Museo Nazionale dell’Automobile di Torino - Italienisches Automobil-Kulturgut gestern und heute

Erstellt am 15. Februar 2016
, Leselänge 3min
Text:
Daniel Reinhard
Fotos:
Daniel Reinhard 
148
Archiv Reinhard / Max Pichler 
23

Das 1932 von Carlo Biscaretti di Ruffia gegründete nationale Automobilmuseum gehört heute zu den weltbekanntesten wissenschaftlich-technischen Museen.


Museo Nazionale dell`Automobile di Torino in den Sechzigerjahren - Gebäude um 1960
Copyright / Fotograf: Archiv Reinhard / Max Pichler

Aufwändig umgebaut wurde es 2011 - durch den Architekten Ciao Zucchi, was die Aussengestaltung angeht und vom Set-Designer Francois Confino in der Ausstellungsarchitektur - und nahm dadurch neuzeitliche und zukunftsweisende Züge an. Das Restyling hat aber vor allem dazu beigetragen, dem renovierten Museum einen dynamischen und interaktiven Platz im italienischen Kulturpanorama einzuräumen.


Museumsarchitektur heute - Museo Nazionale dell`Automobile di Torino im Jahr 2016
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Gründer mit Benzin im Blut

Carlo Biscaretti di Ruffia (24. August 1879 bis 7. September 1959) war ein italienischer Industriedesigner und Grafiker. Bekannt wurde er als Automobilpionier und Designer des historischen Lancia-Logos.


Gründer Carlo Biscaretti di Ruffia - Museo Nazionale dell`Automobile di Torino
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Carlo Biscaretti di Ruffia war Conte und Sohn eines Senators, der Teilhaber von Fiat war. 1896 initiierte Carlo das erste Autorennen Italiens Torino-Asti-Torino und gründete zwei Jahre später den Automobile club di Torino, der auch als Ausgabestelle für Führerscheine verantwortlich war. 1904 schloss er sein Jurastudium ab, arbeitete jedoch vorerst für einen Karosseriebauer und gründete später das Entwicklungsbüro „Studio Tecnico Carlo Biscaretti“, dort entwarf er auch Fahrzeuge für Itala und schrieb Beiträge in Fachzeitschriften.


Museo Nazionale dell`Automobile di Torino in den Sechzigerjahren - Ausstellung der Veteranenfahrzeuge um 1965
Copyright / Fotograf: Archiv Reinhard / Max Pichler

Seit 1933 legte er eine eigene Sammlung historischer Fahrzeuge an, die heute den Grundstock des staatlich Italienischen Automobilmuseums bildet. Das Logo von Lancia geht übrigens auf eine Begegnung mit dem zwei Jahre jüngeren Vincenzo Lancia zurück, der zu Hilfe gekommen war, als Carlo Biscaretti di Ruffia mit seinem Benz liegengeblieben war.

Umbau mit Folgen

Automuseen gibt es viele, auch in unterschiedlichen Qualitäten. Meist sind es nicht die Objekte die ein Museum ausmachen, denn fast immer gibt es davon eine genügend grosse und interessante Auswahl. Vielmehr liegt es an deren Präsentation.


Museo Nazionale dell`Automobile di Torino in den Sechzigerjahren - Viel Interesse am Automobil schon damals
Copyright / Fotograf: Archiv Reinhard / Max Pichler

Turin wurde beim Umbau 2011 nach einer Phase der Helligkeit mit viel Aussen-/Gegenlicht (siehe die historischen Aufnahmen aus den frühen Sechzigerjahren) in ein sehr düsteres und dunkles Museum verwandelt.


