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JM2017:

Vergessene Autos aus Fernsehserien - Doyles Ford Escort RS 2000

Bruno von Rotz - 06.12.2016

Ford Escort RS 2000 von 1977 aus der Fernsehserie "Die Profis"

Sie hiessen Raymond Dolye und William Andrew Philip Bodie und waren Teil einer speziellen Task Force namens CI5, die im Kampf gegen das Verbrechen aufgebaut worden war. “The Professionals” (oder in der deutschen Synchronfassung “Die Profis”) hiess die Fernsehserie, die von 1977 bis 1981 im Original erschien.

Heckansicht des Ford Escort RS 2000 von 1977 aus der Fernsehserie "Die Profis"

Dass es im Kampf mit Terroristen und Gewalttätern actionreich daher ging, versteht sich von selber und natürlich brauchten die Jungs auch passende Fahrzeuge. Nach einigen Versuchen mit Leyland-Produkten kamen hauptsächlich Ford-Modelle zum Einsatz, Doyle durfte am Schaltknüppel eines Ford Escort RS 2000 mit schwarzem Vinyldach und Jahrgang 1977 rühren.

Auf Abwegen - Ford Escort RS 2000 von 1977 aus der Fernsehserie "Die Profis"

Dass er des öfteren mehr quer als grad auf der der Strasse stand versteht sich fast von selber. Leider wurde der Wagen im Laufe der Dreharbeiten gestohlen, so dass hinterher vermehrt Capri-Modelle vor der Kamera standen, mit denen man die Sendung, die noch heute auf diversen Fernsehstationen gezeigt wird, in Verbindung bringt.

Wer Ford-Modelle der Siebziger- und Achtzigerjahre liebt, kommt auf jeden Fall bei den Profis nicht zu kurz, auch der Granada ist zu sehen und der damaligen Taunus, der in Grossbritannien bekanntlich Cortina hiess.

 

Die Zukunft von damals - Volvo Tundra

Bruno von Rotz - 05.12.2016

Volvo Tundra von 1979 (© Volvo)

Im Jahr 1979 feierte auf dem Genfer Automobilsalon eine Studie von Bertone Weltpremiere.

Max Stoop beschrieb den Volvo Tundra in der Automobil Revue ausführlich:

“Auf ein erstes Glanzlicht stossen wir bereits am Stand von Bertone. Es handelt sich um eine Weltneuheit, die diesen Namen zu recht verdient: sie nennt sich «Tundra» und basiert auf dem holländischen Volvo 343; doch nichts mehr an der futuristisch, aber keineswegs überspannt anmutenden Karosserie erinnert an den Serienwagen, auch wenn sie, wie dieser, über zwei Türen und eine Heck- klappe verfügt.

Front des Volvo Tundra von 1979 (© Volvo)

Der Aufbau ist in grossflächigem, kantigem, für viele Bertone-Schöpfungen der letzten Jahre typischem Stil gezeichnet worden, und die rundum grosszügig ausgelegte Verglasung weist fast keine toten Winkel mehr auf. Die Scheinwerfer sind versenkbar, und der asymmetrische Kühlergrill, der durch seine Gestaltung die Zugehörigkeit des Wagens zur schwedischen Marke dokumentiert, ist - vergleichbar mit dem Fiat Ritmo - völlig in den massiven Stossfänger integriert. Chrom fehlt am Tundra völlig. Bemerkenswert neuartig ist die Dachlinie, die oberhalb, den hinteren Seitenfenstern weiter herunterzogen wurde als bei den Türen, was die Aufteilung der Flächen belebt.

Interieur des Volvo Tundra von 1979 (© Volvo)

Das Innere weist Wildlederbesatz auf, und das Armaturenbrett wurde mit Digital-Instrumenten bestückt, in deren Mittelpunkt eine breite Skala steht, die Abweichungen der mittleren Betriebswerte wie Temperaturen, Öldruck usw. sofort grafisch wiedergibt.

Der Tundra ist niedriger und kürzer, jedoch breiter als der Volvo 343. Vergrössert wurden die Spur- weiten sowie die Raddimensionen. Die von Bertone entworfenen Felgen weisen die Abmessungen 6x14 statt 5x13 auf. Der Tundra ist eine ernstzunehmende, wirklichkeitsnahe Studie.”

