"Rush - Alles für den Sieg", so lautet der Filmtitel des neuesten Hollywood-Films von Regisseur Ron Howard , der das Formel-1-Weltmeisterschafts-Duell von 1976 zwischen Niki Lauda und James Hunt zum Thema nimmt. Im Zentrum stehen also die beiden unterschiedlichen Menschen Lauda und Hunt, beide erfolgreich und beide mit ihren ureigenen Stärken und Schwächen.
Für eingesessene Motorsport-Fans sind solche Filme immer ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite freut man sich, aber genauso befürchtet man nach "Days of Thunder" und vor allem "Driven" eine weitere unrealistische Darstellung des geliebten Rennsports.
Menschen und nicht der Rennsport im Zentrum
"Rush" will jedoch nicht in erster Linie den Motorsport ins rechte Licht rücken, sondern vielmehr die beiden unterschiedlichen WM-Favoriten der Saison 1976 darstellen. Auf der einen Seite der Österreicher Niki Lauda, dargestellt von Daniel Brühl, als geradliniger, konsequenter und berechnender Rennfahrer, auf der anderen Seite der Brite James Hunt, dargestellt von Chris Hemsworth, Naturtalent, Playboy, Kettenraucher und auch dem Alkohol nicht ganz abgeneigt.
Die Realität als Drehbuchautor
Die vorgängig geplante Filmidee über den dreifachen Weltmeister Jackie Stewart, wurde schnell fallengelassen, da die Kombination Lauda/Hunt einfach viel mehr Zündstoff für Drehbuchautor Peter Morgan bot. Überhaupt beinhaltet die Saison 1976 alles, was ein grosser Hollywood Film braucht.
Nicht nur das Drama dieser zwei so unterschiedlichen Menschen, die auf verschiedenen Autos um den Titel kämpfen, sondern auch die Tragödie von Nikis Feuer-Unfall am Nürburgring, dazu der Monza-Thriller 42 Tage nach der letzten Ölung. Zum Schluss folgte noch das Hunt Happy-End von Fuji mit dem WM-Titel, dem als Kontrapunkt Laudas Drama entgegengesetzt wurde. Selbst die Komik bekommt ihren Patz im Film.
Soviele Eriegnisse vor und hinter den Kulissen gab es kaum je in einer anderen Formel-1-Saison und wird es wohl auch in Zukunft nicht so schnell wieder geben.
Der Oscar-prämierte Regisseur Ron Howard ("A Beautiful Mind") meint dazu: "Wenn einer diese Geschichte erfunden hätte, würde man sagen: “Das kann doch nicht wahr sein!"
Dazu passend ist eine Episode am Rande, die der Wahrheit entspricht. Ein Fan bittet Lauda am Nürburgring um ein Autogramm mit Datum. Auf die Frage, warum er dies so wolle, kommt die Antwort, dass es ja Laudas letztes Autogramm sein könnte.
Wandernde Sympathien des Zuschauers
Im Film wechselt die Sympathie vom einen zum anderen Helden. Der ausgeflippte Frauenheld James Hunt wächst einem in der ersten Filmhälfte ans Herz. Nach Laudas Feuerhölle am Nürburgring und vor allem mit seinem Comeback in Monza, nur 42 Tage nach dem Unfall, beginnt der Zuschauer, den Helden Lauda ins Herz zu schliessen. Auch wer sich noch genau an die tatsächlichen Geschehnisse im Jahr 1976 erinnert, verfolgt Laudas Abschneiden mit grosser Spannung, leidet mit und hofft auf ein gutes Ende.
Kein eigentliches Interesse an Autos und Motorsport
Weder Ron Howard noch Peter Morgan interessieren sich für den Motorsport. Howard nicht einmal für Autos: "Ich fahre einen uralten Volvo-Kombi". Der einzige Motorsportfan der drei "Macher" ist Ferrari-Fahrer Eric Fellner. Er finanzierte bereits die Senna-Dokumentation und trieb für die Produktion von "Rush" rund 60 Millionen Euro auf.
Die Hollywood-Maschine setzt auf den historischen Tatsachen auf, betont aber nach Gutdünken und übertreibt, wo es dem Filmverlauf dienlich ist.
Howard meinte kommentierte, dass man zwar die Fakten respektieren müsse, dass man aber auch etwas mehr geben dürfe.
Klar ist auch, dass ein Rennfan mehr sieht, als das, was dem typischen Kinogänger, der nicht viel mit Rennsport am Hut hat, auffällt. In Howards "Apollo 13" sieht auch nur ein Weltraumforscher wie Bruno Stanek die Unwahrheiten. Das “normale” Publikum nimmts mit Begeisterung auf.
Man soll den Film ja auch als Unterhaltung sehen und nicht mit der Realität vergleichen. Überholmanöver bei weit über 200km/h, bei denen sich die beiden Kämpfer in die Augen schauen, gibt es in der Wirklichkeit so nicht. Aber die Filmemacher lieben solche Szenen und drehen sie immer wieder ...
Nachgedrehte Sequenzen
Die Tragödie im Film, in deren Zentrum der Nürburgring-Feuerunfall von Niki Lauda beim "Bergwerk" steht, wurde hervorragend nachgestellt. Dank den Original-Aufnahmen eines Amateur-Filmers mit seiner Super-8 Kamera hatte man die Dokumentation der damaligen Ereignisse. Die heutige Computer-Technik machte den ganzen Rest möglich. Beeindruckend auch der Kampf der Ärzte um Laudas Leben. Niki selbst erzählte: "Es war genau so, selbst den Pfarrer hab ich rausgschmissn". Aber vielleicht hat auch hier Hollywood etwas nachgeholfen.
