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Nachruf auf Fred Simeone, Bewahrer legendärer Rennwagen

Erstellt am 29. Juni 2022
, Leselänge 3min
Text:
Martin Schröder
Fotos:
Martin Schröder 
38
Archiv Martin Schröder 
5
BMW 328 (1937) im Simeone Foundation Automotive Museum – Chassis 85158 befand sich bis 1979 im Besitz von Schröder&Weise.
BMW 328 (1937) in Fred A. Simeones Sammlung – Der Münchner 1985 in der neuen Garage und hinter einem Bugatti Type 35.
BMW 328 (1937) - unrestaurierter Originalzustand, seit 1986 im Simeone Automotive Museum
BMW 328 (1937) – Am Start beim Rahmenrennen des Grossen Preises von Deutschland am 24. Juli 1938 auf dem Nürburgring.
Mercedes-Benz Typ S (1927) im Simeone Foundation Automotive Museum – Dieses Exemplar wurde von Otto Merz auf den ersten Platz des Nürburgring-Eröffnungsrennens am 19. Juni 1927 gefahren.
Mercedes-Benz Typ S (1927) im Simeone Foundation Automotive Museum – Dr. Ferdinand Porsche arbeitete von 1923 bis 1928 als Leitender Konstrukteur und Vorstandsmitglied bei Daimler und entwickelte den Typ S.

Fred Simeone habe ich Anfang der Siebzigerjahre durch seine Bibliothek kennengelernt. Das war die Gründungszeit der Fachbuchhandlung Schröder&Weise, von der er gehört hatte. Kommuniziert wurde damals – lange vor Internet-Zeiten – mittels persönlicher Empfehlung, Telefon und Brief.

1979 gab es sowohl die ersten Faxgeräte als auch bei Schröder&Weise einen unrestaurierten BMW 328, an dem Simeone Interesse zeigte. Also wurden die Fotos zugefaxt und der Wagen an die damals schon bestehende Sammlung des US-Amerikaners verkauft.

Bild BMW 328 (1937) in Fred A. Simeones Sammlung – Der Münchner 1985 in der neuen Garage und hinter einem Bugatti Type 35.
BMW 328 (1937) in Fred A. Simeones Sammlung – Der Münchner 1985 in der neuen Garage und hinter einem Bugatti Type 35.

1985 wurden dann die Vorbereitungen für meine erste USA-Reise getroffen und nach einem angemessenen Präsent an jemanden, der schon „alles hat”, gesucht. Nun, ich wusste, dass sich auch ein Mercedes-Benz Typ S in der Sammlung befindet. Deshalb habe ich beim Mercedes-Archiv – damals unter Leitung von Max Gerrit von Pein – angerufen und um eine Kopie aus dem Kommissionsbuch für den Typ S mit der Kommissionsnummer 33679 gebeten. Die kam schnell per Fax und der Inhalt dieses Kommissionsblatts hat Fred Simeone sehr glücklich gemacht und den Wert des Wagens deutlich erhöht. Nun herrschte Gewissheit, dass er den Typ S besitzt, mit dem Otto Merz am 19. Juni 1927 das Eröffnungsrennen auf dem Nürburgring gewonnen hatte.

Bild Mercedes-Benz Typ S (1927) im Simeone Foundation Automotive Museum – Dr. Ferdinand Porsche arbeitete von 1923 bis 1928 als Leitender Konstrukteur und Vorstandsmitglied bei Daimler und entwickelte den Typ S.
Mercedes-Benz Typ S (1927) im Simeone Foundation Automotive Museum – Dr. Ferdinand Porsche arbeitete von 1923 bis 1928 als Leitender Konstrukteur und Vorstandsmitglied bei Daimler und entwickelte den Typ S.

So sind wir über Bücher, Prospekte und Automobilia zu Freunden geworden und haben uns dank Internet und Email regelmäßig ausgetauscht. 2012 erschien das von Simeone herausgegebene Buch „The Stewardship of Historically Important Automobiles", in dem zahlreiche Autoren über die Bewahrung der automobilen Geschichte und Kultur schrieben.

Bild Bugatti Type 57 G "Tank" (1936) im Simeone Foundation Automotive Museum – Mehrere Geschwindigkeitsrekorde und den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans 1937 mit Jean-Pierre Wimille und Robert Benoist am Steuer fuhr dieser letzte überlebende Tank heraus.
Bugatti Type 57 G "Tank" (1936) im Simeone Foundation Automotive Museum – Mehrere Geschwindigkeitsrekorde und den Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans 1937 mit Jean-Pierre Wimille und Robert Benoist am Steuer fuhr dieser letzte überlebende Tank heraus.

