Zu dem sonnigen RETRO Saisonabschluß 2024 wurde noch nach Bietigheim-Bissingen eingeladen. Dieses Jahr fand die Veranstaltung, ebenso wie die Saisoneröffnung, auf dem Stuttgarter Messegelände ihren Platz. Leider waren weder die angekündigten 10 bis 12 Grad noch der vorausgesagte und immer wieder einsetzende Regen dazu angetan, wirklich viele Besucher anzulocken. So blieb der obere Parkplatz – bei der Saisoneröffnung noch völlig überlaufen – dieses Mal leer. Dennoch ließen sich zahlreiche Unerschrockene nicht davon abhalten, sich zum Saisonende hier zu treffen.
Barkas V901/2 – der kleinste LKW der DDR
Der Mandelhändler, der mit seinem dunkelroten Liefermobil angereist war, hatte vorgesorgt und einen grossen Schirm zum Regenschutz direkt am Auto aufgespannt. Auf der Suche nach einem Kleintransporter mit Charme fiel die Ape mit ihren drei Rädern bei ihm schnell durchs Raster. Seinen Pritschenwagen erstand er unrestauriert in Wilhelmshaven. Danach war eine Reise zu „Framo-Jens“ unabdingbar, brauchte doch der Barkas einiges an Zuneigung, vor allem aber eine Motorüberholung, die dort in drei Tagen durchgeführt wurde.
In dem in Plauen gebauten Kleinlaster kommt der gleiche Motor zum Einsatz wie im Trabant oder beim Wartburg. 900 ccm lassen keine hohe Motorleistung erwarten. Da der Kleintransporter aber vornehmlich auf Kurzstrecken unterwegs ist – somit überwiegend in 40er-Zonen – kann man sich damit arrangieren, meint der fröhliche Besitzer und reicht mir eine Tüte Mandeln.
DKW Junior
Der zufällige Schrottplatzfund weckte den Ehrgeiz, den Wagen zu retten. Wenige Jahre später – Motor, Getriebe und Achsen waren inzwischen überholt – durfte der Wagen mit neuer TÜV-Plakette wieder auf die Straße. Dem Besitzer gefällt der äußere Eindruck des Zweitakters. Die Patina soll sein wahres Alter zeigen – Hauptsache, die Technik ist fit. So sieht das auch seine Partnerin, die ebenfalls Freude am DKW Junior hat.
Sein wassergekühlter Motor leistet 34 PS und kommt dank Thermosiphonkühlung ohne Wasserpumpe aus. Die kann also schon mal nicht kaputt gehen. Auch das originale 6-Volt-Bordnetz ist noch im Einsatz. Leise knatternd wird die Ausflugsfahrt, auf deren Route ein kurzer Stopp in Stuttgart vorgesehen war, in Richtung Schnellstraße fortgesetzt.
Opel Omega Evolution 500
Die Präsentation angereister Besucherfahrzeuge startete – vermutlich dem suboptimalen Wetter geschuldet – an diesem 5. Oktober später als sonst. Den Anfang machte schließlich ein Rüsselsheimer Produkt. An dieser Stelle wies Thomas Plehn darauf hin, dass 2026 das 40-jährige Jubiläum des Opel Omega auf der Retro Classics in Stuttgart gefeiert wird.
Der hier gezeigte Wagen hat erst vor anderthalb Jahren seinen Besitzer gewechselt. Zu seiner Produktionszeit war Opel Sponsor des FC Bayern. Also fuhren Giovane Élber & Co. damals Opel, wobei die stärkeren Modelle natürlich besonders gefragt waren.
Ob die zur Homologation für die DTM erforderlichen 500 Stück tatsächlich gebaut wurden, ist nicht belegt. Man spricht von gut 300 Exemplaren. Irmscher war mit dem Umbau und der Feinabstimmung beauftragt. Der im gezeigten Wagen verbaute Vierventil-Sechszylinder leistet 230 PS, womit man heute noch schnell unterwegs sein kann. Dass der Heckspoiler geschwindigkeitsabhängig ausfährt, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt.
Opel Vectra i500
Wir bleiben bei Rüsselsheimer Produkten. Der in der seltenen Farbe „Brokatgelb" lackierte Wagen erblickte das Licht der Welt als Vorführwagen. Außer Modifikationen am Luftfilter ließ der enge Motorraum keinen Platz für weitere Veränderungen. Das ist bei den 184 Irmscher-PS des V6-Motors aber auch nicht wirklich nötig. Der Vectra wurde von Opel in der STW und der BTCC eingesetzt.
