Panhard CD - Aerodynamik- und Effizienzwunder

Erstellt am 5. Mai 2016
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Daniel Reinhard 
50
Bruno von Rotz 
3
Archiv Besitzer 
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Bonhams 
1
Archiv 
24

1962 stellte Panhard auf dem Pariser Autosalon einen Sportwagen vor, der mit einem Zweizylindermotor im Renntrimm über 200 km/h schnell war und bei konstant 70 km/h gerade einmal 3,7 Liter Superbenzin pro 100 km konsumierte. Und dies dank geradezu rekordverdächtiger Aerodynamik und intelligentem Leichtbau.


Panhard CD (1962) - Präsentation am Autosalon in Paris von 1962
Archiv Automobil Revue

Zwei Männer

Panhard CD hiess das Wunderauto und sein Leben hatte es zwei Männern zu verdanken, Charles Deutsch, dessen Initialen sich in der Typenbezeichnung wiederfinden, und René Bonnet, der zusammen mit Deutsch über Jahre die Firma D.B. geführt hatte. Deutsch-Bonnet waren verantwortlich für viele Le-Mans-Klassensieger und einige ansehnliche Sportwagen, die in vielen Fällen auf Panhard-Technik basierten. Bonnet aber wollte stärkere und grössere Motoren und die bekam er bei Renault, so trennten sich die Wege. Deutsch fand samt einem bereits fertig entwickelten Sportwagen bei Panhard Unterschlupf.

Über 200 km/h

Am 23./24. Juni 1962 fuhr der Panhard CD mit André Guilhaudin und Alain Bertau am Steuer  255 Runden, was gleichbedeutend mit dem Kategoriensieg (bis 850 cm3) und dem Gewinn der begehrten Performance-Index-Wertung war. Noch eindrücklicher aber waren vielleicht der 204,8 km/h, mit der Panhard CD auf der Hunaudières-Geraden gemessen wurde und dies mit einem auf 701 cm3 grossen Motor.


Panhard CD (1962) - elegante Silhouette, unveränderte Silhouette gegenüber der Le-Mans-Version
Archiv Automobil Revue
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Zwei Zylinder

Im Herbst 1962 stand die Serienversion des Panhard CD auf dem Autosalon von Paris. Der Le-Mans-Erfolg wurde natürlich ausgeschlachtet, aber natürlich hatte man den Wagen etwas zivilisiert. Als Motor kam das Aggregat aus dem PL 17 Tigre mit 848 cm3 zum Einsatz, der mit zwei luftgekühlten Zylindern rund 50 PS auf die Vorderachse wuchtete.


Panhard CD (1964) - der luftgekühlte Zweizylindermotor
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Räder waren rundum einzeln aufgehängt, die vorne installierte obere Querblattfeder, eine Reminiszenz vergangener Jahrzehnte, erstaunte angesichts der ansonsten sehr modernen Konstruktion. Gebremst wurde mit Trommeln, diese waren sozusagen in die Felgen integriert und damit besonders gut belüftet und gross dimensioniert.

cw 0.22

Am auffälligsten am CD aber war seine offensichtlich aerodynamisch optimierte tropfenförmige Karosserie aus Kunststoff, die auf ein Zentralrohrrahmenchassis geschraubt war. Die Version von Le Mans soll auf einen cw-Wert von 0.17 gekommen sein, für die Serienversion wurden 0.22 genannt, Panhard selber kommunizierte 0.26. Egal, was war war, der Panhard CD hätte auch CW heissen können, denn selbst 20 oder 30 Jahre später galten 0.30 noch als sensationell.


Panhard CD (1964) - an jedem Detail ist das Streben nach guter Aerodynamik sichtbar
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Der geringe Luftwiderstand und die geringe Stirnfläche (Breite 160 cm, Höhe 118.5 cm) waren für die überdurchschnittlichen Fahrleistungen und den geringen Verbrauch verantwortlich. Die Tageszeitung “L’Equipe” notierte damals 3,7 Liter Verbrauch auf 100 km bei konstant 70 km/h, 4,3 Liter bei konstant 100 km/h - Werte, die auch heute noch für niedrige CO2-Ausstösse sorgen würden.

