Soll man über ein Museum, welches den Namen eines Herstellers von Wohnwagen und Wohnmobilen trägt, an dieser Stelle berichten? – Unbedingt! Denn das Erwin-Hymer-Museum im oberschwäbischen Bad Waldsee, von dem die Rede ist, ist kein ausschließliches Campingmuseum und versteht sich auch nicht als Werksmuseum. Es wurde 2011 eröffnet, wird von der Erwin-Hymer-Stiftung betrieben und widmet sich der Mobilität aus einem besonderen Blickwinkel samt den dazugehörigen Oldtimern.
Beginnen wir mit dem beeindruckenden zweiteiligen Museumsgebäude. Zweifellos auffällig ist das schon von weitem sichtbare rechteckige Hauptgebäude, das mit seinem roten Rahmen und den abgerundeten Ecken an ein Caravanfenster erinnert. Im Innern verbergen sich auf einer Fläche von rund 6'000 Quadratmetern die Dauerausstellung, die Verwaltung sowie Räume für Tagungen und Sonderaustellungen. Das Nebengebäude umfasst ca. 2'650 Quadratmeter und beherbergt einen großen Veranstaltungssaal, das Museumsrestaurant und den Museumsshop. Das Museum folgt einem überzeugenden didaktischen Konzept: Die sogenannte Traumstraße führt uns zu neun begehbaren Sehnsuchtsorten, für die jeweils überdimensionale Symbole stehen. So bezeichnet etwa ein rotes Wigwam die Nordamerikaroute und die große Mokkakanne symbolisiert die Marokkoroute. Dabei erfährt der Besucher vieles über die Entwicklung des Caravanings, beginnend beim einst noch recht einfachen Wohnwagen bis hin zum neuzeitlichen Luxus. Zugleich begibt man sich auf eine Zeitreise.
Am Eingang der Dauerausstellung begrüßt ein Portrait des Stifters Erwin Hymer den Besucher, ergänzt durch ein Bild von Giacomo Casanova, dem derzeit eine Sonderausstellung gewidmet ist. Allerdings sollte eine Reise möglichst sorgfältig geplant werden. Daher begleitet man im "Aufbruch-Tunnel" zunächst die Reisevorbereitungen einer jungen Familie mit Kindern und eines älteren Paares. Doch dann geht es los, und man kann seine Reiselust auf der Traumstraße mit ihren farblich unterschiedlich markierten Abschnitten ausleben.
Der Berg ruft
Die Reise beginnt in den 1930er Jahren und mit der Alpenroute. Mehrere zeitgenössische Gespanne winden sich den Berg hinauf bis zu einem großflächigen Alpenpanorama und einem Gipfelkreuz. Damals bedeutete diese Reiseart eine echte Herausforderung, musste man doch erst einmal die Passstraßen bezwingen – vielleicht wird der Leser dies mit dem Oldtimer auch schon selbst erfahren haben. Jedenfalls hatte man damals mit kochenden Kühlern und nachlassender Bremswirkung zu kämpfen. Der Verfasser hat dies als Kind im Urlaub mit den Eltern noch erlebt.
Im Hymer-Museum kann man auch Kurioses vernehmen. Etwa die Geschichte von der "Waschmaschine" in einem der ältesten Wohnwagen. Dabei handelte es sich um eine mit Wasser gefüllte Metallwanne, in die Steine gegeben wurden. Angeblich sollen auf diese Art nach langer Fahrt die Windeln gewaschen worden sein.
Weiter geht es zu dem unangefochtenen Traumziel der Bundesdeutschen in den 1950er Jahren, nach "Bella Italia". Dieser Sehnsuchtsort wird durch eine große gelbe Muschel symbolisiert und vermittelt das Urlaubsgefühl der Nachkriegsgeneration. Allerdings kann man sich das Schmunzeln nicht verkneifen, wenn zeitgenössische Reiseführer dem Italientouristen empfahlen, doch unbedingt Kartoffeln usw. mitzunehmen, da die landestypische Küche doch für deutsche Gaumen zu ungewohnt sei.
Für die Bürger der ehemaligen DDR hingegen war die Ostseeküste ein Grenzgebiet und zugleich Sehnsuchtsort. Ein Trabant 601 Universal mit Dachzelt und der Wohnwagen Würdig 301, auch als "Dübener Ei" bekannt, erinnern an diese Zeit.
Traumreise durch die halbe Welt
Weitere Etappen der Traumstraße führen nach Indien, Marokko, Nordamerika, Skandinavien und zum Surfen an den Atlantik. Für die fernöstliche Route stehen neben einer originalen Autorikscha ("Tuk Tuk") auch der von intensiven Gebrauchsspuren gezeichnete Volkswagen T1 Bus des sogenannten "Oberhippies" Jürgen Schultz, mit dem dieser unter anderem nach Indien, Nepal und Sri Lanka gereist ist. Auf der Nordamerikaroute begegnet uns ein glänzender Airstream-Wohnwagen, der von einem Edsel Ranger gezogen wird. Die museale Traumstraße endet mit dem Hymer VisionVenture, einem "Concept Car" auf dem Chassis eines Mercedes-Benz, welches mit seinem Design, den verwendeten Materialien und der Ausstattung (inklusive Heckterrasse mit BBQ-Station) zeigen soll, wie ein Campingfahrzeug in naher Zukunft aussehen könnte.