Das Lebenswerk

Nach dieser Hintergrundgeschichte mag sich der Leser fragen, wer denn nun Dr. Frederick A. Simeone war. Dazu zitiere ich aus dem offiziellen Text der Simeone Foundation: Frederick wuchs in Philadelphia auf und besuchte die Thomas Edison High School. Er erhielt ein Stipendium für die Temple University und studierte dort Medizin, bevor er seine Facharztausbildung an der Mayo Clinic und der University of Pennsylvania absolvierte. Als Vollzeitlehrer an der Harvard University Medical School war er in der Forschung und Neurochirurgie tätig und amtierte später während über 25 Jahren als Vorsitzender der Neurochirurgie am Pennsylvania Hospital. Er forschte über zerebrale Gefäßspasmen und veröffentlichte zahlreiche Publikationen.

Sein Entspannungsthema war die Automobilgeschichte. Er untersuchte und beschaffte methodisch Fahrzeuge, die er als Kunstwerke betrachtete. Seine Sammlung wuchs von vier von seinem Vater geerbten Autos auf über 75 seltene Exponate an. 2008 gründete er das Simeone Foundation Automotive Museum und brachte seine Sammlung von Rennsportwagen und Automobilliteratur in die Stiftung ein, um sie für die Nachwelt und die Öffentlichkeit zu erhalten.

Bild Ferrari 250 Testa Rossa (1958) im Simeone Foundation Automotive Museum – Der erste an Kunden ausgelieferte Testa Rossa fiel bei den 12 Stunden von Sebring 1958 an dritter Stelle liegend aus. Am Steuer sass zu diesem Zeitpunkt Richie Ginther.
Ferrari 250 Testa Rossa (1958) im Simeone Foundation Automotive Museum – Der erste an Kunden ausgelieferte Testa Rossa fiel bei den 12 Stunden von Sebring 1958 an dritter Stelle liegend aus. Am Steuer sass zu diesem Zeitpunkt Richie Ginther.

Sein Museum wurde mehrmals ausgezeichnet. Für dessen grössten Meilenstein halte ich die 2014 erfolgte Aufnahme seines Shelby Cobra Daytona Coupés als Nummer Eins ins National Historic Vehicle Register.

Bild Shelby Cobra Daytona Coupé (1964) im Simeone Foundation Automotive Museum – Das allererste Auto im National Historic Vehicle Register
Shelby Cobra Daytona Coupé (1964) im Simeone Foundation Automotive Museum – Das allererste Auto im National Historic Vehicle Register

Simeone betrachtete Automobile zwar als Kunstwerke, verlor ihre ursprüngliche und noch heute bestehende Bestimmung „mobile", also „Bewegung", jedoch nie aus dem Auge, sondern benutzte den Parkplatz vor dem Museum für Demo-Läufe seiner Automobile. Er nannte das „The Spirit of Competition”.

Demo-Lauf des Shelby Cobra Daytona Coupé (CSX2287) von 1964 vor dem Simeone Foundation Automotive Museum

Ein Rennwagen mit allen Spuren und Blessuren harter Rennen und einer über 50-jährigen Geschichte. Classic Data Note 4, dafür aber echt!

Fred Simeone ist am 11. Juni 2022 sanft entschlafen. Mit ihm ist ein Freund gegangen und die Altauto-Szene hat einen Bewahrer historisch bedeutsamer Automobile verloren.

Bild Peugeot 402 Darl'mat Le Mans (1938) im Simeone Foundation Automotive Museum – Der Karosseriebauer Marcel Pourtout und der Designer Georges Paulin gestalteten das elegante Roadster-Kleid.
Peugeot 402 Darl'mat Le Mans (1938) im Simeone Foundation Automotive Museum – Der Karosseriebauer Marcel Pourtout und der Designer Georges Paulin gestalteten das elegante Roadster-Kleid.

Bilder zu diesem Artikel

BMW 328 (1937) im Simeone Foundation Automotive Museum – Chassis 85158 befand sich bis 1979 im Besitz von Schröder&Weise.
BMW 328 (1937) in Fred A. Simeones Sammlung – Der Münchner 1985 in der neuen Garage und hinter einem Bugatti Type 35.
BMW 328 (1937) - unrestaurierter Originalzustand, seit 1986 im Simeone Automotive Museum
BMW 328 (1937) – Am Start beim Rahmenrennen des Grossen Preises von Deutschland am 24. Juli 1938 auf dem Nürburgring.
Mercedes-Benz Typ S (1927) im Simeone Foundation Automotive Museum – Dieses Exemplar wurde von Otto Merz auf den ersten Platz des Nürburgring-Eröffnungsrennens am 19. Juni 1927 gefahren.
Mercedes-Benz Typ S (1927) im Simeone Foundation Automotive Museum – Dr. Ferdinand Porsche arbeitete von 1923 bis 1928 als Leitender Konstrukteur und Vorstandsmitglied bei Daimler und entwickelte den Typ S.
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