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REO Flying Cloud - fliegende Wolke mit Sechszylinderschub und Rock’n Roll

Erstellt am 11. November 2016
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
31
Archiv 
3
REO Flying Cloud (1929) - aus dieser Perspektive sahen ihn wohl die damaligen Ford-T-Fahrer meist
REO Flying Cloud (1929) - zweisitziges Coupé
REO Flying Cloud (1929) - typische Karosserieform der Zwanzigerjahre
REO Flying Cloud (1929) - elegant, aber nicht übertrieben
REO Flying Cloud (1929) - das Reserverad sitzt am Heck
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“Keep on loving you” heisst ein bis heute bekannter Hit aus dem Jahr 1980, eingespielt durch die Band “REO Speedwagon”. Und diese Softrockgruppe hatte sich ihren Namen von einem leichten Lastwagen des Autoherstellers REO ausgeliehen, gebaut zwischen 1915 und 1953 (allerdings unter dem Namen “Speed Wagon”). 

Während aus dem Hit ein Evergreen wurde, wurde die Marke REO Motor Car Company bereits in den Fünfzigerjahren übernommen und ging in der Folge vergessen. Dabei gehörte sie im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts noch zu den vier reichsten Autoherstellern der USA. Doch dann übernahmen Ford und General Motors die Spitze und REO wurde zum Spezialisten.

Gegründet wurde REO 1905 durch Ransom E. Olds, einem Unternehmer, der 1987 bereits die Firma Olds Motor Vehicle Company (später Oldsmobile) aufgebaut hatte. Der Name REO geht auf die Initialien des Gründers zurück, nachdem ihm die Konkurrent Bezeichnungen wie “Olds Motor Works” verboten hatte.

Zwei Konstruktionen der Firma REO stechen bis heute aus den vielen produzierte Modellen heraus, der Royale, den es mit Semi-Automatik und thermostatisch gesteuerten Kühleröffnung gab, und den Flying Cloud, der 1927 eingeführt wurde.

Zuerst die Praxis, dann die Theorie

Setzen wir uns ans Lenkrad eines REO Flying Cloud (zu deutsch: Fliegende Wolke) aus dem Jahr 1929. Das Lenkrad ist links, im Fussbereich finden sich gleich fünf Pedale, respektive Knöpfe. Wer den REO starten will, erfährt schnell warum. Der am weitesten rechts gelegene Knopf ist nämlich für die Betätigung des Anlassers zuständig. Wer dazu noch Gas geben möchte, der braucht also schon zwei Füsse, wobei er den rechten zur Betätigung des Anlassers am Schalthebel rechts vorbeizirkeln muss.

Bild REO Flying Cloud (1929) - macht einen kräftigen Eindruck auf der Strasse
REO Flying Cloud (1929) - macht einen kräftigen Eindruck auf der Strasse

Doch der Reihensechszylinder startet spontan und verfällt schnell in einen gesunden und gleichmässigen Leerlauf. Das Dreiganggetriebe ist natürlich unsynchronisiert und begrüsst Zwischenkuppeln beim Hochschalten, Zwischengas beim Herunterschalten. Der erste Gang liegt links hinten wie bei einem Ferrari der Siebzigerjahre. Die Gänge 2 und 3 liegen dann im üblichen H-Muster rechts vorne und hinten. Der Rückwärtsgang passt in die letzte Bucht des “H”, also links vorne.

Kupplung und Bremse lassen sich gut betätigen und generell macht die Fahrt im fast 90-jährigen Auto weniger Schwierigkeiten, als man vielleicht vorher vermutet hätte.

Bild REO Flying Cloud (1929) - ein dickes Lenkrad ist nötig, um den Wagen zu bändigen
REO Flying Cloud (1929) - ein dickes Lenkrad ist nötig, um den Wagen zu bändigen

Richtig kompakt ist der ergraute Amerikaner natürlich nicht, richtig übersichtlich auch nicht, vor allem das Umfeld hinter der Besatzung lässt sich nicht besonders gut beobachten.

Bild REO Flying Cloud (1929) - Reihensechszylinder mit zentralem Vergaser
REO Flying Cloud (1929) - Reihensechszylinder mit zentralem Vergaser

Rund 65 PS schüttelt der Sechszylinder bei tiefen Drehzahlen ohne spürbare Anstrengung aus dem Ärmel, damit kommt man zügig voran und wird nur selten zum Verkehrshindernis. Eher ist es umgekehrt, denn die Verzögerung kann deutlich weniger gut mit dem modernen Verkehr mithalten als die Beschleunigung. Aber darauf stellt man sich hinter den grossen Holzlenkrad einfach ein, wenn man vom zweiten in den dritten Gang wechselt.

Bild REO Flying Cloud (1929) - elegant, aber nicht übertrieben
REO Flying Cloud (1929) - elegant, aber nicht übertrieben

Ein Kind seiner Zeit

Erstmals gezeigt wurde der REO Flying Cloud im Jahr 1927 bis 1936, die Motoren wiesen immer sechs Zylinder auf, der Hubraum änderte sich von Jahr zu Jahr.

Obwohl fortschrittlich, wich der Flying Cloud nicht grundsätzlich von den Konstruktionsprinzipien seiner Zeit ab. Die Karosserie sass auf einem massiven Rahmen, die Vorder- und Hinterräder waren je an einer Starrachse mit halbelliptischen Längsfedern aufgehängt. Verzögert wurde allerdings hydraulisch mit Innenbackenbremsen an allen vier Rädern, keine Selbstverständlichkeit in jener Zeit. Die Handbremse wirkt direkt auf das Getriebe.

