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Carola Daimler Classics 2021 – gelungene Rallye-Premiere rund um Stuttgart

Erstellt am 3. September 2021
, Leselänge 5min
Text:
Marcel Pelletier
Fotos:
Steffen Jahn 
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Google Maps 
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Der Blick auf die Wetter-App beherrschte sicher die Vorbereitung aller Teilnehmer. Und auch wenn zwei der geplanten Teilnehmerfahrzeuge bereits in Köln und am Tegernsee aufgeben mussten: Die Protagonisten eines bunt gemischten Teilnehmerfeldes erschienen zahlreich und gut gelaunt in Stuttgart, darunter die wetterfesten Eigner und Fahrer des zweitältesten Fahrzeuges, eines frühen Mercedes 24/100/140 von 1924. Womit wir bereits bei der Marke wären, welche fast drei von vier Fahrzeugen der Teilnehmer im Laufe des vergangenen Jahrhunderts produzierte, Mercedes-Benz.

Daimler Motorkutsche (1886) - An der Carola Daimler Classics 2021
Copyright / Fotograf: Steffen Jahn

Daimlers Motorkutsche vor Schneiders SLR

Es mag an der Inhaberin des Klassikerhandels und Ausrichterin Carola Daimler, der Urenkelin von Gottlieb Daimler liegen, dass die Rallye am frühen Morgen und sogar bei nicht angekündigten Sonnenstrahlen vom ältesten Fahrzeug der Welt eröffnet wurde: Daimler’s Motorkutsche, gesteuert von Carola Daimler Cars Geschäftsführer Nils Pfeifer. Das mühsame Starten des Wagens sorgte für ein respektvolles, ehrfürchtiges Schweigen der Teilnehmer; sein Losfahren für ein Schmunzeln und viel Verständnis dafür, dass der Wagen bereits 50 Meter weiter abgestellt und nicht über die insgesamt 247 km lange Route gequält werden sollte. Zugleich müssen Reisende früher deutlich wetterfester gewesen sein. Vom späteren Maybach-Komfort gibt es hier keine Spur – aber dieser hatte ja zu der Zeit auch noch meist Standuhren gebaut.

Bernd Schneider im Mercedes 190 SLR (1956) - An der Carola Daimler Classics 2021
Copyright / Fotograf: Steffen Jahn

In 2021, mithin 135 Jahre später erhielt der teilnehmende Mercedes-Werksfahrer Bernd Schneider im 1956er 190 SLR die Startnummer 01. Im Minutentakt folgten ihm gleich zwei grosse 300er Cabrios von 1952 und 1959, einige schöne 300 SL aus den 50er wie aus den 80er Jahren, zwei Jaguar E-Type (S1 und S3) und ein seltener Porsche 356 Pre-A Speedster.

BMW 503 (1956) - An der Carola Daimler Classics 2021
Copyright / Fotograf: Steffen Jahn

Nur ein Nylonstrumpf hätte schneller geholfen

Ein beinahe so seltener BMW 503 wirkte wie ein hellblauer Farbtupfer im Teilnehmerfeld und war das erste Fahrzeug, welches bei Kilometer 22 mit Warndreieck am Streckenrand pausierte und für mindestens 30 Hilfsangebote der übrigen Rallyeteams und sogar von unbeteiligten Youngtimer-Fahrern sorgte; eine schöne Erfahrung, die Freude macht und jeden dazu motivieren sollte, alte Autos völlig unerschrocken zu bewegen.

Zum Glück war an dem bei Carola Daimler Cars zum Verkauf stehenden Achtzylinder von 1956, dem etwas braven Schwesterfahrzeug des berühmten BMW 507 im Graf Goertz Design, nur der Keilriemen gerissen. Ein mobiles und sehr kompetentes Serviceteam der lokalen Oldtimer-Profis von Pemac aus Filderstadt hatte – und das war recht erstaunlich, einen in der Länge perfekt passenden Riemen an Bord – und den Schaden in genau 7 Minuten behoben.

BMW 503 (1956) - An der Carola Daimler Classics 2021
Copyright / Fotograf: Steffen Jahn

Leider war das Servicefahrzeug am Ende des Feldes und es dauerte zuvor bald eine Stunde, bis es kam. Dann aber rollte das formschöne BMW-Coupé, für welches damals nahezu der Kaufpreis eines Einfamilienhauses verlangt wurde, entspannt seiner Wege und erntete unterwegs viele neugierige Blicke wie Anerkennung. Der 503 wurde am Ende des Tages übrigens Drittplatzierter in der teilnehmerstarken 50er-Jahre-Klasse und ist aktuell für nur noch den Preis einer 1,5-Zimmer-Wohnung in Stuttgart oder Berlin zu haben, also für genau 199‘000.- Euro.

