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Bild (1/18): Museumsgebäude (© Wolfram Hamann, 2018)
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    Mullin Automotive Museum - zu Besuch bei der Mona Lisa des Automobilbaus

    5. April 2019
    Text:
    Wolfram Hamann
    Fotos:
    Wolfram Hamann 
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    Oxnard/Kalifornien? Die Stadt an der US-Pazifikküste wird in einschlägigen Reiseführern allenfalls marginal erwähnt. Ein kapitaler Fehler aus Sicht desjenigen, der automobile Preziosen der Weltklasse zu schätzen weiss. Begeben wir uns also zunächst in ein Oxnarder Gewerbegebiet. In äusserlich eher unscheinbaren Gebäuden, welche einst das Museum eines Zeitungsmachers beherbergten, residiert heute das aussergewöhnliche Mullin Automotive Museum.

    Schon etliche Monate zuvor hatte sich der Verfasser zu einer halbprivaten Führung angemeldet. Das ist unerlässlich, weil das Museum nur an bestimmten Tagen für das Publikum geöffnet ist. Bereits vor der Führung treffe ich auf dem Museumsparkplatz neben seinem Brabus-getunten Smart einen freundlichen Herrn namens Danny, der unsere knapp zwanzigköpfige Gruppe drei Stunden durch das Museum führen wird. Er ist Amerikaner mit Schweizer Wurzeln und Berufserfahrung bei BMW. Und natürlich ist er durch und durch ein car guy.

    Impression Mullin Museum
    © Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

    Wechselnde Ausstellungsstücke

    "Manchmal weiss ich morgens gar nicht, was mich gleich im Museum erwartet, denn unsere Autos sind weltweit unterwegs. Dann fehlt schon mal eins", verrät er vorab. Er wird Recht behalten: So waren bei meinem Besuch das wunderschöne hell/dunkelblaue Delahaye 135 Cabrio (welches 2014 zuerst auf der Retro Classics in Stuttgart und danach bei den Schloss Dyck Classic Days gezeigt wurde) sowie der dunkelrote Talbot-Lago T 150 CS von 1937- bekannt als "Teardop"- Coupé und einst erworben vom "Bentley Boy" Woolf Barnato - gerade "auf Tour"...

    Delahaye 135 CS Grand Prix (1936) - Mullin Museum
    © Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

    Doch der Reihe nach. Den Besucher erwartet in Oxnard schlicht und einfach die geballte Spitzenklasse des Automobilbaus aus der Ära der Stromlinie und des Art Déco. Das ist jener eher unterbewertete Kunststil, der 1925 in Paris seinen Anfang nahm und in Europa sein Ende mit dem Beginn des Zweiten Weltkriegs fand.

    Konkret finden sich bei Mullin Autos insbesondere der Marken Delage, Delahaye, Talbot-Lago, Voisin - und nicht zuletzt Bugatti. Wer es sich damals erlauben konnte, leistete sich automobile "Masskonfektion". Also bestellte man zunächst beim Hersteller ein Fahrgestell und liess dieses dann von legendären Blechkünstlern wie Chapron, Figoni & Falaschi, Gangloff oder Saoutchik karossieren.

    Nie wieder wurden derart opulente Automobile gebaut, nie wieder war die Grenze zwischen Gebrauchsgegenstand und Kunstwerk so durchlässig. Museumschef und Sammler Peter Mullin, der einst selbst Kunst studierte, macht in seinem Museum den Stil des Art Déco erlebbar, indem er den automobilen Kostbarkeiten auch zeitgenössische Möbel und Kunstwerke zur Seite stellt. Er selbst hält die Automobile der 1920er/30er Jahre für den Höhepunkt von Kunst und Design des 20. Jahrhunderts. Das ist nachvollziehbar, sind doch viele der ausgestellten Autos rollende Skulpturen.

