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... hatten eigentlich schon am nächsten Tag weiter fahren wollen — aber nach einer Woche waren wir immer noch im Engadin. Es ließ uns einfach nicht los. Das Licht hatte es uns angetan, dies unirdisch helle, gleichsam in sich selbst durchsichtige Licht, die Luft, kalt und prickelnd wie Sekt, das Rauschen des Windes in den Arvenwäldern, der Duft der von Millionen Blüten überschäumten Hochgebirgswiesen. Wir ließen den Wagen stehen und besannen uns wieder auf den Gebrauch unserer Beine, zumal die schönsten Wege im Engadin für Autos prinzi piell gesperrt sind. Am letzten Tag, bevor wir den Kühler wieder nach Norden wenden mußten, fuhren wir über den Maloja-Paß ins Bergeil hinunter. An jähe Landschaftsund Klimawechsel waren wir ja nachgerade gewöhnt — doch dies hier übertraf alles bisherige. Der Hang ist steil, die Straße wirft sich in einem Dutzend wilder Haarnadelkurven in die Tiefe, die Felswände rechts und links sind gespickt mit Schießscharten und verrostetem Stacheldraht. Mit jeder Kehre wurde die Luft wärmer und weicher, Kastanien und Zypressen traten an die Stelle der Arven und Lärchen, die Namen der Dörfer und Sädtchen, durch die wir ka men, läuteten im Ohr wie Bronzeglocken: Vicosoprano, Borgonuovo, Promontogno . . . Das Bergeil ist in Landschaftscharakter und Sprache rein italienisch. Dann kam die Abzweigung nach Soglio. Ein rührend schmales Sträßchen ...
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