Der Kunstpalast Düsseldorf zeigte 2018 eine große Ausstellung mit dem Titel "PS: Ich liebe Dich. Sportwagen-Design der 1950er -1970er Jahre". Diese ging der Frage nach, ob ein Auto – eigentlich ein Alltagsgegenstand – Kunst sein kann. In deutlich kleinerem Rahmen, aber mit ähnlicher Zielsetzung beschäftigt sich nun auch die Autoworld Brüssel mit dem Thema "Automobildesign als Kunst".
Gezeigt werden zwölf Autos und zwei Motorräder, wobei im Obergeschoss noch weitere Zweiräder zu finden sind. Angesichts der vergleichsweise kleinen Ausstellungsfläche kann die Präsentation a priori nicht umfassend sein und erfordert eine Prioritätensetzung. Der Besucher sollte sich die Exponate in Ruhe ansehen und sich insbesondere auch in Details vertiefen. Dabei mag er sich die Frage stellen, ob das jeweilige Objekt der Betrachtung (schon) Kunst ist oder nicht. Unser kleiner Rundgang durch die Exponate soll sich allerdings ohne Wertung nur auf Eindrücke beschränken.
Autos als Kunst
Weil kurz zuvor just auf dieser Fläche Automobile von Carlo Abarth präsentiert wurden, liegt es wegen dessen Verbindung zu Cisitalia nahe, hier mit dem Cisitalia 202 SC von 1948 zu beginnen.
Zu diesem Auto wird oft angemerkt, dass es das erste Auto war, welches im New Yorker Museum of Modern Art (MoMA) gezeigt wurde. Doch weshalb? Definiert man ein Design nur dann als gelungen, wenn nichts mehr weggelassen werden kann, dann ist der Cisitalia zweifellos gelungen. Das von Giovanni Battista "Pinin" Farina entworfene Auto wirkt wie aus einem Stück gegossen, es ist rundum schnörkellos, fast karg und dennoch sportlich-elegant.
Den Weg in das MoMA fand auch der von Malcolm Sayer entworfene Jaguar E-Type. Auch nach sechs Jahrzehnten hat dieser Sportwagen mit seiner extrem langen Motorhaube nichts von seiner Attraktivität eingebüßt. Seine Rundungen ergänzen sich zu einer elliptischen Grundform, das Design erscheint zeitlos.
Es ist lobenswert, dass die Autoworld den Pegaso Z-102 "Thrill" noch einmal, nun aber in diesem Zusammenhang zeigt. Das für Schönheitswettbewerbe konzipierte, auffällig schwarz/rot lackierte und von der Carozzeria Touring gebaute Unikat fasziniert namentlich von der Seite und in der Heckansicht. Besonders gilt das für die die Dreidimensionalität betonende hintere Säule, die als zum Heck hin als Flosse ausläuft, zugleich aber Durchblicke ermöglicht.
Auch das wohl auf einigen frühen Skizzen von Giorgetto Giugiaro aufbauende, aber primär von Marcello Gandini gestaltete Design des Lamborghini Miura wirkt heute noch insgesamt und in Details (wie der Schuppenjalousie und den Scheinwerfen mit "Wimpern") aus jeder Perspektive atemberaubend.
Das Design des Lamborghini Miura wirkt auch heute noch... Man kann es als Glanzleistung von Marcello Gandini betrachten.
Zweifellos eine Designikone ist auch der Mercedes-Benz 300 SL "Flügeltürer". Diese Türen sind derart charakteristisch, dass der Wagen auch in anderen Sprachen ähnlich bezeichnet wird. Verständlicherweise waren die Türen bei unserem Besuch nicht geöffnet. Die Karosserie wurde von Friedrich Geiger entworfen und enthält weitere charakteristische Merkmale, etwa die vorderen Lüftungsgitter sowie die "Lanzetten" oberhalb der Radausschnitte.
Ebenfalls ikonisch, zeitlos und mit perfekten Proportionen präsentiert sich auch der Ferrari 250 GT SWB von 1960. Das gezeigte Exemplar ist hellblau lackiert, vielleicht kann man sich so noch besser auf die von Pininfarina gestaltete Karosserie konzentrieren als bei einem roten Auto.