    Impression Mullin Museum
    © Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

    Passende Ansprache

    Zu Beginn der Führung wird der Besuchergruppe ein Einführungsfilm gezeigt. Sodann startet unser Guide Danny - hier üblicherweise als "Docent" bezeichnet - den Rundgang durch das Museum. Allerdings nicht, ohne sich zuvor erkundigt zu haben, ob in der Besuchergruppe Ingenieure sind, was jedoch verneint wird. Doch zweifelsfrei hätte er auch in diesem Falle die richtige Zielgruppenansprache getroffen. Denn er weiss nicht nur zu jedem Exponat eine Geschichte zu erzählen, sondern kennt auch die technischen Details.

    Bei unserer Visite liegt der Schwerpunkt also bei den automobilhistorischen Geschichten und startet mit der Bugatti-Dynastie, der im Mullin Museum gebührender Platz eingeräumt wird. Sie beginnt beim Vater des berühmten Ettore Bugatti und endet mit dem tragischen Ende der beiden Söhne Ettores. Dieser steht natürlich im Mittelpunkt der Schilderung, von seinem Berufsstart beim Elsässer Fabrikanten de Dietrich bis zu seiner eigenen Automobilproduktion.

    Hierzu weiss Danny Amüsantes zu berichten, so etwa diese Anekdote: Der Kritik, Bugattis besässen unzureichende Bremsen, entgegnete der Patron apodiktisch, seine Autos würden schliesslich ja auch zum Fahren gebaut!

    Dezidiert eingegangen wird auch das Wirken und Schicksal der Gebrüder Schlumpf, deren Besessenheit für Automobile der Marke Bugatti legendär ist und deren Sammlung bekanntlich die Basis des heutigen Automobilmuseums im französischen Mulhouse bildet. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, dass Mullin auch Teile der sog. "Schlumpf Reserve Sammlung" zeigt. Und zwar in unrestauriertem Zustand.

    Fahrzeuge aus der "Schlumpf Reserve Sammlung" - Mullin Museum
    © Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

    "Die bleiben auch so", meint unser Docent und zeigt auf einen Bugatti Typ 57. "In diesem Auto hat 1960 einmal ein Student gewohnt". Lang ist´s her.

    Da das Mullin Museum kurz vor unserem Besuch eine ambitionierte Citroën-Ausstellung gezeigt hat (hätten Sie das in den USA erwartet?), wird die Geschichte des Fabrikanten André Citroën anhand mehrerer 2CV (dessen stilistische Ähnlichkeit mit einem Voisin Type C 25 Aérodyne übrigens frappierend ist!), der Traction Avant "Gangsterlimousine" und natürlich anhand der DS erzählt. Selbstverständlich wird dabei auch das Attentat erwähnt, welches der damalige Staatspräsident General de Gaulle trotz geplatzter Reifen - in einer DS fliehend - glimpflich überstand. Das bekannte Loblied der Hydropneumatik eben. Und es gibt den Typ SM zu sehen- und zwar als Sattelzug!

    Kastenente - Mullin Museum
    © Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

    Sodann werden wir zu einer Drehscheibe geleitet, auf der ein weinrotes Delahaye 165 Cabrio mit ausladender und atemberaubender Karosserie von Figoni & Falaschi präsentiert wird. "Das ist der grosse Bruder des "kleinen Blauen"(also des eingangs erwähnten Delahaye 135, der ja gerade wieder irgendwo auf der Welt gezeigt wird). Auch zu diesem Auto weiss unser Begleiter eine faszinierende Story zu erzählen. Es gelangte 1939 als Exponat zur Weltausstellung in New York, blieb aber in den Kriegswirren in den USA hängen und wurde danach vergessen. Angesichts des seinerzeit im Mullin Museum ausgestellten bereits erwähnten blauen Delahaye 135 ("kleiner Bruder") habe ein Museumsbesucher angemerkt, dass "so einer auch in Fresno", einer kalifornischen Stadt am Rande der Sierra Nevada, stehe.

