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    Der Berg ruft - Porsche Bergsport - Buchbesprechung

    8. Dezember 2011
    Text:
    Holger Merten
    Fotos:
    Porsche Archiv 
    (3)
    Archiv 
    (1)

    Der Titel des Buches "Porsche Bergsport" lässt eher auf ein Alpinistenabenteuer der Familie Porsche als auf wahren Motorsport schliessen. Nun, ein Abenteuer - und zwar ein teueres - war der Motorsport für das kleine Stuttgarter Familienunternehmen immer. Lesen wir also, was sich am Berg zwischen 1957 und 1969 zugetragen hat.

    Mitte der 50er-Jahren entscheidet die FIA auf ihrem Herbstkongress in Paris, eine Europa-Bergmeisterschaft durchzuführen und an die erfolgreichen Veranstaltungen aus der Zwischenkriegszeit anzuknüpfen. Schnell erliegt auch das Publikum wieder dem Kampf des Einzelnen gegen den Berg und die Uhr. Bergrennen sind in Europa ebenso populär wie F1-Rennen.

    Porsche als dominierende Marke im Bergsport

    Auf Anhieb erkennt auch Porsche in Stuttgart die Strahlkraft dieser Wettbewerbe und das Potential der eigenen Wagen im Kampf um die Krone an Berg. Was 1957 zaghaft mit umgebauten  Rennwagen beginnt, artet mit den Jahren im Kampf um PS/kg zu einem Fight zwischen Porsche, Abarth, Ferrari, Borgward, Alfa Romeo und BMW aus.

    Während der gesamten Austragung der Meisterschaft zwischen 1957 und 1969 ist Porsche die dominierende Marke des begehrten Championats. In dieser Zeit bringen die Sportwagenbauer nicht weniger als zehn unterschiedliche Wettbewerbswagen an den Start und neun Meistertitel zurück nach Stuttgart.

    Rennen, Fahrer, Fahrzeuge und Strecken im Faktenbuch

    Das Buch des Autorenquartetts Jörg-Thomas Födisch, Rainer Rossbach, Michael Behrndt und Jost Neßhöver nimmt die Meisterschaft - an denen sowohl die Werke als auch zahlreiche Privatfahrer teilnehmen - chronologisch unter die Feder und geht Meisterschaft für Meisterschaft, Rennen für Rennen aus der Sicht von Porsche durch. Gut die Hälfte des Buches ist den Rennen gewidmet. Zahlreiche bisher eher unbekannte Fotos runden den Eindruck dieser Rennveranstaltungen und ihrer Protagonisten ab.

    Die Chronologie wird durch 22 ausführliche Porträts der populärsten Fahrer, die Dokumentation der wesentlichen Wettbewerbsfahrzeuge und die Darstellung der verschiedenen Austragungsstrecken inkl. Streckenskizze ergänzt. und wer wissen will, wer gewonnen hat, erhält am Schluss des Buches die Rennergebnisse.

    So wird ein Einblick in eine längst vergessene Zeit des Motorsports gewährt. Dieses Buch war längst überfällig, setzt es dem Porsche-Engagement endlich einmal ein Denkmal. Und der Leser erhält über die ausgewählten Bilder einen Eindruck wie es damals zu- und herging. Durch den Statistikteil, der auch die Konkurrenz mit einschliesst, bringt die Lektüre selbst dem Laien das Flair dieser Rennen näher. 

    Leider, leider aber reichen 200 Seiten des durch Wolfgang Seidl gestalteten Buches nicht aus, dieser Epoche bei Porsche vollauf gerecht zu werden. Entweder ist der Umfang zu klein oder der Anspruch zu gross. Interessierte Leser, Kenner dieser Historie, erhalten bestenfalls einen Faktenteil. Die Hintergründe bleiben auf der Strecke. Jedes Jahr ein Kapitel mit einer der Einführung, den Regeln, den Teilnehmern, Veränderungen und Austragungsorten auflistet. Anschliessend bekommt  jede Veranstaltung knapp zwischen zwei bis zu zehn Sätzen Kommentar. Das ist nur der bekannte Tropfen auf den heissen Stein. Und zu wenig.

    Alles in allem eine längst fällige Übersicht der Europa Bergmeisterschaft. Aber durch die Reduktion aufs Wesentliche eben nur ein Faktenbuch. 50 oder 100 Seiten mehr im Kapitel zu den Renneinsätzen hätten deutlich mehr Eindruck hinterlassen. Und wir hätten mehr darüber gewusst, was sich wirklich zugetragen hat.

    Die bibliographischen Angaben

    Porsche Bergsport: Europa-Bergmeisterschaft 1957 - 1969 von Jörg-Thomas Födisch, Rainer Rossbach, Michael Behrndt und Jost Neßhöver, 204 Seiten, 232 s/w und 12 farbige Abbildungen, Delius Klassing, ISBN-13: 978-3768833615, Richtpreis 29,90 Euro



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