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Bild (1/1): Holden Hurricane (1969) - Studioaufnahme nach der Restaurierung (© Holden/GM, 2011)
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    Holden Hurricane - die Zukunft kam aus Australien

    1. Dezember 2018
    Text:
    Bruno von Rotz
    Fotos:
    Holden/GM 
    (35)
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    Ende der Sechzigerjahre fuhr die australische Automarke Holden, die schon seit 1931 zu General Motors gehört,  auf der Strasse des Erfolgs. Der zweimillionste Wagen verliess 1969 die Produktion und mit dem Konzeptfahrzeug Holden Hurricane konnte im selben Jahr ein in Australien entwickelter Supersportwagen mit eigenem V8 präsentiert werden.

    Holden Hurricane (1969) - in Fahrt
    © Copyright / Fotograf: Holden/GM

    Vorgestellt auf dem Autosalon von Melbourne

    Die Auto Show von Melbourne im Jahr 1969 bildete den Rahmen, um den futuristischen Holden Hurricane vorzustellen. Im Vergleich zu den damals produzierten Holden-Modelle wirkte er wie ein Auto von einem anderen Stern.

    Holden Hurricane (1969) - Vorstellung an der Melboourne Auto Show 1969
    © Copyright / Fotograf: Holden/GM

    Türen gab es keine, dafür wurde die ganze Kanzel über den Passagieren hoch und nach vorne geschwenkt. Aber nicht nur die Form war atemberaubend, die orange-farbene Lackierung mit ihren grossen Metallpartikel (“anodiertes Aluminiumpulver”) war es ebenso.

    Mit Kunststoffkarosserie

    Die Entwicklung des intern RD 001 genannten Prototypen wurde komplett bei Holden gemacht, die “General Motors Holden Research and Development Organization” arbeitete dafür mit der “Advanced Styling Group” im technischen Zentrum an der Fishermans Bend zusammen. Ein kleines Team reichte aus, um einen Vorboten der Zukunft zu konstruieren.

    Holden Hurricane (1969) - Arbeit am Tonmodell
    © Copyright / Fotograf: Holden/GM

    Die ganze im Windkanal optimierte Karosserie von 4,11 Metern Länge und 1,803 Metern Breite bestand im Prinzip aus drei Teilen. Der Unterbau, inklusive der Frontabdeckung bildete die selbstragende Basis. In ihr sass ein geschweisster Kastenrahmen, an dem ein Rohrrahmen samt Überrollbügel befestigt war. Die gesamte Verschalung bestand aus Kunststoff. Dasselbe Material wurde auch für die aufklappbare Heckabdeckung und die abhebbare Kanzel benutzt. Die Windschutzscheibe bestand aus Plexiglas, weil eine Sicherheitsglasvariante aus Polycarbonat noch in Entwicklung war.

    Holden Hurricane (1969) - die Karosserie besteht im Prinzip aus drei Teilen
    © Copyright / Fotograf: Holden/GM

    Einzelradaufhängungen rundum sollten ein sicheres Fahrverhalten garantieren. Vorne waren die Räder an langen Diagonal-Längsstreben, kurzen Querlenkern und Schraubenfedern geführt, hinten sorgten Längs- und Querlenker zusammen mit der Antriebswelle für Spurstabilität.
    Ein Novum waren die ölgekühlten vorderen Scheibenbremsen, während die hinteren normal mit Luft auf Betriebstemperatur gehalten wurden. Ein Zweikreisbremssystem stellte sicher, dass die Bremsen nicht ausfielen.

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    Starkes Stück

    Als Motor kam ein neuer bei Holden entwickelter V8-Motor zum Einsatz. Aus rund 4,15 Litern Hubraum schöpfte der mit einem Vierfachvergaser ausgerüstete Achtzylinder 260 PS bei 6000 Umdrehungen. Über ein Vierganggetriebe, das hinter dem Mittelmotor und dem Differential eingebaut wurde, erfolgte der Antrieb auf die Hinterräder. Ein Gestände führte die Schaltbewegungen durch den Mitteltunnel zum hinten liegenden Getriebe. Der jeweils eingelegte Gang wurde dem Fahrer elektrisch angezeigt.