    Delahaye 165 Figoni & Falaschi (1939) - Mullin Museum
    © Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

    Um es kurz zu machen: Es war der grosse rote Delahaye, welcher den Kindern des damaligen Besitzers als Spielplatz diente und Mullin als Ford! verkauft wurde. Er wurde aufwändig restauriert und nachdem auch noch der verschollen geglaubte Originalmotor eingebaut werden konnte, ist er nun eine der Attraktionen des Mullin Museums. Zur Marke Delahaye ist noch eine weitere Geschichte zu berichten. Sie handelt vom zwölfzylindrigen Rennwagen des Typs 145 von 1937, der in der Empore des Museums gezeigt wird. Um die überwältigende Dominanz der deutschen "Silberpfeile" von Auto Union und Mercedes zu brechen, hatte die französische Regierung einen Preis von einer Million Francs für einen französischen Sieg ausgelobt. Mit Unterstützung der amerikanischen Rennstallchefin Lucy (O´Reilly) Schell (1896 bis 1952) gelang dem französischen Rennfahrer René Dreyfus 1938 gegen Rudolf Carraciola beim Grand Prix in Pau der Sieg für Frankreich (sog. "Millionen- Francs- Rennen"). Dennoch weigerte sich die französische Regierung, den Preis an eine Amerikanerin auszuzahlen. Im Jahre 1987 erwarb Peter Mullin den zwischenzeitlich in Vergessenheit geratenen Wagen.

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    Kunstwerke verschiedener Zustände

    Während der Führung erfährt der Besucher nicht nur zahlreiche technische Details wie z. B. über Federungssysteme, sondern entdeckt auch Einzelheiten wie Art Déco-Türgriffe oder die ausgeklügelte Holzkarosserie des hochklassigen Hispano Suiza H 6 B "skiff torpedo" von 1922 und nicht zuletzt auch die zeitgenössischen Kühlermaskottchen. Und diese führen direkt zum französischen Künstler René Lalique, dem das Museum vor einigen Jahren ebenfalls eine Ausstellung widmete, sowie zu etlichen Gegenständen wie Möbeln des Art Déco.

    Möbel aus der Bugatti-Dynastie - Mullin Mseum
    © Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

    Fast beiläufig entdeckt man das bekannte Selbstbildnis der Diva und Art Déco-Malerin Tamara de Lempicka "im grünen Bugatti", der eigentlich gar keiner ist. "Das Bild befindet sich in einer Privatsammlung", schreibt wikipedia dazu. Stimmt, doch der Besucher weiss es genauer: in Oxnard bei Mullin. Aber man findet noch anderes: etwa einen Tatra 87 - in den USA sicher noch seltener anzutreffen ist als bei uns - oder die weltweit einzige Cabrioversion eines Facel Vega. Ferner wird eine silbrig glänzende Designstudie auf der Basis eines Bugatti-Fahrgestells gezeigt. Sie soll die Frage beantworten, wie ein Bugatti Typ 64 hätte aussehen könnte. Erinnern Sie sich noch an das Wrack des Bugatti Brescia, welcher - um nicht Einfuhrzoll bezahlen zu müssen - vom Besitzer einfach im Lago Maggiore versenkt, nach 70 Jahren 2009 geborgen und danach für einen humanitären Zweck versteigert wurde? Nun, dieses Auto steht ebenfalls im Mullin Museum, wenn auch etwas unheimlich illuminiert. Auch dieser Bugatti soll so bleiben wie er ist, selbst wenn man das Fragment aufwändig restaurieren könnte.

    Nach 70 Jahren aus dem Lago Maggiore geborgen - Bugatti T 22 Brescia Roadster - Mullin Museum
    © Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

    Autos von einem anderen Stern

    Kommen wir nun zu den Autos, die auch nach 80 Jahren wie von einem anderen Stern wirken. Das gilt zunächst für den Hispano-Suiza H6B Dubonnet Xenia, ein konsequent auf Stromlinie getrimmtes, am Flugzeugbau orientiertes Unikat von 1938. Abgesehen vom später bei GM in die Serie übernommenen neuartigen Federungssystem besticht das futuristische Design der von Jean Andreau entworfenen und von Saoutchik gefertigten Karosserie. Sie ist einfach aus jedem Blickwinkel überraschend und faszinierend.

