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Nino Vaccarella - Il preside volante

Erstellt am 14. Mai 2015
, Leselänge 4min
Text:
Thomas Suter
Fotos:
Daniel Reinhard 
5
F. Mueller 
9
Archivbild 
2
Marc Le Beller 
1
Archiv 
3
Nino Vaccarella mit dem 2-Liter-8-Zylinder-Porsche 1962 bei der Targa Florio
Nino Vaccarella in Palermo
Nino Vaccarella in Palermo
Nino Vaccarella im modernen Ferrari auf der Targa Florio Strecke
Nino Vaccarella im modernen Ferrari auf der Targa Florio Strecke

Auch mit mittlerweile über 80 Jahren ist er immer noch das rennfahrerische Denkmal Siziliens, auch wenn es „sein“ Rennen, nämlich die Targa Florio, schon längst nicht mehr gibt: Gemeint ist Nino Vaccarella, in erster Linie Sizilianer aus Palermo, in zweiter Linie pensionierter Rektor einer Mittelschule und erst zum Schluss Rennfahrer. Und genau in dieser Reihenfolge hielt er es auch während seiner Aktivzeit 1956 bis 1975 – er schlug selbst gegenüber namhaften Firmen wie Ferrari und Alfa Romeo den Werkfahrerstatus aus!

Bild Nino Vaccarella mit dem 2-Liter-8-Zylinder-Porsche 1962 bei der Targa Florio
Nino Vaccarella mit dem 2-Liter-8-Zylinder-Porsche 1962 bei der Targa Florio
Archiv Automobil Revue

Überlebt in unsicheren Zeiten

Wie soll man eine Karriere schildern, die einen Le-Mans-Sieg (1964), drei Erfolge bei der Targa Florio (1965, 1970 und 1975), Siege bei den 1000 km vom Nürburgring (1964), dem 12-Stunden-Rennen von Sebring (1970), zahlreiche 1. Plätze bei Bergrennen und kleineren Sportwagenrennen aufweist, alles in einer Zeit, als es mehr als unsicher war, dies alles zu überleben?

Bild Nino Vaccarella in Palermo
Nino Vaccarella in Palermo
Copyright / Fotograf: F. Mueller

„Manchmal werde ich schon nachdenklich, wenn ich mir vorstelle, dass das Gros meiner Teamkollegen nicht mehr am Leben ist“, runzelt Vaccarella seine Stirn. Im Laufe seiner zwanzigjährigen Karriere teilte er das Cockpit mit Jo Bonnier, Willy Mairesse, Lorenzo Bandini, Ludovico Scarfiotti, Pedro Rodriguez, Jochen Rindt, Ignazio Giunti und Rolf Stommelen, notabene einem halben Grand-Prix-Starter-Feld, alle schliesslich im Rennwagen tödlich verunglückt. „Die alten Zeiten mit den tollen Sportwagenrennen, sensationellen Rennwagenmodellen wie Alfa Romeo Tipo 33, die Ferrari 512 und die Porsche 908 und 917, grossen Zuschaueraufmärschen und spannenden Rennen waren aus sportlicher Sicht sehr schön. Und ich bin stolz, ein Teil davon gewesen zu sein,“ führt er aus und ergänzt dann sofort „aber heute sind die Rennwagen zum Glück viel sicherer geworden und es gibt nur noch sehr selten Tote.“

Freude an der Geschwindigkeit

Zu den Highlights seiner Karriere zählt er Rennstrecken wie Le Mans, Spa und Monza. „Es war ein unglaubliches Gefühl, einen Ferrari 512M mit über 350 km/h über die Hunaudières-Gerade zu peitschen,“ freut er sich heute noch über die vergangenen Zeiten und es ist schwer, ihm die Begeisterung für sein heutiges Vehikel abzunehmen: „Es ist ein ganz normaler Fiat Punto, der ist wendig und lässt sich leicht durch die engen Gassen von Palermo dirigieren ...!“

Bild Alfa Romeo Tipo 33TT3 (T33/3) in Le Mans 1972 - Nino Vaccarella im Alfa Romeo Tipo 33TT3 des Autodelta Teams
Alfa Romeo Tipo 33TT3 (T33/3) in Le Mans 1972 - Nino Vaccarella im Alfa Romeo Tipo 33TT3 des Autodelta Teams
Archiv Automobil Revue

An Le Mans hat er vielfältige Erinnerungen – gute, wie sein Sieg von 1964 in einem Ferrari P2 und Copilot Jean Guichet, weniger gute, wenn er an seine zahlreichen Ausfälle zurückdenkt. „Wenn du mit über zwei Runden in Führung liegst und dann ein Getriebeschaden das aus bedeutet, sind dies schon bittere Momente“, führt er aus. „Le Mans und Spa forderten einem alles ab, Fahrer und Maschine, und als Italiener muss man Monza einfach mögen“, begründet er die Rangliste seiner Lieblingsstrecken.

