Nach 60 Jahren zurück in Steckborn - bestplatzierte Jaguar-Sportwagen erneut am Start des Bergrennens

Erstellt am 17. September 2015
, Leselänge 4min
Text:
Stefan Fritschi
Fotos:
Bruno von Rotz 
5
Fotostudio Zumbrunn 
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Balz Schreier 
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Archiv 
6
Jaguar XK 120 Stahl (1950)
Jaguar XK120 (1949) - mit Alukarosserie
Jaguar XK 120 Alu (1949)
Jaguar XK 120 Alu (1949)
Jaguar XK 120 Stahl (1950) - in Steckborn 1955
Jaguar XK 120 Stahl (1950) - in Steckborn 1955
Bild von Partner Württembergische

Ein seltenes, wenn nicht sogar sensationelles Ereignis: das Siegerfahrzeug und der Zweitplatzierte des Bergrennens Steckborn-Eichhölzli von 1955 kehren zum Revival am 26. und 27. September 2015 an die Stätte ihrer Triumphe zurück.

Bild Jaguar XK120 Alu (1949) - Gewinner des Bergrennens Altstätten-Stoss 1952
Jaguar XK120 Alu (1949) - Gewinner des Bergrennens Altstätten-Stoss 1952

Über 250 Oldtimer werden am Memorial-Bergrennen Steckborn-Eichhölzli teilnehmen. Für die beiden XK120 von Jaguar-Enthusiast Christian Jenny ist es ein Wiedersehen mit der Stätte ihres Triumphs. Denn sie belegten 1955, also vor genau 60 Jahren, die Plätze eins und zwei ihrer Klasse. Für Jenny war es sofort klar, dass er seine beiden Katzen zu diesem einmaligen Ereignis an den Untersee bringen und dieses schöne Stück Schweizer Rennhistorie neu aufleben lassen muss.

Eigentlich nur als Showcar gedacht

Die erste Serie XK120 OTS (Open Two Seater) wurde mit Aluminiumkarosserien ausgerüstet. Nur 240 der insgesamt 7612 gebauten XK120 Roadster sind aus Alu. Denn eigentlich wollte William Lyons mit dem Showcar an der London Motor Show 1948 lediglich seinen neuen XK-Motor präsentieren. Es kam anders, die Kunden wollten den glattflächigen und modernen Sportwagen kaufen. So entstand die Alu-Kleinserie auf Eschenholzrahmen. Die späteren Serienfahrzeuge wurden schliesslich in Stahl gefertigt, auch als geschlossenes Coupé. Zehn frühe Alu-Roadster wurden an Schweizer Kunden ausgeliefert. Nur das Schicksal von vier dieser Fahrzeuge ist bekannt, deren drei befinden sich in der Schweiz. Darunter auch Christian Jennys geschichtsträchtiges Exemplar mit Baujahr 1949 und Fahrgestellnummer 670063.

Bild Jaguar XK 120 Roadster (1949) - Teilnehmer in der Klasse F - California Dreamin' - am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2013
Jaguar XK 120 Roadster (1949) - Teilnehmer in der Klasse F - California Dreamin' - am Concorso d'Eleganza Villa d'Este 2013

Alu-XK mit kompletter Schweizer Rennhistorie

Die Auslieferung erfolgte am 12. Januar 1950 über Emil Frey Zürich an Albert „Bätsch“ Scherrer aus Riehen, der das Fahrzeug zu Renn- und Rallyezwecken kaufte. Der erste Einsatz beim nationalen Rundstreckenrennen Erlen 1950 endete leider vorzeitig mit Kupplungsschaden. Aber im gleichen Jahr gab es mit dem 3. Rang in der Sportwagenklasse am weltbekannten GP von Bern gleich einen Podestplatz. Nach weiteren sehr guten Platzierungen dann der erste Sieg beim Bergrennen Rheineck-Walzenhausen 1951 in der Klasse Seriensportwagen über 3 Liter. Zahlreiche weitere Rennsiege folgten, darunter auch am GP von Bern 1951 bei den Seriensportwagen über 1,5 Liter, ein Jahr später gab es in Bern die Silbermedaille. Und schliesslich holte sich „Bätsch“ 1955 den Sieg beim Bergrennen Steckborn-Eichhölzli in der höchsten Hubraumklasse.

