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Springende Mustangs - Shelby, Bullitt und Eleanor
Bruno von Rotz - 04.05.2011 |
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Steve McQueen fährt als Polizei-Agent im Film “Bullitt” einen dunkelgrünen 68-er Ford Mustang GT 390, als er von einem schwarzen 440er Dodge Charger verfolgt wird, das Spiel geschickt umdreht und sich nun seinerseits auf die Verfolgung des bösen Buben im Dodge macht und mit eindrucksvollen Sprüngen über das Auf-und-Ab von San Francisco donnert.
Noch weiter aber ist der Sprung, zu dem Nicolas Cage als Autodieb in einem 1967er Shelby Mustang GT 500, von ihm liebevoll “Eleanor” genannt, im Film “Gone in 60 Seconds” (deutscher Titel: Gestohlen in 60 Sekunden) ansetzt und dabei gleich ein Dutzend andere Autos unter und diverse Verfolger hinter sich lässt - allerdings wohl nur dank ausgefeilter Stunt- und Film-Technik.
Die beiden Fahrzeuge wurden damit zu Kultobjekten, aber sie sind nur ein kleiner Ausschnitt aus der Typenvielfalt rund um den Mustang-Clan.
Es begann mit Mittelmotor und vier Zylindern
Der erste Ford Mustang hatte den Motor nicht vorne und keinen amerikanischen Bigblock-Achtzylinder. Der erste Mustang vom Jahr 1962 war ein Prototyp mit einem (deutschen) Vierzylinder-Mittelmotor in V-Bauweise und der mageren Ausgangsleistung von 89 PS für die Strassenversion.
Dieses Konzept erschien Lee Iacocca aber nicht marktfähig und er verlangte nach einem grösseren viersitzigen Sportcoupé mit einem “richtigen” Motor, der klassischen Bauweise folgend. Und so entstand der Ford Mustang, der erste sogenannte “Pony Car”.
Die zivilen Mustangs
1964 führte Ford den neuen Mustang ein und landete von Anfang an einen Riesenerfolg. Schon kurz nach Start der Produktion reichten die Kapazitäten von 600’000 Fahrzeugen pro Jahr kaum mehr aus. Die ersten Mustang wurden mit Sechs- und mit Achtzylinder-Motoren und mit Cabriolet- oder Coupé-Karosserie ausgeliefert. Über die Jahre wurden die Fahrzeuge immer wieder verändert und dem Publikumsgeschmack angepasst, wurden grösser und immer bulliger.
Eine eigentliche Sportskanone war der Massen-Mustang aber nicht, zu schlecht waren die Bremsen und zu schwammig das Fahrwerk. Dies fanden zumindest die zeitgenössischen Testberichte.
Der Rennfahrer Carroll Shelby legt Hand an
Carroll Shelby, ein erfolgreicher amerikanischer Rennfahrer, hatte bereits mit seiner AC Cobra Aufsehen erregt und konnte auf seine gute Beziehung zu Ford bauen. Mit dem Shelby Mustang nutzte er seine Erfahrungen mit den grossen Fordmotoren und dem Rennsport. 100 Exemplare mussten für die Sporthomologation pro Jahr mindestens hergestellt werden, ein Ziel das Carroll problemlos übertraf.
Zwei Versionen des Fastback-Coupés konnte man bestellen, eine Strassenversion für 4’311 Dollar oder eine Rennsportversion, die in der Schweiz für günstige 20’900 Franken angeboten wurde. Zum Vergleich, ein Porsche 912 kostete damals 21'950 Franken, eine Alfa Romeo Giulia GTA 23'450 Franken und ein VW Käfer waren ab 6'250 Franken zu haben.
Die Strassenversion unterschied sich bereits deutlich vom “normalen” Mustang, fielen doch die Rücksitze der Umwandlung genauso zum Opfer, wie Teile der Verkleidungen und Polsterung. Die Motorhaube bestand aus Kunststoff, die Serien-Bremsen mussten einer Hochleistungsbremsanlage (vorne belüftete Bremsscheiben von Kelsey Hayes, hinten verbreiterte Trommelbremsen mit harten Rennbremsbelägen) weichen.
