Am 12. und 13. April wurde das 82. Goodwood Members' Meeting ausgetragen, das wie üblich vom GRRC – dem Goodwood Road Racing Club – organisiert wurde.
Es war ein vollgepacktes Wochenende mit elf Rennen für Fahrzeuge aus zwölf Jahrzehnten sowie einer Vielzahl von Demonstrationsläufen auf der Strecke. Und während das jüngste Auto – der Cadillac V-Series.R, mit dem das Hertz Team Jota dieses Jahr in Le Mans antreten will – lediglich in einem Schaulauf alleine um den Kurs fuhr, war sich das älteste – ein Star "Gordon Bennett Racer" von 1905 – nicht zu schade, sich in der S. F. Edge Trophy mit den Jungspunden bis Baujahr 1918 zu messen.
Zu Ehren von Ayrton Sennas erstem Grand-Prix-Sieg am 21. April 1985 in Estoril fuhr sein Neffe Bruno das damalige Siegerauto, einen Lotus 97T, in einem Demolauf um den Goodwood Circuit. Obwohl in England traditionell gute Chancen dafür bestehen, regnete es während der Gedenkrunden – anders als in Portugal vor 40 Jahren – allerdings nicht.
Die modernsten Rennwagen, die im Rudel auf der Strecke unterwegs waren, fuhren in einem Demonstrationslauf für GT3-Fahrzeuge. In einem gezeiteten "Shoot-Out" mit reduziertem Feld wurde es anschliessend immerhin ein bisschen kompetitiv.
S. F. Edge Trophy und Earl Howe Trophy
Viel spannender als die Vorführfahrten waren aber natürlich die Rennen, bei denen selbst über 100-jähriges Material nicht geschont wurde. Die ältesten Autos aus der Zeit Eduards VII. fuhren in der S. F. Edge Trophy über vier Runden. Dabei sollte man sich nicht vom cartoonhaften Pött-Pött-Pött der niedertourigen, gering verdichteten Motoren täuschen lassen. Diese Ungetüme sind teils über 200 PS stark und oft nur an der Hinterachse gebremst!
Ein besonderer Reiz liegt auch in der nahezu unverkleideten Technik. Wo sonst kann man während eines Rennens alle Kipphebel in Aktion beobachten? Nachdem der Sunbeam Indianapolis von Julian Majzub mit einem Ölleck ausgefallen war, fuhr Mark Walker im Darracq 200 HP einem ungefährdeten Sieg entgegen.
Die Earl Howe Trophy war für englische Rennwagen aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg reserviert. Hier fuhren Frazer Nash, Aston Martin, Lagonda, MG und natürlich eine Vielzahl der mächtigen Bentley-"Rennlastwagen" mit und ohne Kompressor. Doch Grösse und Kraft waren hier nur zweitrangig. Mit dem 1939er Alta Sports von Gareth Burnett ging der Sieg an eines der kleinsten und leichtesten Autos im Feld.
Salvadori Cup und Moss Trophy
Die ältesten Nachkriegsfahrzeuge fanden sich im Salvadori Cup für Rennwagen der Sportwagen-WM zwischen 1955 und 1960. Hier deklassierten Bonamy Grimes und Roger Wills in ihren Lotus 15 die Konkurrenz. Als die beiden Führenden mit 0,3 Sekunden zwischen einander in die letzte Runde gingen, hatten sie den Rest des Feldes schon über 20 Sekunden hinter sich gelassen. Am Ende hatte Grimes mit der Startnummer 29 die Nase vorn.
Nur wenig jünger waren die Autos in der Moss Trophy für geschlossene Sportwagen bis Baujahr 1963. Die erste Schrecksekunde gab es hier bereits in der Qualifikation: Eingangs Kurve 1 wurde Alexander van der Loof im Ferrari 250 GT von Nigel Winchesters Shelby Cobra von der Strecke gedrängt. Van der Loof gelang es, seinen roten "SWB" noch herumzureissen, sondass er nur mit der linken hinteren Ecke die Mauer streichelte. Doch war das schon genug, um die linke Auspuffhalterung abzureissen – was den Niederländer nicht daran hinderte, den Lauf mit baumelndem linkem Abgasstrang fortzusetzen.
Deutlich heftiger erwischte es dann im Rennen Niall McFadden im Jaguar E-Type. Zweieinhalb Minuten vor Schluss wurde er eingangs der Start-Ziel-Schikane von Hans Kleissl im Mercedes-Benz 300 SL in die innere Begrenzungsmauer gedrückt, deren Trümmer sich daraufhin unter dem Jaguarbug aufstauten und das Coupé unlenkbar geradeausrutschen liessen. Alexander van der Loof hingegen schien den Ausrutscher im Training gut verarbeitet zu haben: Er fuhr als dritter aufs Podium hinter den zwei 260er Cobras von Gregor Fisken und John Spiers – nachdem die beiden lächerlich überlegenen Aston Martin DB4 GT von Harrison Newey und Dario Franchitti wegen zu grosser Motoren disqualifiziert worden waren.
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Arundell Cup und Whitmore Cup
Überraschend gering war diesmal der Anteil an Formelwagen. Nur eine einzige Klasse war den schlanken Zigarren vorbehalten: der Arundell Cup für Formel-Junior-Rennwagen mit Heckmotor, die bis 1964 gefahren wurden. Die Anfangsphase war geprägt von den Duellen zwischen Clive Richards im Lotus 22 und Callum Grand im Merlyn Mk 5/7 um Platz 3 sowie Alexander Ames im Brabham BT6 und Sam Wilson im Cooper T59 um Platz 1 – so lange, bis die hinteren beiden nach fünf Minuten zu den vorderen aufgeschlossen hatten und für die verbleibende Viertelstunde zu viert um den Sieg rangen. Am Ende behielt Wilson im Cooper mit der Startnummer 53 die Oberhand vor Ames und Grant.
