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Bild (1/1): Moderner Ford Mustang in erinnerung an das Auto aus "Bullitt" auf der North American International Auto Show (© Ford Media, 2018)
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Ein Thriller auch im wirklichen Leben - wiederentdeckter Ford Mustang aus „Bullitt“ steht mit seinem Nachfolger in Detroit im Rampenlicht

19. Januar 2018
Text:
Ford
Fotos:
Ford Media 
(5)
 
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Der originale Ford Mustang GT Fastback, der 1968 neben Steve McQueen die Hauptrolle im Filmklassiker „Bullitt“ spielte, zählt ab sofort offiziell zum automobilen Kulturgut der Vereinigten Staaten von Amerika. Die Historic Vehicle Association (HVA) nahm den „Bullitt“-Mustang in das sogenannte National Historic Vehicle Register auf. Die Ikone von Ford ist erst das 21. Fahrzeug, das einen Platz in dieser Liste von besonders geschichtsträchtigen Automobilen erhält. Das National Historic Vehicle Register ist eine Kooperation zwischen der HVA, dem US-Innenministerium, dem National Historic Engineering Record sowie dem Archiv der USKongress-Bibliothek.

Der originale Mustang, der als sogenanntes „Hero Car“ mit Steve McQueen am Steuer im Hollywood-Klassiker „Bullitt“ zu sehen war, galt lange Zeit als verschollen. Pünktlich zum 50. Jubiläum des damaligen Blockbusters fährt das historische Exemplar an der Seite des neuen Ford Mustang Bullitt™ auf der North American International Auto Show (NAIAS) in Detroit erstmals wieder ins Rampenlicht.

Ford Mustang aus "Bullitt" feiert das 50. Jubiläum zusammen mit seinem modernen Nachkommen
© Copyright / Fotograf: Ford Media

Reale Action: „Bullitt“ und der Ford Mustang verändern Hollywood

„Bullitt“ war 1968 der erste Film, den Steve McQueens eigene Produktionsfirma Solar Productions für die Film- und Fernsehgesellschaft Warner Bros. realisierte. McQueen hegte eine grosse Leidenschaft für Motorräder und für leistungsstarke Autos. Der Schauspieler hatte es sich zum Ziel gesetzt, die Zuschauer mit möglichst realen Actionszenen zu begeistern. In „Bullitt“ gelang ihm das auf besonders eindrucksvolle Weise: Gemeinsam mit Regisseur Peter Yates schuf er einen packenden Polizei-Thriller, der mit seinen spektakulären Verfolgungsjagden durch die Strassen von San Francisco in die Filmgeschichte einging. Das Besondere: Die Actionszenen in „Bullitt“ waren tatsächlich zu 100 Prozent real. Die packende Verbrecherjagd in atemberaubendem Tempo wurde ebenso auf echten Strassen gedreht wie diverse Stunts und CrashSzenen.

Die umfangreiche Historie des „Bullitt“-Mustang wurde im Zuge der Aufnahme in die Historic Vehicle Association exakt recherchiert und dokumentiert.

Eine fast unglaubliche Wiederauferstehung: Sean Kiernan‘s „Bullitt“ Mustang-Story

„Das Original-Filmauto aus ,Bullitt‘ mit der Seriennummer 559 befand sich mehr als 44 Jahre im Besitz meiner Familie“, verrät der heutige Eigentümer Sean Kiernan. „Es gab ja zwei ,Bullitt‘-Mustangs: Das Auto mit der Seriennummer 558 war das sogenannte ,Jump Car‘, das bei den Verfolgungsjagden und vor allem bei der berühmten Sprungszene eingesetzt und bei den Dreharbeiten schwer beschädigt wurde. Es tauchte kürzlich in Mexiko wieder auf. Unsere Seriennummer 559 war das ,Hero Car‘ – jenes Fahrzeug, das Steve McQueen in vielen Szenen selbst steuerte.“

Moderner Ford Mustang in erinnerung an das Auto aus "Bullitt" auf der North American International Auto Show
© Copyright / Fotograf: Ford Media

Eine Kleinanzeige in „Road & Track“

„Das ,Hero Car‘ befindet sich heute ziemlich genau in dem Zustand, in dem es meine Eltern 1974 erworben haben“, so Sean Kiernan. „Sie entdeckten den Mustang in einer Kleinanzeige in der Oktober-Ausgabe der Zeitschrift „Road & Track“. Darin hiess es: ‚1968 Bullitt-Mustang, im Film gefahren von McQueen. Mit Nachweis. Gegen Gebot‘. Der Verkäufer war ein Privatdetektiv aus New Jersey. Er erzählte, dass mein Vater Robert Kiernan der einzige Interessent blieb. Wir wissen nicht genau, was mein Dad damals bezahlt hat, aber der Preis lag wohl zwischen drei- und sechstausend Dollar, damals eine Menge Geld für einen gebrauchten 68er Mustang Fastback und nach meinen Recherchen gut das Vierfache des damals üblichen Marktpreises“, so Sean Kiernan.