Kommen wir nun zu den französischen Automobilen. Der vom Designer und Bildhauer Flaminio Bertoni gestaltete Citroën DS 19, auch als "Die Göttin" bekannt, beeindruckt nach wie vor. Schon die der Hydropneumatik geschuldete, geduckte Ruheposition der großen Limousine ist typisch für das Auto, auch wenn das kein Designmerkmal ist. Doch auch die Karosserieform und die Details des großen Citroën sind unverwechselbar.
Quasi als Vertreter des Art Déco-Stils erscheint der mächtige Delage D8-120 mit seinem lang auslaufenden Heck, welches man heute wohl "Fastback" nennen würde. Der Entwurf des bei Pourtout gebauten Fahrzeugs stammt von Georges Paulin, der auch den sehr ähnlichen Bentley "Embiricos" entworfen hat. Charakteristisch sind ferner die langgezogenen, tropfenförmigen Kotflügel und die geteilte, fast herzförmige Heckscheibe.
Kunst auf Autos
Zwar mag man die Kühlerfigur des Avions Voisin C 14 Lumineuse als kleines Kunstwerk betrachten, doch die Form des sonst im "Nationalen Automuseum Loh Collection" beheimateten Autos ist es eher nicht. Jedenfalls nicht, wenn man es mit anderen, exzentrischen Modellen von Voisin vergleicht.
Vielmehr geht es nun um die geometrische Bemalung im Art Déco-Stil. Sie geht zurück auf die Malerin Sonia Delaunay (1885-1979) und wurde von der niederländischen Künstlerin Bernadette Ramaekers in sechs Monaten mühsamer Handarbeit realisiert. Der Besucher sollte sich keinesfalls den Blick in das Wageninnere – ebenfalls Art Déco – entgehen lassen.
Weshalb man jedoch noch ein weiteres Auto, einen Bugatti 35 A, mit ähnlicher Bemalung präsentieren musste, erschließt sich dem Besucher nicht ohne weiteres. Jedenfalls ist dies aber der erste Bugatti, der schon in den 1990er Jahren als "art car" gestaltet wurde.
Für das amerikanische Design steht stellvertretend ein Chevrolet Corvette C2 mit geteiltem Heckfenster (sog. "split window"), zu finden in der überdimensionalen Spielzeugschachtel des belgischen Automobilverbands BEHVA.
Für das Design aus jüngster Zeit steht ein Audi TT, zu finden im Bistro. Das Auto mag man stilistisch als "Bauhaus auf Rädern" ansehen.
Schließlich sei noch kurz auf das Design der beiden ausgestellten Motorräder eingegangen, auch wenn es außerhalb des Schwerpunkts von zwischengas.com liegt. Denn die Form der roten Ducati 748 desmoquattro ist zweifellos beeindruckend und das im Zusammenarbeit mit Brough Superior entstandene, extrem gestylte Motorrad Aston Martin AMB 001 (gezeigt wird die Nr. 63 von 100) dürften die wenigsten jemals zu Gesicht bekommen haben. Alles in allem ist dies eine kleine, aber sehenswerte Ausstellung in der Autoworld.
Wie immer lohnt sich noch ein anschließender Rundgang durch das Museum. Als Ergänzung zur Ausstellung kann man z.B. eine Etage höher noch einen Citroën DS 21, einen weiteren Pegaso Z-102 oder auch einen Delage D8 mit Karosserie von d´Ieteren finden. Oder vielleicht sein ganz persönliches automobiles Kunstwerk entdecken.
Weitere Informationen zur Ausstellung "When Automotive Design Becomes Art", die noch bis zum 15. Dezember 2024 stattfindet, gibt es auf der Website der Autoworld Brüssel .










































































































































































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