Mit “Goodwood” verhält es sich wie mit einem traumhaften Urlaub: Man freut sich wochenlang darauf, geniesst ihn dann in vollen Zügen und fällt in Wehmut, wenn er vorbei ist. Vor der Rückkehr in den grauen Alltag dreht sich der erste Gedanke dann schon um die nächsten Ferien.
Das Goodwood Revival Meeting ist für deren Besucher eine Urlaubsreise in die Vergangenheit. Einen Zeitsprung ins Mittelalter des Rennsports, als die Rock’n’Roll-Welle Europa überflutete, sich die Damen sogar für einen Ausflug an den Rennplatz todschick kleideten und die Augen der Gentlemen zwischen Dekolleté und Defilé wanderten.
In Goodwood ist nichts, wie es sonst ist im Historic Racing. Der Circuit verläuft noch wie in den Golden Sixties und jagt jedem Greenhorn am Lenkrad erst mal ein Schaudern ob der Tempi und Gefahren über den Rücken. Die Umgebung mit ihren historisch anmutenden Bauten, die Ambiance und die Atmosphäre im Fahrerlager entsprechen dem Zeitgeist, als Stirling Moss noch gegen Jackie Stewart und Jim Clark kämpfte. Moss und Stewart sind immer noch da, drehen jedes Jahr am Lenkrad irgendwelcher Boliden, und Clark würde sich freuen, wie heute noch mit den Rennwagen seiner fatalen Epoque nach Herzenslust gefahren wird.
Rundenrekord
Es spricht für die Vergangenheit wie für die Gegenwart, dass erst dieses Jahr der von Clark und Stewart seit dem 19. April 1965 gemeinsam gehaltene offizielle Rundenrekord auf dem Goodwood Circuit von 1’20,4 auf 1’18,954 verbessert worden ist, und zwar vom Briten Andrew Smith auf einem Lola-Chevy T70 Spyder der legen- dären CanAm-Ära. Seine Zeit entspricht einem Schnitt von 176,11 km/h! Überhaupt war jedes einzelne der 16 Rennen ein Wahnsinn, ob mit oder ohne Rundenrekorde.
Beispiele gefällig? Tom Kristensen, als achtfacher Le-Mans-Sieger selbst ein Rekordhalter und langjähriger DTM-Siegfahrer, musste sich strecken, um das Rennen der Tourenwagen aus den Fünfzigern mit einem Austin A95 Westminster gegen eine Horde Austin A40, Jaguar Mk1 und VII und einen schnellen Volvo Amazon 122 für sich zu entscheiden. Dafür erhielt er nachträglich die Will Hoy Memorial Trophy für den «greatest drive» mit einem Fahrzeug mit geschlossenem Cockpit zugesprochen.
«Ich bin hier gegen Autos gefahren, deren Namen ich noch nie gehört habe. Hat höllischen Spass gemacht», strahlte der Däne unter dem Siegerkranz. Uns beim Zuschauen auch, Tom, genauso wie beim Fight der Frontmotor-GP-Boliden mit Könnern wie Frank Stippler (Maserati 250F), Barrie Williams (Ferguson Project 99 mit 4WD), Richard «Dick» Attwood (Ferrari 246 Dino) und Gary Pearson (BRM Type 25) am Steuer.
BRM-Jubiläum
Dieses Rennen unter dem Namen Richmond Trophy endete mit einem Happyend, siegte Pearson doch ausgerechnet beim 60-Jahr-Jubiläum der britischen Rennsportmarke. Aus diesem Anlass gab es eine fantastische Parade von BRM-Modellen, wie man sie in dieser Vielfalt noch nie in Aktion gesehen hat. Zur Krönung schlug Attwood im Feld der Formel 1 nach 1961 mit dem BRM P261 die ganze Lotus-Climax-Meute.
Speziellen Tribut als Racing Hero zollte Goodwood, wie es jedes Jahr getan wird, heuer dem Briten John Surtees, dem einzigen Weltmeister auf zwei und vier Rädern. «Hier habe ich mein erstes Autorennen bestritten und gegen Leute wie Clark gleich die Poleposition erobert», murmelte Surtees, dessen Sohn Henri 2009 in der Formel 2 von einem Rad erschlagen worden ist. Momente der wahren Freude, wie in Goodwood unter alten Freunden, sind für ihn rar geworden.


































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