Porsche 911 Carrera
Der 911 in türkismetallic aus der Baureihe 993 bewegte Thomas Plehn zu der Aussage, Stuttgart sei ja schließlich Porscheland. „Nicht nur das“, meinte Michael Gaedt nach einem kurzen Blick auf den Nummernschildunterleger, „Stuttgart ist auch Duttland“.
Schön, wenn sich Fahrzeuginhaber und Moderator auf Anhieb einig sind, dass beide den richtigen Servicepartner gefunden haben. Die Welt ist klein, doch kommen wir auf den Wagen selbst zurück.
Es handelt sich um einen Carrera 2, also die ausschließlich hinterradgetriebe Variante, in diesem Fall mit dem M030-Sportfahrwerk ausgestattet. Die verbaute Domstrebe und härtere Gummis im Fahrwerk verbessern die Straßenlage.
Nach den Extras befragt, meinte die zufriedene Besitzerin, dass die Tequipment-Stoßstangenecken und das in Wagenfarbe lackierte Carrera-S-Heckgitter auf der Motorhaube dem Auto einfach gut stehen. Derzeit ist sie mit 17“-Rädern und den Seriensitzen unterwegs. Wenn ihr Mann den Wagen artgerecht bewegen will, kommen der Recaro-Sportsitz und ein 18“-Hohlspeichen-Radsatz zum Einsatz. Jeder nach seiner Fasson.
Die Leistung? 291 PS hat Henni – ebenso wie Dutt eine ortsbekannte Lokalgröße – auf dem Prüfstand in Wernau gemessen. Mit „5 PS zu viel“ läßt's sich leben. Die 200‘000 km Laufleistung des Wagens kamen auf Nachfrage wie aus der Pistole geschossen. Wie lange der Wagen schon in Ihrem Besitz ist, konnte sie nur mit „weiß nicht, schon ewig“ beantworten.
Dass dieser Wagen nicht das einzige Zuffenhausener Produkt auf dem Stuttgarter Messegelände war, versteht sich von selbst.
Datsun 2000 Sports
Wie kommt man zu diesem in Deutschland direkt nie verkauften Wagen? Nun, zunächst verbietet einem die beste Ehefrau von allen das Motorradfahren. Dann stößt man auf der Suche nach einem Triumph auf einen Exoten, und ab da nimmt die Sache ihren Lauf. „Letztlich habe ich in der Schweiz gefunden, wonach ich eigentlich gar nicht gesucht habe“, meint der stolze Besitzer grinsend.
Wie im Matra-Simca Bagheera, dem Citröen GS und der Corvette von 1963 bis 67 ist das Radio hier senkrecht eingebaut.
Frei nach dem Motto „never touch a running engine“ wurde am Motor nichts gemacht. Die Zweiiter-Maschine mit zwei SU-Vergasern bringt ihre Kraft über ein Fünfganggetriebe auf die Straße.
Oldsmobile Super 88
Jetzt wird's bunt. Auch so kann man zu einem Auto kommen, erzählt der Besitzer: „Aus Versehen“ ersteigerte er bei „Kickdown“ das Auto. Mit einem Zuschlag hatte er nicht gerechnet. Den Wagen vorher nicht inspiziert zu haben, rächte sich. Die zwei Brüder, die ihn feilboten, hatten zwar so ziemlich alles zerlegt, danach aber den Überblick verloren.
Ohne Zulassung, Papiere oder Unterlagen war es ein weiter Weg, bis daraus wieder ein strassentaugliches Auto wurde. Und wenn der Wagen schon mal zerlegt ist, kann man ihn ja auch komplett in Blaumetallic lackieren, Unterboden inklusive.
Der gerade erst überholte 6,5-Liter-Motor leistet mit Performance-Nockenwelle und anderen Stößeln geschätzte 350 PS, wird derzeit aber noch eingefahren, also sanft behandelt. Wenn man den V8 anständig fährt, braucht er ja auch nicht soooo viel Sprit, schließlich hat er Leistung im Überfluss, meint Michael Gaedt. „Naja", meinte der Besitzer, „die Leistung verleitet halt.."