    Das gilt insbesondere auch für das unbestrittene Highlight des Museums, den Bugatti Type 57 SC Atlantic von 1936. Für ihn allein würde sich die Anreise wohl schon lohnen, selbst wenn es in Europa eine Handvoll vorzügliche Rekreationen gibt - etwa in Wolfsburg oder im Museum Autovision Altlussheim.

    Bugatti T 57SC Atlantic (1936) - Mullin Museum
    © Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann

    Über diesen hellblaumetallic lackierten Bugatti ist schon viel geschrieben worden, daher hier nur so viel: Erstbesitzer des Atlantic war der englische Baron Rothschild und nach einigen Wechseln gelangte der Wagen 1971 für 59’000 Dollar in den Besitz des Sammlers Dr. Williamson. Im Jahre 2010 wurde er von einem Konsortium, dem auch Peter Mullin angehörte, auf einer Versteigerung für einen exorbitanten Preis oberhalb von 30 Millionen Dollar erworben. Seitdem ist das Auto im Mullin Automotive Museum beheimatet. Diesem Bugatti wurden viele Prädikate angeheftet: "Schönstes Auto der Welt" oder "teuerster Gebrauchtwagen der Welt" liest man da. Oder eben: "Mona Lisa des Automobilbaus".

    Wobei der Vergleich letztlich nicht so ganz stimmt, denn von den vier einst gebauten Exemplaren des von Jean Bugatti entwickelten Atlantic existieren noch zwei Originale. Dennoch ist der Wagen schon wegen seiner charakteristischen, über die Dachmitte verlaufenden genieteten Finne - deren Nieten halten die aus Aluminium gefertigten Karosseriehälften zusammen- einfach grandios. Wohl nie wieder kamen sich Autobau, Kunst und Design so nahe.

    Bugatti T 57SC Atlantic (1936) - Mullin Museum
    © Copyright / Fotograf: Wolfram Hamann
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    Mullin Museum in Oxford?

    Es gibt also gute Gründe, den eingangs erwähnten Reiseführern zu misstrauen und die kalifornische Stadt Oxnard zu besuchen. Wer jedoch nicht so weit reisen nicht möchte, muss noch etwas warten. Quasi als Vermächtnis will Peter Mullin in Grossbritannien - genauer: auf dem Gelände eines ehemaligen Militärflughafens in Great Tew in der Grafschaft Oxfordshire -  ein neues Museum eröffnen. Als Architekten für das Projekt konnten Foster & Partner gewonnen werden, von denen auch die berühmte gläserne Reichstagskuppel in Berlin stammt. Rund 200 klassische Automobile sollen dort 200’000 Besuchern pro Jahr gezeigt werden. Dazu merkt Peter Mullin an: "Meine ganze Sammlung ist europäisch und jetzt besteht die einmalige Chance, sie dorthin zurück zu bringen". Frühestens 2020 soll es soweit sein.

    Die offizielle Internetseite des Museums liefert weitere interessante Informationen

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    ···
     
    Quelle:

    Neueste Kommentare

     
     
    Cr******:
    11.04.2019 (12:13)
    Phantastische Automodelle, wie sie höchstens noch in der italienischen Phase bis zur Oelkrise 1973 durch Bertone, Gandini, Pininfarina erreicht wurde. Skulpturen auf Rädern. Auch das ist Kultur, ja Kunst. Diese fliessenden Formen und ausgewogenes Design gibt es heute praktisch nicht mehr.
    Ich werde das Museum besuchen, wenn ich wieder mal in Kalifornien sein werde!
    rr******:
    09.04.2019 (17:46)
    Das Mullin Museum ist absolute Welt Klasse. Ein weiteres super Museum is The Nethercutt Collection in Sylmar, ca. 1 Stunde Fahrt vom Mullin Museum. wenn man diese beiden Museen besucht hat, braucht man erst mal Tage um alles zu verarbeiten was man gesehen hat:)
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