Die Hailwood Trophy und die Sheene Trophy für Motorräder – einmal für Zweitaktmotoren bis 350 Kubikzentimeter und einmal für 750er-Maschinen bis 1983 – traten in einem gemeinsamen Feld an, was es auf dem 3,8 Kilometer kurzen Rundkurs recht eng werden liess. Das Resultat war dafür umso übersichtlicher. In beiden Rennen standen dieselben drei Fahrer in derselben Reihenfolge auf dem Podium: Dan Jackson auf Harris-Yamaha TZ350 vor Michael Russel (Triumph Trident T150) und Levi Day (Yamaha TZ350G)
Der Whitmore Cup für Tourenwagen bis Baujahr 1965 und zwei Liter Hubraum war prinzipiell ein Markenpokal für Ford Cortina und Mini Cooper, der nur hier und da durch einen BMW 1800 oder Alfa Romeo Giulia GT "verunreinigt" wurde. So verwundert es nicht, dass am Ende mit Guy Smith, Max Chilton und Justin Law drei Cortina-Piloten auf dem Siegerpodest standen. Den schnellsten Mini – die grundsätzlich auf drei Rädern quer durch die Kurven rutschten – hatte Nick Swift auf Platz vier, der mit seinen Kollegen Adam Morgan und Nicholas Padmore fröhlich rotierte in der Hoffnung, dass einer von ihnen Laws Ford überholen kann.
Gurney Cup, Gordon Spice Trophy und Win Percy Trophy
Die Aufholjagd des Wochenendes gelang Frank Stippler im Gurney Cup für Sportprototypen der Sechzigerjahre. Von Platz drei gestartet und zwischenzeitlich auf den 16. Platz zurückgefallen fuhr er im Ferrari Dino 206 S nach 45 Minuten als erster über die Ziellinie. Einen Teil wird sicher auch die Safety-Car-Phase nach dem Unfall von Christian Albrecht dazu beigetragen haben, die das Feld wieder zusammenstauchte. Zuvor hatte der Ford GT40 mit der Startnummer 24 bei voller Fahrt ein Hinterrad verloren.
Die Gordon Spice Trophy für Gruppe-1-Tourenwagen mit mehr als 2,8 Litern Hubraum musste wegen des grossen Teilnehmerfeldes, das alleine 15 Ford Capri beïnhaltete – in zwei Rennen aufgeteilt werden. Im ersten Lauf hatte Jake Hill im Gitanes-Capri die Nase vorn, der schon in der ersten Trainingsrunde bevorzugt quer durch die Kurven gefahren ist. Wobei ihm dadurch geholfen wurde, dass Andy Priaulx seinen Camaro etwa bei Rennhälfte mit technischen Problemen abstellen musste.
Der zweite Lauf widerlegte das europäische Klischee, dass amerikanische Autos nur geradeaus fahren können. Fred Sheperd im Ford Mustang Boss sowie James Thorpe und Andres Smith jeweils im Chevrolet Camaro Z28 bildeten ein rein US-befeuertes Siegertrio.
Die kleineren Hubräume traten in der Win Percy Trophy an, wo sich neben den üblichen Verdächtigen wie Triumph Dolomite Sprint, Ford Escort RS 2000 oder Mini 1275 GT auch einige Exoten fanden, darunter ein Mazda RX-7, ein Alfa Romeo GTV6 und sogar ein Opel Commodore GS/E, von denen aber nur der Opel ins Ziel kam – als letzter. Den Sieg holten sich Kerry Michael und Jake Hill im Ford Escort.
Vorfreude auf die Rückkehr
Auch abseits der Rennstrecke herrschte Partystimmung mit Spiel und Spaß für alle, die am Samstagabend mit Live-Musik und einem Feuerwerk noch gesteigert wurde.
Jetzt, da die Motorengeräusche verklungen sind und über dem Goodwood Circuit wieder Ruhe eingekehrt ist, kann die Vorfreude auf ein weiteres Juwel in der Krone des historischen Motorsports beginnen: auf das Goodwood Revival im September – und natürlich auf das 83. Goodwood Members' Meeting im nächsten Jahr.















































































































































































































































































































































































































































































































































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