Ein BMW 507 hingegen kostet aktuell eher das fünf- bis achtfache. Darüber hinaus hatten die Serviceteam von Pemac wenig zu tun; etwas Ölverlust am 1957er 300 SL und ein anderer Mercedes hatte wohl entweder eine unpräzise Tankanzeige oder einfach mal viel Freude am Fahren.

Die Streckenführung der Carola Daimler Classics 2021
Copyright / Fotograf: Google Maps
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Routenführung mit „Chinesenzeichen“ im Roadbook – und ohne Navi

Wer als Beifahrender nicht bereits rallye-erfahren ist, stösst schnell an seine Grenzen, wenn Google-Maps nicht weiterhilft, weil die Route zum Ziel bei einer Rallye eben niemals die Kürzeste ist, sondern die Schönste. Das sprengt nicht nur die Phantasie eines meist nur im urbanen Raum Fahrrad fahrenden Google-Progammierenden, es verwirrt sicher auch manchen Co-Piloten der Carola Daimler Classics. So war es stets erheiternd, wenn ein anderer Teilnehmer vor oder hinter einem eine andere Route wählte als man selbst. Wie im wahren Leben zweifelte man zunächst an den anderen, dann an der eigenen Orientierung und das so lange, bis das Zweifeln an den anderen als richtig bestätigt werden konnte.

Auch der Lenker eines Mercedes GD von 1980 war überzeugt, bei einsamer Spazierfahrt auf immer enger werdenden Waldwegen zur Burg Hohen Neuffen schneller das Grillbuffet erreichen zu können, bis er an einer unüberwindbaren Holzschranke des örtlichen Försters scheiterte – womit er Kandidat für den üppigsten Dessertkonsum wurde.

Blick nach vorn - Impressionen von der Carola Daimler Classics 2021
Copyright / Fotograf: Steffen Jahn

Am schönsten war es unterwegs immer dann, wenn man trotz der Abstände von einer Minute zum vorderen oder hinteren Teilnehmer aufholt und man endlich in einer vom Gesetzgeber nicht gewünschten Kolonne unterwegs ist – denn diese belohnt bei einer Oldtimerausfahrt nachweislich das Auge und die Seele.

Ganz knalliger 300 SL auf der Bühne - Impressionen von der Carola Daimler Classics 2021
Copyright / Fotograf: Steffen Jahn

War das nicht gar ein Mercedes Event?

Nicht nur DTM-Legende Bernd Schneider hat abends mit seinen Anekdoten zu historischen Mercedes-Rennfahrer-Persönlichkeiten für das Gefühl eines gelungenen Events zur Marken und Traditionspflege gesorgt. Mercedes-Benz hätte eigentlich Hauptsponsor eines Events sein müssen, welcher so perfekt und mit soviel Herzblut organisiert war.

Man kann sich allerdings kaum vorstellen, dass beunruhigte Angestellte eines aktuell eher orientierungslos wirkenden Stuttgarter Grosskonzerns diese Rallye nur im Ansatz so gut hinbekommen hätten: Knapp 40 Teilnehmerteams und -fahrzeuge, unterwegs sechs spassgeladene und teils unkonventionelle Wertungsprüfungen mit zahlreichen Helfern und einem mobilen Pannen-Team der lokalen Profis von Pemac aus Filderstadt, einem Frühstück vor dem Start, mittags ein Grillbuffet auf Burg Hohen Neuffen und ein Abendprogramm mit Apéro bei reichlich Benzin-, Design- aber auch anderen Gesprächen und schliesslich einem 3-Gang-Gala-Dinner aus dem Kochbuch von Daimlers erster Ehefrau Emma; das war beachtlich und alles andere als die übliche Camping-Kulisse (die anderenorts natürlich auch ihre Berechtigung hat).

Freude herrscht - Impressionen von der Carola Daimler Classics 2021
Copyright / Fotograf: Steffen Jahn

Zwischen den Gängen gab es eine Siegerehrung mit Preisen für fast alle Teilnehmer und eine Tombola, doch am Ende des Tages auffällig und noch wichtiger: Ein sympathischer, freundlicher, geimpfter oder genesener und trotz der unterschiedlichsten Fahrzeugwerte in keinster Weise dünkelhafter Teilnehmerkreis sorgte sicher nicht nur beim Autor dieser Zeilen für einen der schönsten Regentage des Sommers 2021 und für ein Gemeinschaftsgefühl, wie es sich wohl auch nach den zahlreichen Lockdowns besonders wohltuend anfühlt.

Die Carola Daimler Classics strebt an, zur Institution in der Region zu werden und eine Wiederholung ist für 2022 bereits jetzt geplant. Interessenten finden hier auf Zwischengas zahlreiche Fotos, die ganze Route, den Kontakt und alle weiteren Informationen zum vergangenen Event oder eine Voranmeldung für 2022 der Website der Rallye .

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