Noch weitergehend zeigten sich die Anpassung am 289-er-Motor und am Getriebe: Vierfach-Holley-Vergaser, Optimierungen an Ein- und Auslass, grössere Ölwanne, dämpfungsarme Auspuffanlage, ein Sportgetriebe (Warner T 10), breitere Räder, direkt ausgelegte Lenkung (3,5 Lenkradumdrehungen von Anschlag zu Anschlag), geänderte Aufhängungen und Dämpfer (u.a. tiefergelegte Anlenkungspunkte des oberen vorderen Querlenkers, leicht negativer Sturz, starker Querstabilisator an der Vorderachse, Drehmomentstreben an der Hinterachse, Koni-Stossdämpfer) , usw..
Alle diese Änderungen waren schon beim Strassenmodell vorhanden, beim Sportmodell wurde das Interieur noch konsequenter ausgeräumt, alle Schallisolation weggelassen, der Kühlventilator ausgebaut und der Motor noch giftiger abgestimmt, was 330 statt 306 SAE-PS bedeutete.
Trotz dieser rennmässigen Anpassungen konnten die Tester der Automobil-Revue dank des grosszügig vorhandenen Drehmomentes die Stadt Genf ohne Aufsehen durchfahren. Und sie zeigten sich vom Potential des GT 350 begeistert und schrieben: “Der Shelby Mustang GT 350 gehört jener kleinen Familie von Fahrzeugen mit ausgeprägtem Charakter an, welche auf die Liebhaber höchster Leistung eine starke Anziehungskraft ausüben.
Der Vollständigkeit sei noch angefügt, dass Auto Motor und Sport mit der Strassenversion einen Benzinverbrauch von 15 bis 23 Liter pro 100 km (je nach Fahrweise) notierte. Der Testbericht schloss mit den Worten “wir beneideten die Amerikaner, die so ein Auto für 4’311 Dollar kaufen können” ab.
Die ersten Shelby Mustang wurden alle in weisser Farbe mit blauen Streifen ausgeliefert, später konnte man auch andere Farben bestellen.
Imposante Fahrleistungen
Manfred Jantke von Auto Motor und Sport testete den Strassen-GT-350 im Sommer 1965 und zeigte sich von der Problemlosigkeit und den Fahrleistungen beeindruckt. In 6.6 Sekunden beschleunigte er den Shelby von 0 auf 100 km/h, in einer Zeit wo sich die meisten Fahrzeuge auf der Strasse für diese Disziplin noch 20 oder mehr Sekunden Zeit nahmen. 217 km/h Spitze waren bereits nach 1’200 m erreicht, imposant und problemlos. Selbst eine Langstreckenfahrt von Stuttgart nach Genf erwies sich viel weniger zermürbend als vermutet.
Die Automobil Revue hatte im Juli des gleichen Jahres dann die Gelegenheit die Rennsportversion zu prüfen und titelte “wenn die Hölle losgeht”. Von “sturmartigem Gebrüll” ist die Rede im Bericht, der sich auf eine Fahrt mit dem von der Scuderia Filipinetti gekauften, 1’150 kg leichten GT 350 bezog.
Ob es die enorme Leistungsfähigkeit oder das maskuline Äussere war, was den Playboy 1966 dazu bewog, den GT 350 zum “Playboy Car of the Year” zu erklären?
Der Shelby von Hertz
Ein Spezialmodell GT 350 H liess sich die Vermietung Hertz für 60 Stationen in den Vereinigten Staaten herstellen. Diese Flotte, 1000 Stück wurden bestellt, hatten vier Sitze, waren teilweise mit einer Getriebeautomatik ausgerüstet und alle in Schwarz mit Goldstreifen lackiert.
Noch mehr Leistung von Shelby und Ford
Als ob es noch nicht genug war, legte Shelby 1967 mit dem Einbau des Siebenlitermotors nach, womit der Mustang nun 360 SAE-PS leistete und GT 500 hiess. Aufrollbare Hosenträger-Gurten, Überrollbügel und dicke Reifen waren typische Attribute des nun schnellsten Shelby Mustang. “Man glaubt sich ans Steuer eines Dragsters versetzt”, stand in einem zeitgenössischen Testbericht.