Die Rennszenen wurden 1:1 am Nürburgring und in Brands-Hatch gedreht. Aus Snetterton wurde Monza, aus Donington Fuji, aus Cadwell Park Crystal Palace gemacht und auf einem Flugplatz wurden die Starts von Kyalami und Interlagos gedreht. Gewaltige Wetterstimmungen, natürlich durch den Computer etwas überdramatisiert, beeindrucken den Betrachter. In Donington hatte man das Glück, dass man an einem verregneten Tag drehen konnte, womit sich die Fuji-Stimmung perfekt umsetzen liess.
Echte und falsche Autos
Die Autos bestanden aus zehn extra gebauten Replicas sowie echten Autos aus Privatbesitz. Der Hesketh, Brabham, BRM, und Penske wurden für je rund 100`000 Euro auf Formel 2 Chassis nachgebaut. Howard meinte realistisch: "Ohne die heutige Computertechnik wäre dieser Film nicht finanzierbar gewesen". Trotz der Ersatzautos waren die Dreharbeiten nicht einfach, wie ein Kommentar Howards in der New York Times beweist: “Die nachgebauten Autos fielen genauso häufig mit technischen Problemen aus wie die Originale”.
Überzeugende Hauptdarsteller
Von den beiden Hauptdarstellern Daniel Brühl als Niki Lauda und Chris Hemsworth als James Hunt, hatte es Brühl wesentlich schwieriger. Da Hunt am 15. Juni 1993 bereits verstorben ist, gibt es zu ihm keine direkten Vergleiche. Niki aber ist allgegenwärtig und allseits bekannt, so musste sich Daniel Brühl seine Eigenheiten, zum Beispiel dessen Sprache und Bewegungen, viel genauer aneignen. Zum Schluss mit grossem Erfolg, denn Niki glaubte tatsächlich sich selbst zu sehen. Er meinte nach unserer Erstsichtung im Wiener Künstlerhaus: "Jetzt erst weiss ich wieso mir nach dem Unfall kaum einer in die Augen schaute. I hab’ ja richtig schlimm ausg’schaut!"
Selbst heute noch leidet Lauda an den Folgen des Unfalls, bereits tut die fünfte Niere ihren Dienst. Hunt verstarb 1993 an einem Herzinfarkt, nachdem er mittellos zur Randexistenz geworden war.
Ohne Originalaufnahmen
"Rush" kommt komplett ohne Originalaufnahmen aus, dafür ist die Story realitätsbezogen. Bei John Frankenheimers "Grand Prix" aus dem Jahre 1966 oder Steve McQueen`s "Le Mans" von 1970 wurde mit vielen Original-Aufnahmen gearbeitet. So wurden bei beiden Produktionen mit Kameras bestückte Rennwagen in echten Rennen eingesetzt. Dafür waren die Handlungen bei den beiden Filmen frei erfunden.
Was die Rennszenen betrifft ist für viele wohl nachwievor "Le Mans" das Mass aller Dinge. Der Film ist bezüglich Bild und Ton extrem gut gemacht. Nicht vorstellbar, was ein Steve McQueen mit Hilfe der heutigen Technik noch gemacht hätte!
Für das breite Publikum
"Rush" zielt wie bereits erwähnt nicht nur auf die Motorsport-Fans, sondern auf ein Publikum welches die Ereignisse zum ersten Mal erlebt. Das Ziel, ein breites Publikum anzusprechen, scheint erreicht zu werden, denn in Grossbritannien schoss der Film bereits am Startwochenende auf Platz 2 der Kinocharts und auch in der USA wird er massiv besser besucht als es die Kritiker wahrhaben wollten. Bereits zählen auch die beiden Hauptdarsteller zu Oscar-Anwärtern.
Wir denken, den Erfolg geniesst "Rush" zurecht. Er ist spannend, witzig, faszinierend und interessant. Mit Sicherheit nicht langweilig. Ein Kino-Abend mit Nachwirkung und auch mit Begleitung empfehlenswert.
Die Macher hinter Rush
Regisseur Ron Howard (geboren am 1.3.1954 in Duncan, Oklahoma) machte sich in Hollywood mit den Filmen "Cocoon", "Apollo 13" und dem "Da Vinci Code" einen grossen Namen. Für den Film "A Beautiful Mind" erhielt er 2002 den Oscar für die beste Regie und auch den Oscar für den besten Film.
2008 zeichnete Howard für die Verfilmung von Peter Morgan`s Theaterstück Frost/Nixon verantwortlich mit Frank Langella in der Rolle des Richard Nixon und Michael Sheen als Fernsehmoderator David Frost. Das Drama brachte ihm erneut Regie-Nominierungen für den Golden Globe Award und den Oscar ein.
Drehbuchautor Peter Morgan (geboren am 10.4.1963 in London) erhielt 2007 für sein Skript "Die Queen" den Golden Globe Award und wurde für den Oscar sowie den europäischen Filmpreis nominiert. Morgan und Howard kennen sich seit der Verfilmung zu Frost/Nixon.
Produzent Eric Fellner (geboren 1960 in Grossbritannien) kann auf ein kunterbuntes Portfolio produzierter Filme zurückschauen, darunter "Notting Hill", "Abbitte", "Elizabeth" und "Les Miserables". Zudem zeigte er sich auch für den Dokumentarfilm “Senna” über das Leben von Ayrton Senna verantwortlich.
Daniel Brühl (geboren 1978 in Barcelona) wurde unter anderem mit den Filmen "Goodbye Lenin" und "Inglourious Basterds" international bekannt.
Chris Hemsworth der 30-jährige Australier gilt in der Szene als aufstrebender Star, “Rush” dürfte für die weitere Karriere eine wichtige Rolle spielen.





































































































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