Es gibt Hunderte, wenn nicht sogar Tausende Bücher über Porsche oder sogar das Modell 911. Für Autoren und Verlage macht es Sinn, sich jenen Autos und Marken zuzuwenden, die auf grosses Publikumsinteresse stossen. Man muss also schon ein ziemlich grosser Enthusiast sein, wenn man sich mit einem Fahrzeug beschäftigt, von dem nur wenige Leute überhaupt wissen, dass es existiert, und in einem Buch sein Wissen zu dokumentieren.
Genau dies aber tut Jean-Philippe Müller und das Auto ist der Bugatti Typ 64. Neben bekannteren Bugattis wie dem Typ 35, 51 oder 57, ja selbst dem 101, ist der Typ 64 kaum je ein grosses Thema. Dabei spielte er eine interessante Rolle in einer der schwierigsten Epoche des einst so erfolgreichen Autoherstellers Bugatti.
Als Nachfolger des Typ 57 entwickelt
Die Zeiten waren für Ettore Bugatti Ende der Dreissigerjahre schwierig, das Geld wurde knapp und die Nachfrage nach dem einst erfolgreichen Typ 57 sank.
Als Nachfolger wurde der Typ 64 entwickelt, der leichter, aerodynamischer und schneller sein sollte als sein Vorgänger. Die Basis war ein Aluminium-Chassis, ein Holzrahmen und eine Aluminium-Karosserie, als Motor war ein 4,5-Liter Reihenachtzylinder in Kombination mit einem Cotal-Getriebe vorgesehen.
Einzelstück?
Ein kompletter Prototyp entstand plus vier weitere Fahrgestelle. Der Prototyp verfügte anfänglich zwecks einfacherem Zustieg über revolutionäre Flügeltüren, diese wurden aber noch beim ersten Fahrzeug wieder durch herkömmliche Türen ersetzt.
Mit dem Zweiten Weltkrieg, vor allem aber dem Tod von Jean Bugatti, wurde aus dem durchaus interessanten Projekt kein Erfolg. Nach dem Krieg und dem Tod von Ettore Bugatti entstand der Typ 101 als letzter kommerziell verkaufter Bugatti, allerdings mit wenig Erfolg.
Komplette Informationssammlung
Der Autor Müller, der zuvor schon an Büchern zu den Bugatti-Typen 251 und 32 mitwirkte, hat mit allen verfügbaren Kennern gesprochen, sich durch die Archive des “Schlumpfmuseums” gewühlt und alles zusammengetragen, was er finden konnte. Sein deutsch und französisch verfasstes Buch hat er in mehrere Teile unterteilt.
Eine grosse Galerie macht den Anfang, es folgen die Pläne und dann eine geschichtliche Einordnung des Typs 64. Die Konstruktion wird dann in mehreren Kapiteln durchleuchtet und auch der Fragen nachgegangen, welcher Motor denn nun wirklich im Prototyp verbaut wurde.
Das Werk komplettieren weitere Informationen zum Auto, zu den involvierten Personen und zu den verwendeten Quellen.
Für wen ist dieses Buch?
Müllers Buch zum Bugatti 64 ist kein Coffee-Table-Buch. Man muss schon ein gewisses Interesse für die Geschichte von Bugatti und deren Entwicklungsprojekte haben. Umfangreich fotografisch dokumentiert wird der einzige fertiggebaute Typ 64, der noch heute in Mulhouse im Museum ruht. Leider waren die Lichtverhältnisse am Tag des Fotoshootings wohl nicht ganz optimal, die schwarze Farbe des Prototyps war eine zusätzliche Herausforderung. Es ist aber schön zu sehen, dass Müller einigen Aufwand betrieb, um die verschiedenen Details zu illustrieren.
Der Text ist gut verständlich geschrieben und man verfolgt gespannt den Werdegang der Entwicklung. Der Verbleib der nicht komplettierten Chassis wird genauso beschrieben wie die Restaurierung des Museums-Autos.
Wer auf eine komplette Dokumentation der Bugatti-Geschichte in seinem Büchergestell Wert legt, wird dieses Buch von Müller gerne dazustellen. Aber auch für Interessenten der französischen Autogeschichte ist das Werk, das in limitierter Auflage EUR 72.00 kostet, sicher eine wertvolle Ergänzung.
Bibliografischen Angaben
- Titel: Bugatti 64 - la voiture de Monsieur Jean
- Autor: Jean-Philippe Müller
- Sprachen: Deutsch/Französisch
- Verlag/Herausgeber: JPMC-Books
- Auflage: 1. Auflage 2025, 200 Exemplare
- Format: Gebunden, 30,2 x 20,6 cm
- Umfang: 117 Seiten, 123 zeitgenössische und aktuelle Abbildungen
- Verkaufspreis: EUR 72.00
- Kaufen/bestellen: Direkt beim Autor via Email
































































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