Die Meinungsverschiedenheiten zweier Besucher auf dem Weg zu dem Oldtimertreffen in Böblingen können wir schlichten. Der Veranstalter war nämlich nicht das Meilenwerk. Die Location für Liebhaberfahrzeuge und Oldtimer in den denkmalgeschützten Hallen des ehemaligen Stuttgarter Landesflughafens firmiert schliesslich schon seit 2014 unter dem Namen Motorworld.
Um es kurz zu machen, die Zielgruppe der Motorworld, nämlich Youngtimer und Liebhaberfahrzeuge, überschneidet sich mit den Interessenten der Retro Classics, die eher in Richtung Oldtimer zielt. Die Veranstaltungen der Retro Classics mit einem Saison Opening im Frühjahr und dem Saisonabschluß im Herbst, sollte durch einen gemeinsamen Höhepunkt zur Jahresmitte ergänzt werden.
Die Motorworld Veranstaltung in Böblingen bei Stuttgart hat mit der Retro Classics nun einen passenden Co-Veranstalter gefunden, eine perfekte Kombination.
Das markenoffene Oldtimertreffen findet regulär jedes Jahr statt. Dieses Jahr bot sich das Thema „50 Jahre 3er BMW“ für eine Sonderschau an, die sowohl auf dem offenen Gelände, als auch in der Legendenhalle der Motorworld bei kühleren Temperaturen abgehalten wurde.
Wer sich auf dem offenen Gelände umsah, konnte themenbedingt eine große Anzahl von 3er BMW's entdecken. Auf dem Freigelände standen aber, wie sonst auch, Fahrzeuge der unterschiedlichsten Hersteller aus den letzten 70 Jahren der Automobilgeschichte.
Wenn das Auto einen Kopfstand macht
Der ADAC war mit einem Überschlagsimulator am Start, eine wirklich sinnvolle Idee. Üblicherweise ist kein Autofahrer auf einen Kopfstand seines fahrbaren Untersatzes vorbereitet und reagiert im Ernstfall entsprechend hektisch und falsch.
Als Erstes: Ruhe bewahren! Dann Arme ausstrecken und sich am Dach abstützen, bevor man sich losschnallt, das Körpergewicht will abgestützt sein. Sind zwei Personen im Auto sollte sich der fittere zuerst befreien und dann dem Mitfahrer beim Ausstieg helfen. Ein Tipp am Rande: Sollte jemand auf die gewagte Idee kommen, das Auto mit Helfern selbst wieder auf die Beine zu stellen, vorher unbedingt die Handbremse anziehen! Dem wegrollenden Wagen und umstehenden Helfern droht sonst weiteres Ungemach, der Autor spricht hier aus eigener Erfahrung.
Der fotografierten Testkandidatin hat das Wendemanöver ganz offensichtlich großen Spaß gemacht. Sie ließ sich mehrfach „wenden“.
Trotz den angesagten hohen Temperaturen von über 30°C war das Treffen gut besucht. Standplätze für's eigene Auto im Schatten gab es nur wenige. Abkühlung boten viele Stände mit Getränken und vielfältigen Speisen.
Neben Dienstleistungsangeboten rund ums Auto wurde auch fündig, wer Kleidung oder Kunst für zuhause suchte, da kam jeder auf seine Kosten. Auch für die jüngsten Familienmitglieder war gesorgt. In einer kühlen Halle konnten sie ungestört für ihre spätere Rennfahrerkarriere auf Bobby Cars trainieren. Daneben präsentierte sich das eine oder andere Start Up aus der Region.
Jedes Fahrzeug erzählt seine eigene Geschichte
Der Mercedes Streifenwagen (W123) fand hier viel mehr Interesse und Zustimmung, als damals, als er im Einsatz war. So ändern sich die Zeiten.
Von den BMW-Touring Modellen, die als Kombi genutzt, schwer rangenommen wurden, sind nur wenige in gutem Zustand erhalten. Davon gab es gleich zwei zu sehen. Einer, das rot-weiße Servicefahrzeug, hat Julian Reichl, Eventmanager der Motor World, beigesteuert. Wir gratulieren zu dem Wagen im Top-Zustand.
Der rote M3, ausgestellt in der Legendenhalle, ist schon morgens um 02:00 Uhr in Eckenfelden hinter München aufgebrochen und auf eigener Achse hergefahren. Mit Mischbereifung auf OZ-Felgen, 235 vorne und 285 hinten, bringt er seine Kraft gut auf die Straße. Lediglich die Bremse wurde vergrößert. Ansonsten entspricht die Technik des gepflegten Wagens der Serienausführung. Leider hatten sie schon einen Fahrer für die Rückfahrt, sonst hätte ich aushelfen können …
Laute Discomusik zog einen förmlich zu dem roten Zelt von Denise Ritzmann. Die Powerfrau, die tagsüber als TÜV-Prüferin Männern Ansagen macht, schraubt in der Freizeit an ihren Rennautos. 2018 und 2019 war sie mit ihrem BMW E30 Drift Champion.
Aber stop, im Motorraum sieht es so gar nicht nach BMW aus, da stimmt doch was nicht. Für den Chevrolet Big Block LSX 454, einen Rennmotor mit 7,4 l Hubraum, gut für 600 PS mit 800 Nm, musste die Spritzwand nach hinten versetzt werden, sonst hätte er nicht reingepasst. Ein deutscher Motor mit ähnlicher Leistung ließ sich einfach nicht auftreiben. Durch die untenliegenden Nockenwellen baut der US-Motor recht flach. Die Motorhaube musste nur um wenige Zentimeter nach oben versetzt werden, um Platz zu schaffen. Der vom Publikum geforderte Soundcheck war auf dem ganzen Platz zu hören, Musik in den Ohren der Besucher.
Interessierten Fans sei ein Blick auf „DeniseRitzmannGermanDriftGirl“ auf Facebook empfohlen.
Der auffällige BMW E30 Artcar wurde 2014, auf dem letzten Stuttgarter HipPop Open, live gesprayt. Danach bestand hier wenig Interesse an dem Fahrzeug. „Ausgewandert“ in die USA, wurde das Auto als Highlight bei verschiedenen Tuning Shows in L.A. präsentiert und gefeiert. Erst vor drei Monaten wieder nach Deutschland zurückgekehrt, ist das Exponat direkt in der Motorworld „gelandet“, wo man sich dessen Lackierung am Sonntag ansehen konnte.
Der Erfahrungsaustausch mit Liebhabern anderer Marken, der sich in persönlichen Gesprächen auf dem Platz ergibt, ist ein Grund, auch nächstes Jahr wieder nach Böblingen zu fahren.







































































































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