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Goodwood Revival 2016 - spektakulärer historischer Rennsport im typisch britischen Rahmen

Erstellt am 12. September 2016
, Leselänge 16min
Text:
Peter Wyss
Fotos:
Amy Shore - Courtesy Goodwood Revival 
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Drew Gibson - Courtesy Goodwood Revival 
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Jayson Fong - Courtesy Goodwood Revival 
18
Adam Beresford - Courtesy Goodwood Revival 
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Nick Dungan - Courtesy Goodwood Revival 
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Courtesy Goodwood Revival 
9
- Courtesy Goodwood Revival 
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Matt Ankers - Courtesy Goodwood Revival 
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Ruedi Stoop 
1

Kennern der historischen Rennszene braucht man das Goodwood Revival Meeting nicht mehr explizit vorzustellen. Einmal im Jahr messen sich die besten Historic Racer Englands mit ebenso wagemutigen Ausländern auf dem schnellsten historischen Circuit der Welt, auf denen noch richtige Rennen mit adäquaten Fahrzeugen ausgetragen werden.

Aston Martin DB4 GT (1960) - neben seinem Brüderlein, Kinrara Trophy - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Amy Shore - Courtesy Goodwood Revival

Dass es sich mit Ausnahme der Vorkriegsrennwagen in vielen Fällen um neu auf- oder nachgebaute Fahrzeuge handelt, spielt keine Rolle. Die Autos sehen so aus und riechen und tönen so wie zu jener Zeit, als von 1948 bis 1966 in Goodwood nationale Rennen und internationale Grossveranstaltungen über die Bühne gingen.

1998 vom Enkel des damaligen Circuit-Begründers Freddy March ins Leben gerufen, gibt es das Revival nun ebenso lang wie ab Mitte des letzten Jahrhunderts.

Lebendiges Theater

Der Grossteil der Zuschauer, die aus aller Welt anreisen, kleidet sich auch so wie anno dazumal und macht das Goodwood Revival Meeting zu einem einmaligen theatralischen Anlass. Wer pures Racing mag und es noch nie live gesehen hat, ist selber Schuld, hat dazu aber noch oft Gelegenheit, da dessen Zukunft aufgrund des immensen Zuschaueraufmarsches auf Jahre hin gesichert scheint.

Fast wie in einem Film - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Amy Shore - Courtesy Goodwood Revival

Das Datum für 2017 ist zwar noch nicht fixiert, dürfte sich aber wieder um Mitte September herum nach dem letzten europäischen Grand Prix bewegen. Denn Lord March, auf dessen Gelände sich der von seinem Grossvater erbaute Goodwood Circuit befindet, legt Wert auf viel Prominenz aus dem Rennsport, die an Formel-1-freien Wochenenden eher verfügbar ist.

Derek Bell - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Drew Gibson - Courtesy Goodwood Revival

Mancher aktuelle GP-Pilot würde sich allerdings erschrecken, wenn er hier so schnell fahren müsste, wie dies einst die Vorgänger Jim Clark und Jackie Stewart taten. Die beiden ehemaligen britischen Formel-1-Weltmeister halten seit dem 19. April 1965 gemeinsam den absoluten Rundenrekord mit 107,46 mph (172,9 km/h) Schnitt. Obwohl bei unverändert gebliebenem Streckenverlauf von den V8-Supersportwagen am Revival schon mehrmals unterboten, halten die Goodwood-Organisatoren an der legendären Rekordmarke ihrer beiden Helden fest.

Regen am ersten Renntag

Was sich seither ebenfalls nicht verändert hat, ist – sorry für dieses Vorurteil – das Wetter auf der britischen Insel. Nachdem es am ersten Tag nur am frühen Morgen kurz geregnet hatte und sich danach die Sonne zwischen den Wolken zeigte, setzte am Samstag genau zu Rennbeginn kurz vor 10 Uhr ein bis nach 16 Uhr anhaltender Landregen ein.

