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Suzuki LJ 80 - Schmunzelmonster - hart im Nehmen und im Geben

Erstellt am 15. Oktober 2015
, Leselänge 6min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
40
Werk / Suzuki 
6

Wer 1981 einen günstigen Geländewagen kaufen wollte, hatte nicht viel Auswahl. Der Markt war mehrheitlich in den Händen der Amerikaner, Engländer und Japaner, die damals meist noch klassische Offroader mit separatem Chassis und Starrachsen verkauften. Richtig erschwinglich war eigentlich nur der Lada Niva und der Suzuki LJ 80, der dem Russen schon bald den Rang ablief und zum Sympathieträger wurde.

Suzuki LJ 80 (1981) - fuhr unter einem guten Stern …
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Schmunzelmonster?

Er sah auch wirklich sympathisch aus, der kleine japanische Geländewagen, mit seinem runden Kulleraugen und der aufrechten Statur. Dazu war er ausserordentlich kompakt und hatte auch auf kleinsten Flächen Platz. Gerade einmal 3,17 Meter lang und 1,32 Meter breit war der Suzuki LJ 80 und damit kaum grösser als ein Ur-Mini.

Suzuki LJ 80 (1981) - sympathisches Gesicht
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Monströs war das nicht, doch im Kino lief damals ein neuer Film von Disney, der “Elliot, das Schmunzelmonster” hiess, und da die Fahrzeugbezeichnung “LJ” als “El-Jot” ausgesprochen wurde, wollten die Suzuki-Leute natürlich vom Sympathiebonus des freundlichen Drachens profitieren. Dies fand Disney allerdings nicht lustig und untersagte die Verwendung des Namens. So blieb es halt bei “LJ 80”, andere Märkte gaben dem kleinen Offroader auch Namen wie “Jimny” oder “SJ20”.

Clevere Werbung

Dass der rustikale Geländewagen auch hierzulande zum Erfolg wurde, verdankte er sicher teilweise der clever aufgemachten Werbung, die z.B. in Deutschland ab Frühling 1980 in Tageszeitungen geschaltet wurde. “Hoppla, hier bin ich”, kündigte sich der nun offiziell durch die Landesgesellschaften importierte Suzuki an und traf genau den Nerv der Zeit.

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Evolutionslehre

Ganz neu war der LJ 80 damals allerdings nicht mehr. Seine Geschichte reichte bis ins Jahr 1967 zurück, denn zu jener Zeit baute die Firma Hopestar 50 Exemplare des ON360 mit luftgekühlten Mitsubishimotor und 21 PS. Suzuki kaufte 1970 die Rechte am Entwurf und brachte den LJ 10 mit eigenem Zweitakt-359-cm3-Motor heraus. Die Statur glich schon stark dem späteren LJ 80, der Kühlergrill wies aber noch horizontale Lufteinlässe auf.

1972 wurde der Geländewagen mit einem wassergekühlten Motor, der aber immer noch nach dem Zeitaktprinzip arbeitete, aufgerüstet und nun standen 28 PS zur Verfügung, was für eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h reichte. Es folgte 1975 eine weitere Version namens SJ 10 (oder Jimny 55) und 1977 schliesslich der Jimny 8 oder LJ 80. Den Zweitakter liess man fallen und setzte nun auf 797 cm3 und vier Arbeitstakte. 41 PS standen neuerdings 800 kg gegenüber, auch in den Abmessungen hatte der der Kleine zaghaft zugelegt.

Suzuki LJ80 (1978) - der sympathische kleine Geländewagen
Copyright / Fotograf: Werk / Suzuki

Bis 1981 wurde der LJ 80 in verschiedenen Ausführungen (offen/geschlossen/Pickup) rund 15’000 Mal produziert, dann löste ihn eine neue Generation ab, die es nicht mehr ganz mit dem rustikalen Charme des Vorgängers aufnehmen konnte.

Ein ehrlicher Geländewagen

Von seinem Naturell her war und ist der Suzuki LJ 80 ein Geländewagen traditioneller Prägung, will heissen mit selbsttragendem, massivem Chassis und blattgefederte Starrachsen an beiden Enden. Über den kurzen Radstand von 193 cm stülpten die Japaner eine knuffige Karosserie, die ursprünglich ohne Türen und Dach auskam, für die Exportmärkte hierzulande aber mit zwei massiven Türen und einem Überrollschutz ausgestattet werden musste.

Suzuki LJ 80 (1981) - viel unverkleidetes Blech im Innern
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Zwei Sitze vorne und eine eher kompromissbeladene Doppelbank hinten waren für den Passagierkomfort zuständig. Ein einfaches, aber informatives Cockpit fütterte den Fahrer mit den nötigen Informationen. Viel unverkleidetes Blech und robuster Plastik sorgten für mehr oder weniger Geborgenheit. Wichtiger war, dass man alles leicht reinigen und notfalls mit dem Schlauch abspritzen konnte.

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Bonsai-Jeep

Am Suzuki LJ 80 war alles dran, was einen richtigen Geländewagen ausmacht. Vier normale Vorwärtsgänge konnten über ein zusätzliches Reduktionsgetriebe für den Offroadeinsatz untersetzt werden, die Vorderräder konnten bei Bedarf mitangetrieben, die Hinterräder gesperrt werden. Auf diese Weise war kaum ein Weg unpassierbar, wenn nötig auch Steigungen bis 104 Prozent (46 Grad). Die meisten damaligen Geländewagen konnten das nicht besser, wenn nicht sogar schlechter.

