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Bild (1/4): Swiss Buggy Froggy (1972) - Freizeitfahrzeug für kleines Geld (© Daniel Reinhard, 2018)
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    Swiss Buggy Froggy - die Schweizer Antwort auf eine amerikanische Erfindung

    11. April 2019
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Daniel Reinhard 
    (44)
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    Gewiss, dies ist nicht die übliche Spezialkarosserie aus den Händen Schweizer Stellmacher, wie sie in den goldenen Zeiten der Carrossiers entstanden. Aber es handelt sich um ein Schweizer Auto aus einheimischer Produktion. Es geht hier um einen Buggy, also ein Freizeitauto auf der Basis des VW Käfers. Die Schweizer Willy, Markus und Peter Hausin waren vom Freizeitauto begeistert, aber einfach kopieren wollten sie das amerikanische Vorbild nicht. Stattdessen erfanden sie den Buggy beinahe neu.

    Swiss Buggy Froggy (1972) - die massive Klappe gibt den Zugang zum Motor
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Natürlich aus Amerika

    Entstanden sind die Buggies – natürlich – in den USA. Bruce Meyers gilt als deren Schöpfer. Mitte der Sechzigerjahre sorgte er mit seinem Meyers Manx auf einem gekürzten Käfer-Chassis für Furore.

    Er erschuf nicht nur einen Trend, sondern auch Horden von Nachahmern. Zu diesen gehörten auch viele europäische Firmen, etwa Apal in Belgien oder Karmann in Deutschland. Auch die Schweizer entdeckten den Buggy. Sie importierten nicht nur gängige Fabrikate, sie entwickelten auch selber.

    Bewährtes verbessern

    Bereits 1965 etablierten Willy, Markus und Peter Hausin, unterstützt von ihren Eltern, die Firma Syntobau, Hausin & Co. Während sich Markus um das Engineering kümmerte, gestaltete Willy einen eigenständigen Buggy, der in Anbetracht des Herstellerlandes und des Aussehens Swiss Buggy Froggy genannt wurde.

    1967 war der erste Buggy fertig, die Mulden für die GKF-Karosserie hatten die Brüder eigenhändig gebaut.

    Swiss Buggy Froggy (1971) - Probefahrt durchs Wasser
    © Copyright / Fotograf: Archiv Daniel Hauslin

    Im Gegensatz zu vielen anderen Buggy-Versionen setzten die Hausins nicht einfach auf ein unverändertes Käfer-Chassis. Stattdessen kürzten sie dieses ein und reduzierten es auf ein Skelett mit ergänzenden Seitenholmen (statt der Plattformböden). Darauf wurde dann die komplette Buggy-Wanne montiert, die deutlich mehr Wetterschutz (von unten) und Stabilität (im Gelände) versprach als die üblichen Buggy-Aufbauten.

    Geschickt brachten die Aargauer Tüftler Verbesserungen am Design an. Die Zeitschrift ‘hobby’ schrieb in einem Vergleichstest im Jahr 1973:
    “Wie ein durchdachter Buggy auszusehen hat. zeigen die Mannen der Otelfinger Buggy-Schmiede: Der Swiss Buggy war das einzige Fahrzeug, bei dem keine direkte Verbindung vom Tank zum Fahrgastraum bestand. Das heisst, daß bei allen anderen Buggies im Falle eines Brandes das Feuer ungehindert zum Tank oder in den Innenraum gelangen kann.”

    Auch der Zugang zum Motor lösten die Hausins auf eigene Weise. Eine Klappe liess sich öffnen und legte die Innereien frei.

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    Typengeprüft

    Weil beim Swiss Buggy ein eigenständiges Chassis verwendet wurde, musste der Froggy die Schweizer Typenprüfung bestehen. Dies sorgte sicherlich für viel Arbeit, dafür durften dann Swiss-Buggy-Fahrer auch von der Agilität eines gekürzten Käfer-Chassis profitieren. Etwas, was die Schweizer Strassenverkehrsämter sonst gar nicht schätzten.

    Swiss Buggy Froggy (1970) - auch für extreme Geländeeinsätze tauglich
    © Copyright / Fotograf: Archiv Daniel Hauslin

    Ansonsten profitierte natürlich auch der Schweizer Buggy von preisgünstigen Volkswagen-Teilen, ob es sich nun um Motor oder Aufhängungen, Bremsen oder Instrumente handelte.