    Holden Hurricane (1969) - Erläuterung der technischen Details anhand einer Illustration
    © Copyright / Fotograf: Holden/GM

    In Kombination mit einem relativ geringen Leichtgewicht ergaben sich gemäss Hersteller fulminante Fahrleistungen. Den Spurt von 0 bis 100 km/h konnte der Hurricane in 5,3 Sekunden zurücklegen, als Spitzengeschwindigkeit konnten über 240 km/h erwartet werden. Das war Miura-Niveau.

    Relativ einfacher Einstieg

    Den Einstiegsvorgang beschrieb die Automobil Revue im Juli 1969 ausführlich:
    “Durch Heben und Vorschwenken Kanzel über das Vorderteil der Karosserie wird der Einstieg genügend weit geöffnet. Zugleich schwenkt auch die Steuersäule nach oben und vorn, und die Sitze heben sich um 25 cm an. Kanzel und Lenkrad werden elektrohydraulisch bewegt, die Sitze rein elektrisch. Beim Versagen eines dieser Servos lässt sich das Ganze auch von Hand betätigen. Die Servos sind zeitlich aufeinander abgestimmt, z. B. ist sichergestellt, dass zuerst Kanzel und Lenksäule schwenken, bevor sich die Sitze heben.”

    Holden Hurricane (1969) - die sich anhebende Kanzel ersetzt die Türen
    © Zwischengas Archiv

    Auch dem Innenraum wurde eine detaillierte Beschreibung gewidmet:
    “Der Passagierraum ist nach Art eines Cockpits ausgeführt, völlig gepolstert, und zwischen den von der Karosserie umschlossenen Sitzen liegt eine Konsole mit den wichtigsten Instrumenten. Die Rücklehnen reichen bis zum Dach und ermöglichen die Auflage des Kopfes. Der Drehpunkt der Sitze befindet sich an der Vorder- kante. Zwischen den Sitzen liegt ausserdem noch die Handbremse, die ebenfalls mit nach oben schwenkt.

    Die Pedale lassen sich über einen Bereich von 15 cm verstellen. Das geschieht ebenfalls elektrisch über eine Gewindespindel mittels Knopfdruck von der mittleren Konsole aus.

    Die Lenksäule ist durch das Zusammenwirken von Abknicken und Stauchen unfallsicher konzipiert. Beide Lageänderungen lassen sich auch bewusst einstellen, so dass der Fahrer damit und mit den verstellbaren Pedalen seine Fahrposition weitgehend anpassen kann.”

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    Umfassende passive Sicherheit

    Einen hohen Stellenwert bei der Entwicklung hatte die passive Sicherheit. So wurden die Sicherheitsgurten mit “Aufwickelautomatik” direkt am Rahmen befestigt, damit immer ein korrekter Sitz des Rückhaltesystems garantiert werden konnte. Der Motor konnte nur gestartet werden, wenn der Fahrer (wahlweise über den Dreieck- oder den Beckengurt) angeschnallt war. Auch eine Kanzelöffnung oder die Sitzverstellung wurde als Sicherheitsmassnahme bei montiertem Gurt unterbunden.

    Holden Hurricane (1969) - Blick ins Cockpit mit dem Rückblick-Fernsehmonitor
    © Copyright / Fotograf: Holden/GM

    Die Instrumente im komplett gepolsterten Cockpit waren so angeordnet, dass sie den Fahrer so wenig wie möglich vom Beobachten der Strasse und des Umfelds ablenkten.

    Das Autoradio war in der Seitenschwelle montiert, als Besonderheit verfügte es über einen Sendersuchlauf.

    Fielen Scheinwerfer, Standlicht, Brems- oder Blinkerleuchten aus, so wurde der Fahrer durch Warnlampen gewarnt.

