downton-Entwicklung. Diese glorreichen Seiten sind für immer in die Annalen des Motorsports eingegangen. Paddy Hopkirk und Timo Makinen haben die ersten Kapitel geschrieben!
1966 kam es zum „Skandal von Monte-Fiasco”, als die Beleuchtung für nicht konform erklärt wurde, was den Minis einen historischen Dreifachsieg verwehrte.
1967 kam die Revanche, und die Besatzung Rauno Aaltonen und Henry Liddon errang den hart umkämpften ersten Platz.
Die Geschichte dieses Modells enthält noch viele weitere Anekdoten und Erfolge, die die Erfolgsbilanz des Mini im Rennsport bereichern. Aber ich bin ja noch immer in St. Prex und bald rückt mein Fokus wieder weg vom Mini und hin zu manch anderen Engländern.
Wenn Kindheitserinnerungen wieder hochkommen...
Entlang des Quai du Suchet, unter den Bäumen, steht eine Reihe wunderschöner, parkierter Jaguar. Sie sind ein beliebtes Fotosujet. Ich verliebe mich in ein primelngelbes (Primrose-Yellow) E-Type Coupé von 1963, das mich an das Auto eines Kunden meines Vaters erinnert, der mich einmal darin mitgenommen hat. Ich war damals 8 Jahre alt, aber dieser Moment hat mich mein Leben lang geprägt!
Der umtriebige MG Grandmothers Club hat ebenso sein Zelt im Städchen aufgeschlagen und empfängt Mitglieder und Freunde zu einem Willkommens-Kaffee, es weht ein frischer Wind und es ist bedeckt, der Kaffee ist in der Tat hochwillkommen. Was einem in St. Prex immer wieder überrascht, ist seine – nicht sehr britisch übrigend – klassenlose Attitüde! Aston-Martin und Morgan stehen da ohne Berührungsängste Seite-an-Seite, viele bewundern einen Aston DB4 und sprechen – natürlich! – über James Bond, der 1964 im Film Goldfinger das Nachfolgemodell DB5 mit einer Vielzahl von Gadgets fuhr, die berühmtesten Szenen wurden bekanntlich auf dem Furkapass, in Andermatt und am Fusse des Bürgenstock in der Schweiz gedreht.
Der offizielle Stand des Treffens ist umringt von Teilnehmern, die gekommen sind, um sich die Erinnerungsplakette der Ausgabe 2025 des Swiss Classic British Car Meeting abzuholen. Es gibt sie gegen Vorlage des Gutscheins auf der Rückseite des bei der Ankunft erhaltenen Heftes, was wir als sehr grosszügig empfinden, wie gesagt, das Treffen ist kostenlos. Wem die vielen Eindrücke noch nicht reichen, für den gibt es noch andere Souvenirs und Sammlerstücke. Eine gute Viertelstunde lang scheint dann auch noch die Sonne, nur um uns zu verführen und einen Wink zu geben, wie schön St. Prex wäre im Sonnenschein. Doch dann zieht sie sich endgültig zurück.
Gut tausend Fahrzeuge wurden offiziell gezählt, ein respektables Ergebnis angesichts der Vorhersage von Regen für den Nachmittag. Da der Himmel bis etwa 14:30 Uhr freundlich blieb, konnten einige Teams in der Nähe ihrer Autos ein Fondue essen oder in aller Ruhe picknicken, danach hat sich der Herbst auch am Genfersee unmissverständlich breit gemacht. Man sieht sich zur 34. Ausgabe im nächsten Jahr!



































































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