Auf demselben Salon gab es auch den Bertone Lancia Stratos Sibilo zu sehen, der teilweise sicherlich ähnliche Stilmerkmale zeigte, in seiner Ganzheit aber deutlich extremer war.

Der Volvo Tundra wurde übrigens von Marcello Gandini gezeichnet. Die offenbar zu extreme Linienführung stiess bei Volvo nicht soweit auf offene Türen, dass man den Wagen in ähnlicher Form in Produktion gegeben hätte.

Citroën BX von 1982 (© Citroën)

Bertone aber gelang es, eine andere Firma von der Linie zu überzeugen, nämlich Citroën . Im Juni 1982 wurde der BX unter dem Eiffelturm vorgestellt und die Verwandschaft mit dem Volvo Tundra Konzeptfahrzeug, aber auch dem Reliant FW11 von 1978 war augenscheinlich.

Als BX kam der Wagen schliesslich auf über 2,3 Millionen produzierte Exemplare, vielleicht wäre er ja auch als Volvo erfolgreich gewesen?

 

Herzliche Gratulation zum 70. Geburtstag!

Daniel Reinhard - 04.12.2016

70 Jahre AMS - Auto Motor und Sport (© Daniel Reinhard)

1946 gründeten Paul Pietsch, Ernst Troeltsch und Josef Hummel im fast völlig zerstörten Freiburg im Breisgau die Motorsport GmbH. Grund dafür war die Hoffnung, damit vielleicht ihr Hobby, den Motorsport, über eine eigene Autozeitschrift zu finanzieren. Nach ewig langen Verhandlungen mit der französischen Militärregierung in Baden-Baden erschien im Dezember 1946 zum ersten Mal die 36 Seiten starke Zeitschrift "Das Auto" . Die 1.50 Reichsmark teure Zeitschrift entstand fortan im Schlafzimmer von Paul Pietsch.

Das eigentliche "auto, motor und sport" war die Weiterentwicklung und entstand 1951 in der Kooperation mit dem Vogel-Verlag. Gründer Paul Pietsch verstarb 2012 im hohen Alter von 100 Jahren. Sein Heft aber lebt weiter und feiert nun bereits den 70. Geburtstag. Das Blatt gilt als Automobil-Bibel bei den Werken und der breiten Leserschaft. Patricia Scholten auf die Frage was ihren Vater am meisten ärgern konnte: "Wenn er mal einen Beitrag im Heft fand, der lieblos gemacht war."

Genau hier liegt der Erfolg des Blattes begründet, denn immer wieder überraschen uns die Redakteure mit genau diesen "liebevoll" gemachten Geschichten rund um das Automobil.

Es ist nicht selbstverständlich, ein Erfolgsblatt auf einem so hohen Niveau über sieben Jahrzehnte zu halten, dazu braucht es die richtigen Leute die bereit sind, sich Tag und Nacht dafür einzusetzen.

Nun liegt eine 290 Seiten starke "auto, motor und sport - Edition - Die besten Geschichten - 70 Jahre auto, motor und sport" am Kiosk. Eine Zusammenfassung von speziellen Geschichten aus sieben Jahrzehnten. Die Auswahl der Geschichten ist sicher subjektiv zu beurteilen und aus einer Fülle von tausenden von Geschichten auch nicht ganz einfach auszuwählen. Leider sind, im Verhältnis gesehen, die spannenden und den jungen Lesern weniger bekannten 50-, 60- und 70-er-Jahre eher etwas zu kurz gekommen. Vergessen ging vielleicht auch eine interne "making of" - Geschichte. Da gäbe es wahrlich unendlich viel Aufregendes und Spannendes zu erzählen. Geschichten etwa, die sich nicht nach Wunsch entwickelten; oder aber solche, die viel besser wurden als je erwartet. Interessant wäre auch ein Rückblick in die Zeit vor dem Internet gewesen, beispielsweise wie das analoge Film- und Textmaterial schnellstmöglich von Australien nach Deutschland gelangen konnte. Wie oft wurden Nächte durchgefahren, egal ob bei Regen oder Schnee, nur um rechtzeitig mit Bild und Text in Stuttgart zu sein …

Das Eine fehlt, das Andere erfreut umso mehr, wie der Bericht von Manfred Jantke über den Besuch bei Autodelta, Fritz B. Buschs textliche Meisterleistung über den Jaguar E-Type oder die letzten drei überlebenden Starter beim ersten F1-GP von England in Silverstone vom 13. Mai 1950, geschrieben ein halbes Jahrhundert später. 