Rennen der Tretautos - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood Revival

Die Fahrer in allen Feldern wurden dadurch genauso auf die Probe gestellt wie jene Zuschauer, die sich kein Ticket für die gedeckten Tribünen oder einen Platz in den überfüllten Zelten gesichert hatten. Bei schönem Spätsommerwetter, wie es sich dann am Sonntag präsentierte, macht es jedoch Spass, den ganzen Tag herumzuschlendern und das Renngeschehen von den Naturtribünen rund um den 3.86 km langen Circuit aus zu verfolgen.

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Ferrari-Sieg im ersten GT-Rennen

Schon am Freitagabend, als sich leider schon viele der rund 45'000 täglichen Zuschauer auf den Heimweg machten, stand ein einstündiges Rennen für geschlossene GT-Fahrzeuge bis Jahrgang 1962 auf dem Programm. Wie im Qualifying gab der Ferrari 250 GT SWB/C von Joe Macari und Tom Kristensen den Ton an – der Sieg des Dänen sollte am ganzen Wochenende der einzige eines Fahrers aus nicht englischsprechenden Ländern bleiben!

Aston Martin DB4 GT (1960) - Start zur Kinrara Trophy - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Jayson Fong - Courtesy Goodwood Revival

So klar war dieser Sieg allerdings nicht, denn ohne Safety-Car und Unfälle von zwei DB4 GT hätte das Ergebnis vielleicht auch ganz anders ausgesehen.

Ferrari 250 GT SWB/C (1961) - Tom Kristensen hat die Führung im Rennen um die Kinrara Trophy an sich gerissen - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Drew Gibson - Courtesy Goodwood Revival

Mit tatkräftiger Hilfe des erfolgreichen Spezialisten Simon Hadfield brachte Wolfgang Friedrichs seinen Aston Martin DB4GT mit 7,5 Sekunden Rückstand als Zweiter ins Ziel. Der Beste der zehn Jaguar E-Types kam mit dem Duo Ian Dalglish/Roger Wills auf den dritten Rang.

Lukas Hüni und Carlo Vögele brachten den einzigartigen Ferrari 330 GTO an zehnter Position über die Distanz.

Ferrari 330 GTO (1963) - gefahren von Vögele und Hüni im Rennen um die Kinrara Trophy - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Jayson Fong - Courtesy Goodwood Revival

Die ebenfalls unter der Bewerbung der Scuderia del Viadotto mit einem Ferrari 250 GT SWB gestarteten Frank Stippler und Conrad Ulrich folgten mit rund einer Minute Rückstand an 15. Stelle.

Der Basler Urs Müller wechselte sich mit seiner Tochter Arlette am Steuer ihres Aston Martin DB4 GT ab, und sie sahen die Zielflagge knapp fünf Sekunden später als 16. unter 23 Klassierten.

Erster Maserati-Sieg nach zehn Jahren

Italien vor England hiess es, was die Marke betraf, überraschenderweise auch beim ersten Rennen vom Samstag. Mit seiner Trainingsbestzeit hatte Calum Lockie seine Stärke und die eines Maserati 6CM zwar angedeutet, doch beim einsetzenden Regen spielte zunächst der mehrfache Goodwood-Sieger Mark Gillies mit dem ERA A-type R3A von 1934 sein Fahrkönnen aus.

Maserati 6CM (1938) - Callum Lockie besiegt im Rennen um die Goodwood Trophy die favorisierten ERA Rennwagen - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood Revival

Erst als Gillies mit einem technischen Problem kurz seine Boxenmannschaft aufsuchte, übernahm Lockie die klare Führung. „Auch wenn wir Briten Regen gewohnt sind, war es wirklich harte Arbeit. Ich hätte lieber eine trockene Strecke gehabt“, gab der Sieger zu.

Durchdrehende Räder auf der langen Geraden

Wie schwierig die Bedingungen waren, deuteten die zahlreichen Pirouetten im Feld an, die aber alle harmlos verliefen. Auch Gillies drehte sich kurz ins Grüne und beendete seine Aufholjagd nach dem Boxenstopp immerhin noch an neunter Position.

Alfa Romeo Tipo B (1934) - im Rennen um die Goodwood Trophy - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Jayson Fong - Courtesy Goodwood Revival

Mit rund sieben Sekunden Rückstand kam Matt Grist auf einem Alfa Romeo Tipo B knapp vor Tom Dark in einem Bugatti Type 73C von 1945 ins Ziel. Zum ersten Mal seit zehn Jahren, als es in diesem jährlich programmierten Feld letztmals einen Maserati-Sieg absetzte, erreichte keiner der ansonsten dominierenden ERA-Piloten einen Podestplatz.