Die Lenkung wurde über Schnecke und Segment geführt.

Der Motor wie einen Hubraum von 3516 cm3 auf und leistete 66 PS bei 2800 Umdrehungen. Die sechs Zylinder/Kolben im gemeinsamen Block weisen je rund 85 mm Bohrung und 102 mm Hub auf. Die Ventile sind stehend angeordnet. Für das Gemisch ist ein Vergaser von Schelber zuständig.

Die Kraft wird über eine Einplatten-Trockenkupplung auf das Dreiganggetriebe übertragen und von dort via Kardanwelle auf die Hinterachse geführt. Ein Differential erleichtert das Kurvenfahren.

Der Anlasser war elektrisch, genauso wie die Beleuchtung und die Signalanlage für die Richtungsanzeige.

Rund 1050 kg schwer wiegt das Fahrgestell ohne Aufbau, als fertiges Auto kommen rund 1,5 Tonnen auf die Waage.

Als Höchstgeschwindigkeit wurden damals vom Werk 115 km/h angegeben, der Verbraucht wurde auf 15 Liter pro 100 km geschätzt.

1929 gab es auch noch eine stärkere Variante mit 4397 cm3 grossem Sechszylinder, der 82 PS leistete und den Wagen auf 125 km/h beschleunigen konnte.

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Verschiedene Ausführungen

Den Flying Cloud gab es als Coupé, als Victoria, als Sport Coupé und als Brougham, die Preise betrugen damals in den USA zwischen USD 1625 und 1795.

Bild REO Flying Cloud (1929) - Werbung in den USA im Jahr 1929
REO Flying Cloud (1929) - Werbung in den USA im Jahr 1929

“Falls Sie der richtige Besitzer für diesen Wagen sind, dann werden Sie es in der Minute wissen, in der sie ihn das erste Mal ausprobieren”, schrieben die REO-Texter in einer Werbung von 1929. Die Werbung war im Übrigen auch direkt an Frauen gerichtet, die zunehmend auf den Geschmack kamen, selber ein Automobil zu besitzen.

Das ideale Automobil

Als der Generalvertreter UTO Garage Automobil AG den REO Flying Cloud für den Genfer Autosalon von 1928 ankündigte, sprachen er von nicht mehr oder weniger als dem “idealen Automobil”. Denn der Wagen entspreche 100% den Anforderungen, die im Januar 1926 von der Society of Automotive Engineers zusammengetragen worden seien, so stand es in der Werbung.

Bild REO Flying Cloud (1928) - Werbung aus dem Jahr 1928
REO Flying Cloud (1928) - Werbung aus dem Jahr 1928
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Fast ein Massenprodukt

“Kein amerikanischer Wagen lebt so lang wie REO, nicht einer!”, stand wenige Monate später in der Werbung der UTO-Garage und man bezog sich dabei auf eine Untersuchung eines Professors Griffin, die ergab, dass in den USA deutlich mehr REOs unterwegs seien (nämlich 117’126) als man es normalerweise eigentlich erwarten würde (81’173). Die Differenz führte man auf eine besonders hohe Überlebensrate zurück, die sogar höher lag als bei Cadillac.

Selten war der REO Flying Cloud damals sowieso nicht, alleine im Jahr 1929 sollen eine fünfstellige Anzahl entstanden sein, doch nur wenige davon haben überlebt.

Heute dürfte man mit dem REO an jedem Treffen vermutlich als alleiniger Markenvertreter dastehen, trotz der überschaubaren Investitionen, die man beim Kauf des nicht uneleganten Wagens aufbringen muss.

Wir danken der Oldtimer Galerie für die Gelegenheit zur Probefahrt.

Bilder zu diesem Artikel

Bild REO Flying Cloud (1929) - aus dieser Perspektive sahen ihn wohl die damaligen Ford-T-Fahrer meist
Bild REO Flying Cloud (1929) - zweisitziges Coupé
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Bild REO Flying Cloud (1929) - kein Schwiegermuttersitz, aber grosser Kofferraum, der auch seitlich zugänglich ist
Bild REO Flying Cloud (1929) - Blick durch das Heckfenster in den Wagen
Bild REO Flying Cloud (1929) - der Fahrerarbeitsplatz
Bild REO Flying Cloud (1929) - ein dickes Lenkrad ist nötig, um den Wagen zu bändigen
Bild REO Flying Cloud (1929) - umfangreiche Uhrensammlung, die Tankuhr rechts fehlt und wurde durch Warnlampen ersetzt
Bild REO Flying Cloud (1929) - nicht nur die Wassertemperatur wird angezeigt, sondern auch beschrieben (kalt, Sommer, Gefahr)
Quelle:
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von ka******
23.11.2016 (16:58)
Antworten
E.R.A. is the correct Brand:-)
Favicon
von MIKE DREHER
22.11.2016 (08:15)
Antworten
REO steht zweifelsfrei für Ransom Eli Olds. Ein Zusammenhang mit Oldsmobile - ein Jahrzehnte auch in der CH sehr verbreiteter US-Wagen der Oberklasse (hierzulande und damals) ist gegeben. Oldsmobile war eine der "mittleren" GM-Marken in den USA, über Chevrolet und Pontiac, aber unter Buick und Cadillac. 1971 kaufte ich als Student in den USA ein Olds 98 Coupé und brachte es dem stolzen Besitzer/Auftraggeber in die Schweiz mit. Es war Herr Jakob Züllig, der die Arbonia Werke in Arbon aufgebaut hatte. Den Wagen habe ich vor einigen Jahren im TG noch auf der Strasse gesehen.
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