Die Fülle an Geschichte, sowie deren liebevolle Aufbereitung verdient ein ganz grosses Lob. EUR 11.90 oder CHF 19.00 kostet der zwei Zentimeter dicke, broschiere Wälzer zu 70 Jahren "auto, motor und sport”. Das ist er auch wert, bringt er doch viel Unterhaltung ins Wohnzimmer.

Den Stuttgarter Kollegen übermitteln wir die herzlichsten Glückwünsche, wünschen weiterhin frohes Schaffen und freuen uns schon jetzt auf die Sonderedition "100 Jahre auto, motor und sport".

 

Letzte Gelegenheit, das Monteverdi-Museum zu besichtigen

Bruno von Rotz - 03.12.2016

Einer von drei Monteverdi Hai im Monteverdi-Museum

Es gehört fast zum Inventar, das Monteverdi-Museum in Binningen. Seit Mitte der Neunzigerjahre ist es das Zentrum der Monteverdi-Welt. 70 Autos auf rund 4000 Quadratmetern, die grösste Sammlung auf der Welt.

Von der Limousine bis zum Formel 1 Monoposto - Monteverdi-Museum

Beginnend mit dem Monteverdi Special auf den frühen Fünfzigerjahren, über die MBM-Zeit mit Monoposti und Sportwagen, bis zur goldenen Ära der eleganten Gran Turismo Coupés und Cabriolets der späten Sechziger- und frühen Siebzigerjahre, also die 375 S und L und wie sie alle hiessen, gibt es alle Typen zu sehen in Binningen. Natürlich auch den Hai, genauer gesagt drei Viertel der gesamten Produktion des Hais, jenem Mittelmotorsportwagen, der im Auto-Quartett immer zu den Supertrümpfen zählte. Auf den drei Stockwerken des Museums gibt es natürlich auch die Monteverdi-Geländewagen und die Limousinen der Siebziger- und Achtzigerjahre zu sehen, die Fahrzeuge die auf fremden Fahrgestellen entstanden.

Monteverdi-Geländewagen im Museum

Das Besondere am Museum ist aber, dass es sich eben in den ehemaligen Produktionsräumen befindet, dass man auch die damaligen Utensilien, z.B. das Zeichenbrett oder die Holzform des Monteverdi Hai sehen kann.

Monteverdi Hai als Fertigfahrzeug, Chassis und Holzmodell im Museum

Aber bald ist das Museum Geschichte, die Fahrzeuge ziehen zum Teil nach Luzern ins Verkehrshaus (siehe News). Das wird sicherlich auch interessant, aber das Ambiente der alten Fabrikationsumgebung ist dann natürlich passé.

Monteverdi 375 L von 1973 im Museum

Wer es noch einmal (oder zum ersten und letzten Mal) sehen möchte, der sollte sich heute, am Samstag, den 3. Dezember 2016, auf nach Binningen bei Basel (Oberwilerstrasse 20) machen, denn heute und nur heute werden die Museumstüren nochmals der Öffentlichkeit geöffnet. Eine weitere Gelegenheit wird es wohl kaum geben, zumal der Eintritt kostenlos ist.

Informationen zum Museum sind auf der Website zu finden.

 

Bentleys mit acht Litern unter sich

Bruno von Rotz - 02.12.2016

Bentley 8 Litre im Sommer 2016 (© Peter Singhof)

Sie sind richtig rar, die Bentley Tourenwagen und Limousinen mit Achtlitermotoren, vor allem die noch fahrbaren Exemplare. Umso spezieller ist sicherlich eine Rallye, die nur mit solchen Fahrzeugen durchgeführt wird.