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Technische Defekte als Karrierebremse

Ging beim Aufzählen aber nicht etwa die Targa Florio vergessen? „Nein, die Siege haben sich einfach so ergeben,“ begründet er. „Wenn alles richtig gelaufen wäre, hätte ich auf dem Madonie-Kurs sowieso mindestens acht und nicht bloss drei Siege eingefahren“, lacht er. Technische Defekte wussten diese Erfolge zu verhindern – und trotzdem war die Targa Florio jeweils „sein“ Rennen. Plakate und Transparente mit „Vaccarella“, „Nino nazionale“ und „Forza Vaccarella“ säumten die 72 km lange Strecke. Standing ovations erwarteten den sizilianischen Professor bei jeder seiner Durchfahrten, „auch wenn man im Rennwagen nicht allzu viel davon mitbekam – zu stark war die Konzentration bei der Durchfahrt durch die engen Dörfer und auf den schmalen Überlandstrassen, man wusste nie, ob nicht doch plötzlich noch ein Eselskarren auf der Ideallinie stand,“ erinnert er sich mit einem Schmunzeln und fügt an: „Heute ist das alles unvorstellbar“.

Familie versus Fabrik

Bei Alfa Romeo fühlte sich der sensible Sizilianer immer besser aufgehoben als bei Ferrari. „Alfa Romeo war für mich eine Familie – Ferrari ein Fabrik, in der du als Nummer zu funktionieren und deine Leistung zu bringen hattest,“ charakterisiert er den Unterschied. Aber gerade eine ausserordentliche Leistung honorierte ihm der Commendatore auch ausserordentlich: Für den Formel-1-Grand von Italien 1965 stellte ihm Ferrari einen Formel 1 zur Verfügung, „eine Geste, die ich ihm nie vergessen werde,“ erinnert sich Vaccarella.

Bild Nino Vaccarella gewann zusammen mit Arturo Merzario die Targa Florio 1975 mit diesem Alfa Romeo T33/TT/12 (Aufnahme wurde während der Ennstal-Classics 2008 gemacht)
Nino Vaccarella gewann zusammen mit Arturo Merzario die Targa Florio 1975 mit diesem Alfa Romeo T33/TT/12 (Aufnahme wurde während der Ennstal-Classics 2008 gemacht)
Copyright / Fotograf: Daniel Reinhard
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Lieber Rektor als F1-Fahrer

Überhaupt: War für den schnellen Sizilianer die Formel 1 nie ein Thema? „Ich hätte alles dem Rennsport unterordnen müssen. Meine Funktion als Rektor einer Mittelschule hätte ich aufgeben müssen – und dazu war ich nicht bereit,“ erklärt er. Trotzdem kam es im Verlauf seiner Karriere zu insgesamt acht Formel-1-Starts. Beim GP von Vallelunga schaute 1961 auf einem Cooper-Maserati ein dritter Platz heraus, beim GP von Pau im darauffolgenden Jahr wurde er mit einem Lotus sechster, und bei den vier Versuchen bei den GP von England, Monaco und Italien 1962 schaute in Monza gerade Mal ein neunter Platz heraus, 1965 scheiterte er im königlichen Park vor Mailand an der Technik seines Ferrari-Formel-1.

Bild Nino Vaccarella im modernen Ferrari auf der Targa Florio Strecke
Nino Vaccarella im modernen Ferrari auf der Targa Florio Strecke
Copyright / Fotograf: F. Mueller

Dem Rennsport ist er nach wie vor verbunden, auch wenn er nicht sehr oft an Rennstrecken zu sehen ist. „Für eine sizilianische Tageszeitung kommentiere ich seit bald 40 Jahren die Formel-1-Rennen, also muss ich im Bild sein, was alles geschieht“, schmunzelte er.      

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Bild Nino Vaccarella in Palermo
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Bild Nino Vaccarella im modernen Ferrari auf der Targa Florio Strecke
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Bild Nino Vaccarella - Sieger der Targa Florio 1975 - Portrait während der Ennstal-Classics 2008
Bild Nino Vaccarella gewann zusammen mit Arturo Merzario die Targa Florio 1975 mit diesem Alfa Romeo T33/TT/12 (Aufnahme wurde während der Ennstal-Classics 2008 gemacht)
Quelle:
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