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... Weimar einmal das Feiergewand anlegt. Und Goethe zumal, wenn er noch lebte, wäre uns gewiß auch als Mensch kein Fremder. Statt auf langsamem Pferde wäre der feurige Straßburger Student, der ungeduldig Liebende, gewiß auf dem Motorrade zu Friederike Brion nach Sesenheim geeilt, statt des gemächlichen Pferdewagens hätte der Greis gewiß mit seinem Eckermann das schnelle Auto bestiegen, statt seine Besuche durch einen Hauszeichner verewigen zu lassen und mit dem Skizzenbuche in Thüringen und Italien umherzustreifen, hätte er sicher selbst die photographische Kamera eingestellt. Denn Goethe war damals ein moderner Mensch, und er wäre es auch heute wieder. Aber gegen die unsinnigen, rowdyhaften Auswüchse unseres Sports, hätte seine vornehme, maßvolle Natur sich ebenso sicher aufgelehnt, und seinetwegen hätte der Müller in Oberweimar sicher nicht das Schild aufzurichten brauchen, das jetzt an jener Mühle prangt und das meines Erinnerns folgende Aufschrift trägt: „O Herr, bewahre mich und meine Mühle! Laß langsam fahren hier die Automobile"... Natürlich birgt Weimar noch genug des Sehenswerten aus alter und neuer Zeit, aber das steht in jedem Reisebuche, und unsere Skizze soll ja nur ein Stimmungsbild, kein Bädeker sein. Darum mag es genügen, zu sagen, daß eine Stadt, in der so viel Kultur aufgespeichert ist, eine Pensionsstadt vornehmer Beamten ...
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