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Bild (1/5): Toyota Corolla 1100 (1968) - die zweitürige Limousine vor dem Gebäude des Schweizer Importeurs Emil Frey AG (© Daniel Reinhard, 2017)
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    Toyota Corolla 1100 - eine graue Maus, die einen Berg gebar

    23. November 2017
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (40)
    Toyota / Werk 
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    Eigentlich ist es kaum zu glauben, dass vor einem halben Jahrhundert noch kaum ein japanisches Auto auf unseren Strassen zirkulierte. Die Automobil Revue schrieb im Februar 1967:

    “Auf zahlreichen Gebieten der Technik und Wirtschaft hat sich die Industrie Japans in den vergangenen Jahren als äusserst konkurrenzfähig erwiesen. Das günstige Verhältnis von Qualität und Preis, welches die japanischen Erzeugnisse auf allen Exportmärkten begehrenswert machte, hat sich in jüngster Zeit auch auf dem Fahrzeugsektor günstig ausgewirkt. Verkörperte die Automobilindustrie des grossen Inselreichs im Fernen Osten in den Fünfzigerjahren noch einen völlig unbedeutenden Industriezweig, so hat Japan in der Rangliste der sich mit dem Fahrzeugbau befassenden Nationen 1966 nach Amerika und Deutschland den dritten Platz eingenommen. 157’294 Einheiten im Jahre 1956 gegenüber 2’286’585 im Jahre 1966 veranschaulichen mit aller Deutlichkeit den gewaltigen Aufschwung der Automobilindustrie Japans.

    Wesentlich an diesem Aufschwung beteiligt ist Japans Automobilfabrik Toyota Motor Co., die zum siebtgrössten Fahrzeughersteller der Welt aufgerückt  ist. Das Unternehmen, welches im Jahre 1937 — ähnlich der Firma Saurer — aus einer Spinnereimaschinen- und Webstuhlfabrik herauswuchs, produzierte 1966 allein 587’539 Fahrzeuge und plant nach Inbetriebnahme neuer Werkanlagen im Jahre 1969/1970 eine Steigerung auf 1 Million Einheiten. Die autarken, mit modernsten Werkzeuganlagen ausgerüsteten Toyota-Werke verfügen über eigene Giessereien, Schmiede und Presswerke. Ausserdem werden die für den Fahrzeugbau erforderlichen Textilien, Kunststoffe sowie Zubehörteile in eigenen Tochterunternehmen hergestellt. Die Marke Toyota beschäftigt zur Zeit rund 70’000 Personen und baut Personenwagen verschiedenster Grösse, geländegängige Fahrzeuge, Lastwagen, Busse und Cars.

    Die Exporttätigkeit der japanischen Automobilindustrie richtete sich anfänglich auf den südwestasiatischen Raum; in jüngster Zeit haben jedoch auch die Exportkontingente nach Amerika einen zusehends grösseren Umfang angenommen. Mit aller Deutlichkeit konzentrieren sich heute die Bemühungen der japanischen Automobilindustrie auf den europäischen Kontinent …”

    Der Jüngste von Dreien

    Die Schweizer Emil und Walter Frey erkannten das Potential das japanischen Qualitätshersteller und begannen in gewohnt sorgfältiger Weise den Import der Toyota-Modelle Corolla 1100, Corona und Crown in die Schweiz zu initiieren. Sie gründeten die Toyota AG in Urdorf, legten ein Ersatzteillager mit 10’000 Positionen an und schulten das technische Personal. Parallel zogen sie eine Händlerorganisation hoch und stellten die verschiedenen Toyota-Modelle am Genfer Autosalon 1967 der staunenden Öffentlichkeit vor.

    Toyota Corolla (1967) - aus der ersten Generation
    © Copyright / Fotograf: Toyota / Werk

    Der Toyota Corolla 1100 erwies sich dabei im hiesigen Markt als besonders fortschrittlich, schliesslich handelte es sich um eine Neukonstruktion, die nur wenige Monate zuvor am Autosalon von Tokio im Jahr 1966 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert worden war.

    Toyota Corolla (1966) - Debüt auf der 13. Tokyo Motor Show im Oktober 1966
    © Copyright / Fotograf: Toyota / Werk

    Platz für Fünf

    Der Toyota Corolla 1100 war ein sachlich geformter Fünfsitzer mit zwei Türen und Stufenheck-Karosserie. Das Design empfand man damals als dem amerikanischen und europäischen Geschmacksempfinden angepasst, was sich 50 Jahre später nur unterstreichen lässt, denn der Corolla ist gut gealtert, wirkt fast ein wenig zeitlos.

    Toyota Corolla (1966) - schlichtes Interieur der ersten Corolla-Generation
    © Copyright / Fotograf: Toyota / Werk

    Auf nur 3,845 Metern Länge und 1,485 Metern Breite schaffte man ein erstaunlich grosses Platzangebot und dies trotz längs eingebautem Vierzylindermotor und Heckantrieb. Die Passagiere genossen eine vorzügliche Rundumsicht, ermöglicht durch eine tiefe Gürtellinie und grosse Fensterflächen.

