Der 22. August 1902 gilt in der Markenliteratur als der offizielle Gründungstag von Cadillac. Damit zählt die General-Motors-Tochter, die laut eigener Aussage über Jahrzehnte hinweg den "Standard of the World" im Automobilbau setzte, zu den ältesten noch existierenden Autoherstellern der Welt. Fast auf den Tag genau 120 Jahre später, am 17. August 2022, wurde das Jubiläum beim Zürich Classic Car Award auf dem Bürkliplatz mit einer elf Fahrzeuge umfassenden Sonderklasse gewürdigt.
Auch wenn kein Wagen aus den ersten beiden Jahrzehnten der Firmengeschichte zugegen war, so hatte der älteste Teilnehmer – ein Rennwagen auf Basis eines Cadillac Series 314 – mit 96 Jahren auch schon ein stattliches Alter. Die jüngere Vergangenheit in Detroits Luxusabteilung repräsentierten ein Cadillac Eldorado von 1994 sowie das ehrgeizige, aber leider erfolglose Interkontinental-Projekt Cadillac Allanté von 1987. Natürlich waren auch die wohl berühmtesten Heckflossen der Fünfzigerjahre zugegen: ein 1959er Coupé de Ville in zeittypischem "Wood Rose" reckte die projektilverzierten Finnen in die Lüfte.
Zum schönsten Auto der Sonderklasse "120 Jahre Cadillac" wurde jedoch ein zurückhaltenderes Modell gekürt. Der 1939er Cadillac Sixty-One Convertible Coupé, der von der Jury gekürt wurde, trug schlichtes Schwarz zu seinem dunkelroten Interieur. Hinter ihm folgte der bereits erwähnte Series 314 Racer von 1926. Der dritte Platz ging an einen makellosen Seville Elegante von 1979, der das Vorurteil der "Malaise Era" zumindest in diesem Falle widerlegt. Den Mut, einen Cadillac Cimarron aufzufahren, hatte allerdings niemand. Schade.
Sieger in Langzeit-Besitz
Der Sieg in der Klasse der Vorkriegs-Autos ging an Ulrich Signer, der seinem Mercedes-Benz 320 Cabriolet B von 1934 schon seit 56 Jahren die Treue hält. Der in zwei Grautönen lackierte Viersitzer war damals sein erstes eigenes Auto. Den zweiten Platz belegte ein Lagonda M 45 Open Tourer von 1934 vor einem Rolls-Royce Silver Ghost mit Brewster-Karosserie von 1923, der zusammen mit einem Itala 21 S das älteste Auto auf dem Bürkliplatz war.
Autos der späten Vierzigerjahre wurden zusammen mit denen der Fünfzigerjahre in einer Klasse für Nachkriegsfahrzeuge zusammengefasst. Hier konnte ein BMW 507 von 1957 die Jury recht eindeutig von sich überzeugen. Das weisse Cabriolet war bis 2014 in erster Hand und ist trotz einer Laufleistung von knapp 300'000 Kilometern noch immer unrestauriert. Ironischerweise wurde der erste Preis von Mercedes-Benz gesponsert. Besitzer Manfred Schweri nahm ihn trotzdem gerne entgegen.
Bis auf die letzte Schraube zerlegt und instandgesetzt wurde dagegen das zweitplatzierte Fahrzeug. Die Mühe war es allemal wert, denn der 1958er Plymouth Fury ist einer von den 25 Wagen, die 1983 von Columbia Pictures für den Film "Christine" angeschafft wurden, und einer von nur vier echten Furys, die darunter waren. Den dritten Platz belegte ein detailgetreuer Nachbau des verschollenen MG TC "George Phillips Special" von 1947, mit dem der Namensgeber 1949 bei den 24 Stunden von Le Mans angetreten war.
Grau, Grün, Haselnuss
Das mit 31 gemeldeten Autos umfangreichste Feld bot die Klasse der Sechzigerjahre. Entsprechend schwierig war es, hier einen Sieger zu küren. Am Ende konnte sich der 1964er Aston Martin DB 4 Convertible von Carlo Bianchi gegen die Konkurrenz durchsetzen – nicht nur in der eigenen Kategorie, sondern auf dem gesamten Platz. Der in dezentem Graumetallic gehaltene Engländer wurde auch zum "Best of Show" gekürt.
