Holden Torana GTR-X - der Keil der Hoffnung von Down-Under

Erstellt am 4. Februar 2017
, Leselänge 5min
Text:
Bruno von Rotz
Fotos:
Holden / GM 
20
Archiv 
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Wer anfangs Oktober 1970 die Automobil Revue durchblätterte, stiess bereits auf der ersten Seite auf den brandneuen Opel Manta, ein paar Seiten weiter auf den Chevrolet Vega, dann auf die Vorstellung des neuen Vauxhall Viva, schliesslich auf einen Kurztest der Opel-Modelle Admiral und Diplomat, sowie auf Seite 39 noch auf Präsentation des Sportwagens von Holden, namens Torana GTR-X.

Das gemeinsame? Alle diese Autos stammten von General Motors und wurden in den USA, Grossbritannien, Deutschland sowie Australien unter unterschiedlichen Marken entwickelt und gebaut. Wer hier eine Plattform-Strategie suchen würde, liegt weitgehend falsch. Technisch hatten die genannten Modelle sehr wenig miteinander zu tun.


Holden Torana GTR X (1970) - auf der Höchstgeschwindigkeitsteststrecke
Archiv Automobil Revue

Die Automobil Revue stellte den australischen Neuankömmling ausführlich vor:

“Über fünfzehn Jahre lang wurde die General-Motors-Holden in Australien angehalten, auch ein sportliches Fahrzeug zu produzieren. Nun ist es bald soweit, denn kürzlich stellte Holden der Öffentlichkeit einen Sportwagen-Prototyp vor. Ob dieser Wagen in Produktion genommen wird, ist noch nicht entschieden.

Als Basis dieses Prototyps diente der Holden Torana mit Sechszylindermotor, der seinerseits aus der Lizenzfabrikation des Vauxhall Viva entstanden ist. Die Aufhängung mit vorderer Einzelradfederung und hinterer Starrachse stimmt mit dem Torana überein.

Der Dreiliter-Sechszylindermotor aus dem sportlichen Torana GTR XU-1 leistet mit zwei Horizontalvergasern 162 SAE-PS und dürfte dem leichten und windschlüpfigen- Holden GTR-X respektable Fahrleistungen verleihen. Die Karosserie besteht aus Kunststoff und ist auf einem geschweissten Kastenrahmen montiert. Die Karosserie mit der langen und tief hinuntergezogenen Motorhaube dürfte in Verbindung mit der flachen Windschutzscheibe und der geringen Querschnittfläche einen sehr guten Luftwiderstandbeiwert aufweisen. Der Kofferraum ist durch eine grosse Heckklappe, die das Fenster einschliesst, zugänglich.

Das Interieur entspricht voll und ganz dem sportlichen Charakter des Holden GTR-X. Drehzahlmesser, eine Anzahl Rundinstrumente sowie eine Konsole und Stockschaltung sind als Ausrüstung vorgesehen. Die Sitze sind mit Kopfstützen versehen, und in den Türinnenseiten sind grossdimensionierte Armstützen eingelassen.

Das Coupé bietet zwei Personen Platz und sollte in Australien ungefähr 4000 Dollar kosten.”


Holden Torana GTR X (1970) - 1,732 Meter breit, aber nur 1,135 Meter hoch
Archiv Automobil Revue

Produktion geplant

Bereits ein Jahr zuvor hatte Holden mit dem “Hurricane” ein Konzeptfahrzeug vorgestellt, dass mit seiner Technik und Optik weit ins folgende Jahrzehnt zeigte, für die Serienproduktion aber so ungeeignet war wie die meisten der General-Motors-Showfahrzeuge jener Zeit.

Beim Torana GTR-X aber dache man an die Serienproduktion, entsprechend war der Wagen so gestaltet, dass man im Alltag damit leben konnte und dass die Produktionskosten nicht ins Unermessliche steigen würden.

Mitte 1969 hatte man sich entschieden, dem Hurricane einen realistischeren Sportwagen-Entwurf folgen zu lassen und bereits gut ein Jahr später konnte man die Früchte der Arbeit zeigen.


Holden Torana GTR-X (1970) - langer und kelförmiger Vorbau, kurzes Heck
Copyright / Fotograf: Holden / GM

Das Design war gelungen, überzeugte durch seine lange spitz zulaufende Front und sein kurzes Heck. Mit einer Heckklappe geriet der Wagen sogar praktisch, auch wenn er als reiner Zweisitzer ausgelegt war.

