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Museum Ockhuisen Collectie – Audienz beim Herrn der Sterne

Erstellt im Jahr 2022
, Leselänge 7min
Text:
Wolfram Hamann
Fotos:
Wolfram Hamann 
45
Mercedes-Benz 250 SL (1964) im Museum Ockhuisen Collectie – Der schöne 250 SL von hinten
Mercedes-Benz 290 C Cabriolet (1933) im Museum Ockhuisen Collectie – Das älteste ausgestellte Fahrzeug der Sammlung
Mercedes-Benz 290 C Cabriolet (1933) im Museum Ockhuisen Collectie – Mit geöffneter Motorhaube
Mercedes-Benz 290 C Cabriolet (1933) im Museum Ockhuisen Collectie – Auf dem Typenschild ist die Komissionsnummer erkennbar.
Mercedes-Benz 290 C Cabriolet (1933) im Museum Ockhuisen Collectie – Die nicht originalen, aber schönen Rückleuchten wurden vom Erstbesitzer nachgerüstet und bleiben dran.

In Baarn, einem kleinen Ort in der niederländischen Provinz Utrecht, befindet sich eine einzigartige Kollektion von Automobilen der Marke Mercedes-Benz. Zusammengestellt hat sie der Unternehmer Nico Ockhuisen, der sich beruflich mit Booten und Marinas beschäftigt. Seit nunmehr schon 48 Jahren widmet er sich daneben mit voller Hingabe den Fahrzeugen der Marke mit dem Stern. Alles begann damit, dass er – damals gerade 17 Lenze jung – seinem Bruder für eintausend Gulden einen gebrauchten Mercedes-Benz 170 S-V (W 136 VIII) abkaufte. Doch dabei muss er sich heftig mit dem Sternen-Virus infiziert haben, denn es blieb nicht nur bei diesem einen Wagen.

Seine Sammeltätigkeit begann mit einem 250 SL Automatic, gemeinhin als "Pagode" bekannt. Sein Exemplar ist eine "California-Version", ein 2+2-Sitzer in geschmackvoller beiger Lackierung und braunem Dach. Auf das edle Coupé folgten dutzende weitere Sternenträger und so umfasste diese wohl europaweit größte Mercedes-Benz-Sammlung zum Zeitpunkt des Besuchs des Autors 123 Exemplare, wobei ja selbst diese Zahl einen Bezug zum deutschen Hersteller hat...

In dem für die Besucher zugänglichen Museumsteil werden auf 1100 Quadratmetern fünfzig erlesene Exemplare gezeigt, weitere fünfzig Autos sind ganz in der Nähe untergebracht und der Rest steht bei Herrn Ockhuisen zu Hause. Er plant, in naher Zukunft sämtliche Fahrzeuge in einem Neubau direkt an der Autobahn A 1 unterzubringen. Derzeit werden Fahrzeuge aus neun Dekaden gezeigt, das älteste – ein Mercedes-Benz 290 C Cabrio – stammt aus dem Jahr 1933, das jüngste Auto ist von 2019. Wer die Halle betritt, ist sofort von der Farbenvielfalt der Exponate beeindruckt. Wenn man bedenkt, dass allein die Baureihe W 123 im ersten Baujahr 1976 allein in 31 Außenfarben (!) erhältlich war, könnte man wehmütig werden.

Der Hausherr führt durch die gut sortierte Kollektion

Doch dazu kommt es nicht, denn nun wird der Besucher von Nico Ockhuisen persönlich durch die Sammlung geführt. Mit offenkundiger Sympathie für die Marke Mercedes-Benz erläutert er automobile Entwicklungen, zeigt Querverbindungen auf und vermittelt die Markengeschichte höchst kompetent. Das kann dann auch schon einmal zwei Stunden oder länger dauern. Und so soll an dieser Stelle auch nur ein Überblick über die Sammlung gegeben werden.

Bild Mercedes-Benz 250 SL (1964) im Museum Ockhuisen Collectie – Nico Ockhuisen und seine erste Pagode. Mit diesem Auto wurde der Grundstein für die Sammlung gelegt.
Mercedes-Benz 250 SL (1964) im Museum Ockhuisen Collectie – Nico Ockhuisen und seine erste Pagode. Mit diesem Auto wurde der Grundstein für die Sammlung gelegt.

