Kaum vorstellbar: Der vorletzte Junisonntag mit einer Rekordhitze von bis zu 37°C und die Innenstadt von Mössingen, am Fusse der Schwäbischen Alb, ist gefüllt wie sonst nie. Verteilt auf 4000 Quadratmetern in der ganzen Stadt bot am 22. Juni 2025 die Kombination eines Rosenmarktes mit einem Kunstmarkt, einem Flohmarkt und einem weitläufig angekündigten Oldtimertreffen Interessantes für wirklich jeden Besucher.
Insgesamt waren 120 Oldtimer angemeldet. Davon trafen viele schon lange vor dem offiziellen Start um 11.00 Uhr ein, schliesslich musste sich jeder noch sein Plätzchen suchen.
Anders als bei grossen Messen kamen hier schnell gute Gespräche zwischen den Besuchern und den Ausstellern zustande, man unterhielt sich eben auf Augenhöhe.
Ein buntes Angebot an Klassikern
Datsun SLR 311
Vor 10 Jahren gekauft, hat der stolze Besitzer den Wagen Stück für Stück in den heutigen Zustand versetzt. Das einzige uns bekannte Auto, bei dem das Radio senkrecht eingebaut wird. Bedienen kann man es mit etwas Übung trotzdem problemlos.
Eigentlich sollte es ein Triumph TR4 werden, aber da tauchte auf der Webseite “mobile.de” ein Datsun auf, auch so kann man zu einem Oldie kommen. Von dem Händler aus Hamburg im Zustand 3-4 zumindest fahrfertig angeliefert, waren umfangreiche Arbeiten, speziell an der Bremse, unabdingbar. Jetzt steht das Auto, immer noch mit Meilentacho, richtig gut da.
BMW 2002 ti
Ein echter Hingucker war der BMW, im typischen colorado orange, mit den bei Alpina nicht unüblichen schwarzen Hauben und Streifen.
Um den zwischenzeitlich montierten 45er Weber-Vergasern nicht die Dämpfe der Motorgehäuseentlüftung zuzumuten, wurde eine TÜV-abgenommene alternative Lösung mit Ölabscheider gefunden, zumal der Luftfilter bereits wegoptimiert war. Der Unterfahrschutz des Vorgängers, der damit Rallyes bestritt, blieb dran.
DKW 1000 S
Vor 50 Jahren wurde der Wagen aus Spass an der Freude gekauft, 1977 mit einem Ersatzmotor bestückt und bei der Gelegenheit auch gleich in der Garage lackiert. Ersatzteile für den Wagen gibt es noch, entweder als Neuteil oder gebraucht über den Klub. Wer nicht selbst schrauben kann, sollte allerdings die Finger davon lassen.
Bei einer Panne musste dem ADAC erst erklärt werden, was das für ein Auto ist. Die Probleme mit der Zylinderkopfdichtung wurden erst später selbst diagnostiziert. Dem Dreizylinder mit Thermosiphon-Wasserkühlung, also ohne Wasserpumpe, sollte das Luftleitblech unter der Stossstange nicht verweigert werden, sonst riskiert man Überhitzungsprobleme. Ungewöhnlich ist auch der Freilauf des Getriebes, an den man sich erst gewöhnen muss. Der Besitzer dieses Wagens hat jedenfalls Freude daran.
BMW Baur Cabrio 2002
Auch dieser seltene Wagen, einer von drei noch existierenden in dieser Farbe, hat eine lange Geschichte hinter sich. Aufwändige Restaurierungsarbeiten, die den Wagen auch auf die Richtbank führten, kosteten viel Zeit, Geld und Nerven. Nach 20 Jahren überwiegt aber die Freude am Fahren, in dem Fall mit freiem Blick nach oben.
Von dem 2002 Cabrio wurden 1971 von Mai bis Juni nur 200 Exemplare gebaut, dann wurde dessen Produktion eingestellt. Die Karosserie war zu verwindungsfreudig. Die nächste Ausführung erhielt einen stabilisierenden Targabügel, damit war das Problem gelöst. Von der ersten Ausführung haben nur sehr wenige überlebt, was dem Wagen auch den Spitznamen „weisser Rabe“ einbrachte.
MG TD
Dieser schöne TD ist, im Vergleich zu seinem Vorgänger TC, mit Scheibenbremsen und Einzelradaufhängung vergleichsweise modern ausgestattet.
Umstehende meinten: „Dees war halt no a Super Blech, dees hebt ewig“, was allerdings nicht wirklich zutrifft. Zerlegt bis auf die letzte Schraube, mit danach verzinktem Rahmen, dauerte es acht Jahre, bis der Brite wieder auf die Strasse durfte. Der Motor wurde komplett überholt, das inzwischen verbaute 5-Gang Ford Getriebe macht keine Probleme. „Jetzt macht mir der Wagen richtig Spass“, meint der Besitzer mit glänzenden Augen. Das eigene Auto “gebaut” zu haben war ihm die Sache wert, nach 32 Jahren ist der Aufwand längst vergessen.
Gesehen werden kann das Auto mit dem “aufgesetzten” Kofferraum bei der Tübingen Classic im August 2025 wieder. Übrigens wird der Oldtimertreff an der Tübingen Classic, organisiert von dem Boxenstop Automobilmuseum in Tübingen, ebenfalls mit weiteren Attraktionen ergänzt, in diesem Fall mit geöffneten Läden und Restaurants in der Altstadt sowie Auftritten von Bands.
Rosensecco, Hüte und Oldtimer
Eine gelungene Veranstaltung, die der Handels- und Gewerbeverein ins Leben gerufen hat. Publikum vom Bodensee bis weit hinter Stuttgart füllte alle Parkmöglichkeiten rund um die Veranstaltung vollständig auf.
Gäste, die ohne konkreten Anlass nicht angereist wären, lernten auch neue, bislang unbekannte Lokale in Mössingen kennen. Rosen- und Gartenfreunde kamen auf ihre Kosten, der Flohmarkt bot für jeden etwas und selbst der Kunstmarkt hatte spezielle Angebote für Autoliebhaber im Programm.
Viele der Besucher, die ursprünglich nicht wegen der schönen Fahrzeuge angereist waren, schauten sich diese an und waren begeistert, was die intensiven Gesprächen mit den Ausstellern zeigten.
Viele verschiedene Stände, an denen es alle möglichen Leckereien zu essen gab, umringt von den unterschiedlichsten Oldtimern, was will man mehr?
Der eine oder andere überlegte sich danach, ob er sich nicht doch das Auto, auf dem er den Führerschein gemacht hat, jetzt einfach leisten solle. Gerade auch jüngere Besucher staunten nicht schlecht, womit Opa und Vater früher zur Arbeit gefahren sind.
Das Konzept, Oldtimertreffen mit anderen Veranstaltungen zu kombinieren, sodass für die ganze Familie etwas geboten wird, ging auf jeden Fall auf. Besser hätte man dieses Hobby einer breiten Öffentlichkeit nicht nahebringen können.


























































































































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