Interessanterweise diente der „Bullitt“-Mustang mit der Seriennummer 559 nicht etwa als Zweitwagen – er war das einzige Auto der Kiernans. „Mein Dad pendelte täglich mit der Bahn bis zum World Trade Center, wo er für eine Versicherung arbeitete. Mom fuhr im ,Bullitt‘-Mustang zur St. Vincent-Gemeinde, in der sie Grundschulkinder unterrichtete. Sie bauten das Auto nie um, deshalb besitzt es immer noch die geraden Auspuffrohre, die den Gehweg erbeben lassen. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, was sich die Kids gedacht haben, wenn meine Mutter anrollte. Mom muss sehr cool gewirkt haben“, sinniert der heutige Besitzer.

Am Wochenende verwandelte sich das „Hero Car“ aus der Traumfabrik in ein (fast) normales Familienauto. Die Kiernans unternahmen viele Ausflüge, häufig nach Maine und in das nördliche Umland von New York – und zwar mit vermutlich ohrenbetäubender Geräuschkulisse. Denn das gesamte Dämm-Material war für die „Bullitt“-Dreharbeiten entfernt worden, im Kofferraumboden klaffte ein grosses Loch als Auslass für die Nebelmaschine. „Keine Ahnung, wie unser Gepäck ausgesehen hätte, wenn es bei unseren Ausflügen geregnet hätte“, sagt Sean Kiernan. „Erst kürzlich entdeckten wir, dass es Sicherheitsgurte für die Rückbank gibt – nur waren die mit Gaffer-Tape versteckt worden. Meine Schwester Kelly fuhr offenbar nie angeschnallt. Dad baute irgendwann Lautsprecher ein, die heute noch funktionieren. Dann hiess es: keine Klimaanlage, Fenster runter, Radio an. Die ,Bullitt‘-Trips meiner Familie in den 70ern müssen eine Schau gewesen sein.“

Ford Mustang aus "Bullitt" feiert das 50. Jubiläum zusammen mit seinem modernen Nachkommen
© Copyright / Fotograf: Ford Media

1977: Steve McQueen will „sein“ Auto zurück

Die nächste Wendung nahm die Geschichte 1977, so Kiernan: „Steve McQueen höchstpersönlich rief meinen Dad an. Er hatte den Vorbesitzer ausfindig gemacht und von ihm unsere Nummer bekommen. Steve wollte das Auto kaufen. Er war ein Typ, der das Wort ‚Nein‘ nicht oft hörte – doch genau das antwortete mein Vater. ‚Nein danke, wir möchten den Mustang nicht verkaufen‘. McQueen schrieb uns daraufhin einen Brief, in dem er sein Interesse nochmals verdeutlichte. Ganz offen sagte er, er wolle das Auto zurückhaben und bot einen Deal an, der allerdings nicht ‚too much monies‘ kosten dürfe. Dad hat den Brief nie beantwortet, denn für ihn gehörte der ,Bullitt‘-Mustang zur Familie.“

Sean Kiernan kam 1981 auf die Welt, und etwa zu dieser Zeit wurde das Film- und Familienauto stillgelegt. Der Fastback hatte rund 46’000 Meilen – rund 74’000 Kilometer – auf dem Tacho. Seans Mutter entschied sich für einen deutlich alltagstauglicheren Plymouth Horizon – mit Sicherheitsgurten…

Nach Steve McQueens Tod im Jahr 1980 nahm die Suche nach dem „Bullitt“-Mustang richtig Fahrt auf. „Dad wollte das Auto nicht zum Verkauf anbieten, nahm sich aber auch nicht die Musse, daran zu arbeiten. So wurde es mit der Zeit so etwas wie ein Familiengeheimnis“, erklärt Sean Kiernan. In den späten 1990er-Jahren sprachen Dad und ich erstmals über eine Restaurierung des Mustang. Als Ford 2001 den ersten ,Bullitt‘-Mustang präsentierte, wurden die Gedanken konkreter, denn das Jubiläumsmodell befeuerte natürlich wieder die Gerüchte um das Original-Filmfahrzeug.“