Bild Jaguar XK 120 Alu (1949)
Jaguar XK 120 Alu (1949)

Danach kamen für das in der seltenen und sehr eleganten Originalfarbe "Bronce" lackierte und mit "Biscuit and Tan"-Interieur ausgestattete Fahrzeug ruhigere Zeiten. 1988 wurde es vom bekannten Jaguar-Spezialisten Urs Schmid aus Solothurn übernommen und sanft renoviert. Die komplette Substanz blieb aber erhalten, auch die Fahrleistung von nur 98000 km ist verbürgt. Zum Thema Fahrleistungen gibt es wenig zu sagen. Diese sind für ein so altes Fahrzeug hervorragend. Die Modellbezeichnung kolportiert bekanntermassen, dass die Höchstgeschwindigkeit 120 Meilen pro Stunde, also fast 195 km/h, betragen soll. Möglich macht dies der besagte XK-Reihensechszylinder mit zwei obenliegenden Nockenwellen, Alu-Zylinderköpfen, Grauguss-Block, 3,4 Liter Hubraum und 162 PS. Er ist ein Langhuber, bringt Drehmoment schon aus dem Keller und ist sehr zuverlässig, weil er nicht unbedingt als hochgezüchtet bezeichnet werden kann. Und er war ein Universalgenie, das gleichzeitig Rennen gewinnen, aber auch in luxuriösen Limousinen Dienst tun konnte. Urs Schmid wollte „seinen“ XK120 gerne selber in Steckborn pilotieren. Doch leider verstarb er im Juli diesen Jahres.

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Einer der ältesten Stahl-XK der Schweiz

Der zweite XK120 wird von Jaguar-Intimus Georg Dönni gefahren. Es handelt sich um die Fahrgestellnummer 670387 und damit um eines der ersten Autos mit Stahlkarosse sowie um einen der frühesten Stahl-XK in der Schweiz überhaupt. Die Erstauslieferung erfolgte am 26. Juli 1950 durch die Garage Claparéde in Genf.

Bild Jaguar XK 120 Stahl (1950)
Jaguar XK 120 Stahl (1950)

Das Fahrzeug war in der Folgezeit meist in der Westschweiz immatrikuliert. Der Garagist Robert Jenny — ohne verwandtschaftliche Bindungen zum heutigen Besitzer —  benutzte es als Partner in der „Ecurie La Meute“ öfters für Rennen. Schliesslich erfolgte der legendäre Zweikampf mit Scherrer beim Bergrennen Steckborn-Eichhölzli 1955, wo Jenny allerdings ganz knapp das Nachsehen hatte. Ab 1975 gehörte der in "Cream" lackierte und ebenfalls mit "Biscuit and Tan" ausgelederte Roadster Hans Zimmermann bevor Christian Jenny ihn 2011 zu seiner Sammlung gesellte.

Bild Jaguar XK 120 Stahl (1950) - in Steckborn 1955
Jaguar XK 120 Stahl (1950) - in Steckborn 1955

Bilder zu diesem Artikel

Jaguar XK 120 Stahl (1950)
Jaguar XK120 (1949) - mit Alukarosserie
Jaguar XK 120 Alu (1949)
Jaguar XK 120 Alu (1949)
Jaguar XK 120 Stahl (1950) - in Steckborn 1955
Jaguar XK 120 Stahl (1950) - in Steckborn 1955
Quelle:
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von st******
24.09.2015 (11:01)
Antworten
"Garagenblatt" JAGUAR XK 120 Alloy 670‘063 Dez. 1949 -- Gewicht (aufgefüllt): 1180 kg
von to******
22.09.2015 (23:31)
Antworten
Wie schwer war denn der Alu XK 120 ?
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