Oldsmobile Delta 88 Convertible
Der hier gezeigte 75er Oldsmobile ist eines der letzten großen US-Cabriolets. Alles, was danach kam, war kleiner. Da heißt es Parkhäuser meiden, speziell europäische aus den Siebzigerjahren. Abgesehen von Straßenlage hatten die Autos aber alles, was man damals haben wollte: Automatikgetriebe, Tempomat, elektrische Fensterheber, ABS und Servolenkung.
Hanomag R25
Die in Stuttgart gezeigte Vielfalt an Fahrzeuggattungen hat Spaß gemacht. Der vorgefahrene Traktor aus Hannover – erst vor einem Jahr an der „Waterkant" gekauft – wurde vormals als Zugmaschine eingesetzt.
Die Wartungsarbeiten werden allein oder mit den Schlepperfreunden Württemberg durchgeführt. Sein aktuelles Einsatzgebiet sind Oldtimertreffen und Schlepperausfahrten. Nachgerüstet wurde das heute geschlossene Verdeck. Der Vierzylindermotor mit 2,8 Liter Hubraum bringt belastbare 35 PS.
Ein starker Käfer
Der klassische Werdegang: Den damals 15 Jahre alten Wagen von einem Freund gekauft; dem Rost erst vorsichtig zu Leibe gerückt, dann doch komplett zerlegt, sandgestrahlt und spritzverzinkt – das waren die ersten Schritte. 40 Jahre später zeigt sich jetzt, dass sich die Gründlichkeit der Arbeiten ausgezahlt hat.
Da damals nicht klar war, wie lange mit dem Wagen in der Stadt gefahren werden darf, kam nur eine Umrüstung auf einen neuen Motor samt Katalysator infrage. „Der Umwelt zuliebe“ wurde ein Zweilitermotor aus dem VW-Porsche 914 mit neuer Kurbelwelle, anderen Kolben, größeren Ventilen, einem liegenden Porsche-911-Lüfterrad sowie einer angepassten Motronic aus dem Porsche 944 aufgebaut. Die genaue Leistung wird nicht preisgegeben, die ergab sich ja nur beiläufig.
Das H-Kennzeichen wurde zugeteilt, da die verbauten Komponenten zeitgemäß sind. Selbst die verbaute Bremse des Porsche 944 Turbo hat ja schon 30 Jahre auf dem Buckel. Dass ein solcher Käferumbau nicht – wie öfters durchgeführt – mit wassergekühlten Subaru-Komponenten erfolgen darf, darin waren sich Michael Gaedt und der Besitzer einig.
Mercedes-Benz 220
Auch Daimler-Benz konnte sich dem Modegeschmack der neuen Welt nicht entziehen, wenngleich die Heckflossen im Vergleich zu den Auswüchsen bei Cadillac recht bescheiden ausgefallen waren. Auch der als „Fieberthermometer“ bezeichnete Säulentacho war eine Modeerscheinung, die nicht lange überlebte.
Den Wagen hat der Besitzer 1983 erworben. Ihm gefällt der große Kofferraum, in dem auch zwei Rennräder mit abgebautem Vorderrad und das komplette Gepäck für zwei Personen Platz finden.
Audi 100 Coupé S
Nicht nur amerikanische Einflüsse, auch italienisches Design beflügelte die Entwürfe deutscher Autobauer. Auch nach 20 Jahren im Besitz wird der Wagen immer noch als Alltagsfahrzeug bewegt und hat bislang keinerlei Probleme bereitet.
„Warum soll man sich den Alltag nicht auch schön machen?“, fragt Michael Gaedt. Recht hat er.
Mercedes-Benz 170 V
Speziell jüngere Besucher waren erstaunt, als die hinten angeschlagene Fahrertüre geöffnet wurde. So etwas gibt es heute ja nicht mehr.
Nach dem Krieg wurden zunächst Vorkriegsfahrzeuge weiter gebaut – man war ja froh, wenn wenigstens das klappte. Die Ganzstahlbauweise eines Wagens war damals noch nicht selbstverständlich. Dazu waren aufwendige Pressen nötig, speziell bei Rundungen wie beim Dach des 170 V.
Mit einem selbstgebauten Spezialwerkzeug richtet der Besitzer den Stern genau in Fahrtrichtung aus, nur so stimmt die Optik.