    Mit Navigationssystem

    Weit voraus war der Holden Hurricane mit dem “Pathfinder”, im Prinzip ein Navigationssystem aus einer Zeit, als noch keine Satelliten die genaue Bestimmung der Position erlaubten. Um sich trotzdem orientieren zu können, sahen die Holden-Ingenieure Magnetfelder in den Strassen vor. Die Streckenführung wurde dem Bordcomputer mit einem Lochstreifen mitgeteilt, der Fahrer erhielt dann via leuchten Pfeile im Cockpit die Anweisung, ob er an einer Kreuzung abbiegen oder geradeaus fahren sollte.

    Holden Hurricane (1969) - das Heck mit den mehrteiligen Rückleuchten - Studioaufnahme nach der Restaurierung
    © Copyright / Fotograf: Holden/GM

    Ebenfalls futuristisch wirkten die hinten montierte Fahrtrichtungsanzeige, die aus je vier Lichtern pro Seite bestand, welche von innen nach aussen aufleuchteten, ähnlich wie man das heute von Audi-Fahrzeugen (beispielsweise) kennt.

    Die Aussenhelligkeit der Beleuchtung wurde dazu noch der Umgebungshelligkeit angepasst.

    Ohne Rückspiegel, aber mit Kamera

    Ein Notwendigkeit hingegen war die hinten montierte Kamera, die anstelle eines Rückspiegels, der wegen des fehlenden Heckfensters nicht vorgesehen war, die Sicht nach hinten via (schwarzweissen) Fernsehmonitor in der Mittelkonsole lieferte. Dabei sorgte eine Fotozelle dafür, dass sich die Helligkeit des Bildschirms den Lichtbedingungen anpasste.

    Die “in das Fahrzeug hineinkonstruierte” Klimaanlage konnte eine vorgegebene Temperatur zwischen 18 und 30 Grad halten und die Heiz- respektive Kühlwirkung automatisch anpassen, so dass zum Beispiel die grosse Windschutzscheibe immer beschlagsfrei blieb.

    SC-Abo-Kampagne

    Ein bedeutender Anfang

    Man kann davon ausgehen, dass der nur 99,1 cm hohe Holden Hurricane für einiges Aufsehen sorgte. Er war aber auch das erste von vielen nachfolgenden Konzeptfahrzeugen, darunter der berühmte Holden GTR-X , der es beinahe in die Serie geschafft hatte. Davon war RD 001 weit weg, er war und blieb ein reines Showcar, immerhin aber ein fahrbares.

    Vergessen gegangen

    Nachdem der Holden Hurricane herumgezeigt und in den Fachzeitschriften bejubelt worden war, verschwand er in der Versenkung. Erst im Jahr 1988 wurde er von Corey Egan im Holden Training Centre wieder entdeckt. Zuerst wollte er ihn in Eigenregie wieder zum Fahren bringen, schliesslich aber entschied das Holden-Management, das erste eigene Konzeptauto komplett in den Neuzustand zurückzuversetzen.

    Restauriert während fünf Jahren

    Im Jahr 2006 begann ein aufwändiges Restaurierungsprojekt, das bis ins Jahr 2011 dauern sollte. Tausende von Stunden wurden von enthusiastischen Holden-Mitarbeitern aufgewendet, um soviel wie möglich vom Originalfahrzeug zu erhalten und Teile, die ersetzt werden musste, möglichst nahe an der Originalspezifikation wieder zu konstruieren.

    Holden Hurricane (1969) - Überholung der Technik
    © Copyright / Fotograf: Holden/GM

    Das Ergebnis überzeugt und wurde auf der Melbourne Motorclassica Oldtimermesse und in der Presse umfassend demonstriert. Noch heute überrascht das damals sicherlich sehr fortschrittliche Styling und die vielen Sicherheitseinrichtungen und Komfort-Accessoires, die ihrer Zeit teilweise weit voraus waren.

    Holden Hurricane (1969) - auf der Teststrecke
    © Copyright / Fotograf: Holden/GM

    Und RD 001, alias Holden Hurricane, beweist, dass Australien weit mehr als Kängurus und Koalas zu bieten hatte und hat. Schade nur, dass Holden heute keine Autos mehr herstellt, damit sind vermutlich auch keine neuen Konzeptfahrzeuge mehr zu erwarten. Die Welt könnte vielleicht durchaus auch heute noch von einigen findigen australischen Ingenieuren etwas lernen.

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