Vorkriegs-Autos verschwinden langsam, an Rallyes sind sie eine verschwindende Minderheit und interessieren vor allem die wirklich alten Männer? Wer an der Planai-Classic 2026 dabei war, erhielt ein völlig anderes Bild, denn mit neun Nennungen und vergleichsweise jungen Besatzungen stellten diese Teams fast einen Sechstel des Teilnehmerfeldes und sorgten beim Publikum und den Organisatoren der Rallyes für viel Freude.
Richtig Winter
Die 29. Planai-Classic fand vom 8. bis 10. Januar 2026 wie üblich im Ennstal statt. Im Gegensatz zu vergangenen Jahren, wo vor allem in den Niederungen kaum Schnee lag, bot die 29. Ausgabe Winterwetter vom Feinsten. Die Bedingungen forderten sogar die Annullation von Sonderprüfungen, so wild ging es zu und her.
Mit 65 Teilnehmerfahrzeugen und damit einem neuen Nennungsrekord bewies die Planai-Classic, dass die Winter-Rallye kein untergehendes Phänomen ist, im Gegenteil. Mit einem Durchschnittsalter von 63 Jahren und einer grossen Markenvielfalt, 25 Autohersteller von Alfa Romeo bis Volkswagen waren vertreten, bewies die Planai-Classic, dass gerade winterliche Verhältnisse eine besondere Herausforderung und Motivation für Oldtimerfahrer sein können, ihren Wagen im Grenzbereich bei anspruchsvollen Gleichmässigkeitsprüfungen zu bewegen.
Neben den üblichen Verdächtigen wie Ford Escort oder VW Käfer, standen in Gröbming auch ein Opel Kapitän, ein Auto Union 1000 S, ein Maserati Quattroporte, ein Maserati Indy, ein Trabant 601 und ein Tatra 613 am Start, um einige exotischere Nennungen aufzuzählen.
Neun Vorkriegsautos
Am meisten beeindruckt im Startfeld haben aber die neun Vorkriegsautos.
Die beiden Bentley 3/4,5 Litre trafen sogar auf Achse aus England ein und nahmen auch die Rückfahrt wieder auf der Strasse in Angriff.
Am Start war auch jener Frazer Nash TT von 1938, der im letzten Jahr versteigert und auch im Zwischengas Jahresmagazin porträtiert wurde.
Gleich drei Bugatti (Typen 35, 51 und 57) nahmen die Sonderprüfungen inklusive Skijöring in Angriff.
Und dann kamen noch ein Sunbeam Supersport von 1930, ein Delage D6-80 von 1936 und ein Austin Seven Ulster Special von 1932 dazu.
Es handelte sich ausschliesslich um offene Vorkriegsautos und keiner dieser Teilnehmer war mit geschlossenem Dach unterwegs. Im Gegenteil, wer konnte, legte auch noch die Frontscheibe flach und gab sich mit den Brookland-Scheibchen zufrieden.
Dass die beste Vorkriegsbesatzung unter den gegebenen Bedingungen mit 26'579 Gesamtpunkten erst auf Platz 43 des Gesamtklassements auftauchte, muss niemanden wundern. Die Freude der vergleichsweise jungen Teams war dabei in etwa umgekehrt proportional zum Strafpunktkonto. Der olympische Geist obsiegte.
In der Vorkriegswertung (Epoche I) folgte auf dem zweiten Platz der Bugatti 35 von Joachim Mäder und dahinter der Bugatti 57 mit Luca Chiusole am Lenkrad.
Bekannte Sieger
Während am ersten Tag noch Fritz und Karin Müller in ihrem Peking-Paris-erprobten Ford Escort von 1972 vorne lagen, setzten sich am zweiten Tag die Alfa-Schwestern Margarita und Magdalene Voglar in ihrem Alfa Romeo Giulia TI aus dem Jahr 1965 (Epoche II) an die Spitze.
Diese gaben sie auch am Tag 3 nicht mehr ab, obwohl Günter Schwarzbauer und Erich Hemmelmayer in ihrem Datsun 240 Z noch stark aufholen konnten.
Sie wurden damit auch Sieger der Epoche III (Baujahr 1966 bis 1976).
Platz 3 ging schliesslich an das Duo Claude und Andrea Schwegler aus der Schweiz in ihrem Volvo 123 GT, während die anfänglich führenden Müllers noch auf Platz 7 abrutschten.
Auf Platz 4 fuhren Hansi Mlcoch und Burgi Steiler im Volvo 121 ein und dahinter rangierten sich Michael und Viktora Krammer im Lancia Fulvia Coupé Rallye 1.3 und Walther und Birgit Wawronek im Porsche 914/6.
Die jungen Vogler-Schwestern aus Graz hatten schon 2024 bei der Ennstal-Rallye gesiegt und sie gehören inzwischen bei jeder Rallye, an der sie teilnehmen, zu den Kandidaten für einen Sieg.
Schwierige Bedingungen für alle
Egal ob Novizen oder Routiniers, die Wetter- und Strassenbedingungen stellten hohe Anforderungen.
Bei teilweise schlechter Sicht war schnell ein Fehler passiert, die Fahrbahn war manchmal eis- und manchmal nur schneebedeckt. Hektisch wurden vor Sonderprüfungen nochmals die Reifen gewechselt. Feinfühlige Gasfuss- und Lenkradarbeit war nötig, um die Zeitvorgaben möglichst genau zu treffen.
Auch die Organisation und die Berichterstatter (z.B. unser Fotograf) waren gefordert, denn bei Temperaturen bis -15 Grad Celsius war das Ausharren vor Ort kein Honigschlecken.
Rückblickend wird die 29. Planai-Classic sicher als als eine der schönsten und schwierigsten Austragungen dieser beliebten Winter-Rallye in die Geschichte eingehen. Dass soviele junge Besatzungen am Start waren und die Vorkriegskategorie derartig gut besetzt war, gibt Hoffnung auf eine noch bessere Zukunft.

























































































































































































































































































































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