Die Exponate sind zeitlich nach Baureihen und Versionen geordnet. So findet man etwa die Mercedes-"Mittelklasse" chronologisch aufgereiht – also von den Vorgängern bis zur heutigen E-Klasse. Der legendäre Mercedes-Benz 300 "Adenauer" (W 188 sowie W 189) ist allein in vier Exemplaren vertreten, je eine geschlossene und eine Cabrio-Version pro Baureihe sind ausgestellt. Der Besucher erfährt, dass die "Hardtop"-Version des 300 d (W 189) der erste Mercedes war, den man mit einer Klimaanlage ordern konnte – allerdings zu einem satten Aufpreis von 3.500,– DM. Das war dann später bei nebenan geparkten dunkelbraunen Repräsentationsmodell Mercedes-Benz 600 (W 100) sicher kein Thema mehr.

Zu sehen auch sind die Klassiker der Ponton-Reihe (Vier- und Sechszylinder), verschiedene Versionen der “Heckflosse" und "Strichachter" sowie diverse Ausführungen des Typs 123. Der Sportwagentyp 107 ist hier unter anderem mit einem Coupé in der sehr seltenen, extravaganten Farbe “Cayenne-Orange" vertreten. In der Nachbarschaft zu einem roten 190 SL von 1960 steht wohl der Star der Sammlung: ein unrestaurierter 300 SL "Flügeltürer" von 1955 in einmaligem Zustand. Das Fahrzeug verfügt über ein spezielles Lenkrad und steht auf Rennrädern mit Zentralverschluss ("Rudgefelgen"). Für den Wert seines originalen Koffersatzes bekäme man heute wohl einen Kleinwagen.

Bild Mercedes-Benz 300 SL (1955) im Museum Ockhuisen Collectie – Zwei Flügeltürer: Vorne das Original, dahinter ein moderner SLS AMG
Mercedes-Benz 300 SL (1955) im Museum Ockhuisen Collectie – Zwei Flügeltürer: Vorne das Original, dahinter ein moderner SLS AMG

Das in der Nähe platzierte Mercedes-Benz 220 Coupé (Typ W 187) aus der gleichen Zeit ist aber noch seltener. Davon wurden nämlich nur 85 Exemplare gebaut, in der Sammlung wird eine US-Version mit der Originalfarbe silbermetallic gezeigt. Außer dem bereits erwähnten 290 C Cabrio verdient bei den Vorkriegsmodellen das 320 Cabriolet von 1938 besondere Beachtung, denn auch hier gibt es viele Details zu entdecken. So demonstriert der Museumschef dem Besucher, dass die auf einem Eschenrahmen basierende Tür des Wagens mit 58 Kilogramm Gewicht so schwer ist, dass sie erst unter Zuhilfenahme kleiner Rollen bewegt werden kann, bevor sie satt ins Schloss fällt. Interessant ist sicher auch, dass das Werk zu dieser Zeit keine Fahrgestellnummern auf den Typenschildern verwendete, sondern stattdessen dort eine "Commissionsnummer" vermerkte. Die Identifizierung eines Fahrzeugs erfolgte damals also anhand der Kommissionsbücher.

Bild Mercedes-Benz 320 A Cabriolet (1938) im Museum Ockhuisen Collectie – Eleganter Vorkriegs-Veteran
Mercedes-Benz 320 A Cabriolet (1938) im Museum Ockhuisen Collectie – Eleganter Vorkriegs-Veteran

Aus jüngerer Zeit findet sich ein Exemplar des W 140 mit V12-Motor, natürlich auch Autos der Baureihen 124, 126 sowie ein schwarzer SLK der ersten Baureihe (R 170). Dann ein netter Kontrast: Ein weißer "Babybenz" der Baureihe W 201 – bis auf die Automatik in karger "Buchhalteraustattung" – neben einem schwarzen 190 E 2,5-16 Evolution. Eher beiläufig erwähnt Ockhuisen dabei, dass er von dieser Baureihe auch Exemplare der Sonderserie Avantgarde in Rosso, Azzuro und Verde sein Eigen nennt. Und auch einen Evo II...

Schließen wir den Überblick mit einigen herausragenden Fahrzeugen des 21. Jahrhunderts. Neben der S-Klasse der Baureihe W 221 und den SL-Klassen R 230 und R 231 sowie einem G 550 V8 fallen insbesondere der SLS AMG und der SLR McLaren Roadster auf. Letzterer hat eine Leistung von 460 kW (626 PS) und erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von 334 km/h.