Mercedes-Benz 450 SEL 6.9
Das Design der W116-Baureihe soll Colani verächtlich als „Chrom-Spätzle-Salat“ bezeichnet haben. Nun denn, vom Colani GT sieht und hört man nicht mehr viel; die S-Klasse dagegen ist noch oft unterwegs zu sehen. Der fehlende kleine Spoiler wird gerade aufbereitet, da neu nicht mehr erhältlich. Ansonsten war der Wagen komplett.
Bei einem Blick unter die Motorhaube muss niemand Angst haben, dass eingesetztes Werkzeug auf den Boden fällt. Dazu fehlt schlicht der Platz. Mehr Hubraum gab es damals nicht.
Mit einem Signal aus der zeitgemäßen Dreiklang-Überlandfanfare verabschiedete sich das Fahrzeug, das vornehmlich Firmenlenkern und Staatsmännern als Transportmittel diente.
BMW Z3
Der auch als „Turnschuh“ bezeichnete Wagen – 1998 in den USA gebaut – war einer der ersten von 17‘000 Exemplaren. Da die Baureihe zunächst wenig beliebt war, durften (mussten?) die Mitarbeiter damit fahren, damit der Wagen auf der Straße gesehen wird. Inzwischen ist die Coupé-Variante fast gesuchter als die offene Ausführung. Einen Roadster hat der Besitzer aber auch.
Pinzgauer 712 M
Im Gegensatz zu dem vorher beschriebenen Hanomag wurde jetzt ein österreichisches Produkt präsentiert. Ursprünglich als Mannschaftstransporter für den militärischen Einsatz konzipiert, diente dieses Fahrzeug längere Zeit im Tagebau in der Nähe von Eschweiler. Meist in der schweizerischen und österreichischen Armee eingesetzt, hat dieser in Graz bei Daimler-Steyr-Puch gefertigte Wagen einen Allrad-6x6-Antrieb. Üblich war die 4x4-Ausführung. Mit seinem Zentralrohrrahmen ist er dem Tatra 803 durchaus ähnlich. Alle Sperren sind während der Fahrt zu- und abschaltbar.
Wollen wir hoffen, dass der Wagen nie seiner ursprünglichen Bestimmung gemäß eingesetzt werden muss.
Mercedes-Benz 380 SLC
Der hier gezeigte Wagen mit 3,8-Liter-Motor wurde nur 3000-mal gebaut und hat mit seinen gut 200 PS genug Leistung, um komfortables, zügiges Reisen zu ermöglichen. Automatikgetriebe, Tempomat und ABS gehörten zur Grundausstattung; elektrische Fensterheber oder eine elektrische Antenne waren aufpreispflichtig.
Interessant sind die „Jalousien“ in den hinteren Fenstern, die kaschieren sollen, dass der hintere Teil des Fensters nicht versenkbar ist. Die einzelnen Lamellen sind in unterschiedlichen Winkeln eingebaut, sodass der Fahrer nach hinten die Straße problemlos sehen kann.
Schön zu sehen, wie hochwertig die Stoffpolster waren, die damals aus dem Haus mit dem Stern kamen. Gerd Müller, der sein Exemplar im Pelzmantel abholte, hatte auch seine Freude daran.
Lautlose Stimmen im Regen
Das Wetter wechselte immer wieder, letztlich war der Regen aber erträglich. Es hätte auch schlimmer kommen können. Wünschen wir den Betreibern der Imbißstände, dass sie nicht mit dem Umsatz der letzten Veranstaltung kalkuliert haben.
Leider hatten – wie auch schon bei der Saisoneröffnung – viele der Besucher nicht wirklich viel von den Fahrzeugvorstellungen, da nur die beiden Moderatoren wirklich gut zu hören waren. Was die befragten Fahrzeugbesitzer zu ihren Raritäten zu sagen hatten, bekamen nur wenige der Umstehenden mit. Mit einem dritten Mikrofon für die Interviewpartner hätte sich dies einfach vermeiden lassen.
In diesem Sinne sind wir gespannt auf die Saisoneröffnung 2026 und freuen uns noch lange über die im Regen geführten, deshalb aber nicht weniger interessanten Gespräche.















































































































































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