Wichtig: Der Text wurde automatisch aus dem PDF extrahiert, weshalb Schreibfehler durchaus vorkommen können.
... jeder Nordländer so gerne begrüsst, kroch die Fastenzeit wie eine schwere Schildkröte nur langsam dahin; so mindestens schien es mir, als ich mit dem Ranzen am Rücken ins Gymnasium schritt. Mit der grössten Wonne strich ich einen jeden vergangenen Tag im Kalender durch und träumte von den Ferien, wo wir das strenge, kalte Petersburg verlassen und für zwei Wochen in meine liebe, alte Heimatstadt Nowgorod kommen würden. Endlich war die heissersehnte Zeit unserer Abreise da. Ein langgezogenes, monotones, herzbeklemmendes Glockengeläute, als ob man den Tod eines teuren Verwandten beweinen wollte, empfing mich bei meiner Ankunft in der Heimatstadt. Ueberall bemerkte man dunkelgekleidete Menschen, die in die Kirchen strömten. Ihre blassen, von dem langen Fasten mager gewordenen Gesichter sahen streng und ernst aus. Kein Lächeln und kein lautes Sprechen •wagte die Feierlichkeit der allgemeinen Stimmung zu brechen. Etwas Dumpfes, Trauriges lag in der Luft. Zu Hause roch es nach Sonnenblumenöl, dem «Fasten>-Oel der breiteren Volksschichten, dasan Stelle des kostspieligeren Olivenöls für die Zubereitung der Speisen diente. Mit Fleisch, Wurst, Schinken, Eiern und allen Milchprodukten war es vorbei. Man trank Kaffee mit «magerer> Mandelmilch, und viele fromme Leute mieden sogar den Zucker, der im Verdacht stand, von tierischen Produkten verunreinigt zu sein. In ganz ...
Kommentare