Das Forum für Fahrzeuggeschichte, kurz F-kubik, ehrt 2025 eine Persönlichkeit für ihren langjährigen, unermüdlichen und erfolgreichen Einsatz zur Dokumentation und öffentlichen Präsentation historischer Mobilität in Deutschland: Die Auszeichnung „Goldener Kolben“ erhält Dipl.-Ing. Matthias Doht als Mitbegründer des Vereins „Automobilbaumuseum Eisenach“, Initiator, privater Gründungsstifter und Geschäftsführer der Stiftung Automobile Welt Eisenach sowie als langjähriger Leiter des Eisenacher Automobilmuseums und Publizist.
Als nach der politischen Wende das Automobilwerk Eisenach liquidiert werden sollte, war auch die Zukunft des Wartburg-Pavillons als Wartburg-Werksmuseum fraglich. Um die Fahrzeugsammlung zu erhalten und der Veräußerung durch den Liquidator zu entziehen, wurde während der Auflösung des Automobilwerkes Eisenach am 3. Juli 1992 mit Unterstützung der Stadt der Verein Automobilbaumuseum Eisenach e. V. gegründet. Doht war dabei einer der Initiatoren des Vereins. Der Verein Automobilbaumuseum Eisenach e. V. betrieb dann in Eigenregie mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen bis 1998 das Museum.
Nachdem sich die Stadt Eisenach 1998 zur Trägerschaft des Automobilmuseums bekannt hatte, war man auf der Suche nach einer neuen, größeren Ausstellungsfläche. Am 4. Juni 2005 wurde das Museum mit größerer Ausstellungsfläche als „automobile welt eisenach“ auf dem ehemaligen Gelände des Automobilwerk Eisenach eröffnet. Es befindet sich in dem 1935 von BMW errichteten authentischen Industriegebäude O2, was einmal historisch für „Ost 2“ stand. Nach dem Übergang des Museums von der Stadt Eisenach in die Stiftung Automobile Welt Eisenach im Jahr 2014 wurde das Gebäude umfassend saniert und die Ausstellungsfläche mit jetzt 2000 m² mehr als verdoppelt. An dieser konsquenten Entwicklung war Matthias Doht entscheidend beteiligt.
Zum 1. April 2014 ging die Trägerschaft des Museums von der Stadt Eisenach auf die Stiftung Automobile Welt Eisenach unter der Leitung von Matthias Doht über. Doht führt seit Juni 2014 die Geschäfte der laufenden Verwaltung und ist Leiter des Automobilmuseums automobile welt eisenach (awe) in Eisenach. Es bietet einen Überblick zur mehr als 125-jährigen Geschichte des lokalen Automobilbaus.
Doht ist Geschäftsführer der Stiftung Automobile Welt Eisenach und bis zum Jahresende 2024 Leiter des gleichnamigen Museums. Zudem publiziert er zu Themen des Eisenacher Automobilbaus, u.a. „Gustav Ehrhardt – der Autopionier aus Eisenach: Die Geschichte der Motorwagen“.
Matthias Doht wurde am 3. Juli 1958 in Eisenach in einer typischen Automobilbauerfamilie in der dritten Generation geboren. So begann er 1979 ein Studium für Maschinenbau und Konstruktionstechnik an der Technischen Hochschule Karl-Marx-Stadt (heute TU Chemnitz), das er 1984 als Diplomingenieur abschloss. Anschließend kehrte er nach Eisenach zurück und arbeitete bis 1990 im Automobilwerk Eisenach als Konstrukteur für Sondermaschinen und Rationalisierungsprojekte. Durch seine maßgeblichen Aktivitäten zur Wende in Eisenach wurde Matthias Doht im Juni 1990 hauptamtlicher Beigeordneter und Baudezernent der Wartburgstadt. Als solcher war er für Planung und den Aufbau des neuen Opel-Werks in Eisenach verantwortlich, aber auch für den Abbruch der Werksanlagen des liquidierten Automobilwerks Eisenach. In seiner städtischen Funktion leitete er als Mitorganisator die Gründungsversammlung des Vereins Automobilbau-Museum Eisenach e.V.