Wie schwer die schmal bereiften Vorkriegsrennwagen zu bändigen sind, liess sich am Beispiel des Alfa Romeo 308C von Julian Majzub sehen und hören, dessen Hinterreifen beim Beschleunigen aus der Schikane die ganze Start/Zielgerade hinab in jedem Gang durchdrehten!

Kleinholz in der letzten Schikane    

Auch die kleinen und leichteren 1600er- und Zweiliter-Sportwagen, welche von 1960 bis 1964 oft in Goodwood zu sehen waren, verlangten von ihren Piloten viel Geschick, obgleich einige spielerisch damit umzugehen schienen. Nach anfänglicher Führung von Polesetter Chris Goodwin in einem der vielen Lotus 23B übernahm Joe Twynman mit einem Elva-Ford Mk7 das Kommando.

Lotus 23B Ford (1963) - Andrew Newall (36) startet aus der ersten Reihe und gewinnt das Rennen um den Madgwick Cup für Sportwagen unter drei Litern Hubraum der Jahre 1960-1966 - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Drew Gibson - Courtesy Goodwood Revival

Der Brite schien sich leicht abzusetzen, geriet aber gegen Ende des 25-minütigen Rennens zunehmend unter Druck von Andrew Newall. Zuvor hatte sich dieser ein schönes Gefecht mit seinen Lotus-Kollegen Andrew Hibberd und Goodwin geliefert.

Als Twynham seinen Verfolger in der letzten Runde zunehmend grösser im Rückspiegel sah, wollte er in der Schikane noch rasch einen weiteren Konkurrenten überholen, was dieser jedoch nicht erwartete. Prompt kam es zur Kollision, die für den Nachzügler mit einem unüberhörbaren Karosserieschaden am Lotus endete, während Twynham sich gerade noch vor Newall als Erster über die Ziellinie rettete.

Die Stewards sahen in Twynhams Manöver keinen gewöhnlichen Rennunfall und bestraften ihn nachträglich mit 20 Sekunden, die ihn auf Rang 5 zurückwarfen. Zudem wurde seine Rennlizenz mit drei Strafpunkten belastet.

Hinter dem nachträglichen Sieger Newall und Hibberd kam mit Max Bartell der erste Fahrer mit einem von einem BMW-Zweilitermotor angetriebenen Elva Mk7S ins Ziel. Rudolf Ernst fuhr im unterlegenen DRW-Hillman Mk6 (nur 1100 ccm) auf den 18. Platz und war dabei immerhin deutlich schneller als die beiden Letztklassierten mit Twincam und BRM-Triebwerk.

Grosse Show der kleinen Autos

Die St Mary’s Trophy für Tourenwagen war dieses Jahr den kleinen Austin A30 und A35 vorbehalten, mit denen in England sogar ein eigener Markenpokal ausgetragen wird. Diese knuffigen Wägelchen sehen war altmodisch aus, sind aber fast durchwegs Neuaufbauten. Damit alles mit rechten Dingen zugeht, wurden alle 1300er-Motoren kontrolliert und verplombt, sodass bei einer Leistungsstreuung von 85 mit 86 PS durchaus von Chancengleichheit gesprochen werden konnte.

Austin A35 (1959) - Andrew Jordan siegt im Rennen um die St. Marys Trophy - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: - Courtesy Goodwood Revival

Dabei ging es erstaunlich gesittet zu und her, was für die Qualität der Fahrer sprach, handelte es sich doch um viele Stars aus verschiedenen Motorsportkategorien, angeführt von einigen Piloten aus der British Touring Car Championship. So ging der Sieg an Andrew Jordan, der das Duell mit seinem BTCC-Kollegen Gordon Shedden um 144 Tausendstel für sich entscheiden konnte, dazu aber den dritten Motor (!) am Goodwood-Wochenende benötigte. Der bald 65-jährige ehemalige BMW-Werksfahrer Steve Soper wurde ein paar Wagenlängen zurück guter Dritter vor dem früheren GP-Piloten Mark Blundell.