Auch Ford bot 1968 mit dem GT 390 ein richtig starkes Modell an, das, wie der Name implizierte, dank Hochleistungs-Siebenliter-Motor 390 SAE-PS leistete.
Noch weiter ging dann Shelby mit dem GT 500 KR, der es auf 400 PS brachte.
Beliebt im historischen Rennsport
Ein Shelby Mustang ist eine gute Basis für den historischen Rennsport, speziell wenn das Fahrzeug noch in die Klasse bis 1965 passt. Durch die schon werksmässig gegebenen guten Voraussetzungen lässt sich ein sehr konkurrenzfähiges Sportgerät aufbauen. Das Publikum ist genauso begeistert, der dumpfe Achtzylinder-Sound sind Musik für die Ohren von grossvolumigen Motoren.
Hoch gehandelte Raritäten
Heute sind echte Shelby Mustangs - es wurden immerhin rund 11’000 Fahrzeuge mit unterschiedlichen Karosserieformen und Motorisierungen gebaut - Raritäten und werden für 200’000 Dollar und mehr gehandelt. Filme wie Bullitt und Gone in 60 Seconds haben hier sicher auch ihren Beitrag geleistet.
Gleichzeitig wurde auch mancher “normale” Mustang zum Shelby konvertiert und es lohnt sich genauer hinzuschauen, bevor man kauft. Ersatzteile sind im Mustang-Umfeld kaum je ein Problem, dank der grossen Menge an produzierten Autos hat sich hier eine richtige Industrie etabliert, die alles feilbietet, was den Fan erfreut.
Bullitt- und Eleanor-Kult
Steve McQueen wollte eigentlich einen der Film-Mustangs nach den Dreharbeiten kaufen. Doch der eine war bereits verschrottet, der andere wie vom Erdboden verschwunden.
Seither sind viele Replicas/Nachbauten der beiden Kultmobile entstanden, zum Teil bis ins Detail den Filmobjekten nachempfunden. Eine Reihe von Webseiten beschäftigen sich fast ausschliesslich mit diesen Autos und inzwischen gibt es sogar Anbieter, die sich auf Eleanor-Kopien spezialisiert haben.
Eine Schweizer Eleanor
Auch in der Schweiz gibt es einen Eleanor-Nachbau, bei dem keine Mühen und Kosten gescheut wurden, um ihn, aufbauend auf einem 67-er-Mustang Fastback, so authentisch wie möglich herzurichten. Die Hollywood-Firma “CVS”, die damals 12, respektive 13 Eleanor-Fahrzeuge für die Filmaufnahmen gebaut hatte, lieferte die exakten Spezifikationen. Fünf Jahre harte Arbeit, aber das Ergebnis überzeugt und sieht bis fast ins letzte Detail aus wie das Filmauto - sogar die verwendeten Lampen, das Lenkrad mit der korrekten Anzahl Nieten, der Go-Baby-Go-Button, die Bereifung, etc. stimmen mit dem Original exakt überein. Nur bei der Sicherheit wurde nicht gegeizt und einige zusätzliche Extras spendiert, und etwas mehr Leistung als beim Original dürfte auch vorhanden sein. Der Sound ist unbeschreiblich, ein Reinhören lohnt sich (unter Multimedia links).
Weitere Artikel und Informationen:
- AR-Zeitung Nr. 30 / 1965 vom 08.Jul.1965 - Seite 21: Shelby Mustang GT 350
- AR-Zeitung Nr. 4 / 1966 vom 27.Jan.1966 - Seite 4: Shelby GT350 H - für Mieter mit sportlichen Ambitionen
- AR-Zeitung Nr. 24 / 1967 vom 25.Mai.1967 - Seite 19: Shelby Mustang GT 500 Kurztest
- Auto Motor und Sport 20 / 1965, ab Seite 38: Wir fuhren Shelby Mustang GT 350
- Schweizer Eleanor-Nachbau (Website)