Doht war ab 1999 Fraktionsvorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion. Bei der Kommunalwahl 2006 wurde Matthias Doht zum Oberbürgermeister der Wartburgstadt Eisenach gewählt. In dieser Funktion musste er bald erkennen, dass ein angemessener Betrieb des Automobilmuseums bei den kulturellen Verpflichtungen der Stadt Eisenach sehr eingeschränkt und ein weiterer Ausbau finanziell nicht möglich war. So initiierte er privat die Gründung der Stiftung Automobile Welt Eisenach mit Beteiligung der Wartburg-Sparkasse. Mit der Stiftungsgründung am 4. Juni 2009 gelang es neben der Stadt und der Sparkasse auch BMW und Opel, ebenso wie den Verein Automobilbau-Museum und den Allgemeinen Wartburgfahrerclub Eisenach gemeinsam mit in das Kuratorium einzubinden. Dann wurde durch das Kuratorium mit externer wissenschaftlicher Beratung ein Ausstellungskonzept erarbeitet, während der Stiftungsvorstand ein Betreiber- und Ausstellungskonzept erarbeitete und Geld akquirieren musste. Damit wurde eine neue Museumsperspektive geschaffen.
Nachdem Doht 2012 als Oberbürgermeister nicht wieder gewählt wurde, beendete er konsequent sein kommunalpolitisches Engagement und die Parteimitgliedschaft.
Nach dem vorgelegten Betreibungs- und Ausstellungskonzept beschloss der Eisenacher Stadtrat 2014 die Übertragung der Trägerschaft des Automobilmuseums an die Stiftung Automobile Welt Eisenach. Seitdem ist Matthias Doht als Geschäftsführer der Stiftung Museumsleiter der automobile welt eisenach und für Betrieb und Erweiterung verantwortlich.
Doht hat darüber hinaus selbst zu automobilhistorischen Themen publiziert: Dazu gehören Aufsätze und Beiträge in Tageszeitungen (Thüringer Allgemeine, der Thüringer Landeszeitung) und in den Clubzeitschriften von BMW, DIXI, IFA und Wartburg. (BMW-CN, DAVC-CM, Centaur-Post, IFA-Journal, Wartburg-Signale). 2016 veröffentlichte er sein erstes Buch „Gustav Ehrhardt – der Autopionier aus Eisenach: Die Geschichte der Motorwagen“. Zusätzlich kuratierte er im Automobilmuseum drei Sonderausstellungen „90 Jahre Dixi DA 1 und BMW-Dixi“, „Eisenacher Kombis – Die Autos mit der großen Klappe“ und „BMW / EMW 340 – Die erste Nachkriegskonstruktion aus Eisenach“. Zu letzteren veröffentlichte er 2020 sein zweites Buch. Derzeit arbeitet er an einem Buchprojekt zur Eisenacher Dixi-Geschichte. Einen wertvollen Beitrag lieferte Doht zudem beim 5. F-kubik-Symposium mit dem Titel „Technik-Transfer: Wege über Grenzen – Grenzen im Weg“
Museumsleiter Matthias Doht, der gleichzeitig Geschäftsführer der Stiftung Automobile Welt Eisenach ist, geht zum Jahresende 2024 in den Ruhestand. Seine Nachfolge ist langfristig geregelt und wird künftig auf zwei Säulen zur geschäftsführenden und wissenschaftlichen Museumsleitung gestellt. Gleichzeitig ist es ihm gelungen, nicht nur die Museumsleitung, sondern auch das Kuratorium durch personelle Veränderungen deutlich zu verjüngen, so dass eine langfristige Zukunft des Museums automobile welt eisenach gesichert ist.
Zum Goldenen Kolben und seinen Preisträgern seit 2006
Der „Goldene Kolben“ wird durch die Gruppe F-kubik einstimmig und unabhängig an Personen und Institutionen verliehen. Der Preis soll die besondere Bedeutung der „Fahrzeuggeschichte“ in der Öffentlichkeit zeigen und außergewöhnliche Leistungen und Ergebnisse ehren. Diese Auszeichnung in Form eines polierten Motorkolbens mit Gravur und Ehrennadel wird jährlich seit 2006 auf der Bremen Classic Motorshow überreicht.
- 2006: Günther Krön für die Wiederbelebung und Durchführung der historischen Fahrt „2000 km durch Deutschland“.
- 2007: Karl-August Almstadt für frühe publizistische Leistungen zur Fahrzeuggeschichte als TV-Moderator und Publizist zum Aufbau und Erscheinen der Fachzeitschrift AutoBild Klassik.
- 2008: Winfried A. Seidel als Initiator und Betreiber der Veterama sowie des Automuseums Dr. Carl Benz in Ladenburg.
- 2009: Prof. Dr. Peter Kirchberg (+) für seine langjährige Arbeit an der Universität Dresden und Dokumentationen zur Geschichte der Auto Union.