Sean Kiernan beginnt mit der Restaurierung

Robert Kiernan begann, sein Kleinod zu zerlegen, bis der Mustang in Einzelteilen die gesamte Doppelgarage füllte. Dummerweise stand „nebenbei“ weiterhin die Bewirtschaftung der Farm an. Doch gerade als Vater und Sohn das Projekt richtig angehen wollten, schlug das Schicksal zu: Robert erkrankte an Parkinson. „Wir redeten zwar viel über Autos, aber praktisch ging nichts weiter“, bedauert Sean. 2014 verstarb sein Vater. „In den vergangenen zwei Jahren habe ich allein daran gearbeitet, den ‚Bullitt‘-Mustang wieder in seinen früheren Zustand zu versetzen. Der Motor wurde neu aufgebaut, die alten Teppiche ersetzt, und ein neues Lenkrad eingebaut, das genau der Filmversion entspricht. Ansonsten habe ich die Gebrauchsspuren unserer Familie und die Patina der jahrelangen Standzeit erhalten.“

Auch auf eine neue Lackierung verzichtete Sean Kiernan. Viele Mustang- und „Bullitt“-Fans wünschen sich, die Nummer 559 würde im Hochglanz-Finish auftreten. „Doch der Lack glänzte nie“, unterstreicht Sean. „Für den Film entfernten die Requisiteure alle Logos und Schriftzüge, den Lack bearbeiteten sie mit Scheuerschwämmen, damit er möglichst matt wirkt. Nach Ende der Dreharbeiten erhielt die Karosserie eine dicke Schicht Füller, um die Schäden zu verdecken, und eine einzige Lackschicht im typischen ‚Highland Green‘.“

Die gesamte Ausstattung – Sitze, Verkleidungen, der „gelochte“ Kofferraum und sogar die Kamerahalterungen – blieb bei der behutsamen Restaurierung unverändert und entspricht genau dem Zustand während der Dreharbeiten. Mit winzigen Ausnahmen, wie Sean Kiernan weiss: „Die Jungs, die das ‚Hero Car‘ für den Verkauf vorbereiteten, setzten die Antenne wieder auf dem rechten Vorderkotflügel ein und tauschten den runden Aussenspiegel gegen das viereckige Serienteil aus. Den Hurst-Schalthebel hat der Vorbesitzer eingebaut und wir haben es dabei belassen.“

Moderner Ford Mustang in erinnerung an das Auto aus "Bullitt" auf der North American International Auto Show
© Copyright / Fotograf: Ford Media

„Es ist keine Profi-Restaurierung, ich habe alle Arbeiten selbst vorgenommen“

Der vordere Stossfänger und die Frontschürze sind Neuteile – die Originale hatte Seans Grossvater in den 1970ern beim Zurücksetzen in der Kiernan’schen Auffahrt demoliert. Sie erhielten keine künstliche Patina und sind eindeutig als Ersatzteile zu identifizieren. „Das Auto ist ehrlich, und so wollte ich es auch haben“, sagt Sean Kiernan und betont: „Es ist keine Profi-Restaurierung, ich habe alle Arbeiten selbst vorgenommen. Als Hommage an meinen Vater und an unser langjähriges Familiengeheimnis.“

In den vergangenen 18 Monaten begutachteten zahlreiche Experten das Fahrzeug. Kevin Marti bestätigte als Erster, dass es sich tatsächlich um das „Hero Car“ mit der Seriennummer 559 aus „Bullitt“ handelt. Daraufhin nahm Sean Kiernan Kontakt zur Historic Vehicle Association in Washington, D.C., auf. Die Klassikerspezialisten kümmerten sich um Authentifizierung, Dokumentation und Konservierung des Fahrzeugs und der zugehörigen Sammlerstücke. Akribisch fotografierten und scannten sie den Fund und dokumentierten ihn für das National Historic Vehicle Register, unterstützt von Mitarbeitern des beim US-Innenministerium geführten Verzeichnisses für amerikanisches Technik-Erbe (Historic American Engineering Record). Alle Dokumente werden in der berühmten US-Kongress-Bibliothek archiviert – der ‚Bullitt‘-Mustang ist erst das 21. Fahrzeug, dem diese Ehre zuteil wird. Die Historic Vehicle Association (HVA) liess zudem eine TV-Dokumentation über die einzigartige Geschichte des Filmautos drehen, die noch 2018 ausgestrahlt werden soll.

Sean Kiernan ist glücklich damit, wie die Dinge gelaufen sind: „Wir haben Ford frühzeitig über das Projekt informiert, so wie es mein Vater gewünscht hat. Zusammen mit der Historic Vehicle Association entschieden wir uns, das ‚Hero Car‘ zum 50. Jahrestag seiner Produktion und des ‚Bullitt‘-Films wieder ins Rampenlicht zu fahren.“

Weitere Informationen gibt es auf der Website.

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