“Im Gelände ist der einfach konzipierte Suzuki imstande, Überdurchschnittliches zu leisten. Er ist hier keineswegs durch seine geringe Leistung benachteiligt, sondern meistert Hindernisse und Steigungen ebenso gut, bisweilen sogar besser als stärkere Kollegen. Der geringe Radstand und die schmale Spurbreite lassen ihn nicht selten dort durchkommen, wo die grossen Kollegen schon aus Platzgründen in Schwierigkeiten geraden”, schrieb Auto Motor und Sport im Jahr 1980.

Suzuki LJ 80 (1981) - der kleine Motor füllt den Motorraum komplett aus - die Motorhaubenverriegelung findet sich übrigens im Handschuhfach
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Natürlich offerierte der LJ 80 keine sportwagenmässigen Fahrleistungen, 0 bis 100 km/h konnten die deutschen Tester gar nicht messen, weil dem Suzuki die Luft schon bei 97 km/h ausging, 80 km/h erreichte der Geländefloh in 19,8 Sekunden. Da gab sich die geschlossene Variante, die die Automobil Revue im selben Jahr prüfte, deutlich leistungsfähiger, denn hier lagen 103 km/h drin, die Beschleunigung von 0 bis 100 km/h dauerte 44,6 Sekunden. Als Testverbrauch notierten die Schweizer 10.8 Liter pro 100 km, die Deutschen 10,1 Liter pro 100 km.

Geduld gefordert

Für die Leute, die es richtig eilig hatten, eignete sich der Suzuki LJ 80 also nicht. Und noch weniger Freude hätten sie an einem neuen Suzuki gehabt, denn die Betriebsanleitung empfahl für die ersten 1000 km eine Spitzengeschwindigkeit von 55 km/h! Das Studium der Betriebsanleitung offenbarte überhaupt einige interessante Hinweise, so sei zum Beispiel beim Umschalten von zwei auf vier angetriebene Räder das Lenkrad gerade zu halten.

Nischenerfolg

Der Suzuki LJ 80 wurde zum Bestseller, im Jahr 1980 eroberte der kleine Offroader beispielsweise einen Drittel des deutschen Geländewagen-Marktes. Auch in der Schweiz lief der Verkauf wie geschmiert und etablierte die hierzulande noch junge Marke Suzuki schnell im Markt. Als Grund für den erfolgreichen Einstand des LJ 80 sah man darin, dass er so günstig war, dass ihn auch Leute als Zweitwagen kaufen konnten, die sonst eigentlich gar nicht genug Geld für ein zweites Auto hatten. Zudem wurde der mit DM 13’438 oder CHF 11’490 günstige Kleine wohl oft vom Ehemann für die Frau gekauft mit der Absicht, am Wochenende dann selber das Gelände aufsuchen zu können damit.

Suzuki LJ 80 (1981) - im Wald unschlagbar, dank geringem Gewicht und kompakten Ausmassen
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard
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Luftig, lustig

41 PS, 798 cm3 und 800 kg tönen nicht nach viel und sind es auch nicht. Müssen es auch nicht sein, denn kaum ist die Plane unten, verströmt der offene Suzuki jede Menge Charme und er wird seinem Äusseren auf jeden Fall gerecht. Geschlossen nervt das Stoffdach mit eher lauten Flattergeräuschen, während der Motor durchaus akzeptable Manieren zeigt. Nur die Kupplung reagiert etwas giftig und der Fahrkomfort leidet unter dem kurzen Radstand. Auf engen Strässchen aber ist der LJ 80 fast unschlagbar, solange man sich mit 80 km/h zufrieden gibt. Und die vier Trommelbremsen nicht überfordert.

Kaum werden die Strassen schlechter oder fehlen gar ganz, kommt der kompakte Allradler sowieso in sein Element. Ähnlich einem Haflinger kennt er kaum Hindernisse und nun passt auch das minimalistische Interieur und der einfach zu reinigende Innenraum.

“Mehr Spass am Verkehr”, titelte die Marketing-Abteilung anfangs der Achtzigerjahre in einem LJ-80-Prospekt und tatsächlich trifft diese Aussage heute noch viel mehr zu als vor 35 Jahren.

Wir danken der Suzuki Automobile Schweiz AG und der Emil Frey Classics für die Gelegenheit, den Suzuki LJ 80 aus dem Museum entführen zu dürfen.

Weitere Informationen

  • AR-Zeitung Nr. 52/1980 vom 18. Dez. 1980, ab Seite 19: Test Suzuki LJ 80
  • Auto Motor und Sport Heft 20/1980, ab Seite 160: Testbericht Suzuki LJ 80
  • Auto Motor und Sport Heft 7/1981, ab Seite 212: Der LJ80 hat einen Drittel des deutschen Geländewagenmarktes erobert

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von em******
23.10.2019 (21:44)
Antworten
Nicht zu vergessen das vom Heck in den Innenraum gesaugte Abgas.
von mr******
19.09.2017 (08:50)
Antworten
absolut toller Bericht, fehlt allerdings der Hinweis auf die sehr große Rostanfälligkeit ! Bin damals mal in meinen LJ eingestiegen und tatsächlich im Bodenblech durchgebrochen... habe die allerschönsten, sowie teuren Erlebnisse diesem, mir wirklich liebsten Mini-Renegade, zu verdanken. Eine LiMa kostete damals beim Suzuki-Händler über DM 1300,- ohne Einbau... Ersatzreifenhalterung am Heck einfach abgerostet...viel zu teuer. ebenfalls hatte ich über eine Krümmer-Materialermüdung zu klagen... solche Mängel habe ich bei keinem weiteren auto jemals wieder erlebt.
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