Bentley 8 Litre im Sommer 2016 (© Peter Singhof)

Franco und Käthi Weibel, glückliche Besitzer eines dieser raren Autos, hatten die Mühe auf sich genommen, eine grössere Rundfahrt für die Bentley-Achtliter-Fahrzeuge zu organisieren, im Juni 2016 war es dann soweit, nach viel Vorbereitung und noch mehr Recherche, um überhaupt die Teilnehmer ausfindig zu machen. Sie kamen dann auch von überall her, die Briten natürlich auf Achse, die Amerikaner und Australier per Flugzeug.

Bentley 8 Litre im Sommer 2016 (© Peter Singhof)

Der Bentley 8 Litre wurde im September 1930 angekündigt, es war das letzte Modell, bevor die Marke an Rolls-Royce überging. Es war der richtige Wagen zur falschen (weil wirtschaftlich schwierigen) Zeit, gerade einmal 100 Chassis konnten gebaut werden bis ins Jahr 1932. Viele erhielten geschlossene Aufbauten, manche davon wurden später zu Tourern umgebaut. Heute sollen noch gegen 80 der Fahrgestelle existieren.

Bentley 8 Litre im Sommer 2016 (© Peter Singhof)

Die Rundfahrt war auf sechs Tage ausgelegt, in denen 900 km zurückgelegt wurden, auf den schönen Strassen des Schwarzwalds und des Schweizer Juras. Es wurde also viel gefahren, aber vor allem wurde die Kameradschaft gepflegt, die insbesondere dann zum Tragen kam, wenn einer der Wagen mit Problemen zu kämpfen hatte.

Bentley 8 Litre im Sommer 2016 (© Peter Singhof)

Einen umfangreichen und unterhaltsamen Rallye-Bericht (in englischer Sprache) gibt es auf der W.O.Bentley-Website des australischen Clubs, er ist mit stimmungsvollen Bildern von Wolfgang und Peter Singhof illustriert, von letzterem stammen auch die hier gezeigten sechs Fotos.

Bentley 8 Litre im Sommer 2016 (© Peter Singhof)

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Als der VW Käfer endgültig entthront wurde - von Renault 4, Fiat 850 und Simca 1000 LS

Bruno von Rotz - 01.12.2016

Vergleich der günstigen Autos  im Jahr 1967 (© AMS)

Der VW Käfer 1200 war ein geräumiger Viersitzer mit klassenlosem Image und hervorragender Fertigungsqualität. So sah man dies zumindest im Jahr 1967 bei der Zeitschrift “Auto Motor und Sport”. Der Käfer war bei weitem das meistverkaufte Auto in seiner Klasse, Import-Konkurrenten waren weitgehend chancenlos im Markt.

Doch auch der Beste muss sich immer wieder gegen seine Alternativen behaupten und so stellten ihn die AMS-Macher - in einem grossen Vergleichstest, der über zwei Heftnummern und insgesamt 27 Seiten dokumentiert wurde - anderen günstigen Autos gegenüber, nämlich dem Citroën 2 CV 6, dem Simca 1000 LS, dem Fiat 850 und dem Renault 4 Export.

Es waren allesamt betagte Konstruktionen, die da verglichen wurden, nur gerade der Fiat 850 befand sich noch in seiner Jugendzeit, mit rund drei Jahren Bauzeit bis dahin. Die Ente war schon 1949 vorgestellt worden, der Renault 4 und der Simca 1000 im Jahr 1961. Die Konstruktion des Käfers aber ging sogar noch auf die Dreissigerjahre  zurück, richtig abheben konnte er dann in den späten Vierziger- und Fünfzigerjahren.

Da passt es gut ins Bild, dass drei der fünf Testfahrzeuge - Käfer, Simca, Fiat - den Motor und Antrieb hinten hatten, während die Renault und Citroën natürlich Frontmotor und angetriebene Vorderräder aufwiesen. 

Titelblatt AMS 21 1967

Die Redakteure der Zeitschrift Auto Motor und Sport überliessen nichts dem Zufall, massen alles aus, was man messen konnte, und scheuchten die Autos um Kurven, bis es ihnen fast die Reifen von den Felgen zog. Mangelnde Sorgfalt konnte man ihnen sicherlich nicht vorwerfen.

