Wenn aus Draht automobile Schönheiten entstehen

Erstellt am 26. Februar 2016
, Leselänge 3min
Text:
Thomas Suter
Fotos:
Daniel Reinhard 
19

Enrico Caruso wurde unter anderem 1903 mit dem Debut von Giuseppe Verdi’s Rigoletto in der Metropolitan Opera in New York und der Arie „La donna è mobile“ berühmt: Das Publikum war ab dieser Ladung geballter Italianità aus Sänger, Komponist und Musik so hingerissen, dass es von Caruso verlangte, die Arie zu wiederholen, etwas, das selten bis nie passiert.

Ein Name verpflichtet

Caruso ist also ein Name, der verpflichtet – damals wie auch heute noch.  Nur die Szene wechselt. Caruso heisst diesmal Giuseppe mit Vornamen, das Medium ist nicht singen sondern schweissen und die Musik über die launischen Frauen ist den Formen schöner Karosserien gewichen. Und natürlich auch der Ort: Hier die weltberühmte Metropolitan Opera in New York und da ein bescheidenes, spartanisch eingerichtetes Atelier in seinem Haus in Brugg.

Autos auf die essentiellen Linien reduziert

Dafür geht dort die Post ab: Mit feinem Draht wird die Form des Automodells nachgebildet. Ganz einfach, denken Sie? Dann versuchen Sie es mal. Es ist nämlich entscheidend, die essentiellen Linien aufzunehmen, möglichst viel wegzulassen, aber die richtige Mischung von beidem zu erreichen, damit die Modelle dann eben so aussehen, wie sie aussehen.

„Ich hatte die Idee schon lange im Kopf, mal etwas mit Draht zu machen, das eigentlich vollflächig aus Blech sein sollte“, beginnt der 43-jährige Giuseppe Caruso zu erklären. Vor fünf Jahren stellte er sich dem Problem bei der Präsentation des Land Rover Evoque in London. Mit Draht formte er die Silhouette im Masstab 1 zu 5. Ein Land Rover lag auf der Hand, schliesslich arbeitet Caruso im richtigen Berufsleben beim Autocenter-Schweiz in Safenwil.

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Aufwändige Vorbereitung

Es ist natürlich nicht damit getan, einfach Draht an Draht zu schweissen. Bevor Caruso mit einem Modell beginnt, versucht er – speziell bei Oldtimern – möglichst viele Informationen zu sammeln. Dies mit Fotos, Konstruktionsplänen, aber auch mit einem Auto als Originalvorlage. „Dann kommt es auch drauf an, ‚das’ Detail zu finden und es auch richtig zu machen, sei es ein Aussenspiegel, die Felge oder die Türgriffe“, führt er aus. Die richtigen Proportionen sind das A + O seiner Modelle. „Ich bediene mich meist dem 1 : 10 als Massstab,“ erklärt er, ist aber auch in den Lage, auf Kundenwünsche einzugehen: „Mein bisher grösstes Modell war ein Alfa Romeo 4C in 1 zu 5“.

Caruso traut sich zu, alle Modelle und formen zu können. Klar ist, dass es einfachere und kompliziertere Autos gibt. „Meine bisher grösste Herausforderung war eine Shelby Cobra mit Kotflügelverbreiterungen und Tiefbettfelgen“, meint er zurückblickend.

Nachahmung erwünscht

Aufträge erhält Caruso über Mund-zu-Mund-Propaganda. So kann er auch den Zeitaufwand gut steuern, damit die Familie nicht zu kurz kommt: „Für mich ist es ein höchst interessantes Hobby. Und das schöne daran ist, dass die Kinder Freude am zuschauen haben und auch mal versuchen wollen, eine Draht zurechtzubiegen“. Seinem Sohn Matteo ist es gelungen, eine Brille zu formen und – der Apfel fällt nicht weit vom Stamm – ein 2D-Modell von einem Fiat-500-Abarth zu schweissen.

Wobei: Schweissen ist eigentlich nicht die richtige Bezeichnung. „Eigentlich ist es hartlöten. Bei den Verbindungen gibt es jeweils einen Material-Mehrauftrag, den ich mit schleifen wieder abtrage, damit die Verbindungen schön werden“, präzisiert Caruso. Anschliessend bekommen die Modelle die Farbe (in der Regel) per Pulverbeschichtung. Beim rohen Modell findet eine chemische Vorbehandlung statt, anschliessend wird es elektrostatisch geladen, so dass sich die Pulverfarbe magnetisch anzieht und gleichmässig verteilt. Der anschliessende Einbrennvorgang dauert danach rund 20 Minuten bei 180° C.   

Immer noch Träume

Privat fährt Giuseppe Caruso einen Ford. Und Träume hat er natürlich auch. Irgendwann, so hofft er, kann er sich seinen Jugendtraum anschaffen. Typisch italienisch ist dies ein Lancia Delta HF Integrale…

Mehr zu Giuseppe Caruso erfährt man auf dessen Website .

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