Das Beste oder nichts

Nirgends, nicht einmal im Werksmuseum, wird man an einem Ort so viele Oldtimer antreffen, die sich quasi im Neuwagenzustand befinden. "Wenn ich ein Fahrzeug mit 50.000 Kilometern Laufleistung habe, ist das schon viel", merkt Ockhuisen an. Und so sind Autos zu erleben, die eine noch deutlich geringere Laufleistung aufweisen. Hierzu drei erstaunliche Beispiele: Im Fundus befindet sich ein 220 S des Baujahrs 1957 aus dem Vorbesitz eines Berliner Professors, der mit diesem Fahrzeug nur 5945 Kilometern zurücklegte. Ferner gibt es einen Mercedes 200 D /8 in der Sammlung, der im Jahr nur 300 Kilometer bewegt wurde, nämlich vom Wohnsitz des Eigentümers in Freiburg zu dessen Ferienhaus in Überlingen und retour. Nach 25 Jahren wurde der Wagen von Ockhuisen übernommen. Und mit einem Kilometerstand von nur 6.100 Kilometer gelangte ein 280 SE "Flachkühler"-Coupé (W 111) von 1971 in die Sammlung Ockhuisen. Dabei soll es sich laut MB Classic um das weltbeste Exemplar dieses Typs handeln. In dessen Kofferraum ist sogar noch eine große, unbenutzte Dose Originallack zu finden. Einst hat sie 12,– DM gekostet.

Bild Mercedes-Benz 220 S (1957) im Museum Ockhuisen Collectie – Fast neuwertig mit nur 5945 Kilometern auf dem Tacho
Mercedes-Benz 220 S (1957) im Museum Ockhuisen Collectie – Fast neuwertig mit nur 5945 Kilometern auf dem Tacho

Apropos Lack: "Neunzig Prozent der ausgestellten Autos sind unrestauriert und weisen noch den Originallack auf. Und alle Autos sind mit Originalwachs von Mercedes versiegelt" versichert der Museumschef. Egal, ob man (erlaubterweise) mit dem Finger vorsichtig die Radausschnitte befühlt, das Interieur akribisch in Augenschein nimmt und nicht zuletzt einen prüfenden Blick auf die Gummidichtungen wirft – alles ist so, als hätten die Wagen soeben erst das Werk verlassen. Unglaublich, so etwas sieht man sonst nirgends.

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Spürbare Leidenschaft und spannende Einblicke

Wer in den Genuss einer persönlichen Führung von Nico Ockhuisen kommt, braucht keine Hinweistafeln zu den Exponaten. Denn er ist ein ausgewiesener Markenexperte, kennt jedes seiner Autos wirklich bis ins kleinste Detail und hat über die Autos und die Hintergründe viel Wissenswertes zu berichten. Etwa, dass in einem der Autos eines der ältesten Autoradios des Herstellers Philips verbaut ist. Geduldig öffnet er dem Besucher die Türen, Motorhauben und Kofferraumdeckel und fördert dabei Erstaunliches und Kurioses zu Tage: Nie benutze Reserveräder, perfekte und originale Koffersätze und noch originalverpacktes Bordwerkzeug. Und auch etliche Dokumente, wie eine Gebrauchsanweisung für die verbaute Antenne von Hirschmann. Und dann zeigt er noch ein Heft. Darin sind die Festpreise für Reparaturen durch Werkstätten des Herstellers enthalten. Erstaunlich, welche Werkstattleistungen der Kunde damals für 20 DM erhielt! Und ganze 9,50 DM berechnete die Vertragswerkstatt für den Aus- und Einbau des rechten oder linken Achsschenkels.

Bild Impressionen aus dem Museum Ockhuisen Collectie – Nico Ockhuisen hat zu den Fahrzeugen jede Menge Originalmaterial. Hier studiert er ein Heft mit Festpreisen für die Fahrzeugreparatur.
Impressionen aus dem Museum Ockhuisen Collectie – Nico Ockhuisen hat zu den Fahrzeugen jede Menge Originalmaterial. Hier studiert er ein Heft mit Festpreisen für die Fahrzeugreparatur.