Liebhaber von Fehlfarben dürften hingegen ihre Freude am Zweitplatzierten gehabt haben: der 1969er Ferrari 365 GTB/4 war einer von nur 27 Stück, die einst in der Farbe "Nocciola Metallizzato" bestellt worden waren. Den dritten Platz belegte wieder ein Rolls-Royce, diesmal ein 1961er Silver Ghost II mit grünem Sedanca-De-Ville-Aufbau von Gulbenkian. Eine Kuriosität seiner Konstruktion ist das elektrisch zu öffnende Dach über dem Chauffeurs-Abteil.
Ebenfalls aus den Sechzigerjahren stammte das Auto mit der am besten dokumentierten Geschichte. Die Juroren von "The Motor Chain" wählten den salbeigrünen 1966er Aston Martin DB6 von Martin Iten zu ihrem Sieger. Der Vorjahressiegertyp dieser Kategorie – ein Mercedes-Benz 300 SL – wurde dieses Jahr zum besten unrestaurierten Fahrzeug erkoren. Das in inzwischen ermattetem Silbermetallic lackierte Coupé wurde 1955 neu nach Zürich ausgeliefert und blieb seither immer in der Schweiz. Der heutige Besitzer kaufte den Flügeltürer 1974 zusammen mit seinem Vater dem Erstbesitzer ab, als dessen Frau die Lust nach einem neuen Porsche in der Garage verspürte.
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Vergleichsweise bodenständig ging es auf dem Siegerpodest der Siebzigerjahre-Klasse zu, der ältesten Oldtimer-Klasse auf dem Bürkliplatz. Ein Porsche 911 S von 1972 und ein MGB GT von 1971 belegten die Plätze eins und drei. Nur dazwischen wurde es teuer: Platz zwei ging an einen Ferrari 365 GTC/4. Offenbar rechnete sein Besitzer nicht mit einer Prämierung, denn als an die Preisverleihung ging, war er bereits abgereist.
Die jüngsten Teilnehmerfahrzeuge fanden sich logischerweise in der Klasse der Youngtimer, deren Obergrenze von 2005 der silberfarbene Alfa Romeo Spider vom Typ 916 beinahe ausreizte. Zusammen mit einem Jaguar XJR von 2002 war er der einzige Vertreter des 21. Jahrhunderts. Die Jury zog jedoch eher die klassischeren Modelle vor. Der erste Preis ging an einen unrestaurierten BMW M 635 CSi von 1985 im Jahreswagen-Zustand. Ihm folgte ein Lamborghini Countach LP 5000 S Quattrovalvole desselben Jahrgangs, der schon seit 30 Jahren in der Garage des Besitzers steht. Mit jeweils 37 Jahren waren sie unter den Jüngsten die Ältesten.
Den Sonderpreis der Automobil-Illustrierten, den die Zeitschrift für besonders erhaltenswerte junge Klassiker verleiht, ging in diesem Jahr an Alex Sala und seinen BMW 325iX von 1987. Die kleine Allrad-Limousine ist bisher noch keine 40'000 Kilometer weit gefahren worden. Das Publikum wählte den 1965er Austin Mini Pick-up von Hansjörg Tschudin zu seinem Favoriten.
Abseits des roten Teppichs
Auch wenn die meisten Preisträger ihre Trophäe zurecht empfangen durften, so verfälscht es doch etwas die Wahrnehmung der Veranstaltung. Denn auch abseits der Gekürten fanden sich Hochkaräter wie Iso Grifo, Ferrari 275 GTB und Maserati 3500 GT. Und dann waren da natürlich noch die gerne übersehenen Perlen vom Schlage einer 1959er Chevrolet Corvette aus kalifornischer Ersthand, eines bis zu den Aufklebern auf den Luftfiltern akkurat restaurierten Austin-Healey Sprite Mk I oder eines bemerkenswert makellosen VW 1300 im Originalzustand.
Automobilistisch war der Zurich Classic Car Award also wieder eine Pracht. Nur das Wetter war Fluch und Segen zu gleichen Teilen. Zwar geduldete sich das angekündigte Gewitter noch, bis der Concours vorüber war. Der Regen in der Nacht zuvor hatte jedoch die olfaktorische Signatur der "Street Parade" vom vorangegangenen Wochenende noch einmal kräftig aufgebrüht. Da wünschte man sich gelegentlich doch ein paar mehr laufende Motoren und Abgase in der Nase.























































































































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