- 2010: Dipl.-Ing. Mag. phil. Wolfgang M. Buchta als Herausgeber und Chefredakteur der
- Fachzeitschrift Austro-Classic.
- 2011: Karl Reese (+) als Experten und einer der ersten Publizisten der Motorradgeschichte in einer bis dahin unbekannten Vielfalt.
- 2012: Michael Graf Wolff Metternich (+) als Interpret für die Maybach-Geschichte und entsprechende Dokumentationen und Veröffentlichungen.
- 2013: Erika Kübler für ihr Engagement zum Erhalt des Lebenswerks des Künstlers und Designers Louis L. Lepoix aus Baden-Baden.
- 2014: Ivan Mahy für seinen unermüdlichen Einsatz, eine einzigartige Fahrzeugsammlung in
- Belgien möglichst weitgehend der Öffentlichkeit zugänglich zu erhalten.
- 2015: Roger Gloor aus der Schweiz für langjährige, fundierte Aufbereitung der automobilen
- Vergangenheit in der Automobil Revue sowie in der Zeitschrift auto exclusiv.
- 2016: Karl Ludvigsen als Manager der Automobilwirtschaft mit den Fähigkeiten der systematischen Recherche, Aufarbeitung und weltweiten Publikation automobilhistorischer Themen.
- 2017: Johannes Th. Hübner als Automobilexperten, Publizisten und Designer, der seine Kenntnisse der Fahrzeuggeschichte einer interessierten Öffentlichkeit überzeugend vermitteln kann.
- 2018: Heiner Rössler für sein herausragendes Engagement einer lebendigen Präsentation und Dokumentation der Fahrzeuggeschichte in der Öffentlichkeit durch den Betrieb des Fahrzeugmuseums in Melle.
- 2019: Jürgen Book als Initiator des Programms Glasurit Classic Car Colors, der größten Farbtondatenbank der Welt, einem vorbildlichen Beitrag zur Denkmalpflege.
- 2020: Dieter Dressel für den Aufbau des Museums „Central Garage“ in Bad Homburg v.d.H. mit Organisation und Durchführung beispielhafter Ausstellungen zur Fahrzeuggeschichte.
- 2021: Matthias Kaluza für anschauliche, unterhaltsame und erlebenswerte Gestaltungen von automobilhistorischen Ausstellungen und Fachbüchern.
- 2022: Das Team vom IFA-Museum in Nordhausen für den Aufbau eines Museums zur Geschichte der Diesel-Entwicklungen und der Dokumentation der Technikgeschichte am Standort.
- 2023: Bruno von Rotz als Mitinitiator und Inhaltsgeber der Internet-Plattform „zwischengas“, um aktuell historische Informationen zur Fahrzeuggeschichte digital aufzubereiten und zu vermitteln.
- 2024: Peter Schneider für seinen über Jahrzehnte anhaltenden selbstlos-idealistischen Einsatz, die gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen in der Bundesrepublik wie auch auf europäischer Ebene für den Betrieb von historischen Kraftfahrzeugen auf öffentlichen Straßen zu verbessern.
Über F-kubik
Das „Forum für Fahrzeuggeschichte“ oder kurz F-kubik ist eine seit 2001 agierende Gruppe von Fahrzeug-Historikern, Motorjournalisten und Verlegern zur Stärkung der Bedeutung der Fahrzeuggeschichte in der Öffentlichkeit. Zu ihr zählen Eckhart Bartels, Lars Döhmann, Horst-Dieter Görg, Dr. Wolfgang Kaese, Ulrich Knaack, Christian Ludewig, Rainer Manthey, Gerhard Placke, Burkhard Schäfer, Halwart Schrader und Hans-Joachim Weise.
Neben anerkannten eigenen Veröffentlichungen oder Expertisen zu historischen Fahrzeugen bündeln sie ihr Fachwissen zur Fahrzeuggeschichte bei der Mitarbeit in Projekten der Industrie, öffentlichen Einrichtungen und privaten Sammlungen sowie bei Oldtimer-Veranstaltungen und -Messen wie der Bremen Classic Motorshow. Für die interessierte Öffentlichkeit wurden Symposien zur Fahrzeuggeschichte an wechselnden Orten durchgeführt und die Beiträge namhafter Referenten in der Buchreihe „Archiv zur Fahrzeuggeschichte“ in begrenzter Auflage publiziert.
Weitere Informationen findet man auf der Website von F-kubik.






























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