Sie verglichen auch die Preise, die damals zwischen DM 4460 (Fiat 850) und DM 5295 (Renault 4 Export) lagen, der Käfer lag in der Mitte bei DM 5045, die Ente kostete 4597, der Simca 1000 LS DM 4998. Also im Schnitt rund DM 5000, die wären dann um die Jahrhundertwende in etwa EUR 2550 umgetauscht worden. Ja das waren wirklich günstige Autos!

Der Käfer schlug sich achtbar, immerhin beschleunigte er in 26.8 Sekunden auf 100 km/h und lief 118,4 km/h Spitze. Doch andere konnten dies genauso besser wie sie weniger verbrauchten. Der Normalbenzin-Käfer genehmigte sich 10,6 Liter pro 100 km, der Citroën 2CV 7,3, der Renault 4 7,6 und der schnelle Fiat 850 9,0 Liter.

So kam es, wie es kommen musste. Die deutlich jüngeren Konkurrenten liefen dem eigentlich damals schon zum Oldtimer gewordenen Käfer den Rang ab. Dritter, einen Rang vor dem Käfer, wurde der Simca 1000 LS (343 Punkte), Zweiter der Fiat 850 (344 Punkte) und Sieger der Renault 4 Export mit 373 Punkten. Für ihn sprachen Zweckform, gute Raumausnutzung, ausreichend Platz für vier Personen, vier Türen, ein gut nutzbarer Kofferraum und ein sehr guter Federungskomfort. Für den Käfer gab es nur 324 Punkte und als Schlusslicht kam die Ente auf 301 Punkte.

Der Renault 4 konnte übrigens drei der fünf Testdisziplinen - Karosserie, Motor/Leistung, Handlichkeit/Bedienung, Fahrkomfort, Fahrsicherheit - für sich entscheiden, der Käfer keines. Bei “Motor/Leistung” siegte der Fiat 850, in der “Handlichkeit/Bedienung” schwang er ebenfalls obenauf.

Fast 50 Jahre später sieht es in der Käufergunst zumindest in unseren Breitengraden anders aus. Am beliebtesten ist der VW Käfer, gefolgt vom Citroën 2 CV und so langsam dem Renault 4, während Fiat 850 und noch mehr der Simca 1000 kaum eine grosse Rolle in den “Oldtimer-Hitparaden” spielen. Bei Käufern von Klassikern gelten eben andere Kriterien als bei den AMS-Testern vor 50 Jahren.

 

Die verpasste Chance - ein besonderer Citroën DS

Bruno von Rotz - 30.11.2016

Citroën DS 21 von 1971 (© Oldtimer Galerie Toffen)

Am letzten Samstag (26. November 2016) wurde in Toffen auch ein Citroën DS 21 als Lot 17 aus dem Jahr 1972 versteigert. Es ging kein verwertbares Gebot, der Wagen wurde nicht verkauft.

Dabei handelte es sich um das Auto, den einst Mike van Audenhove, respektive dessen Familie gefahren hatte. Und Autos von berühmten Leuten erzielen doch gemeinhin höhere Leute.

Doch vermutlich kannten die Bieter in Toffen van Audenhove nicht. Dieser Mike, ein leider 2009 bereits im Alter von 51 Jahren verstorbene Künstler, zeichnete berufsmässig Comics-Strips.

Comic von Mike van Audenhove

Sie wurden sogar ziemlich bekannt als “Zurich by Mike”, mehrere Bücher der unterhaltsamen und zum Nachdenken motivierende Einseiten-Geschichten, die jeweils im “Züritip” des Tages Anzeigers erschienen, wurden gedruckt. Und sie waren sehr beliebt. Zumindest bei den Zürchern und natürlich den Baslern, die sich so über die Zürcher lustig machen konnten.