    Angebote von Zwischengas-Spezialisten
     

    Fortschrittliche Technik

    Der 1,1-Liter-Vierzylinder entsprach in seiner Konzeption durchaus dem, was man auch in Europa gerne sah. Die Kurbelwelle war fünffach gelagert, der Zylinderkopf bestand aus Leichtmetall, die Nockenwelle wurde über eine Kette angetrieben. Mit einem Fallstrom-Doppelvergaser produzierte das Motörchen bei einer Verdichtung von 9:1 60 SAE-PS, kam also auf eine spezifische Leistung von 54,5 SAE-PS pro Liter Hubraum. Im Jahr 1967 notabene, als ein Käfer es gerade einmal auf etwa die halbe Literleistung brachte.

    Toyota Corolla (1966) - der Motor der ersten Corolla-Generation
    © Copyright / Fotograf: Toyota / Werk

    Der Corolla war natürlich selbsttragend konstruiert und wies vorne Einzelradaufhängungen mit senkrechten Federbeinen und Querblattfeder als Stabilisator, hinten eine Starrachse mit Halbelliptikfedern auf. Gebremst wurde mit vier Trommeln ausreichender Grösse.

    Leicht und agil

    Dass der Corolla aber manch grösseres Fahrzeug in den Fahrleistungen distanzieren konnte, das verdankte er seinem überraschend niedrigen Gewicht von 747 kg. Von 0 bis 100 km/h reichten dem Toyota 18,6 Sekunden. Die Agilität wurde durch eine relativ direkt ausgelegte Lenkung mit 3 1/5 Umdrehungen von Anschlag zu Anschlag verstärkt, die einen nur 9,5 Meter grossen Wendekreis ergab.

    Toyota Corolla 1100 (1967) - beim Handling-Test
    © Archiv Automobil Revue

    Der Corolla sah sogar gegenüber deutlich hubraumstärkeren Japanern (und Europäern) gut aus. Die Automobil Revue liess im Herbst 1967 als eine der ersten Autozeitschriften überhaupt sieben Japaner zu einem Vergleichstest antreten und nur gerade der Toyota Crown 2,3 Liter mit Sechszylindermotor vermochte den Sprint von 0 bis 100 km/h schneller zu absolvieren als der kleine Toyota, während zum Beispiel ein Datsun 2000 oder ein PMC-Mikado Gloria 6 nicht besser beschleunigten.

    Preisgünstig

    Mit Preisen ab 6975 Franken (Ausführung Semi de Luxe) war der Corolla dazu auch noch fast konkurrenzlos günstig und selbst die besser ausgestatteten Varianten “de Luxe” und “Super de Luxe” mit Preisen von 7325 oder 7625 Franken konnte man sich gegen die europäische (und japanische) Konkurrenz gut behaupten. Ein VW Käfer 1500 kostete damals 7195, ein Opel Kadett L 8275 Franken.

    Toyota Corolla 1100 (1967) - Cockpit der linksgelenkten Ausführung
    © Archiv Automobil Revue

    Der kleine Toyota war dazu auch noch gut ausgestattet, selbst bei der einfachsten Ausstattungsvariante waren Alternator (anstatt Lichtmaschine), verstellbare Vordersitze, elektrische Scheibendusche oder Rückfahrlampen sowie ein mit Teppich ausgestatteter Kofferraum serienmässig.
    Wer etwas mehr bezahlte, erhielt sogar einen Tageszähler, Bodenteppiche, Luxusradkappen oder gar ein Radio mit halbautomatischer Antenne mit dazu.

    Kein Wunder, beurteilte die Automobil Revue den Corolla 1100 ausserordentlich positiv:

    “Der Corolla hat von der ganzen Testequipe, die alle hier aufgeführten Japaner gefahren hat, in den wichtigsten Punkten, wie Fahrsicherheit, leichte Bedienung, geringe Innengeräusche, bequemes Sitzen, einhellig gute Noten erhalten. Die Messwerte bestätigen die Eindrücke. Sein Erscheinen auf dem schweizerischen Markt ist zu begrüssen, weil er ein sicheres, sparsames und temperamentvolles Fahrzeug verkörpert.”

    Überraschend modern

    Dass die Tester der Automobil Revue im Jahr 1967 zu derart positiven Beurteilungen kamen, lässt sich auch heute noch gut nachvollziehen, wenn man sich in einen in Ehren ergrauten Corolla 1100 setzt. Ganz zufälligerweise war der von Emil Frey zur Verfügung gestellte Wagen auch noch mausgrau lackiert.

