Der Genfer Autosalon feierte im Jahr 2024 sein 100-Jahre-Jubiläum und lud zur 91. Austragung ein. Und doch war der Salon in den letzten Jahrzehnten nie kleiner als in diesem Jahr. Die Zahlen dokumentieren dieses "Downsizing" eindrücklich: 168'000 Besucher, 37 Aussteller und 157 ausgestellte Fahrzeuge. Zum Vergleich: 1950, kurz nach dem Krieg, waren 385 Aussteller in Genf präsent. Und bereits 1980 pilgerten 534’349 Besucher zum Autosalon.
Sicher scheiterte es nicht an Platzproblemen oder an der Willenskraft der Genfer, nein viel mehr wollten die Hersteller, allen voran unsere Europäer, einfach nicht mehr. Einzig Renault zeigte noch Mut und stellte sich den Chinesen, die in die Lücke sprangen.
Grosse Marken nur in der Klassik-Ausstellung
Man muss sich nicht wundern, wenn die deutsche Automobilindustrie Probleme bekommt, wenn sie selbst nicht mehr zu ihrer Historie, ihren aktuellen Produkten und auch nicht ihren zukünftigen Visionen stehen. Das Ganze ist einfach nur noch traurig. Die kurzfristige Corona-bedingte Absage 2020 und die nachfolgenden Pandemie-Jahre brachten die ganze Organisation massiv unter Druck, denn auch in den beiden Folgejahren war die Durchführung nicht möglich.
2023 ein Aufflackern in Qatar, wo unter dem Namen „GIMS“ Autos ausgestellt wurden. Für das aktuelle Jahr hatte man grosse Pläne, die dann aber immer kleiner wurden. Und so wurde aus der ganz grossen Bühne eine Messe im Masstab 1:43.
Alle grossen Marken wie VW, Mercedes-Benz, BMW, Audi, Ford oder auch Toyota wollten die Plattform am Genfersee nicht mehr nutzen. Selbst Exoten wie Ferrari, Bugatti, Maserati oder auch Porsche blieben dem Salon fern, einzig in der Klassik-Ausstellung waren deren Logos noch zu finden.
Nur Renault/Dacia aus Europa
Der grösste Stand kam von Renault mit der Neuvorstellung des Renault 5 electrique und erinnerte als einziger an vergangene Zeiten.
Neben den Franzosen die noch Dacia mit im Gepäck hatten, waren dann nur noch MG, die das Modell 3 vorstellten, BYD, die diesen Sommer gemeinsam mit der Emil Frey-Gruppe den Verkauf in der Schweiz starten und die US-Marke Lucid halbwegs professionell vertreten.
Kimera zeigte die Neuauflage ihres Evo 037, der sich jetzt aber mit 600 PS und Allrad-Antrieb als Evo 38 antritt. Dazu liess Kimera die komplette Lancia-Garde im Martini-Look rund um den Neuankömmling stramm stehen. Vom LC1 und 2, Beta Montecarlo Turbo bis hin zu all den Integrales, inclusive dem Gruppe-B Monster Delta S4 waren sie alles da. Sehenswert!
Trauriger Anblick
Peter Ruch schrieb in der Automobil-Revue, welche noch vor wenigen Jahren eine ganze Extrazeitung zum Salon produzierte:
„So gut die Renault-Gruppe die grosse Bühne ganz allein bespielt, so traurig ist der Anblick der restlichen Messe. Die Halle 4 umfasst etwa ein Drittel des Raumes früherer Jahre, dazu kommt ein kleiner Teil der Halle 2 im oberen Stock mit einer sehr grosszügig gestalteten Ausstellung von etwa 40 Klassikern. Man darf sich da schon die Frage stellen, ob sich so der auf 25 Franken erhöhte Eintrittspreis rechtfertigen lässt.“
Die grosse Bühne wurde zu einem Kleintheater, denn auch Paris, Brüssel oder die IAA in München sind nur noch einen Schatten ihrer selbst.
Gehört die Zukunft den Chinesen?
MG wird noch dieses Jahr den Schweizer Markt in Angriff nehmen, gefolgt von BYD. Eine Marke die hierzulande noch kaum einer kennt. BYD war Batteriehersteller und begrüsst nun natürlich den politischen Druck für die ach so sauberen e-Autos. Im Tages Anzeiger war zu lesen:
„Bald wird BYD in Ungarn ein Werk eröffnen, um die teuren Importzölle zu umgehen. Führt man sich zudem die technologischen Rückstände von Marken wie VW und Mercedes vor Augen, zum Beispiel beim autonomen Fahren, kommt man zum Schluss: Die Zukunft klingt chinesisch.“
Und wir lassen das alles zu, ohne jegliche Kampfansage …
Michele Jauch-Paganetti, Chef-Innendesigner von BYD, meinte im Tagesanzeiger, nachdem er den Angriff von BYD auf die stolzen europäischen Autobauer zunächst gar nicht gross kommentieren wollte: „Das wird für die Europäer nicht einfach werden.“
Edmund Chi, der am Stand von BYD arbeitete, meinte zum Tagi:
„Es wird wohl eine Zeit dauern, bis die Vorurteile gegenüber chinesischen Autos aus den europäischen Köpfen verschwunden seien.“
Mag sein, aber über die Preise lässt sich vieles ganz schnell vergessen.
Immerhin attraktive Klassiker aus aller Welt
Zur 100-Jahr-Feier aber gab es eine attraktive Sonderausstellung mit Fahrzeugen des vergangenen Jahrhundert. Die Fahrzeugmarken, die unten in der “aktuellen” Halle vergebens gesucht wurden, standen wenigstens oben in der von der “Classic Gallery” von Jean-Pierre Mitard zusammengestellten Autos.
Vom Ferrari F40 über den Porsche 959 bis zum Renault 16 oder VW Käfer war so ziemlich alles vertreten. Da waren auch zwei Bugatti Royale, ein Coupé de Ville von Binder und der Roadster, den einst Modeschöpfer Esders fuhr, zu bewundern.
Zudem war mit dem Renault Espace ll F1 ein besonders seltener “Compact Van” zu sehen. Gérard Ducarouge packte damals unter die Karosse des Espace ll Renault pure F1-Technik mit dem V10-Mittelmotor aus dem Hause Renault. Das 1993 bei Williams eingesetzte Triebwerk leistete aus 3,5 Liter 810 PS und beschleunigte den Van unter drei Sekunden auf 100km/h. Ein fahrbereites Exemplar steht im Matra-Museum, das andere, ein Ausstellungsstück, war nun in Genf zu bewundern.
Dass es inzwischen auch mit einem Familienauto noch etwas schneller geht, zeigte Ford mit dem SuperVan 4.2 im Rahmen des „Thirty Bathurst 500“ in Australien einen Tag vor der Eröffnung des Autosalons am 25. Februar 2024. Der Ford pulverisierte den neuen Rundenrekord, den Jules Gounon im Mercedes GT3 wenige Tage vorher am am 17. Februar 2024 mit 1:56,605 aufgestellt hatte.
Romain Dumas zauberte mit dem über 300 km/h schnellen und doch 1.8 Tonnen schweren Ford Van eine Zeit von 1:56.3247 auf die 6,2 Kilometer lange Berg- und Talbahn.
Na also, es gab am Salönchen ja doch noch so Einiges sehenswertes zu bewundern. Wer noch ein wenig schmunzeln möchte, der sei noch auf die Bildergeschichte zum Genfer Salon verwiesen.







































































































































































































































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