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... ihre Hand. Sie fasste nach seiner Hand und drückte sie leise, während sie mit dem Kopf nickte und verstohlen über die Augen wischte. «Lieber Gott,» betete sie leise, «lass mich nur den einen Tag noch erleben.» Tiefes Mitleid regte sich in Georg. Er erinntrte sich, dass die Mutter früher zwar gläubig, aber nie eigentlich fromm gewesen, und den Namen Gottes hatte er selten von ihr gehört. Mit wehem Herzen erkannte er, wie die einsame, hilflose Alte in langen Jahren der Verlassenheit als einzigen Trost ihren Gott gefunden hatte. «Und es ist gut so,» sagte das Weltkind im stillen. Ein religiöses Verstehen, das ihm bisher fremd gewesen, wuchs zart aus seiner Liebe zur Mutter auf. «Du wirst ihn erleben, den Tag, Mütterchen, trau' nur deinem alten Qott.» Er sah, wie ein feines Rosa die welken Wangen färbte. Schüchtern sah sie zu ihm auf. «Richard,» sagte sie mit weicher Stimme und stockte sogleich. «Eins musst du mir versprechen. Du musst nicht mehr schlecht von Georg sprechen.» «Tue ich ja gar nicht, Mutter. Ich freue mich, dass er wieder kommt. Die alten Geschichten sind längst begraben und versessen.» «Lieber Sohn;» mit rührendem Lächeln schlang sie einen Arm um ihn. «Du hast ihn doch immer lieber gehabt als mich, Mamachen,» sagte er ablenkend. «Georg war immer ein bisschen anders zu mir als du. Aber es ist merkwürdig, heute bist du beinahe ebenso wie ...