Zum Jahresende tischt die Autoworld Brüssel traditionell noch einmal vom Feinsten auf. In diesem Jahr widmet sich das Museum der Firma Mercedes-Benz, wofür es gleich mehrere Gründe gibt. Der dreirädrige Benz Motorwagen, das wohl erste praxistaugliche Automobil mit Verbrennungsmotor, wurde vor 140 Jahren zum Patent angemeldet, und vor 100 Jahren fusionierten die Daimler-Motoren-Gesellschaft und die Firma Benz & Cie zur Daimler-Benz AG. Und man möchte hinzufügen: vor 90 Jahren brachte Mercedes-Benz den ersten Pkw mit Dieselmotor auf den Markt, 2026 steht das 50. Jubiläum des Typs W 123 an und der kleine Roadster SLK wird nun auch schon 30 Jahre.
Angesichts der langen Firmengeschichte und der vielfältigen Aktivitäten der Marke, war es sicher nicht einfach, die richtigen Prioritäten zu setzen. Die Ausstellungsmacher mussten sich also beschränken und – sieht man von einem Unimog und einem Kleinbus O 319 einmal ab – den gesamten Nutzfahrzeugsektor aussparen. Um es vorwegzunehmen: das Ausstellungskonzept überzeugt und beim Rundgang durch die sorgfältig kuratierte Ausstellung wird dem Besucher deutlich, welche Meilensteine der Automobilhistorie die Marke mit dem dreizackigen, die Elemente Erde, Luft und Wasser symbolisierenden Stern hervorgebracht hat.
Die etwa 60 Exponate reichen zeitlich von 1886 bis zur Gegenwart oder anders ausgedrückt vom Patent-Motorwagen bis zum Mercedes-AMG One. Die Ausstellung ist in fünf Segmente gegliedert: „Ikonen und Symbole“, „Geschichte“, „Sport und Wettbewerb“, „Super- und Conceptcars“ und schließlich „S-Klasse und SL“. Vitrinen mit Modellautos, Infotafeln und Filme sind wie immer Teil der Ausstellung.
Beginnen wir unseren Rundgang mit dem kleineren Teil der Ausstellung im Erdgeschoss, die man als Quintessenz der Marke begreifen kann. Alles begann mit dem Benz Patent-Motorwagen, der als Replika gezeigt wird.
Er wird umrahmt von einem roten 300 SL Flügeltürer von 1955 und einem Mercedes-AMG One und einem AMG PureSpeed aus der aktuellen Produktion – einem Zweisitzer, der ganz auf Dach und Scheiben verzichtet.
Bereits die komplexe Lackierung beider Autos mit seinen Verläufen ist sicher eine Erwähnung wert.
In der Nähe steht ein 540 K Sport Cabriolet A von 1937, ein typischer Kompressor-Sportwagen jener Zeit.
Ferner ist ein Mercedes-Benz 190 E Evo 2 mit seinem unübersehbaren Heckspoiler ausgestellt.
Auch das wohl längste Auto der Sonderausstellung findet sich hier, ein Mercedes-Benz 600 Pullman.
Noch mehr Platz für Passagiere stellt der Kleinbus O 319 zur Verfügung.
Auch elegante Coupés kommen hier nicht zu kurz. So wird ein dunkelrotes 560 SEC-Coupé der Baureihe 126 von 1989 gezeigt, daneben ein 220 SE Coupé von 1965.
Das dazugehörige Limousinen-Pendant, ein Mercedes 220 S („große Flosse“) findet sich ebenso.
Dieses wird ergänzt durch einen raren, zum Zeitpunkt unseres Besuchs etwas peripher platzierten 230 S Kombi der belgischen Firma Universal von 1967.
Ebenfalls etwas entfernt steht ein mit Weihnachtspaketen beladener früher Unimog.
Vor einem geschmückten Weihnachtsbaum erwartet den Besucher schließlich noch eine Replik des als „rote Sau“ bekannten Mercedes-Benz 300 SEL 6,9 AMG von 1971, bevor er in den Hauptteil der Ausstellung hinaufsteigt.
Zur Linken erwartet ihn dort eine Phalanx silberner Fahrzeuge, beginnend mit einem SLK 200 aus der ersten Serie.
Daneben steht ein Mercedes 500 E, der bekanntlich in Zusammenarbeit mit Porsche entstand.
Ihm schließt sich ein Mercedes-Benz AMG C 55 an, ein Kombi der Baureihe W 203.
Daneben befindet sich ein weiterer AMG, ein schwarzer Mercedes-Benz AMG A 65 Final Edition von 2019.
In dessen Nachbarschaft werden zwei Großserienmodelle in der jeweils stärksten, sechszylindrigen Motorisierung gezeigt, nämlich ein Mercedes 190 E 2,6 sowie ein 280 E der Baureihe W 123 mit nur 30´000 km auf dem Tacho.
Eine stattliche Doppelreihe mit zwölf Fahrzeugen verdeutlicht die Evolution der später so genannten S-Klasse und der SL-Modelle. In diesem Block ist der jeweiligen Limousine ein entsprechendes SL-Modell an die Seite gestellt.
