Wer Zypern besucht, bekommt nicht nur tolle Strände und faszinierende Landschaften zu sehen. Über Jahrtausende hinweg haben Ägypter, Römer, Osmanen und Venezianer ihre Spuren in der Geschichte der Insel im äußersten Osten des Mittelmeeres hinterlassen. Den Briten ist der hiesige Linksverkehr zu verdanken. Gelegen an der Kreuzung dreier Kontinente bietet die zwischen Griechenland und der Türkei aufgeteilte Insel zahlreiche interessante archäologische Hinterlassenschaften. Unterwegs von Lárnaka nach Páfos muss man die malerische Südküste bei Limassol aber unbedingt verlassen, um einen Abstecher zum dortigen "Cyprus Historic & Classic Motor Museum" zu machen.
Vor dem Museum parkt ein linksgelenkter 1958er Edsel Pacer, ein Auto das gehasst oder geliebt wird. Der Wagen mit dem in den USA umstrittenen Kühlergrill wurde dem Werbeversprechen "never before a car like it" nicht gerecht, seine Produktion nach nur drei Jahren eingestellt. Daneben steht ein gut erhaltener Humber Hawk von 1953. Einen solchen soll King George VI sein eigen genannt haben. Eine originelle Fahrzeugpaarung, die Interesse weckt.
Im Inneren begrüßt einen neben einer Vespa dann "das Fahrrad, das von selbst läuft", wie das Solex-Mofa beworben wurde. Das soll aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich hier um ein Automobilmuseum handelt.
Wer Zweiräder sehen möchte, hat auf seiner Rundreise hoffentlich in der geteilten Hauptstadt Nicosia Halt gemacht, um sich das "Cyprus Classic Motorcycle Museum" anzusehen, wo am Eingang ein alter 1957er Morgan mit reichlich Patina platziert ist.
Raritäten wie eine Hudson "run and jump" ohne Kupplung, die für den aktuellen Stadtverkehr eher weniger geeignet ist, locken in diesem kleinen Museum vor allem Interessenten an, die gerne über technische Details vergangener Zeiten philosophieren.
Doch zurück nach Limassol. Dimi Mavropoulos – Rennfahrer und Teilnehmer an internationalen und zyprischen Rallyewettbewerben – widmete sich nach seiner aktiven Zeit dem Sammeln von Oldtimern, was ja bekanntlich eine Leidenschaft mit Suchtpotential ist.
Nach den ersten 80 Exponaten hatte sich herumgesprochen, was es da zu bestaunen gibt. Inzwischen umfasst der Fahrzeugfundus weit über 120 Exemplare. Um das Jahr 2000 entstand die Idee, ein Museum daraus zu machen. Bis zur Eröffnung im Jahr 2014 war es allerdings noch ein weiter Weg. 3000 Quadratmeter Fläche wollen bespielt sein. Die Werbung "Visit the one and only" ist wörtlich zu nehmen. Wir konnten auf Zypern kein zweites Automobilmuseum ausfindig machen.
"Der Mensch sammelt und bewundert, wovon er in seiner Jugend geträumt hat.", ist keine neue Erkenntnis. Manche Hersteller haben diese Weisheit zum Werbeslogan ihrer Classic-Sparte auserkoren. Gefragt nach der Motivation des Museums wird erklärt: "To show all classifications, not only Aston Martin and top Mercedes. I want people coming here to feel friendly with the cars they used to see when they were young. Low class, middle class and upper class."
Mavropoulos, in Zypern als Sohn einer Britin geboren, verbrachte viele Jahre in Großbritannien, was die zahlreichen Exponate "von der Insel" erklärt. Die Marke Rolls-Royce muss ihn wohl besonders begeistert haben...
Nun aber auf seine Ausführung zurück. Die Idee, möglichst viele Besucher zu begeistern, weil jeder in dem Museum die Autos findet, von denen er in seiner Jugend geträumt hat oder die er selbst gefahren hat, ist wirklich gelungen. Mein erstes Auto und einige andere, die ich mir damals nicht leisten konnte, sowie eines aus der Baureihe, die ich inzwischen mit H-Kennzeichen bewege, konnte ich hier entdecken. So wird es nicht nur mir gehen.
Durch die Auswahl nicht nur extrem seltener, hochpreisiger Fahrzeuge, sondern eben auch von Alltagswagen wie VW-Käfer, NSU Prinz, Ford 17 M, Mini oder Suzuki findet jeder ein Exponat, das er mit persönlichen Erinnerungen verknüpfen kann.
Aber auch Fahrzeuge mit Geschichte werden präsentiert. Ein Ford T-Modell Roadster, der gut 100 Jahre seines Lebens auf der Straße verbracht hat, oder der offiziell zertifizierte Mini von Mr. Bean sowie eine Replik des ersten Benz Patent-Motorwagens laden zu Gesprächen über alte Zeiten ein.