Beeindruckende Aufholjagd des Schweizer Austin A35

Eine ebenso erstaunliche Leistung wie der Sieger vollbrachte Frank Stippler, der mit dem in England neu aufgebauten A35 des Schweizers Alex Boller von ganz hinten startete und als Neunter ins Ziel kam. „Weil etwa 60 Anfragen für die 30 Startplätze eingingen, standen wir nur auf der Reserveliste und durften nicht trainieren“; erklärte Boller den Grund für den letzten Startplatz. „Da wir jedoch darauf gehofft hatten, dass einer ausfällt, hielten wir uns bereit.“

Austin A35 (1959) - der Frank-Stippler-Austin bei der technischen Abnahme - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Ruedi Stoop

Mit seinem Überschlag im Training machte ein Konkurrent dem Schweizer Team tatsächlich diesen Gefallen, Boller und sein Gehilfe Ruedi Stoop mussten jedoch bis am Renntag um 9.30 Uhr auf das Okay der Rennleitung warten. Ohne einen vorherigen Rennmeter setzte der deutsche Rennprofi dann zur erwähnten Aufholjagd an. Weil die Kommissäre kaum glauben konnten, dass man in einem fahrerisch so hochkarätigen Feld mit lauter gleichen Autos in 25 Minuten 21 Plätze gutmachen kann, kontrollierten sie den Austin nochmals akribisch, fanden jedoch nichts Verdächtiges. War auch nicht anders zu erwarten.

Hommage an 80 Jahre BMW-328-Motoren

Quizfrage: Was haben BMW 328, Frazer Nash Le Mans, Targa Florio und Mille Miglia, AC Ace-Bristol sowie Cooper-, Tojero- und Lister-Bristol gemeinsam? Richtig, sie alle haben den gleichen 1971-ccm-Motor aus München oder dessen Basis unter der Fronthaube.

Aus Anlass des 80-Jahr-Jubiläums des 1936 lancierten Modells 328 durften diese in verschiedenen Variationen aufgetretenen Sportwagen mit Trommelbremsen ihr eigenes Rennen über 20 verregnete Minuten bestreiten.

Frazer-Nash Le Mans Replica (1953) - Martin Hunt im Rennen um den Lavant Cup - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Adam Beresford - Courtesy Goodwood Revival

Vom Start weg führte Martin Hunt im Frazer Nash Le Mans Replica von 1953 vor dem gleichaltrigen Cooper-Bristol T25 von Malcolm Harrison. Auf dem letzten Kilometer gelang es diesem, den Leader zu überrumpeln und so drei verschiedene Frazer-Nash-Typen – Le Mans vor Targa Florio und Mille Miglia – auf die Plätze hinter ihm zu verweisen. Der erste AC lief an achter Stelle ein, der Schnellste der vier beinahe 80-jährigen BMW 328 an 20. Position.

Gefühlvoller Umgang mit den V8-Boliden

Einen extrem feinen Gasfuss zum Dosieren der vorhandenen V8-Power benötigten die 27 Fahrer aus der Whitsun Trophy, die jedes Jahr ein Highlight des Revivals darstellt. Zwei Lola-Chevrolet T70 Spyder und ein Lotus 19-Oldsmobile bildeten die erste Startreihe, die der Trainingsschnellste Mike Whitaker nach einem Dreher in der Einführungsrunde mit Herzklopfen und Grasbüscheln vor dem Frontkühler erreichte.

Heckansicht eines Prototypen, der beim Rennen um die Whitsun Trophy startete - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Adam Beresford - Courtesy Goodwood Revival

Derart vorgewarnt liess er zunächst Rob Huff im Lotus und Tony Sinclair in dessen Lola den Vortritt, ehe Whitaker ab der dritten Runde das Zepter in die Hand nahm. Mit 30 Sekunden langsameren Rundenzeiten waren die schnellsten Supersportwagen etwa gleich langsam unterwegs wie Stunden zuvor die Vorkriegsrennwagen bei ebenfalls nasser Strecke!