Die Limousinen reichen vom Ponton-Mercedes 220 S über die Modellreihen W 112, W 108, W 116 und W 126 bis hin zur Baureihe W 140, repräsentiert durch einen Mercedes-Benz S 500 AMG 6,0 von 1994.
Die korrespondierenden SL-Modelle starten mit einem Mercedes 190 SL von 1957, dem ein 300 SL Roadster von 1958 folgt, sodann eine „Pagode“ bis hin zu einem 500 SL von 2004.
Über ein in auffälligem Rot lackiertes Exemplar der ersten A-Klasse, durch die einst der „Elchtest“ bekannt wurde, nähern wir uns den geschichtlichen Aspekten der Marke.
Für die großen Sportwagen der Vorkriegszeit ist ein sonst in der D´Ieteren Gallery beheimatetes Mercedes-Benz 630 S Sport Cabriolet von 1928 stellvertretend.
Kurze Zeit später brachte Mercedes den ersten Pkw mit einem Dieselmotor heraus, gezeigt wird eine Droschke vom Typ 260 D.
Doch nicht jeder Neuerung war Erfolg beschieden, so etwa dem Mercedes-Benz 170 H mit Heckmotor aus dem Jahr 1936.
Das leitet über zur frontgetriebenen Version des Mercedes 170 S, von dem eine Limousine und ein Cabriolet A gezeigt werden.
Daneben steht ein hellblaues 220 S Cabriolet von 1958, welches man als Symbol der so genannten “Wirtschaftswunderzeit“ begreifen kann.
Da darf natürlich auch der repräsentative Mercedes 300 – bekannt als „der Adenauer“ – nicht fehlen.
Zum Thema “Sport und Wettbewerb“ finden sich zahlreiche Ausstellungsstücke. Für die Ära der „Silberpfeile“ steht der Rennwagen W 25 von 1934, an Rallyefahrzeugen werden das Coupé SLC 500 für die Rallye Dakar von 1984 und ein Mercedes-Benz ML 430 von 2000 gezeigt.
Aus der Riege der Tourenwagen und Rennwagen seien genannt: ein Mercedes-Benz 190 E Evo1, ein CLK DTM AMG von 2005, der Mercedes-Benz CLK GTR aus der Loh Collection sowie die Rennwagen Sauber-Mercedes C9 und Mercedes F1 W 05 Hybrid, einst von Lewis Hamilton gefahren.
An „Concept- und Supercars“ mangelt es ebenfalls nicht. Hier seien der Mercedes-Benz SLR McLaren 722 Edition von 2004, der SLR McLaren “Stirling Moss“ von 2009 und der SLS Black Series von 2014 genannt.
Das vielleicht bekannteste Konzeptfahrzeug von Mercedes-Benz ist der natürlich in „weißherbstmetallic“ lackierte C111, hier wird er in der zweiten Version gezeigt.
Insgesamt entstanden 16 Exemplare, 13 davon mit Kreiskolbenmotoren, zwei mit Dieselmotor und eines mit V8-Motor. Der C 111 besitzt bekanntlich Flügeltüren und wird daher in der Autoworld neben einem 300 SL Flügeltürer attraktiv in Szene gesetzt. Letzterer dürfte den inflationär gebrauchten Begriff „ikonisch“ allerdings verdient haben.
Wir nähern uns dem Ende des Rundgangs und entdecken zwei Geländewagen. Ein Mercedes 230 GE Cabrio von 1990 erinnert an die Geschichte des G-Modells vom Militärfahrzeug hin zum Luxusauto.
An seiner Seite wird ein luxuriöser Mercedes Maybach G 650 Landaulet von 2017 gezeigt, dessen V12-Motor von AMG eine Leistung von 630 PS hat. Es ist übrigens neben dem oben erwähnten 260 D das zweite Auto mit der nur teilweise geschlossenen Karosseriebauform „Landaulet“.
Nun ist es an der Zeit, die vielen Eindrücke dieser großen Ausstellung zur Geschichte des Sterns erst einmal auf sich einwirken zu lassen. Wer dies mit einem Abstecher in das Bistro „Bagnole“ verbindet, kann sich dort mit einem Blick auf einen 300SL Roadster von 1959 verabschieden.
Weitere Informationen zur Ausstellung „Mercedes, the Story of the Star“, die noch bis zum 22. Februar 2026 zu sehen ist, finden Sie auf der Webseite des Museums .
















































































































































































































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