Neben dem 1973er Rover P5, der von der "eisernen Lady" Margaret Thatcher benutzt wurde, ist auch der gepanzerte Cadillac zu sehen, der 1977 für Präsident Makarios III gebaut wurde, was für Zyprioten natürlich eine emotionale Komponente mit ins Spiel bringt.
Der Prophet gilt ja bekanntermaßen nichts im eigenen Land. An dieses Zitat erinnert der Besuch hier. Einheimische Besucher sind hier wenige anzutreffen. Dafür aber internationales Publikum aus England, Deutschland, Frankreich, der Schweiz oder den USA. Oldtimer tauchen im Straßenbild Zyperns höchstens vereinzelt auf. Wir haben nur einen einzigen älteren Porsche gesehen, und der war hier auf Urlaubsreise.
Mangels Klimaanlage ist der Besuch je nach Jahreszeit "eine heisse Angelegenheit". Ein Besuch um 9:00 Uhr ist meist angenehmer als gegen 16:00 Uhr, was aber nicht der einzige Grund dafür ist, dass derzeit an einem Neubau in der näheren Umgebung gearbeitet wird.
Es stehen eng an eng zu viele Fahrzeuge auf zu wenig Platz, teilweise zweigeschossig übereinander, was das Fotografieren der Exponate deutlich erschwert. Daher werden Besucher mit Rucksack und Co. auch gebeten, ihr Gepäck in Staufächern am Eingang unterzubringen, um keine Kratzer im Lack der Oldtimer zu riskieren. Das wird, sofern die Planung klappt, in zwei Jahren schon ganz anders aussehen.
Es ist geplant in dem neuen Museum auch Motoren zu zeigen, deren gelegentlicher Probelauf die Besucher sicher nicht nur akustisch begeistern wird. Über weitere geplante Attraktionen dürfen wir erst nach deren Präsentation vor Ort schreiben.
Nicht unerwähnt bleiben sollen auch die landwirtschaftliche Nutzfahrzeuge, denen ein extra Raum gewidmet wurde. Sie bringen (wie die sicher mehr als 300 Modellautos) Abwechslung in die Ausstellung, die durch viele weitere technische Gegenstände aus den letzten hundert Jahren aufgelockert wird.
Aus der Idee, den Oldtimerfreunden weitere Attraktionen zu bieten, wurde der "Cyprus Historic and Classic Vehicles Club" geboren, der Ausfahrten, Rallyes und Treffen organisiert, an denen man man auch mit vom Museum ausgeliehenen Autos teilnehmen kann. Entweder mit Chauffeur oder – entsprechende Fahrkünste vorausgesetzt – auch als Selbstfahrer.
Um den Menschen vor Ort den Spaß an alten Autos näher zu bringen, wurde die Idee geboren, Hochzeitsausfahrten in einigen der Fahrzeuge – vornehmlich alte Cabriolets – anzubieten. Angemeldete Stadtrundfahrten mit einem zweigeschossigen Oldtimerbus sind ebenfalls möglich. Dafür sollte aber eine entsprechend große Gruppe zusammenkommen.
Auch an die kleinsten Besucher wurde gedacht. Ein in Englisch, der Amtssprache der Insel, gehaltenes Ausmalbuch mit Kreuzworträtsel hält so manchen Nachwuchs davon ab, den Vater beim Erkunden der Schmuckstücke zu stören.
Wer seinen Oldtimer gesichert und wohl temperiert abstellen möchte (Service und Batterieerhaltung inklusive), findet hier ebenfalls eine Anlaufstelle. Von dem über die Jahren erarbeiteten Know-How können auch Interessenten profitieren, die Fahrzeuge importieren oder exportieren möchten. Auch der Verkauf von Fahrzeugen, die im Konvolut eingekauft wurden, aber keinen Platz im Museum gefunden haben, hat schon manchen Liebhaber begeistert.
Zum Schluß ein Trost für deutsche Oldtimerfans. Es werden auch einige Modelle mit dem Stern und dem VW-Logo gezeigt. BMWs sind hingegen weniger zu sehen. Nur ein NSU und nur ein Porsche haben bislang den Weg hierher übers Mittelmeer gefunden. Das wird sich aber bestimmt noch ändern, wenn der Platz in der neuen Herberge fertig ist.
Die Einladung auf ein Getränk am Ende des Besuches scheint obligatorisch zu sein. Während der vier Stunden, die wir dort verbracht haben, verließ jedenfalls niemand durstig das Museum.
Hier geht es zur Website des Museums.
Cyprus Historic & Classic Motor Museum
Epimitheos 6, 3056 Limassol
Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag 9:00 bis 17:00 Uhr (im Sommer bis 18:00 Uhr)












































































































































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