Nicht zuletzt deshalb ergriff Rob Huff die Chance, mit 200 PS weniger unter der Haube des Lotus 19 von 1962 dem drei Jahre jüngeren Lola-Typ die Stange zu halten. Nachdem ihm der Tourenwagen-Weltmeister von 2012 wie ein Schatten gefolgt war, überholte Huff Whitaker in der 11. von 13 Runden und gewann mit acht Zehntelsekunden Vorsprung.

Lotus-Oldsmobile 19 (1962) - Rob Huff gewinnt gegen den Lola T70 auf feuchter Strecke das Rennen um die Whitsun Trophy - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood Revival

Huff wie auch Whitaker und manch anderer Konkurrent in diesem imposanten Feld der brachialen Sportprototypen gaben an, nie zuvor bei solchen Verhältnissen damit gefahren zu sein. „Daher“, so Whitaker, „war es ein Ratespiel, wie man mit diesen Boliden umgeht.“

Trotz eines Abstechers in die Botanik in der Startrunde und einem Dreher im vorletzten Umgang kam Silverstone-Renninstruktor Chris Ward als Vierter und bester Fahrer mit einem Ford GT40 ins Ziel. Seine Drifts und aggressiven Überholmanöver mit dem sündhaft teuren Auto von JD Classics waren atemberaubend. Es spricht für das Können und die Disziplin aller Fahrer, dass nur zwei Autos in diesem Rennen ausschieden.

Abbruch nach Ausrutschern

Erst im letzten Rennen des Tages, als der Regen endlich aufhörte und die Ideallinie langsam abtrocknete, musste das Safety Car wegen des im Kiesbett feststeckenden Maserati 300S von Conrad Ulrich ausrücken. Als später Jochen Mass seinen Mercedes-300-Flügeltürer an der gleichen Stelle ebenfalls in den Kies pflanzte, brach die Rennleitung fünf Minuten vor Schluss ab. So bleibt die Frage ungeklärt, ob Richard Woolmer im HWM-Cadillac dem Druck von Rob Hall im Aston Martin DB3 über die volle Distanz standgehalten hätte.

HWM-Cadillac (1954) - Richard Woolmer war nicht zu besiegen im Rennen um die Freddie March Memorial Trophy - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood Revival

Lukas Hüni wurde mit seinem Maserati A6GCS als Neunter gewertet, Christoph Rendlen im Ferrari 500 TRC als 13.

Formel-Junior-Sieger aus der zweiten Startreihe

Am Sonntag zeigte sich das Wetter in Südengland von seiner besten Seite, sodass die Akteure der weiteren Rennen optimale Bedingungen vorfanden. Im Chichester Cup für Formel-Junior-Rennwagen mit Frontmotor der Jahre 1958 bis 62 schien der Trainingsschnellste Stuart Roach im Alexis-Ford Mk2 einem sicheren Sieg entgegenzufahren, ehe er in der drittletzten Runde einem Defekt zum Opfer fiel. Schon in der ersten Runde war der neben ihm gestartete Ray Mallock im vierkantigen U2-Ford Mk2 – einem in England populären Eigenbau der Renndynastie Mallock – ausgerollt.

Lola Mk2 Ford (1960) - Andrew Hibberd siegt im Rennen um den Chichester Cup - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood Revival

Der Profiteur war jedoch nicht der als Dritter aus der ersten Reihe losgepreschte Chris Drake im Terrier Mk4 Series 1, sondern der in einem Samstagsrennen bereits erwähnte Andrew Hibberd. Nach einem langen Duell mit dem ebenfalls gestrandeten Markenkollegen Jonathan Hughes wurde Hibberds Lola-Ford Mk2 als Erster abgewinkt.

Grossartig die Vorstellung von Joe Colasacco, der sich mit einem Stanguellini-Fiat vom achten Startplatz auf den unerwarteten zweiten Platz vorkämpfte. „Ich hätte nie gedacht, dass ich eine Chance aufs Podium kriege, aber es ist alles für mich gelaufen“, freute sich Colasacco über seinen Lorbeerkranz. Mit einem Dreher als Showeinlage kam Heinz Stege im Elva-BMC 100 mit zwei Runden Rückstand auf Rang 19.

