Vor 15 Jahren starb der "unzerstörbare" Clay Regazzoni mit nur 69 Jahren. Ihm zu Ehren wurde in der Autobau-Erlebniswelt in Romanshorn am 16. Oktober 2021 eine Dauer-Ausstellung namens "Clay Regazzoni Honor Room" mit Rennwagen und anderen Devotionalien aus Regazzonis Rennsportkarriere eröffnet.
Der Werdegang
Gian-Claudio Giuseppe “Clay” Regazzoni wurde am 5. September 1939 in Lugano geboren. Sein Vater Pio war Bürgermeister der Gemeinde Porza und Inhaber einer erfolgreichen Karosseriewerkstatt in Mendrisio, wo Clay nach dem Schulbesuch in Lugano arbeitete.
Seine grosse Liebe für den Rennsport war bereits stark ausgeprägt. Aber erst 1963 begann er selbst Rennen zu fahren und nahm mit einem Austin-Healey Sprite an mehreren Rennen der Schweizer Automobilmeisterschaft teil. 1964 wechselte Regazzoni auf einen Morris Cooper S. 1965 kam der erste Formel-3-Rennwagen, ein De Tomaso, den er jedoch schnell durch einen Brabham ersetzte. 1966 fuhr er den Brabham des Martinelli & Sonvico Racing Teams.
Zwischen zwei Rennen fand Clay noch die Zeit, seine Freundin Maria Pia zu heiraten. Am Ende der Saison 1966 unterzeichnete Regazzoni einen Formel-3-Vertrag mit Tecno. Am 5. Januar 1967 kam seine Tochter Alessia auf die Welt. Im selben Jahr nahm er am Grossen Preis von Buenos Aires und an der Formel-3-Europameisterschaft teil.
Am 28. April 1968, dem Tag, an dem sein Sohn Gian Maria geboren wurde, errang Clay seinen ersten Sieg in der Formel 3. Am 31. Dezember 1968 unterzeichnete er für die kommende Saison einen Vertrag mit Ferrari für die Formel 2, doch die schlechten Ergebnisse veranlassten ihn, zu Tecno zurückzukehren.
Der Sprung in die Formel 1
1970 gewann er dann die Formel-2-Europameisterschaft. Es war ein wahrhaft triumphales Jahr, in dem Regazzoni auch sein Debüt in der Königsklasse bei Ferrari gab. Obwohl er noch zwischen Formel-2- und Formel-1-Rennen wechselte, holte Regazzoni bereits in Monza bei seinem vierten Formel-1-Grand-Prix den ersten Sieg. Am Saisonende wurde er, mit nur sieben Grands Prix-Starts, Dritter der Weltmeisterschaftswertung hinter Jochen Rindt und Jacky Ickx.
Es folgte eine Durststrecke von drei Jahren, bis er 1974 – nach einem Jahr bei BRM – wieder im Ferrari sass und plötzlich um die Krone kämpfen konnte. Er gewann den Grossen Preis von Deutschland auf dem Nürburgring und punktete so regelmässig, dass die Weltmeisterschaft erst beim letzten Lauf, dem Grossen Preis der USA in Austin, entschieden wurde – leider zugunsten von Emerson Fittipaldi im McLaren, dem schon der vierte Platz reichte um dem Tessiner den Titel zu entreissen. Es lag definitiv nicht am Fahrer des Ferrari, als vielmehr am Auto. Nach einem heftigen Testunfall wurde Regazzonis Ferrari 312/B3 leider nicht in letzter Konsequenz neu aufgebaut.
1975 gewann er noch den Grossen Preis von Italien und 1976 den ersten (westlichen) der beiden Grossen Preise der USA in Long Beach, doch dann verabschiedete sich der nun im Schatten von Niki Lauda stehende Regazzoni von den Italienern.
1977 und ‘78 bei Ensign und Shadow fehlte ihm das Material, um weiter um Siege zu kämpfen. Doch 1979, nun bei Williams Grand Prix Engineering unter Vertrag, kam doch noch einer dazu: Beim Grossen Preis von England in Silverstone holte Regazzoni den ersten Sieg für das 1977 gegründete Team von Frank Williams. Die Freude der Engländer aber hielt sich in Grenzen, denn die hätten lieber ihren Liebling Alan Jones auf dem Podest gesehen. 1977 startete er in einem McLaren auch zu den 500 Meilen von Indianapolis, wo er aber nach 25 Runden aufgeben musste.