    Toyota Corolla 1100 (1968) - kein Autobahnraser
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Ohne grosse Instruktionen lässt sich der Toyota problemlos fahren. Er startet zuverlässig, das Getriebe lässt sich leicht schalten, die Bedienung gibt keine Rätsel auf. Die guten Platz- und Sichtverhältnisse überzeugen heute noch fast mehr als vor fünf Jahrzehnten. Es ist fast nicht zu glauben, dass mit der Standardbauweise eine derartig überzeugende Raumökonomie möglich war, auf einer Grundfläche, die kleiner ist als die des späteren VW Golf.

    Toyota Corolla 1100 (1968) - längs eingebauter Vierzylindermotor
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Der 60-PS-Motor reicht, um flüssig voranzukommen. Sportlichkeit will damit heutzutage natürlich nicht mehr aufkommen, aber um 50, 80 oder auch 120 km/h zu fahren, ist jederzeit genug Leistung vorhanden.

    Toyota Corolla 1100 (1968) - schlicht
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Trotz der schmucklosen Lackierung fällt der Wagen in seiner schlichten Gestaltung heute auf, missgünstige Blicke allerdings wird er nie auf sich ziehen. Gut so!

    Toyota Corolla 1100 (1968) - lackiertes Armaturenbrett
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Rückblickend lässt sich jedenfalls gut nachvollziehen, dass die Japaner mit ihrem Ansatz, qualitativ gut gebaute Autos mit überdurchschnittlicher Ausstattung zu verkaufen, in Europa (und den USA) ins Schwarze trafen.

    Der Anfang eines Welterfolgs

    Natürlich blieb es nicht beim Corolla der ersten Generation. Ab der Zweitausgaben wurden die genügsamen und günstigen Autos auch in Deutschland eingeführt, ein Corolla Coupé war am 18. Februar 1971 der erste in Deutschland offiziell verkaufte Wagen von Toyota, bereits einige Monate vorher war die “Deutsche Toyota-Vertrieb GmbH” gegründet worden. DM 6890 kostete der Corolla im Jahr 1971, ob dieses Fahrzeug, angesichts des wenig motivierenden AMS-Urteils “Ein Auto ohne begeisternde Qualitäten, aber auch ohne krasse Schwächen” wirklich Marktchancen hatte, darüber war man sich in der Presse damals nicht einig.

    Heute wissen wir es besser, der Toyota Corolla wurde nicht nur in Deutschland, sondern weltweit erfolgreich verkauft. Sie blieb ihren Stärken - günstig, genügsam, zeitgemäss, praxistauglich - treu. Bis heute sind es über 44 Millionen Autos. Würde man alle je gebauten pyramidenförmig aufeinander schichten, dann gäbe dies einen gewaltigen Berg, von dem man durchaus eine beindruckende Weitsicht hätte. Die graue Maus hatte also einen Berg geboren, könnte man sagen.

    Toyota Corolla (1983) - die fünfte Corolla-Generation wurde in Europa von 1983 bis 1987 verkauft - nun mit Vorderradantrieb
    © Copyright / Fotograf: Toyota / Werk

    Dass sich der Toyota Corolla in den über 50 Jahren Bauzeit weiterentwickelte, ist klar. Elf Generationen sind es bisher, mit der fünften Baureihe E80 wechselte man vom Heckantrieb zum Frontantrieb. Es gab und gibt ihn als Limousine, Coupé oder Kombi und auch eine Hybridversion gehört zur reichhaltigen Geschichte.

    Toyota Corolla (1983) - die 10-millionste gebaute Corolla wird gefeiert
    © Copyright / Fotograf: Toyota / Werk

    Während die Konkurrenz in neuen Namen ihr Glück suchte, blieb Toyota der Bezeichnung Corolla treu bis heute, allerdings nicht in allen Märkten. Seit 2007 heisst der Wagen hierzulande bekanntlich Auris.

    Toyota Corolla 1100 (1968) - mit diesem Wagen eroberte Toyota die Käufer hierzulande
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Wir danken der Emil Frey Classics für die Gelegenheit, im fast 50-jährigen Corolla 1100 in die japanische Vergangenheit zurückreisen zu können.

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    ···
     
    Quelle:

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    hinti.org:
    24.11.2017 (11:10)
    Danke für diesen interessanten Bericht und die schönen Fotos! Die japanischen Oldtimer werden leider noch immer total unterschätzt, obwohl sie aufgrund ihrer Seltenheit durchaus Sammlerpotenzial haben. Zudem überzeugt die Technik durch Raffinesse und ausserordentlich hohe Wartungsfreundlichkeit.
    Mir ist aufgefallen, dass der abgebildete Corolla auf eine elektrische Benzinpumpe umgerüstet wurde. Liegt das evtl. an der mageren Ersatzteileversorgung? Dies ist nämlich die Achillesferse der Nippon-Oldies, wie ich mit meinem Honda Prelude (1980) und dem Mazda 929 (1975) auch schon feststellen musste...
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