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... er schreckte. Der leibhaftige Vik toria am Eingangstor un terbricht den Betriebs rhythmus. Aus Spinne rei und Weberei strömen die Arbeiter, drängeln um die vorderen Plätze in der Menschentraube. Vor 97 Jahren wird es kaum anders ge wesen sein, als der 22jährige Firmen herr mit einem Studienfreund zu der 939 Kilometer langen Strecke aufbrach. Hände aus der Menge streichen über die lederbespannten Kotflügel, prüfen fachkundig die tadellosen Nähte, reichen eine Flasche Pilsener Urquell und ein Fünf-Kronen-Stück als Weg zehrung. Die Entdeckung der Langsamkeit beginnt mit der Anlaßprozedur. Zwei schwarz lackierte Holztüren wie an Omas Kommode werden aufgeklappt, geben den Blick frei auf die Mechanik des Motors, die so übersichtlich wie ein Modell aus dem Physikunterricht über die Hinterachse verteilt ist. Das zentrale Schwungrad, kaum kleiner als die Holzspeichenräder, läßt keinen Zweifel daran, wieviel Mensch diese Technik braucht. Die startoptima le Kolbenposition kurz nach dem obe ren Totpunkt ist bei einem Zylinderin halt von 1730 Kubikzentimetern nicht zu verfehlen. Dann ein kurzer, heftiger Zug am Rad und - Viktoria! - der längs liegende Koloß löst mit seiner Initial zündung die Zuschauerspannung. „So ein Leichtsinn, ohne Rösser zu fahren“, erinnert sich Baron Liebieg in seinen Tagebuchaufzeichnungen an die Reaktionen der Reichenberger auf ...