Als Motor hatte man beim Prototyp den XU-1-3,1-Liter “186” mit knapp 162 PS eingebaut, spätere Versionen sollten den 3,3 Liter grossen und 193 PS starken Reihensechszylinder erhalten. Bei knapp über 1000 kg hätte sich da sicherlich niemand über Leistungsmangel beklagt. Tatsächlich wurden damals 8,5 Sekunden für den Sprint von 0 bis 100 km/h notiert und eine Höchstgeschwindigkeit von 210 km/h angekündigt.

Fast bis zum Serienstart

Das Publikumsecho war positiv und so schritten die Arbeiten am GTR-X im Jahr 1971 weiter vor. Prototypen wurden über die Teststrecke gescheucht, Mängel ausgemerzt.

Man arbeitete sogar bereits an den Werkzeugen und Einrichtungen, um den Wagen in vergleichsweise grossen Produktionszahlen herstellen zu können. 1973 sollte der Beginn der Fertigung sein und auf sechs Jahre war sie geplant.

Man hatte soweit wie möglich Serienteile vorgesehen für Motor, Getriebe, Aufhängungen usw., ging allerdings meist einen Schritt weiter. So war der Torana GTR-X der erste australische Wagen mit vier Scheibenbremsen, die Lenksäule war zusammengesetzt, um bei einem Unfall keine Gefahr zu bieten. Das Lenkrad selber war höhenverstellbar, auch dies keine Selbstverständlichkeit damals.


Holden Torana GTR-X (1970) - hinten war eine Starrachse montiert
Copyright / Fotograf: Holden / GM

Die ausnehmend hübsche Karosserie bestand aus Kunststoff, schliesslich hatte man bei Chevrolet mit der Corvette hier schon einiges an Erfahrung. Zudem erlaubte diese Bauform günstige Werkzeugkosten und auch kleine Serien. Und die Klappscheinwerfer, die vom Motor-Vakuum angehoben wurden (wie beim Lotus Elan) waren ein Stiltrend jener Zeit.

Es wäre also alles bereit gewesen, aber im letzten Moment entschied man sich bei Holder (oder General Motors) anders. Offenbar hatte sich der Business Case als immer schwieriger erwiesen, man sprach schon von einer zehnjährigen Produktionsdauer, um die Kosten wieder einzufahren. Zudem drohten neue Sicherheitsvorschriften, die auch den Konkurrenten Bolwell Nagari ausrotteten. So war es 1973 mit dem GTR-X bereits wieder zu Ende.


Holden Torana GTR-X (1970) - sportliches Cockpit mit kompletter Uhrensammlung
Copyright / Fotograf: Holden / GM
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Viel Potential vergeben

Was hätte alles sein können? Im Prinzip hätte sich der Holden Torana GTR-X auch gut als Nachfolger für den Opel GT, dessen Produktion im Sommer 1973 eingestellt wurde, geeignet, statt des Holden-Zeichens hätte man einfach den Opel-Blitz montieren, den Motor durch einen deutschen Reihensechszylinder, z.B. aus dem Commodore, ersetzen können, fertig wäre der GT2 gewesen. Doch so weit reichte die Kooperation zwischen den verschiedenen GM-Töchtern wohl nicht. Schade eigentlich, denn der GTR-X hatte sicherlich seine Qualitäten.


Holden Torana GTR-X (1970) - aus dem Prospekt - ein andere Dimension des Autofahrens
Copyright / Fotograf: Holden / GM

“Wenn der GTR-X in Produktion geht - und das sollte er auf jeden Fall -, dann werden die australischen Sportwagenkäufer Zugang zu einem Weltklasse-Fahrzeug haben zu einem Preis, den sie sich leisten können (AUS$ 3000 bis 4000)”, schrieben die Redakteure im November 1970 in der australischen Zeitschrift “Sports Car World”, doch so optimistisch sie klangen, zum Happy End kam es mit dem keilförmigen Coupé leider nicht.

Weitere Informationen

Bilder zu diesem Artikel

Quelle:
von fi******
18.02.2020 (07:21)
Antworten
Ja echt!! Hammer design, besser als GT
von wi******
06.02.2018 (12:03)
Antworten
Toll,das Heck - wie mit den "Boomerang"-Heckleuchten des Maserati 3200 GT.
Hätte auch sehr gut zu einem australischen Auto gepasst
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