Fiat 509 A (1929) - im Museo nazionale dell`automobile di Torino
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Alle Wände wurden schwarz und meist sind nur gerade einmal die Objekte mit Spot-Scheinwerfern angestrahlt - für Fotografierende der blanke Horror. Für das Auge, das ja bekanntlich anpassungsfähig ist, ist dies kein Problem. Jedoch gelingt die Verehrung der Objekte in Form von Skulpturen nicht. Sie stehen da, fast wie in einer abgelegenen, dunklen Scheune und wirken dadurch mehr wie Erstentdeckungen, als Meilensteine der Automobilgeschichte. Das gefällt den einen, missfällt den anderen.

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Starke Sammlung mit Automobilen der Frühzeit

Interessant ist die Sammlung der Schnauferl und Messingautos, davon sind sehr viele Fahrzeuge vorhanden. Aber ist ja auch klar, da Biscaretti bereits in den Dreissigerjahren das Museum gründete und zu jener Zeit war das Auto auch erst rund 40 Jahre alt.


Benz 8 HP Break (1899) - im Museo nazionale dell`automobile di Torino
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Fahrzeuge wirken alle sehr gepflegt, zeigen aber auch Patina, was sie noch attraktiver und authentischer macht.

Kreative Installationen

Interessant sind die Ideen, wie die Autos in der Zeitgeschichte in Szene gesetzt wurden. Die Isetta kommt aus einer Dinky-Toys Schachtel, der E-Type wird vermutlich nicht zu Unrecht als der ganz grosse "Aufreisser" dargestellt.


BMW Isetta 250 (1962) - im Museo nazionale dell`automobile di Torino
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Für den Trabi aus der Ex-DDR und den russischen Gaz wurde der halbe Checkpoint-Charlie nachgebaut, Suchscheinwerfer huschen dabei hektisch über die Karossen.


Trabant 601 (1987) - im Museo nazionale dell`automobile di Torino
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Auch Technik und Witziges

Viele wunderschöne historische Motoren, Räder und Kühlermasken zieren einen eigenen Raum. Der Witz kommt auch nicht zu kurz, denn von der fahrenden Badewanne, bis zum Klo auf Räder ist alles da. Natürlich wird auch den grossen italienischen Designern mit zwei grossen Wänden gedacht.


Motorisierte Badezimmer - Museo Nazionale dell`Automobile di Torino
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Der Motorsport wird fast vornehmlich durch rote Autos repräsentiert. Eindrücklich wirkt das Feuer auf der Rückwand der in einer Startaufstellung präsentierten Wagen.


Ferrari 246 F1 Dino (1958) - im Museo nazionale dell`automobile di Torino
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Eine ähnliche Inszenierung von Rennsportfahrzeugen findet sich auch im Mercedes-Benz Museum, dort allerdings ohne Rückprojektion. Die einzigen beiden nichtitalienischen Rennwagen sind der Mercedes-Benz W196 und der Bugatti 35B.

Von oben nach unten

Der Museumsbesuch beginnt im dritten Stock und führt dann nach unten, Pfeile am Boden geben die Richtung vor.


Die Lancia Aurelia scheint fast die Treppe hinunter zu kommen - Museo Nazionale dell`Automobile di Torino
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Die Beschriftung der Objekte, mit den am Boden liegenden grossen Tafeln wirkt leider etwas billig. Viele Studenten sorgen für Ruhe im Haus und kontrollieren die Besucher.


Alfa Romeo Giulietta Sprint (1954) - im Museo nazionale dell`automobile di Torino
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard

Man kommt überall nahe an die Autos heran und nur wenige Exponate werden mit Absperrbändern auf Distanz gehalten. Bei Berührung ertönt sofort eine Stimme aus dem Lautsprecher.

Für alle, die einmal zufällig in der Nähe von Turin sind, ist der Besuch im "Museo Nazionale dell’Automobile di Torino" nur zu empfehlen. Wobei zu sagen ist, dass sich dafür auch eine eigens angesetzte Reise in die Fiat-Metropole lohnt, denn in Turin gibt es ja noch weitere Sehenswürdigkeiten zu sehen ...

Weitere Informationen finden sich auf der Website des Museums .

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