Also ein Comic-Zeichner, aber damit ist man ja noch nicht unbedingt wer. Richtig. Allerdings wurde gerade kürzlich eine Originalseite eines Tim-und-Struppi-Comics für 1,55 Millionen Euro des Jünstlers Hergé versteigert. Aber das macht Mike van Audenhove immer noch nicht zu einem richtigen Künstler, wobei man sagen müsste, dass auch Roy Lichtenstein im Prinzip nur grosse Versionen von Comics-Zeichnungen malte …

Nun sei’s drum, der Wagen wurde nicht verkauft. Vielleicht hätte ich bieten sollen, denn schliesslich habe ich den Mike anfangs der Neunzigerjahre persönlich kennengelernt, als er für mich damals einige individuelle Zeichnungen für eine Marketing-Kampagne anfertigte, die wirklich sehr gut gelangen. Er machte dies noch (natürlich) noch ohne Computer damals. Und bekannt war er in jener Zeit auch noch nicht. Ich kann mich nicht einmal erinnern, wie wir auf den Mann gestossen waren.

Aber genau das ist der Punkt, 1991 kannte ihn noch kaum jemand, Mitte der 2000-er-Jahre war er eine lokale Berühmtheit und in 50 Jahren werden seine Originalzeichnungen dann vielleicht für Millionen gehandelt. Spätestens dann hätte ich mir gewünscht, diesen Citroën gekauft zu haben. Wetten?

 

Wie der Vater so der Sohn - herzliche Gratulation Nico Rosberg

Daniel Reinhard - 29.11.2016

Keke und Nico Rosberg (© Daniel Reinhard)

Endlich hat nach Graham und Damon Hill auch die Familie Rosberg zwei WM-Titel im Sack. Beide Familien-Weltmeister verbindet die Zahl 34, denn zwischen den beiden Generationen-Doppeltiteln vergingen jeweils exakt 34 Jahre.

Nico hat, wie sein Vater Keke 1982, den Titel mit weniger Siegen als sein Gegner ins Trockene gefahren. Nico verlor gegen Hamilton mit 10 zu 9 und Keke schaffte es sogar mit nur einem einzigen Laufsieg. Seine Gegner Prost, Lauda, Pironi, Watson, und Arnoux. Sie konnen alle je zwei Grand-Prix-Siege verbuchen. Es war eine andere Zeit.

Keke fuhr insgesamt 114 GPs, holte dabei 5 Siege, 17 Podestplätze, 5 Pole Positions und 3 schnellste Rennrunden.

Nico schaffte bis jetzt bei 206 Starts 23 Siege, 57 Podestplätze, 30 Poles und 20 schnellste Rennrunden. Diese Zahlen können sich sehen lassen.

Auch wenn Lewis Hamilton als der stärkere Fahrer gilt, so ist Nicos Erfolg doppelt hoch einzustufen. Vermutlich hätte Hamilton ohne den Motorschaden in Malaysia gewonnen, aber trotzdem verlor Nico die Nerven nicht und fuhr auch das letzte Rennen fehlerlos nach Hause. Hamilton versuchte in Abu Dhabi noch das Unmögliche, indem er verlangsamte und sich sehr breit machte, nur um Vettel und Verstappen absichtlich in Rosbergs Nähe zu bringen. Eigentlich hätte Nico Vettel vorbeiwinken sollen, um ihn auf Hamilton zu hetzen, doch vermutlich erschien ihm Sebastian die angenehmere Rückendeckung als Verstappen. 

Keke und Nico Rosberg vor vielen Jahren (© Froidevaux / Archiv Reinhard)

Egal und ganz ohne Wenn und Aber, Nico hat es geschafft und dazu gratulieren wir ihm doch ganz herzlich.  Und als Väter freuen wir uns auch für Keke, der sicherlich mächtig stolz auf seinen Stammhalter ist.

 

Die Reifen sind doch ein Problemfeld beim Oldtimer

Bruno von Rotz - 28.11.2016

Teaser Frage der Woche 71 - Ersatzreifen

Von Anfang an waren sie Verbrauchsmaterial, die Reifen des Autos. Wenn sie kein Profil mehr hatten oder zu alt wurden, dann ersetzte man sie einfach.