Sieg mit abgestreifter Frontpartie

Auch in der nachfolgenden Richmond-Trophy für Frontmotor-GP-Wagen der Jahre 1954 bis 60 konnte der Polesetter seine optimale Ausgangslage nicht nutzen. Nach verhaltenem Start rang Tony Wood mit dem Tec-Mec-Maserati 250F zuerst Rob Halls Ferrari 246 Dino und dann den führenden Julian Bronson im Scarab-Offenhauser nieder.

Scarab Offenhauser (1960) - Julian Bronson gewinnt das Rennen um die Richmond Trophy - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Jayson Fong - Courtesy Goodwood Revival

Nach 17 der 20 Minuten Renndauer rollte Wood mit rauchendem Triebwerk aus, worauf Bronson die Spitze erbte. Zuvor war dieser dem Maserati beim Anbremsen der Woodcote-Kurve ins Heck geknallt und hatte sich dabei die Nase seine metallicblauen Scarab abgestreift. Was im modernen GP-Sport wegen der ausgeklügelten Aerodynamik der nicht annähernd so schönen Rennwagen undenkbar ist, hinderte Bronson nicht daran, den klaren Sieg vor den beiden Ferrari 246 Dino der Teamkollegen Andrew Willis und Rob Hall nach Hause zu fahren.

Trotz eines Drehers rettete Nick Adams im allradgetriebenen Ferguson-Climax Project 99 den vierten Rang vor dem Spanier Joaquin Folch-Rusinol im schnellsten Lotus 16-Climax. Als Sechster war Niklas Halusa mit dem einzigen weissen Modell neben all den roten 250F am Ende der Beste der acht (!) im gleichen Feld gestarteten Maserati.

Vater und Sohn waren die Besten

Im zweiten Rennen der Austin-Meute kamen Piloten mit fast durchwegs weniger klingenden Namen ausserhalb Grossbritanniens zum Einsatz. In den meisten Fällen handelte es sich um die Besitzer oder Bewerber der auf den Geraden just 100 mph schnellen Mini-Tourenwagen.

Damit erzielte der Trainingsschnellste James Colburn einen Schnitt von 82,37 mph, und er hätte im Feld der Profis vom Samstag immerhin den fünften Startplatz belegt.

Die in verschiedenen Farben bemalten Austin A30/A35 vor dem Rennen um die St. Mary's Trophy - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Nick Dungan - Courtesy Goodwood Revival

Die sonntägliche Austin-Show war noch besser und spektakulärer als die verregnete vom Samstag. Nachdem sich Ben Colburn mit einem mehrfachen Überschlag früh aus der Spitzengruppe verabschiedet hatte, war auch dessen Bruder James bald weg.

Drei Fahrer machten den Sieg unter sich aus, der schliesslich an James Dorlin ging. Andrew Jordans Vater Mike brachte das Siegerauto vom Vortag als Dritter ins Ziel und stand so nach Addition der beiden Rennen zusammen mit seinem Sohn als Gewinner der St Mary’s Trophy 2016 fest.

Wie Frank Stippler am Vortag musste David Franklin als zweiter Fahrer im Austin A35 von Alex Boller von ganz hinten starten. Franklins 17. Platz erbrachte in der Addition der beiden Läufe den beachtlichen siebten Gesamtrang für dieses Duo.

Ein Jaguar vor drei AC Cobras

Wie die Austins waren die GT-Fahrzeuge der frühen 60er-Jahre mit Profis und routinierten Historic Racern besetzt, die sich im einstündigen RAC TT Celebration Race paarweise am Lenkrad ablösten.

Auf der Poleposition stand der Jaguar E-type der bereits am Samstag aufgefallenen Briten Shedden und Ward, der von vier AC Cobras umzingelt war. Ward übergab die Raubkatze in Führung liegend an Sheddon, der sich in der Folge der Giftschlange von David Hart und Schlussläufer Giedo van der Garde beugen musste.

Jaguar E-Type (1963) - Chris Ward und Gordon Sheddon siegen im Rennen um die Royal Automobile Club TT Celebration - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood Revival

Nach einer Safety-Car-Phase kam es zum Zusammenschluss der beiden Autos, die sich wie dahinter Frank Stippler und Oliver Bryant in ihren Cobras ein tolles Duell lieferten.