    Die Weltpremiere erlebte der Swiss Buggy dann am Genfer Autosalon im März 1970. Die Automobil Revue schrieb damals:
    “Dieser in Würenlos konstruierte und gebaute Swiss Buggy wird auf unseren Strassen ebenso eine Exklusivität darstellen wie ein zehnmal teurerer Traumwagen mit 400 PS. Seine hinteren Walzenräder sind jedoch nicht dazu da, die ‘immense’ Kraft eines VW-Motors auf die Strasse zu bringen, sie sollen dem leichten ‘Geländefloh’ vielmehr das Fahren abseits der Betonpisten ermöglichen. Nach Aussage seines Erbauers verfügt dieses Fahrzeug auch über gute Flugeigenschaften, so dass Bodenwellen elegant übersprungen werden können.”

    Sorgfältig und von Hand gebaut

    «Originell, mit dem freundlich-frechen Aussehen. Vermittelt ein sportlich-rasantes Fahrgefühl für jung und alt», so texteten die Hausins für ihre Verkaufsbroschüre. Für den Vertrieb arbeiteten sie mit dem Warenhaus Jelmoli zusammen. Im Zürcher Warenhaus konnte der Bausatz im dritten Stock bezogen werden.

    Swiss Buggy Froggy (1971) - bei der Montage
    © Copyright / Fotograf: Archiv Daniel Hauslin

    Gebaut wurde der Swiss Buggy weitgehend von Hand. Dazu wurden meist gebrauchte Volkswagen-Fahrgestelle und Komponenten zusammengekauft (oder vom Kunden geliefert) und aufgearbeitet. Die Kunststoffwanne wurde in den eigenen Mulden geformt. Willy, Markus und Peter leisteten die Hauptarbeit.

    Drei bis vier zusätzliche Handwerker konnten jedoch dazugerufen werden, wenn der Bestellvorrat gross war.

    So entstanden bis 1972 ungefähr 150 Buggies in Würenlos. Etwa drei Exemplare konnten pro Woche in einer alten Scheune fabriziert werden.

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    Rationalisiert und verbessert

    Die Nachfrage war aber oft grösser als die Produktionskapazitäten und so entschieden sich die Hausins Ende 1972, ihre Firma in andere Hände zu geben. Willy Hauslin wanderte kurz danach mit seiner Familie nach Australien aus.

    Die für die Froggy-Fertigung extra gegründete Fahrzeugbau AG in Otelfingen übernahm alle Rechte und Vorarbeiten und produzierte von nun an auf industrieller Basis. Ein kompletter Swiss Buggy Froggy kostete nun CHF 9960 (ohne Seitenteile/Türen).

    Swiss Buggy (1973) - erstmals gezeigt die Variante mit Hardtop und Plastikschwenktüre - am Genfer Automobilsalon von 1973
    © Archiv Automobil Revue

    Federführend bei der Produktionsoptimierung war Guido Caspar. Ihm war ein wohlorganisierter Arbeitsablauf wichtig. Weiterhin wurden (1973) gebrauchte Chassis der Käfer-Versionen ohne McPherson-Vorderachse beschafft. Diese wurden gereinigt und geprüft, dann um 40 cm gekürzt, was einen Radstand von exakt zwei Metern ergab. Die zwei Längsholme wurden statt der Bodenplatten eingeschweisst, sämtliche Verschleissteile wurden ersetzt. Auch die Mechanik des Käfers musste im Einklang mit der Verkürzung angepasst werden. Die Motoren mit 1,2 bis 1,6 Litern Hubraum waren komplett revidiert und mussten neu eingefahren werden. Teilweise wurden die Mechanikkomponenten auch neu von der AMAG bezogen.

    Swiss Buggy Froggy (1971) - der Bausatz
    © Copyright / Fotograf: Archiv Daniel Hauslin

    Am Schluss wurde das Fahrgestell mit der neu erzeugten Karosserie vereinigt und der Innenausbau komplettiert. „46 bis 48 Stunden dauere die Fertigung eines kompletten Buggys ohne die Arbeit an der Karosserie mitzuberücksichtigen“, erklärte Caspar 1973 dem AR-Journalisten Roger Gloor.

    Getestet und für gut befunden

    Der Swiss Buggy Froggy war einer der prominentere Vertreter dieser Fahrzeuggattung. Im Jahr 1973 widmete die Automobil Revue dem Schweizer Fabrikat einen umfangreichen Test. Als Beschleunigung für den Sprint von 0 bis 100 km/h wurden 21,5 Sekunden gemessen, als Höchstgeschwindigkeit 115 km/h. Nicht gerade Sportwagenwerte, aber ein Buggy fühlte sich deutlich schneller an als er war. Das hatte auch mit dem heiklen Fahrverhalten zu tun, das aufgrund den Achskonstruktionen, dem relativ hohen Schwerpunkt und dem kurzen Radstand zustande kam.

