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... Innovation. So kam es, dass er seine spärliche Badebekleidung unter jenem schlagzeilenträchtigen Label auf die Modewelt losließ. In Cannes war dem Mann einen Monat zuvor noch sein Konkurrent Jacques Heim um eine Nasenlänge voraus gewesen. Dessen Zweiteiler »L’Atome« galt da als »knappster Badeanzug der Welt«. Réard wusste instinktiv, dass noch mehr geht und entschied sich auch noch das letzte Tabu jener Ära zu brechen: sein »Bikini« offenbarte, anders als »L’Atome«, auch noch den Bauchnabel der Trägerin. Réards vier dürftige Stoff-Dreiecke waren so skandalös sexy, dass der frischgebackene Designer zunächst kein professionelles Model fand, das bereit war, dies vorzuführen. Also engagierte er die Striptease-Tänzerin Micheline Bernardini aus dem Casino de Paris. Sein avantgardistisch Wenigeristmehr sollte mit einem aufgedruckten Zeitungsimitat als Muster an die dreieckig gefalteten Kopfbedeckungen erinnern, die sich Arbeiter als Sonnenschutz bastelten. Réards Dreiecke schlugen ein wie eine Bombe. Der Spiegel im Sommer 1947: »Badeanzug ist ein viel zu gewichtiges Wort für die winzigen Stoffdreiecke, die 90 Prozent des Körpers freilassen. Sie wurden ‚Bikini‘ getauft. Weil wirklich, wie nach einer Atombombe, nicht viel übrig geblieben ist.« Sowohl was die Konventionen der Mode betraf als auch die Moral war der Bikini ein ...