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... einigen Jahren fand ich ein Exemplar dieses wenig gelungenen Buches bei einem Trödler auf dem Blumenmarkt in Nizza. Das zweifarbige Cover in typisch schriller Bracq- Manier zeigt verwirklichte wie unverwirklichte Entwürfe, darunter eine dem Mercedes-Benz 600 ähnelnde Kreation. Als wäre es in Philippe Charbonneaux’ Partykeller zu einer Explosion gekommen, zeigt das Buch, dass exquisiter Geschmack in einer Designdisziplin sich nicht notwendigerweise in einer anderen widerspiegeln muss. Auch wenn das Interieur des längst vergessenen Peugeot 604 ein gelungenes Abbild der französischen Vorstellung von Luxus war, kann niemand Paul Bracq vorwerfen, dass es dem des W 113 SL nicht gleichkommt. Jemand sagte einmal zu dem amerikanischen Romanautor Joseph Heller: »Sie haben nie wieder so etwas Gutes wie ‚Catch-22‘ geschrieben.« Heller antwortete: »Stimmt, jemand anderes aber auch nicht.« Dieser Antwort hätte sich Paul Bracq damals auch bedienen können. Die Deutschen tun sich etwas schwer mit Luxus. Henri Racamier, einer der Gründer der weltumspannenden Luxusmarke LVMH, statuierte einst, dass französischer Luxus weiblich sei – Champagner, Mode, Schmuck –, während britischer Luxus männlich sei: Whisky, Gewehre, Tweed. Über die Deutschen sagte Racamier nichts. In Deutschland beruht das Konzept von Qualität mehr auf den Strukturprinzipien, die sowohl die Architektur ...