„99 und kein bisschen leise“ lautete das Motto der diesjährigen Oldiedays des MSC Rottenburg, der am vorletzten Septembersonntag zu seinem Jubiläum einlud. Auf weitere 99 Jahre – eben auch mit den geliebten Verbrennungsmotoren – wurde zum Jubiläum angestossen.
Beeindruckend wie viele unterschiedliche Fahrzeuge am Sonntag zu sehen waren. In Summe waren es etwa 500, was nicht zuletzt auch den Clubbesuchen, etwa der Fiat-X-1/9-Freunde oder der Schlepperfreunde mit ihren Lanz-Bulldogs zu verdanken war. Auf einige Exoten wollen wir etwas näher eingehen.
Triumph GT6 mit aufgesetzter Spitfire Karosserie
Vom Fahrwerk her sind beide Modelle mehr oder weniger identisch, nur dass jetzt unter dem Vierzylinder Cabrio ein 6-Zylinder Coupé steckt.
Der GT6 stammt aus Irland, die Spitfire Karosse wurde in Deutschland erworben. Von dieser Kombination sollen in Deutschland sechs Stück zugelassen sein, was aufgrund der gleichartigen Fahrwerke wohl mit vertretbarem Aufwand machbar ist.
Nachdem der Motor 15 Jahre ohne Kerzen in der Garage verbracht hatte, waren natürlich einige Arbeiten nötig, auch der Auspuff wollte angepasst sein. Die Vergaser laufen noch nicht wirklich perfekt und auch der fehlende Luftfilter war eine Aufgabe, die mittels eines eigenen angepassten Luftfilterkastens gelöst sein wollte. Erst der Umstieg auf Champion Zündkerzen mit einem anderen Wärmewert ließ den Motor rund laufen und das wird sicher noch nicht die letzte Feinabstimmung gewesen sein.
Porsche 928 S4 Clubsport
Für den Besitzer des 928 S4 waren die notwendigen Arbeiten am Auto deutlich übersichtlicher, da diese bereits der Vorbesitzer hatte erledigen lassen. Kurz nach dem Kauf seines 928 S4 legte Porsche 1988 den Clubsport auf, der so reizvoll erschien, dass ein kompletter Umbau auf diese Variante durchgeführt wurde. Felgen, Innenausstattung, keramikbeschichtete Auspuffanlage, die Liste ist lang.
Inzwischen hat der mit einem 5-Gang-Sportschaltgetriebe ausgestattete Wagen 4-Loch Einspritzdüsen statt der originalen Bosch 2-Loch Ausführung erhalten, worauf der Besitzer schwört. Verbrennung, Verbrauch und Leistung sollen davon deutlich profitieren.
Bei erst 160.000 km auf dem Tacho sind außer dem Ersatz der verzugsfreudigen Kunststoff Heckstoßstange derzeit keine weiteren Arbeiten geplant.
Fiat Topolino 500 C
Es gibt auch einfache Wege um zu einem guten Oldtimer zu kommen. Der in Rottenburg präsentierte Fiat 500 C wurde dem Besitzer von seinem Neffen besorgt, der gute Freunde in Italien hat. Das ist jetzt 30 Jahre her. Neben den üblichen Wartungsarbeiten sind bislang keine nennenswerten Reparaturen angefallen. Der Wagen steht quasi genauso da, wie er damals aus Italien kam.
Porsche Cayenne Paris-Dakar
Weit vom Oldtimerstatus entfernt gesellte sich auch ein Cayenne unter die Besucher, dessen Besitzer dieses Jahr die Strecke erstmal erkunden wollen, bevor sie sich an das Wagnis einer Teilnahme an der legendären Rallye herantrauen.
Für den Chef der Motorsportgruppe des ADAC in Tübingen stand der Besuch bei den Oldiedays des MSC Rottenburg quasi auf dem Pflichtprogramm. Am Steuer wird in der Wüste allerdings seine Rallye erfahrene Ehefrau sitzen. Es bleibt abzuwarten, wie gut sich Frank in seiner neuen Rolle als Navigator macht. Nicht dass der überzeugte Nichtraucher noch zu den starken Rothmans Tabakwaren greifen muss.
1960er Plymouth Fury
Der auf deutschen Straßen quasi nicht anzutreffende Plymouth Fury war eines der Highlights der Veranstaltung.
Nach 7 Jahren der Suche rund um den Erdball wurde der Wagen letztendlich am Bodensee entdeckt und sofort gekauft. Zwei Jahre später ist der Wagen nun restauriert und wieder bedenkenlos fahrfähig, es bleibt aber noch einiges zu tun. Allein die Suche nach dem filigranen Fury Schriftzug dauerte 2 Jahre. Ersatzteile sind quasi nicht zu bekommen.