Als „Flash Gordon“ Shedden die führende Cobra des ehemaligen Sauber-GP-Piloten van der Garde berührte und somit gar nicht Gentleman like in die Wiese schickte, war die Sache zugunsten des Jaguars gelaufen.

Sheddon/Ward gewannen so wie im Vorjahr das sonntägliche Hauptrennen vor den auf die Plätze 2 und 3 vorgerückten Squirle/Stippler und Smith/Bryant sowie Hart/Van der Garde. Wolfgang Friedrichs und Simon Hadfield klassierten sich mit Friedrichs Aston Martin Project 212 an zehnter Stelle.

Lotus-Erfolgsserie wird fortgesetzt

An Spannung nicht zu überbieten war das Rennen der Formel-1-Rennwagen, wie sie während der letzten Goodwood-Epoche bis 1965 mit den damaligen GP-Stars am Steuer zum Einsatz kamen. Der beste Start aus der ersten Reihe gelang Miles Griffiths in seinem Lotus-24 BRM, doch war es bald Polesetter Martin Stretton, der mit einem nahezu identischen Auto das Kommando übernahm.

Lotus 24 BRM (1962) - im Rennen um die Glover Trophy - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: - Courtesy Goodwood Revival

In den letzten beiden Runden kam es zum Showdown zwischen Stretton und Nick Fennell in einem Lotus 25-Climax. Weil Stretton mit Fennell Im WIndschatten die Ziellinie Sekundenbruchteile vor Ablauf der 20 Minuten überquerte, gab es eine weitere Runde, in der es wegen Schaltproblemen am Lotus-BRM von Stretton und dessen Crosseinlage durch die Wiese zum finalen Führungswechsel kam.

So setzte Nick Fennell im schnellsten Rennen des Wochenendes (100,93 mph = 162,4 km/h Schnitt ) die Siegesserie des Classic Team Lotus fort, das seit 2011 ungeschlagen ist.

Beachtlich die Leistung des 76-jährigen Richard Attwood, der seinen eigenen BRM P261 von 1965 hinter den drei Lotus von Fennell, Stretton und Griffiths als Vierter ins Ziel brachte. Attwood war hier schon in den Sechzigerjahren am Start, dass er 50 Jahre später immer noch vorne mitmischen kann ist mehr als beeindruckend!

Ende mit Knalleffekt

Das letzte Rennen des Goodwood Revival Meetings 2016, das den grossvolumigen Sportwagen aus der Ära der WM-Läufe von 1955 und 60 vorbehalten war, endete nach einem Unfall ohne gravierende Folgen für die Piloten genau wie am Samstag vorzeitig. Vom Start weg führte Chris Ward im Lister-Jaguar „Costin“ vor dem alten Haudegen Gary Pearson im Typ „Knobbly“ der gleichen Marke. So feierte Ward seinen zweiten Goodwood-Triumph innerhalb weniger Stunden und demonstrierte auf diese Weise nochmals eindrucksvoll die Vormachtstellung der Briten bei diesem gigantischen Anlass.

Lister-Jaguar "Costin" (1959) - Chris Ward siegt im Rennen um die Sussex Trophy - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Courtesy Goodwood Revival

Den einheimischen Zuschauern war dies nur recht und den Tausenden Besuchern aus dem Ausland, davon auch viele aus deutschsprachigen Ländern, wie dem Chronisten ziemlich egal. Denn besseres Historic Racing wird weltweit nirgendwo geboten, Le Mans Classic und Oldtimer Grand Prix inklusive, und deswegen spielt es keine Rolle, wer als verdienter Sieger hervorgeht.

Ferrari 250 GT SWB/C (1961) - Macari, der zusammen mit Tom Kristensen fährt, übernmimmt die Führung im Rennen um die Kinrara Trophy - Goodwood Revival 2016
Copyright / Fotograf: Drew Gibson - Courtesy Goodwood Revival

Und wer dieses Spektakel auf und um die archaische Rennstrecke herum 2017 live miterleben möchten, der wendet sich am besten an Zwischengas, denn dort weiss man auch Bescheid, wer die besten Reisen nach Goodwood organisiert.

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