Bild (1/11): Benz Patent-Motorwagen (1886) (© Daniel Reinhard, 2011)
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Geburtsstunde oder der Beginn einer neuen Aera

Daniel Reinhard - 14.12.2011

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Irgendwann nimmt alles seinen Anfang. Wie viel Erfolg oder auch Misserfolg daraus entsteht, oder entstanden ist, kann man selten vorhersagen. Obwohl man heute für alles mehr oder minder geistreiche Businesspläne schmiedet, so ist doch alles „Neue“ immer wieder mit Risiko verbunden.

Drei Erfinder

Genauso wie wir unsere Idee von Zwischengas vor einem Jahr in die Wirklichkeit umsetzten, so arbeiteten vor über 125 Jahren drei Männer am ersten Automobil.

Es waren der in Mecklenburg geborene und in Wien arbeitende Erfinder Siegfried Marcus und die beiden bekannten deutschen Namen Carl Benz und Gottlieb Daimler. Marcus zeigte seinen Motorwagen bereits 1898 in Wien und dann 1900 an der Weltausstellung in Paris.

Die erste dokumentierte öffentliche Fahrt

Ein Automobil erfinden und damit auch wirklich fahren waren damals zwei Paar Schuhe. Ganz klar ausgewiesen ist, dass Carl Benz am 3. Juli 1886 in Mannheim als Erster mit einem benzingetriebenen Wagen in der Oeffentlichkeit gefahren ist. Es war das heute berühmte Benz Dreirad.

Mercedes liess dieses Gefährt in den letzten Jahren anhand Originalplänen nachbauen, so dass es auch heute noch in Bewegung erlebt werden kann.

Gottlieb Daimler bekam erst im August 1886 vom Cannstatter Kutschenwagenbauer Wimpff seine „Karosserie“ geliefert, in die er dann seinen Motor einbauen liess. Diese vierrädrige Kutsche von Gottlieb Daimler fuhr am 4. März 1887 zum ersten Mal nachweislich von Cannstatt nach Esslingen.

Baute Marcus das erste Automobil?

Die Zweifel um das erste Auto sind also nicht mit diesen beiden Männern begründet, sondern mit dem Dritten, dem Erfinder Siegfried Marcus. Es gibt Vermutungen, dass der Mechaniker Siegfried Marcus im Jahre 1875 den ersten Benzin-Motorwagen hergestellt hatte und mit ihm auch gefahren ist.

Das würde bedeuten, dass er mit seiner Erfindung die Herren Benz und Daimler um 10 Jahre geschlagen hätte. Aber wieso wird er nicht als der grosse Erfinder des Automobils gefeiert. Er erfüllt ja fast alle Kriterien. Gebaut und gefahren, aber leider blieb es bei einem Einzel-Modell. Benz und Daimler produzierten ihre Autos von Anfang an in kleinen Serien. Somit kämpften von Anfang an die beiden um die Ehre der Ersterfindung, während der Marcus sofort wieder in Vergessenheit geriet.

Interessant auch, dass selbst Oesterreich als Land nie um diese Ehre kämpfte, obwohl das Auto anlässlich der Weltausstellung in Paris 1900 neben dem Lohner Porsche präsentiert wurde mit der Aufschrift: „Benzin Automobil System S. Markus in Wien 1875“.

Seit Paris glaubte man, dass der Wagen tatsächlich 1875 bereits gefahren sein soll. Eigentlich hätte man es ja nach nur 25 Jahren viel besser wissen sollen als es heutige Recherchen jemals erlauben. Dagegen spricht aber, dass auf dem Schild nicht mal der Name des Erfinders richtig geschrieben wurde (Marcus mit K statt C).

Dagegen sprechen auch die Aussagen in der „Allgemeinen Automobilzeitung“ von Wien, vom Patentanwalt, als das Auto 1904 noch einmal in Wien ausgestellt wurde. Auch hier gab es keine zeitliche Angaben oder Datierungen zum Marcus-Wagen. Im Bericht des 1921 verstorbenen Patentanwaltes hätten doch wesentlich mehr Details zu Tage kommen sollen. 

Siegfried Markcus, der unbekannte Erfinder

Wer war dieser Siegfried Marcus? Bereits um 1870 arbeitete Siegfried Marcus (1831-1898) an Benzinmotoren und Automobilen.
Er war ein aussergewöhnlich vielseitiger Techniker und Inhaber zahlreicher Patente für Lampen, Pumpen, Zündvorrichtungen, Motorkomponeneten, Zeichengeräte und vieles mehr. Grosser finanzieller Erfolg blieb ihm aber verwehrt.

Da Marcus nicht über den Platz und die Einrichtung verfügte seine „Autos“ selber zu bauen, so wurde der zweite Marcus Wagen bei Märky, Bromovsky & Schulz nach dessen Zeichnungen gebaut. Es könnte der Welt ältestes erhaltenes fahrbereites Benzin-Automobil sein. Besonders fortschrittlich war die magnetelektrische Zündung des Viertaktmotors. Einen Schwachpunkt der Konstruktion bildet der Riemenantrieb.

Lange Zeit wurde behauptet, dass der im technischen Museum ausgestellte  Wagen nicht fahrbar sei. Aber im Jahre 1950  gelang es erstmals, die Fahrtüchtigkeit des Marcus-Wagens zu demonstrieren.

Erst 1928, 30 Jahre nach seinem Tod, begann in Oesterreich eine gewisse Marcus-Renaissance. Hofrat Dr. Erich Kurzel-Runtscheiner veröffentlichte in der Zeitschrift des österreichischen Ingenieurs- und Architektenvereins einen ausführlichen Bericht über Siegfried Marcus.

1929 veröffentlichte das technische Museum eine ausführlichere Biografie mit Bildern über den Erfinder. Diese wurde 1956 neu auferlegt mit einem Vorwort des damaligen ÖAMTC Präsidenten welches besagt, dass „Marcus der erste war, der im Benzin-Luftgemisch den Motortreibstoff der kommenden Jahrzehnte erkannte und ihn so zu bändigen verstand, dass er für den Antrieb von Automobilen praktisch verwendbar wurde. "Er konstruierte und führte als erster ein Kraftfahrzeug, das von einem Benzinmotor angetrieben wurde“.

Der angeblich 1875 von Marcus gebaute Wagen mit dem Vier-Takt Motor tauchte erst 1898 bei einer Ausstellung in Wien auf. Leider gibt es keine Dokumente von 1875-1898  über eine Fahrt mit dem Fahrzeug, was natürlich schon nachdenklich stimmt.

Aber wiederum gibt es dann ein Prüfstandsprotokoll mit einem Diagramm vom Marcus-Benzin-Viertakt-Motor aus der Maschinenfabrik Adamstal, wo Marcus seine Motoren prüfen liess, vom 7. Mai 1887. Der Motor trug die Nummer 3 hatte aber nur eine Höchstdrehzal von 160 U/min, im Gegensatz zu den Motoren von Benz und Daimler die bereits Drehzahlen um die 400-600 Touren aufwiesen.

So bleibt Marcus ein toller Erfinder, der wahrscheinlich zu seiner Zeit nahe daran war, den Motorwagen zu erfinden, aber dann von Benz und Daimler knapp ausgebremst wurde. Trotzdem gebührt ihm Ehre und späte Anerkennung.

Bei „Zwischengas“ ist damit alles genau dokumentiert und einem weiteren Vergessen ein Riegel geschoben.



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