Die Fahrzeuge der Sammlung stammen aus der ganzen Welt. Wer über ein derartiges in Jahrzehnten aufgebautes, globales Netzwerk verfügt, ist natürlich ein gefragter Mann. "Namhafte Klassikerbetriebe (die hier nicht namentlich genannt werden sollen) beziehen ihre Autos über mich" berichtet Ockhuisen schmunzelnd. Auch das Werk fragt ihn um Rat und auch für künstlerische Fotoproduktionen werden seine exquisiten Autos ausgeliehen. Man könnte diesem Herrn der Sterne noch stundenlang zuhören, doch irgendwann ist auch der instruktivste Rundgang beendet. Offensichtlich steht auch die Familie des Museumsgründers voll hinter dessen Passion. So erhielt die Tochter einst zwei Vornamen: Saskia und Mercedes, mit der Option, sich als Erwachsene für einen der beiden zu entscheiden. Sie entschied sich für Mercedes.

Weitere Infos zum Museum finden sich auf dessen Internetseite .

Bild Impressionen aus dem Museum Ockhuisen Collectie – Viele Sternenträger mit opulenten Wölbungen
Impressionen aus dem Museum Ockhuisen Collectie – Viele Sternenträger mit opulenten Wölbungen

Bilder zu diesem Artikel

Bild Mercedes-Benz 290 C Cabriolet (1933) im Museum Ockhuisen Collectie – Das älteste ausgestellte Fahrzeug der Sammlung
Bild Mercedes-Benz 290 C Cabriolet (1933) im Museum Ockhuisen Collectie – Mit geöffneter Motorhaube
Bild Mercedes-Benz 290 C Cabriolet (1933) im Museum Ockhuisen Collectie – Auf dem Typenschild ist die Komissionsnummer erkennbar.
Bild Mercedes-Benz 290 C Cabriolet (1933) im Museum Ockhuisen Collectie – Die nicht originalen, aber schönen Rückleuchten wurden vom Erstbesitzer nachgerüstet und bleiben dran.
Bild Mercedes-Benz 320 A Cabriolet (1938) im Museum Ockhuisen Collectie – Eleganter Vorkriegs-Veteran
Bild Mercedes-Benz 320 A Cabriolet (1938) im Museum Ockhuisen Collectie – Die Tür wiegt 58 Kilogramm.
Bild Mercedes-Benz 320 A Cabriolet (1938) im Museum Ockhuisen Collectie – Kostbares Armaturenbrett. Die Frontscheibe kann geöffnet werden.
Bild Mercedes-Benz 300 (1952) im Museum Ockhuisen Collectie – Hellgrauer 300, Zusatzscheinwerfer und Blinker setzen Farbakzente
Bild Mercedes-Benz 300 S Cabriolet (1953) im Museum Ockhuisen Collectie – Dahinter die entsprechende Coupé-Version
Bild Mercedes-Benz 300 Cabriolet (1954) im Museum Ockhuisen Collectie – Üppige Kurven
Bild Mercedes-Benz 300 d (1960) im Museum Ockhuisen Collectie – Erstmals mit Klimaanlage lieferbar
Quelle:
Logo Quelle
von ro******
05.05.2022 (12:21)
Antworten
Eine wunderbare Sammlung. Und wieder zeigt sich einmal wie wunderschön die Fahrzeuge der 300er Reihe von Mercedes-Benz waren und sind.
Die "Adenauer" waren die Vorgänger für die 600er Baureihen und die späteren Maybach Fahrzeuge. Die absolute Oberklasse. In den 50er Jahren exklusiver und teurer als die legendären 300 SL Fahrzeuge. Noch sind die 300er aus den 50er Jahren vergleichsweise günstig, mal sehen wie lange noch.
von ka******
02.05.2022 (18:37)
Antworten
Bild #22 irritiert mich insofern weil es ein senkrecht stehendes Kombi-Instrument beim Typ 220S von 1957 wohl nicht gab ebenso wie jenes Lenkrad.
Für mich sieht das sehr nach einem Heckflossen-Mercedes 220Sb ab dem Baujahr 1959 aus.
Antwort vom Zwischengas Team (henrizg)
03.05.2022 (16:02)
Da haben Sie in der Tat einen Fehler erspäht, vielen Dank für den Hinweis! Nach Rücksprache mit dem Fotografen und Autor haben wir nun die Bildbeschriftung angepasst.
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