    «In ganz engen wie auch in sehr weiten Kurven zeigt der Froggy zunächst einen Hang zum Untersteuern; werden Lenkrad und Gaspedal etwas energischer bedient, so kommt es im Handumdrehen zu deutlichem Übersteuern», notierte Gloor nach seiner Probefahrt. Autobahnfahrten seien nicht sein Revier, meinte der AR-Journalist zudem, zeigte sich aber trotzdem positiv angetan vom urigen Gefährt: «Wie er fährt, das kann dem wetterharten Freizeitenthusiasten mehr Spass bereiten als gewöhnliche Autos; der Swiss Buggy Froggy versetzt uns in die Pionierjahre der lederbekleideten, wagemutigen Autofahrer zurück, ohne uns mit den Pannen zu quälen, die einst an der Tagesordnung waren.»

    Schliesslich gab es auf den fabrikneuen Buggy eine Garantie auf sechs Monate oder 10’000 km. Dies galt für die 85 % der Buggies, die als Fertigmodelle verkauft wurden.

    Swiss Buggy Froggy (1973) - im Hobby-Test
    © Zwischengas Archiv

    Die deutsche Zeitschrift ‘hobby verglich im März 1973 gleich zehn verschiedene Buggies. Darunter war auch der Froggy. Er schnitt gegen die internationale Konkurrenz mehr als nur achtbar ab.

    Hobby bescheinigte dem Schweizer Produkt eine solide Verarbeitung, hervorragende Geländetauglichkeit, eine gute Allwettertauglichkeit sowie eine ordentliche Ausstattung.

    Der Energiekrise geopfert

    Über 500 Fahrzeuge pro Jahr hätte man bei der Fahrzeugbau AG fertigen können, doch schon bald zeigten sich unerwartete Schwierigkeiten. Die Energiekrise warf ihre Schatten voraus und die immer komfortorientiertere Kundschaft verlangte nach einem Fahrzeug mit längerem Radstand und besseren Fahreigenschaften.

    Als Antwort wurde eine Buggy-Version mit Hardtop präsentiert und an einem eigenen Chassis gearbeitet. 1974 musste jedoch die Reissleine gezogen werden. Insgesamt entstanden nur etwa 300 Swiss Buggy Froggy bei der Fahrzeugbau AG.

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    Überlebt

    Eine beträchtliche Anzahl der 450 produzierten Freizeitautos soll überlebt haben. Man munkelt von über 100 Exemplaren. Allerdings sind nicht mehr alle fahrbar. Einer davon gehört Rafael Wegmüller. Sein Exemplar von 1972 mag zwar nicht mehr in allen Punkten komplett original sein, aber viele Buggies waren dies schon von Beginn weg nicht. Schliesslich wurden ja die meisten nach persönlichen Vorstellungen individualisiert.

    Swiss Buggy Froggy (1972) - in einer der Standardfarben von damals lackiert
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Rafaels Buggy zeigt sich in sehr gesundem Zustand und trägt die Farbe Dunkelblau, das neben Linengrün, Orange, Gelb, Rot, Hellblau und Dunkelgrün zu den Standardlackierungen. Erhältlich waren die Froggys auch in den während den Siebzigerjahren sehr beliebten Glimmerfarben («Fire Flake»).

    Swiss Buggy Froggy (1972) - eigenständiges Design
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Man traut dem Buggy deutlich mehr als die serienmässigen 34 PS zu, so dynamisch legt er aus dem Stand los. Im Heck intoniert der Käfermotor seinen luftigen Boxerklang. Da die tiefe Karosserie nur wenig schützt, weht einem der Wind beim Fahren nicht nur durch die Haare, sondern durchlüftet fast den ganzen Körper.

    Swiss Buggy Froggy (1972) - sparsame Instrumentierung
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Hinten gibt es wenig Platz, dafür aber noch mehr Luft. Die Königsplätze im Buggy sind sicherlich vorne.

    Swiss Buggy Froggy (1972) - natürlich ohne Servolenkung, aber die ist auch nicht nötig
    © Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

    Egal wie schnell man fährt, der kompakte Offensportler macht Spass und der Blick über die Froschaugen vorne lassen einen grinsen, was auch bei den Passanten immer wieder gut ankommt.

    Wir danken Froggy-Besitzer Rafael Wegmüller und Daniel Hauslin, dem Sohn von Willy Hauslin für ihre Unterstützung bei diesem Artikel.

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    ···
     
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    be******:
    16.04.2019 (11:54)
    Hier noch ein link zu Fahrzeugbau AG, Otelfingen:
    http://www.motorbase.com/manufacturer/profile/fahrzeugbau/
    Auf englisch, leider
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