Extras wie zum Beispiel das extrem seltene Astro Wheel Lenkrad lassen Kennerherzen höher schlagen. Die drehbaren Sitze, die den Einstieg bequemer gestalten sollen, fanden regen Zuspruch.
Der 5,4l V8 Motor ermöglicht „Fahren wie im Motorboot nur ohne Wasser“, was dem Besitzer und seinem Sohn sichtlich Spaß bereitet.
Die ganze Geschichte des Wagens und seines Erwerbs wäre sicher eine separate Geschichte wert.
Cobra 6.0 Evolution
Alleine der Farbe wegen schon als Hingucker erwies sich eine etwas andere Cobra bei näherer Betrachtung. Sie wirkt breiter und höher als üblich und ist dies auch. Einer der Käufe „im Internet gesehen und sofort gekauft“, die sich gelohnt haben. Interessant ist der Antrieb mit einem Mercedes V8 Motor, der knapp 400 PS leistet und bei moderater Fahrweise unter 15 Litern Treibstoff verbrauchen soll.
Versehen mit drei Scheibenwischern vom Jaguar E-Type ist das Fahrzeug eine Ausnahmeerscheinung und brachte einige Besucher zum Staunen.
Goggomobil
Der kleine Wagen aus Dingolfing, gefertigt von Glas, erinnerte so manchen an seine frühe Jugend. Vom Onkel bekommen, mussten zunächst einige Karosseriearbeiten erledigt werden bis der kleine luftgekühlte Zweizylinder wieder seine 13,6 PS an die Straße weitergeben durfte. Das tut er jetzt seit 30 Jahren. Man schwimmt eben mit im Verkehr, soweit möglich. Überholmanöver sind nun mal nicht seine Stärke. Den Gotthard hat er aber schon bezwungen.
Alfa Romeo Zagato
Richtig viel Arbeit steckt in diesem farbenfrohen Exemplar. Vom Vorstand des Alfa Classic Clubs erworben sollten nur einige Kleinigkeiten in Stand gesetzt werden. Naja, wie das so geht, es wurde eine Frame-Off-Restaurierung, bei der jede Schraube in die Hand genommen wurde. Fensterschachtdichtungen wurden selbst angefertigt, die Radläufe vorne und hinten von Hand getrieben, Radläufe und Teile der Seitenwand nachgefertigt.
Bei der Gelegenheit wurde auch das gewöhnungsbedürftige racing green durch eine dem Wagen besser zu Gesicht stehende Farbe ersetzt. Anpassungen, wie sie dem Besitzer gefallen, so soll das ja auch sein.
Letztendlich steht da vom Wert her eine gut ausgestattete aktuelle Giulia. Was aber zählt, ist die Verwirklichung eines Jugendtraumes und die ist mit Geld nicht aufzuwiegen.
Lanz Bulldog
Es war herzerfrischend zu sehen mit welcher Begeisterung und Routine junge Menschen mit alter Technik umgehen. Den Lanz starten? Kein Problem! Vorglühen, Handkurbel ansetzen, richtig anfassen und drehen, wenn der Motor dann läuft, die Handkurbel zusammen mit der Lötlampe verstauen und losfahren. Der Traktor war ein echter Publikumsliebling. Der begeisterte kleine Bruder muss noch ein paar Jahre warten, bevor er selbst ran darf.
Ford Consul L
Auch hier spielen Jugenderinnerungen eine große Rolle. Wer einen solchen Wagen direkt nach seinem Führerschein gelegentlich bewegen durfte, der vergisst das nie. Und wenn einem dann auf der Veterama ein ansprechendes Exemplar über den Weg läuft …
Seit 30 Jahren mit dem Wagen unterwegs mussten nur wenige Blechteile und der Tank ersetzt werden, kein Problem bei der Versorgung über den Club. Der Vierzylinder Reihenmotor liefert brav seine 100 PS ab und bereitet keine Sorgen. Hoffen wir, dass es so bleibt.
Fazit
Es ist höchst erfreulich, dass in Süddeutschland nicht nur auf großen Messen, sondern auch bei kleineren Veranstaltungen immer mehr auch rare automobile Kostbarkeiten zu sehen sind. Das Interesse und die Zustimmung der Öffentlichkeit – Wasserstoffantrieb hin, Elektroautos her – sind groß.
Die Gespräche mit Gleichgesinnten und das Knüpfen neuer Kontakte machen auch die weiten Anfahrten wett. In diesem Sinne, vielleicht sieht man sich am 29. September in Aich bei Stuttgart.























































































































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