Fassen wir einmal kurz zusammen: Bei seiner Reise auf der Traumstraße kann der Museumsbesucher die unterschiedlichsten Gefährte aus diversen Materialien kennenlernen. Die Spanne reicht vom Zeltwohnwagen bis zum Luxuswohnmobil. Es gibt pfiffige Konstruktionen und langstreckentaugliche Eigenbauten sowie Wohnwagen, die sich in der Breite oder der Höhe ausdehnen lassen. Zu sehen sind Exponate, bei denen Teile eines Wohnwagens als Boot genutzt werden können und selbst ein schwimmfähiger Wohnwagen mit Außenbordmotor ist zu entdecken.
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Besondere Oldtimer im Hymer-Museum
In diesem Universum des automobilen Reisens kommen auch die Oldtimer nicht zu kurz. Gezeigt werden neben Vorkriegsfahrzeugen (wie Praga Piccolo, DKW F8 Reichsklasse oder Opel Kadett) auch mehrere Mercedes-Benz unterschiedlicher Baujahre, man findet einen Borgward Isabella Coupé oder einen NSU Ro 80.
Auf zwei Fahrzeuge soll hier aber besonders hingewiesen werden. Da ist zunächst der Dornier Delta von 1954, der Prototyp eines viersitzigen Kleinwagens des Flugzeugherstellers Dornier aus der Ära der "Rollermobile" wie Isetta, Heinkel Kabine oder Goggomobil. Der Delta verdankt seine Entstehung der Tatsache, dass im Nachkriegsdeutschland der Flugzeugbau zunächst verboten war und Alternativen für die Produktion gesucht wurden. Typisch für das kleine Auto ist die Anordnung der Sitze: die Passagiere sitzen Rücken an Rücken, zum Platz gelangt man durch eine Front- und eine Hecktür. Das kommt Ihnen bekannt vor? Der Delta wurde später zur Serienreife gebracht und dann als Zündapp Janus gebaut. Beim Exponat sind die Türen allerdings noch mit einer großen, über das Dach gespannten Feder miteinander verbunden, weshalb beide Türen besser nicht gleichzeitig geöffnet werden sollten.
Besondere Erwähnung verdient auch das Mikafa Reisemobil de Luxe von 1959. Der damals immens teure Bus besaß eine umfangreiche Ausstattung für höchste Ansprüche und hatte sogar eine Dachterrasse. Angetrieben wurde er von einem V8-Motor aus dem Hause BMW.
Gespräch mit Museumsdirektor Sascha Fillies
Zum Schluss unseres Besuchs ergibt sich noch die Gelegenheit zu einem Gespräch mit Sascha Fillies. Der sympathische Kulturwissenschaftler und Podcaster ("Motor Cultur") war über 13 Jahre lang Ausstellungsleiter im PS.Speicher und ist seit März 2024 Direktor des Erwin-Hymer-Museums. Er weist darauf hin, dass zusätzlich zur permanenten Ausstellung ein vielfältiges Event- und Veranstaltungsprogramm geboten wird. Neben einem Camping-Flohmarkt und wechselnden Sonderausstellungen gibt es die Veranstaltungsreihe "Live Reportagen". Hier berichten erfahrene Referenten über ihre außergewöhnlichen Reiseabenteuer. Zudem offeriert die Museumswerkstatt kostenlos praxisorientierte Termine zu einschlägigen Themen.
Dann zeigt der Museumschef dem Verfasser noch die Werkstatt, wo ein Opel Astra Heku Car Camp von 1994 steht. Das ist ein sechsrädriges Mobil, bei dem eine abtrennbare Wohneinheit auf einen Opel Astra montiert wurde. Dennoch muss für das als Wohnmobil zugelassene Ensemble nur einmal Steuer und Versicherung entrichtet werden. Restauriert wird dort auch gerade der Hymer Caravano 3 von 1961. Dies ist das erste Wohnmobil von Hymer. Leider entstanden auf der Basis des Kleintransporters Borgward B 611 nur drei Exemplare dieses Typs, dann ging Borgward in Konkurs.
Weitere Infos auf der Website des Museums

















































































































































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