Der Reifen entwickelte sich stetig weiter, sein Grössen-Breiten-Verhältnis änderte über die Zeit genauso wie die Profile und die Mischungen. Die Pneuhersteller erfanden in Zusammenarbeit mit den Fahrzeugbauern immer wieder neue “revolutionäre” Ansätze, wie man Reifen sicherer und besser machen könne, Beispiel dafür sind die “Runflats” oder das Michelin TRX-System.

Ist eine einst hochgelobte Technik überholt, schwindet auch das Interesse der Hersteller für genügend Nachschub zu sorgen. Ist eine Dimension nicht mehr gefragt, weil sie nur selten (oder vielleicht sogar nur einmal) verwendet wurde, kann das Angebot schnell versiegen. Für Gegendruck sorgen die vielen Reifenfabrikanten im Markt, die auch den Oldtimer als wertvolle Nische erkannt haben.

Aber reicht dies? Ist das Beschaffen von Ersatzreifen für alte Autos problemlos oder doch nicht? Dies wollten wir mit unserer letzten “Frage der Woche” herausfinden.

Und siehe da, so ganz einfach ist es sicherlich nicht, denn über die Hälfte (55%) der 255 Antwortenden findet, dass es zwar die passenden Reifen prinzipiell noch gäbe, sie aber nicht immer verfügbar und je nachdem auch teuer seien.

11% leidet unter dem Problem, dass es keine passenden Reifen mehr gibt für ihren alten Wagen, es muss auf eine Ersatzdimension ausgewichen werden.

27% gab zu verstehen, dass Ersatzreifen in der richtigen Dimension immer verfügbar und auch bezahlbar seien. Und 5% konnte sich in keiner der vorgegebenen Antworten wiederfinden.

Es gäbe also schon etwas zu tun im Reifensektor, könnte man als Erkenntnis aus dieser Umfrage mitnehmen, aber es gibt wohl auch drückendere Probleme im Oldtimersektor.

Hier noch die Ergebnisse grafisch dargestellt:

Poll 71 - Ergebnis

Die Auswertungen der bisherigen Fragen der Woche können können alle in einem eigens eingerichteten Themenkanal nachgelesen werden.

Und bereits wurde eine nächste Frage der Woche gestellt. Dieses Mal geht es darum, ob die Ersatzteilbeschaffung bei untergegangenen Marken schwieriger ist als bei noch existierenden Fahrzeugherstellern.

 

Der zweitürige BMW-Kombi, den es vor dem E30 Touring gab

Bruno von Rotz - 27.11.2016

BMW 325iX Sportkombi aus dem Jahr 1985

Das ist ja nichts besonderes, denkt man zuerst, ein BMW 325ix Touring halt. Doch aufgepasst, etwas stimmt da nicht. BMW stellte den E30 Touring 1987 an der IAA vor, doch das hier gezeigte Foto wurde bereits im Frühling 1986 publiziert. Und ja, es zeigt einen E30 vor dem 87-er-Facelift. Und zweitürig ist der Sportkombi noch dazu. Nanu?

Tatsächlich gab es die Firma Luchjenbroers BV in den Niederlande, die sozusagen als Nachfolger der von 1971 bis 1974 verkauften Touring-Modelle auf 1602/2002-Basis Mitte der Achtzigerjahre BMW-Modelle zum Sportkombi umbaute. Die Umwandlung durfte optisch als geglückt gelten, allerdings war sie mit damals mit 10’500 Franken (gemäss Berichterstattung in der Automobil Revue) auch etwas teuer. Immerhin konnte man aber alle 3-er umbauen und so entstand eben auch die dreitürige Variante. Dies konnte durch ein zusätzliches Body-Kit noch sportlicher aufgemacht werden, das Bild zeigt eine derartig aufgerüstete Variante. Man konnte sich das Kombi-Heck aber auch am ganz normalen 316i montieren lassen.

BMW 325iX Touring 1987 (© BMW AG)

Die BMW-Version gab es dann nur fünftürig und, wie bereits erwähnt, erst nach der grossen Modellpflege. Die offizielle Version dürfte dann aber wohl das Ende der (teureren) Luchjenbroers-Variante gewesen sein. Allzu viele sind nicht entstanden und die Überlebenden werden heute von Sammlern gehätschelt.

 

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