Schwerer Unfall in Long Beach
Dann kam der 30. März 1980 in Long Beach. In der 51. Runde wollte Clay Regazzoni bei 250 km/h am Ende der Shoreline-Drive-Geraden bremsen, fand unter seinem Fuss aber nichts mehr und trat ins Leere. Das Bremspedal war weggebrochen. Regazzonis Ensign N180 prallte auf den nach einem früheren Unfall am Streckenrand parkierten Brabham von Ricardo Zunino und schliesslich in eine nur von einem Reifenstapel geschützte Betonmauer. Das war das Ende für Regazzonis Formel-1-Karriere. Nach 132 Grand-Prix Einsätzen mit fünf Siegen, 13 zweiten und zehn dritten Plätzen, fünf Pole-Positionen, sowie 15 schnellsten Rennrunden fand das Kapitel in einer Querschnittslähmung ein abruptes Ende.
Nach vier langen Jahren in Krankenhäusern und Rehakliniken sowie mehr als 60 OP-Stunden wurde klar, dass Clay nie wieder würde laufen können. Regazzoni, der auch der "Unzerstörbare" genannt wurde, wurde seinem Übernamen gerecht, begann Fahrsysteme für Behinderte zu entwickeln, gab Fahrtrainings für Handikapierte und war Mitbegründer der Internationalen Stiftung für Forschung in Paraplegie. Er selbst nahm noch mehrmals bei der Rallye Paris-Dakar teil.
Am 15. Dezember 2006 starb Clay Regazzoni in der Nähe von Parma – ausgerechnet bei einem Autounfall.
Ein Raum zu Regazzonis Ehren
Clay Regazzono war einer der ganz Grossen und war zu Beginn der Siebzigerjahre neben Jo Siffert einer der grössten Stars des Schweizer Motorsportes. Nicht nur einmal standen die beiden in der ersten Startreihe, und in Monza 1971 führten sie gemeinsam das Rennen über mehrere Runden an. Sie verband, trotz einer gesunden Rivalität, eine enge Freundschaft – etwas, das heute undenkbar ist.
15 Jahre später hat sich Fredy Lienhard, der unbestritten grösste Förderer des nationalen Rennsportes, des Tessiners erinnert und in der "Autobau-Erlebniswelt" in Romanshorn den „Clay Regazzoni Honor Room“, eine öffentlich zugängliche Sonderausstellung, eröffnet, in der neben einigen Autos auch viele Trophäen, Rennanzüge und Helme aus der Karriere Regazzonis zu sehen sind.
Der 1965er Ford Mustang in der Sammlung stammt aus der Zeit nach Clays schweren Unfall. Der 440 PS starke Ami lässt sich ohne Fusspedale fahren; Gas und Bremse werden von Hand bedient. Dank solch umgebauter Modelle schaffte Clay Regazzoni 1984 – im Alter von 45 Jahren – den Wiedereinstieg in den Rennsport.
Tochter Alessia Regazzoni zeigte sich bei der Eröffnung des Regazzonis-Raums begeistert: "Wir suchten einen Ort, an dem meines Vaters Erbe mit Leidenschaft aufgenommen wird und auf den die ganze rennsportbegeisterte Schweiz stolz sein kann. Die Fülle der Erinnerungen an Papa ist in der Autobau-Erlebniswelt perfekt untergebracht. Hier wird sie zu neuem Leben erweckt."
Clays letzte öffentliche Auftritte in der Schweiz hatte er im Frühling und im Herbst 2006. Beim Rennfahrer-Treff in Roggwil am 8. April war er natürlich unter all seinen mehr oder weniger erfolgreichen Kollegen der Star des Tages. Am 24. September fuhr er noch mit dem von ihm umgebauten Ferrari Daytona, der jetzt ebenfalls im "Honor Room" zu sehen ist, am Klausen-Memorial mit. Nur drei Monate später wurde er auf dem kleinen Friedhof von Porza beigesetzt.
Mehr Informationen über den "Clay Regazzoni Honor Room" finden Sie auf autobau.ch













































































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