In Le Mans allerdings dürften die Panhard-Piloten etwas gelitten haben, denn die Autos, die sie auf der langen Hunaudières-Geraden dank ihrer aerodynamischen Effizienz und der guten Bremsen überholen konnten, fuhren ihnen beim Beschleunigen aus den Ecken wieder um die Ohren.

Für zwei Personen

Trotz seiner Länge von vier Metern ist der Panhard CD auf zwei Personen ausgelegt. Diese finden aber nach einem überraschend einfachen Einstieg deutlich weniger bedrängte Verhältnisse im elegant ausstaffierten Innenraum vor, als es die niedrige Bauhöhe erwarten liesse. Und sie freuen sich über bequeme Sitze und eine Rundumsicht, die manchem Auto der Moderne gut anstehen würde.


Panhard CD (1964) - bietet mehr Platz, als man vermuten würde
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Leise geht es nicht zu im Panhard. Die knappe Geräuschisolation hält den Lärm des Zweizylinders kaum vom Innenraum fern und die Kunststoffkarosserie verstärkt Dröhngeräusche. Dafür überzeugt das leer keine 600 kg schwere Coupé mit guten Fahreigenschaften, die deutlich höhere Kurvengeschwindigkeiten zulassen als beim zivileren Schwestermodell PL 24.

Keine 200

15’500 Francs musste man zahlen, wenn man einen Panhard CD kaufen wollte, für dasselbe Geld hätte man sich auch fast zwei Mittelklasselimousinen kaufen können. So erstaunt es nicht, dass zwischen 1962 und 1965 keine 200 Exemplare gebaut wurden und dies vorwiegend von Hand, wie man auch heute noch anhand der Schweissnähte am Fahrgestell feststellen kann.

Etwa 30 haben überlebt, entsprechend selten hat man also das Vergnügen, einem leibhaftigen CD zu begegnen. Fahrgestell 114, fertiggestellt am 27. Mai 1964, ist einer der Überlebenden. Nach einer kurzen Zeit als Versuchsfahrzeug wurde der Wagen an die Central Garage Bondy ausgeliefert und erhielt zwei Motoren mit auf den Weg. Der zweite war eine optimierte Version von Hampe und verfügte über Doppelzündung und zwei Doppelvergaser sowie einen vergrösserten Hubraum. Rund 80 PS dürften da wohl dringelegen haben.

Fernsehstar

Nach Jahren in Frankreich (Kennzeichen 301 NF 25) gelangte der Wagen in die Schweiz. Eine Totalrestaurierung des noch kompletten Sportwagens wurde initiiert. Erst der nächste Besitzer stellte diese fertig. Das Ergebnis war so überzeugend, dass dem Panhard nicht nur ein Fahrbericht in der Zeitschrift Motor Klassik (Heft Februar 1986) gewidmet wurde, sondern dass das Coupé sogar zu einem Fernsehauftritt kam, nämlich in Kuhlenkamps Sendung “EWG” (einer wird gewinnen) am 28. November 1985.


Panhard CD (1964) - in der Fernsehsendung "Einer Wird Gewinnen" mit Kuhlenkampf im Jahr 1985
Copyright / Fotograf: Archiv Besitzer

Noch einmal wechselte der Panhard im Jahr 1986 den Besitzer bis ihn der heutige Eigner Andy Mettler im Jahr 2014 übernehmen konnte, beim Kilometerstand 92’446. Ein paar Standschäden hatte er und auch die Kolben kippten, doch Mettler trieb ihm die Flausen aus.


Panhard CD (1964) - schmale Reifen, in die Felgen integrierten Bremstrommeln
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Jetzt teilt er mit einem Panhard PL 24 eine kleine Garage und wird von Zeit zu Zeit ausgefahren, z.B. an das Kunststoffauto-Treffen “ Fantastic Plastic ”, das alljährlich und zum nächsten Mal am 4. Juni 2016 stattfindet.

Dieser Bericht erschien auch im gedruckten Jahresmagazin Zwischengas 2015/2016 , das noch immer erhältlich ist. Wir danken Andy Mettler für seine Bereitschaft, uns den schnellen Panhard zu zeigen.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von 8f******
24.05.2016 (15:14)
Antworten
Interessant dass die Silhouette eine erstaunliche Ähnlichkeit mit dem Citroen DS aufweist
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